Die Unity-Philosophie

Es gibt 108 Antworten in diesem Thema, welches 31.287 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (19. August 2026 um 20:09) ist von Dian.

  • Ich bin vor einigen Jahren diesen Artikel gestoßen, der einen Überblick darüber gibt, wie politische Ansichten mit Wohlstand zusammenhängen und wie sich Positionen zu einzelnen Punkten ins Gegenteil umkehren können:
    https://quillette.com/2022/08/09/lib…e-when-we-must/
    Ich finde das ganz nützlich, um einige Änderungen in dem Buch einzuordnen.


    Am Ende bleibt das neue Buch in allen konkreten Vorschlägen genauso vage, wie das alte.


    Der Text ist ein ganz klassisches Beispiel dafür, dass man eben materialistische (linke) Ideologie-Kritik benötigt, um gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Hier wird alles runtergedampft auf politische Mentalitäten - 'konservativ' und 'liberal'. Und wenn man eben keinerlei Begriff von Machtverhältnissen und Klassenunterschieden hat, kommt so eine oberflächliche Apologie bürgerlicher Herrschaft heraus. Im Grunde bewegt sich der Text an der gewohnten US-amerikanischen Oberfläche, der systemischen Dichotomie zwischen 'liberals' und 'conservatives'.


    Aber zu Dians Weltbild passt der Text wohl ganz gut - denn auch hier geht es wieder nur um Einstellungen, Wahrnehmung, nicht um praktische politische und soziale Kämpfe zur Verbesserung der Lebensbedingungen und der Möglichkeit der individuellen Entfaltung und Teilhabe.

    Why do we fall?

  • Ich sehe den Artikel auch nicht unkritisch. Hinweisen wollte ich darauf, dass Krisen in Menschen reaktionäre Impulse auslösen können und dass Positionen zu bestimmten Themen nicht fest mit bestimmten politischen Lagern verknüpft sind, sondern je nach Umständen unterschiedlich ausgelegt werden können. Das heißt ja nicht, dass das auch der korrekte Umgang mit der Situation ist.


    Achso, ich wollte noch was zu der Geschichte "Die Krise" sagen. Das kannte ich noch nicht. Dort wird Fortschritt durch ein übernatürliches Element herbeigeführt. Ich finde es ja ungemein kathartisch, wenn empathielosen Arschlöchern die Konsequenzen ihres Handelns offenbart werden. Als praktischer Lösungsansatz ist das natürlich weniger geeignet, da es unwahrscheinlich ist, dass plötzlich eine Zauberwurzel auftaucht, und auch als Anregung zur Selbstreflexion muss man bedenken, dass Menschen sich ihr eigenes Handeln schönreden und der geneigte Leser sich selbst wohl auf der sicheren Seite wähnen wird. Es gibt schließlich immer jemanden, der noch verdorbener ist, als man selber. Es ist kaum möglich, in dieser Welt nicht böse zu sein.


    Ich habe mal einen Comic gezeichnet, der ist thematisch verwandt:

    Spoiler anzeigen

    leidspiegelfluch.jpg

  • Wenn man die Utopie einer abgeschotteten Festung vertritt, ist man nicht Anarchist, sondern mindestens Konservativer.

    Wäre eine anarchistische Gemeinschaft (sagen wir, irgendwo in Sachsen), die von lauter Nazi-Dörfern umgeben ist, und die, nachdem es zu rassistischen Übergriffen kam, keine Nazis mehr bei sich rumlungern lässt, also konservativ?

    Sind linke Projekte konservativ, wenn sie sehr feinfühlige Antennen dafür haben, ob jemand bei ihnen aus Überzeugung mitmacht, oder um sie zu unterwandern?

    Ist es nicht sogar Merkmal einiger linker Gruppen, dass sie Menschen schon dann ausgrenzen, wenn diese ihrer Meinung nach zu sexistisch sind und nicht korrekt gendern? Oder ist das dann deiner Meinung nach keine Ausgrenzung oder ein sich abschotten, sondern ein Absichern der eigenen Werte, um sicherzustellen, dass nicht irgendwelche Assis bei ihnen mitmachen, die Frauen angrabschen oder Minderheiten diskriminieren?

    Also dürfen die Linken das, aber wenn eine gesamte Gesellschaft versucht, solche Assis fernzuhalten, oder auch nur darüber diskutiert, ist es konservativ oder rechts?

    Aber zu Dians Weltbild passt der Text wohl ganz gut - denn auch hier geht es wieder nur um Einstellungen, Wahrnehmung, nicht um praktische politische und soziale Kämpfe zur Verbesserung der Lebensbedingungen und der Möglichkeit der individuellen Entfaltung und Teilhabe

    Nun, wir leben in Zeiten, in denen die Unterschicht offenbar das Interesse an sozialen Kämpfen zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen ziemlich verloren hat, oder sogar eher die AfD statt die Linken wählt, obwohl man wahrlich überall nachlesen kann, dass vor allem die Bonzen von der Politik der AfD profitieren würden.

    Selbst wenn regelmäßig einige Idealisten auf die Straße gehen, erreichen sie viele ihrer Mitmenschen überhaupt nicht. Und andere vergeuden ihre Energie nur damit, irgendwelche politisch Andersdenkenden zu beleidigen oder anzufeinden. Angesichts solcher Zustände erscheint es mir schon sinnvoll, nicht alles auf Klassenkampf und Verteilungskämpfe herunterzubrechen, sondern uns mehr Gedanken über Mentalität und Prägung der Menschen zu machen, wie sie aufwachsen, was sie im Internet sehen, welche Vorbilder sie sich nehmen und warum, etc. Und viele Linken haben gefühlt nicht mehr zu all dem zu sagen, als "Diskriminierung von Minderheiten ist scheiße" und vielleicht noch "Kapitalismus ist scheiße." (einige sagen ja nicht mal mehr das, weil sie nur noch über Diskriminierung nachdenken)

    Jedenfalls denke ich, wenn wir der Komplexität dieser Welt und ihrer Probleme gerecht werden wollen, sollten wir uns nicht damit begnügen, eine eigene Position zu beziehen und diese zu verteidigen. Wir sollten besser auch Wahrnehmungen anderer ernster nehmen und nicht aufhören, zu hinterfragen und Dinge neu zu denken oder aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Und das ist eben das, was ich hier gerne versuchen möchte. Das muss kein Widerspruch sein zu "praktischen politischen Kämpfen zur Verbesserung der Lebensbedingungen." Aber vielleicht eine wichtige Ergänzung, die mir aktuell im gesellschaftlichen Diskurs etwas zu kurz kommt.

  • Ich habe mal einen Comic gezeichnet, der ist thematisch verwandt:

    Wie immer sehr gelungen und unterhaltsam! Die ganzen Comics (weiß ja nicht, wie viele du hast) müsstest du vielleicht auch mal irgendwie gebündelt veröffentlichen oder so...

    Jedenfalls erinnert mich das tatsächlich sehr an das, was dem Kanzler in meiner Geschichte widerfährt. Und natürlich hätte ich ihn gern noch viel mehr leiden lassen, so in der Art, wie du das mit dem Diktator gemacht hast. Ich wollte es nur nicht unnötig in die Länge ziehen. Man darf es sich als Leser aber gerne so vorstellen, dass das Ganze in der Wahrnehmung des Kanzlers ein bisschen länger ging.


  • In diesem Zusammenhang übrigens nochmal zur Klarstellung: Ich gehöre nicht zu denen, die die Lebensweise unserer primitiven bzw. wilden Vorfahren glorifizieren oder unkritisch sehen. Sondern ich vertrete hier die These, dass der Mensch schon immer ein Herdentier war, das von den Gruppendynamiken in seiner Sippe geprägt worden ist, und dass ihn dieses Herdendenken bis heute nicht so richtig losgelassen hat.

    Mit den "einst freien Menschen" bezog ich mich auf die Abwesenheit einer alles reglementierenden Ordnung, und dass man theoretisch damals überall seine Hütte bauen oder jagen konnte, wo und wie man wollte. Man hat es in der Regel aber vermutlich trotzdem oft nicht getan, sondern blieb bei seiner Herde, sei es aus materieller Notwendigkeit oder schlicht aus Gewohnheit. So gesehen war der Mensch in dem Sinne frei, wie auch jedes im Wald lebende Tier frei ist, und doch sind natürlich auch die Tiere Zwängen und Notwendigkeiten unterworfen.


  • Zu Punkt 1: Wieso weichst du ständig dem entscheidenden Punkt aus? Wenn du der Auffassung bist, dass sich eine Gesellschaft, sprich ein Nationalstaat (!) abschotten soll, bist du kein Anarchist. Du kannst dein ganzes hochtrabendes Geschwafel sein lassen.

    Ich erkläre dir gerne nochmals den Unterschied zu linken Projekten oder anarchistischen Squats: Mit Sicherheit werden dort keine Menschen aussortiert, die 'kulturell nicht dazupassen' - exakt das ist das Narrativ bzw. die Wahrnehmung von Rechten bzw dir. Mein Anspruch ist relativ einfach: Behandle Menschen als Individuen, nicht als Repräsentanten irgendwelcher Kollektive. Nimm Individuen auf, nicht 'Glaubensgemeinschaften'. Adressiere Individuen, nicht Religionen. Und ziehe Menschen individuell für individuelle Verfehlungen zur Rechenschaft. Damit unterscheide ich mich eben grundsätzlich sowohl von Rechten und Konservativen als auch von bestimmten Liberalen oder Grünen.

    Und ich gehe im Übrigen auch nicht auf die Barrikaden, wenn einem Abdullah A. aus Berlin die Staatsbürgerschaft wieder aberkannt wird, weil er Hamas-Bilder gepostet hat - aber mit Sicherheit werde ich nicht von vornherein sagen: 'Der Araber gehört hier nicht her'.


    Zu Punkt 2: Ich hab's nun schon mehrfach versucht zu erklären: Du kannst Themen wie Mentalitäten und Einstellungen nicht von sozialen Kämpfen entkoppeln. Was Schuschinus wohl mit dem eher wenig geeigneten Text zum Ausdruck bringen wollte und dem ich zustimme, ist, dass Einstellungen bzw ideologische Positionen natürlich in Krisensituationen einem massiven Wandel unterworfen sind. Es macht keinen Sinn, eine bestimmte Einstellung zu kritisieren, ohne ihre materielle Grundlage in die Kritik zu nehmen. Ich kann nicht reelle Abstiegsängste durch 'Aufklärung' kontern, ich brauche Perspektiven zur Verbesserung der Lebenssituation jenseits einer Suche nach Sündenböcken. Dass man 'verschiedene Standpunkte abbilden soll' ist ein Allgemeinplatz. Wenn sich Menschen über die Ursachen für ihre Problem täuschen, kann man sie vielleicht überzeugen. Wenn sie eine radikal andere Gesellschaft wollen, bleibt eben irgendwann nur noch die Abgrenzung bzw offene Konfrontation, wenn eine Kompromissfindung nicht mehr möglich ist.

    Es ist im Übrigen ironisch: Du bemängelst ständig fehlende Bildung, Aufklärung oder Reflexion, aber von dir ist eben wenig anderes zu hören als Halbwissen und Polemik, weil deine Bildungskanäle anscheinend ziemlich begrenzt sind. Wieso bist du dir denn so sicher, zu wissen, was 'die Linken', 'die Unterschicht' oder 'die Gesellschaft' so denkt?

    Du nimmst für dich in Anspruch, Menschen und deren Einstellungen 'besser verstehen' zu wollen, aber verlierst dich eben nur in platten Allgemeinplätzen, Verallgemeinerungen und Vereinfachungen.

    Why do we fall?

  • Ich erkläre dir gerne nochmals den Unterschied zu linken Projekten oder anarchistischen Squats: Mit Sicherheit werden dort keine Menschen aussortiert, die 'kulturell nicht dazupassen'

    Interessant. Willst du mir gerade erzählen, dass Leute, die schon einen hysterischen Anfall bekommen, wenn es ein Weißer wagt, Dreadlocks zu tragen, wenn jemand zu einem amerikanischen Ureinwohner "Indianer" sagt, oder wenn ein Mann einer Frau hinterherpfeift, niemanden aufgrund seiner kulturellen Prägung aus ihrer Gruppe rauswerfen würden? :lol_gif:

    Mein Anspruch ist relativ einfach: Behandle Menschen als Individuen, nicht als Repräsentanten irgendwelcher Kollektive.

    Ich habe nie etwas anderes behauptet, und nirgendwo geschrieben, dass man Menschen aus bestimmten Kulturräumen grundsätzlich nicht in Deutschland aufnehmen sollte! Von daher verstehe ich auch nicht so ganz, was du mir hier immer vorzuwerfen versuchst.

    Ich sage lediglich, dass die Prägung (vor allem während ihrer Kindheit) einen sehr starken Einfluss auf einen jeden Menschen hat, und dass wir daher nicht so naiv sein sollten, zu glauben, dass jemand, der in einer rückständigen Gesellschaft aufgewachsen ist, in der Gewalt und Diskriminierung von Frauen etwas ganz normales sind, mal eben so durch ein bisschen Schulterklopfen und positive Willkommensstimmung seine Prägung ablegen kann... und dass man daher genauer hinschauen sollte, wen man bei sich aufnimmt, weil Integration eben nicht so einfach auf Knopfdruck funktioniert, wie sich das manche Linke eben so vorstellen, so nach dem Motto: Da kommt jemand, der sein Leben lang daran gewöhnt war, Frauen, Juden und Homosexuelle zu verachten, in unser Land, und dann legt er einfach in seinem Kopf einen Schalter um, und ist plötzlich ein die Diversität feiernder Musterdemokrat und gut integriertes Mitglied unserer Gesellschaft. So funktioniert das eben nicht. Aber manche Leute scheinen ernsthaft zu glauben, dass es so einfach wäre. Und denen unterstelle ich eben eine gewisse Naivität.

    Ich kann nicht reelle Abstiegsängste durch 'Aufklärung' kontern, ich brauche Perspektiven zur Verbesserung der Lebenssituation jenseits einer Suche nach Sündenböcken.

    Natürlich braucht es diese Perspektiven. Nur ist das Ganze eben so ein bisschen wie ein Hund, der sich selbst in den Schwanz beißt. Wir müssen die Lebensverhältnisse der Menschen verbessern, damit sie reifer und klüger werden können. Doch so lange sie nicht reifer und klüger sind, wird ihnen gar nicht bewusst sein, dass ihre Lebensverhältnisse, an die sie sich im Lauf der Jahrhunderte gewöhnt haben, und die sie (wie zum Beispiel die allgemeine Schulpflicht und ähnliche "Errungenschaften" der modernen Zivilisation) überhaupt nicht mehr hinterfragen können, noch weit davon entfernt sind, optimal zu sein.

    Es benötigt also gewissermaßen beides... den konkreten Kampf um die Verbesserung der Lebensverhältnisse, aber zusammen mit tiefergehenden, von dir als "utopisch" oder unnütz verspotteten Gedanken darüber, wie man die Menschen klüger und (selbst-)kritischer machen kann. Der soziale Kampf um einen besseren Platz am Futtertrog alleine wird zu nichts anderem führen, als dass sich diejenigen, die bereits einen guten Platz am Futtertrog haben, bedroht fühlen. Und dann kämpfen die einen gegen die anderen, vergeuden ihre ganze Energie für diesen Kampf, und am Ende steht jeder wieder genau da, wo er vor dem Kampf auch schon gewesen ist. Und das ist ja das, was wir seit Jahrzehnten erleben. Es führt zu nichts, wenn wir uns nicht getrauen, weiter zu denken und tiefer zu gehen als nur zu glauben: "Wir machen jetzt ordentlich Klassenkampf, und dann wird alles gut." Denn so einfach ist es eben leider nicht.

    Es ist im Übrigen ironisch: Du bemängelst ständig fehlende Bildung, Aufklärung oder Reflexion, aber von dir ist eben wenig anderes zu hören als Halbwissen und Polemik, weil deine Bildungskanäle anscheinend ziemlich begrenzt sind.

    Och, da wird er schon wieder persönlich. Das ist eigentlich nur ein Beleg dafür, dass dir die Argumente ausgehen, und dass du insgeheim genau weißt, dass ich Recht habe mit dem, was ich schreibe.

    Ich gebe zu, ich hab nichts von Camus gelesen und weiß nicht, was Kafka zu all dem sagen würde. Aber ich gehe mit offenen Augen und ohne ideologische Scheuklappen durch die Welt. Und das ist manchmal mehr wert als alle (Pseudo-)Bildung dieser Welt, weil manche Menschen auch gern mal dazu neigen, wenn sie zu sehr in abgehobenen intellektuellen Sphären schweben, die ganz normalen Basics aus den Augen zu verlieren.


  • Nee, ich werde nicht persönlich, außer wenn ich dich ab und zu mal daran erinnere, dass sich deine eigene kulturelle Prägung des schwäbischen Spießers eben unbewusst in deiner Weltanschauung niederschlägt.😁 Es ist ganz simpel: Du hast einfach nicht viel zu sagen außer Allgemeinplätzen und polemischen Sprüchen, deshalb wird eben auch dein neuestes Machwerk keine große Aufmerksamkeit erfahren - nicht weil die Menschen zu doof sind um deine tiefinnigen Einsichten zu erfassen, auch nicht weil du zu 'politisch unkorrekt' bist, sondern weil du nix sonderlich Durchdachtes oder Originelles bietest. Es gibt zig andere Ansätze, die sich mit gesellschaftlichen (Fehl-)Entwicklungen und Ideologien auseinandersetzen, die muss man eben auch erst kennen, um zu wissen, wo man (neue) Beiträge leisten könnte. Deine 'Kritik' an Linken ist eben auch nur ein Beispiel von vielen - man kann bzw. muss hier eine Menge verfehlter Entwicklungen kritisieren, aber dafür muss man sich eben mit Diskussionen abseits von Maischberger und Lanz auseinandersetzen.

    Bei dir läuft eben wie gesagt alles auf Selbstdarstellung hinaus, ohne die Bereitschaft, sich mal tatsächlich tiefergehend mit den Dingen auseinanderzusetzen, die du vorgeblich kritisieren willst.


    Man könnte jetzt jeden einzelnen Punkt nochmal zerpflücken, aber ich hab eben den Eindruck, dass ich genauso gut gegen eine Parkuhr quatschen könnte.

    Egal:

    Es gibt einen Unterschied zwischen Ausschluss wegen 'kultureller Prägung' oder wegen konkretem Fehlverhalten. Und auch wenn man genug Beispiele für beknackte Linke findet, werden die wohl kaum Personen aufgrund pauschaler kultureller Zuschreibungen ausschließen. Wer bestreitet denn, dass es Probleme mit bestimmten Zuwanderern gibt? Was soll daran kontrovers sein? Abzulehnen sind eben Pauschalurteile und Abschottungsphantasien gegen ganze Bevölkerungsgruppen.


    Meine Kritik deines Utopismus bezieht sich darauf, dass du außer diesem nix zu bieten hast. Vor allem verschiebst du deinen angeblich 'anarchistischen' Anspruch auch auf diese vage Zukunft, im Hier und jetzt läuft ein Weltbild -wie wir am Thema Zuwanderung ja sehen - auf sozial-konservatives Blabla hinaus, das immer in den klaren Grenzen von Staatlichkeit verbleibt. Nicht umsonst interessieren dich dich ja Wahlen mehr als irgendwelche sozialen Bewegungen.

    Konkrete Ansätze hast du ja keine bzw sind dies Themen, die dir am Arsch vorbeigehen. Natürlich kann man von einer 'besseren Welt' träumen, wichtiger ist es aber, sich im Hier und Jetzt zu organisieren, um sich diesem Ideal eben auch anzunähern. 'Klassenkampf' ist nur ein Ausdruck von strukturellen Konflikten, denen du überhaupt nicht ausweichen kannst, wenn du dich in einem Lohnverhältnis befindest, habe ich aber nun zur Genüge beschrieben.

    Ideologien und Mentalitäten sind Ausdruck sozialer, kultureller und ökonomischer Verhältnisse - was du ja selbst verkürzt am Thema 'Zuwanderer aus rückständigen Gesellschaften' darstellen willst. Nur sind wir alle diesen Ideologien oft unbewusst unterworfen, und ein bisschen komplizierter als eitle Phrasen von wegen 'Herdenmentalität' etc. ist es dann eben doch.


    Und wieso ich auf dem Thema 'Zuwanderung' rumhacke; es zeigt anschaulich einen deiner zentralsten Widersprüchen: Anlehnung staatlicher Regeln auf der einen Seite, Einforderung eines staatlichen Abschottungssystems (denn nichts anderes ist hier die logische Folge) auf der anderen. Das ist vielleicht 'libertär' im modernen Sinne, 'anarchistisch' ist es nicht. Man könnte die Liste fortsetzen: Unfähigkeit, staatliche Regeln auch als Notwendigkeit zu begreifen, um die Freiheiten von gesellschaftlich Schwächeren erst zu schützen. Mangelndes Verständnis von patriarchaler Gewalt, die immer nur dann problematisiert wird, wenn es um Zuwanderer oder Islam geht. Im Gegenzug Verharmlosung rechter Strömungen und Ideologien als 'Protest', die Annahme, Rechte würden 'für Freiheit stehen' etc.

    Das ist ja nicht nur meine Wahrnehmung, dass von dir eigentlich fast nur noch unreflektiertes Gerede kommt, aber natürlich liegen alle falsch außer dir :saint: Ich hab mich nie so intensiv mit nemesus auseinandergesetzt, aber vielleicht ist das auch der Eigenschaften, die du mit ihm teilst (wobei er mir in gesellschaftlichen Fragen etwas 'informierter' vorkam, aber der Schein kann trügen).

    Why do we fall?

    Einmal editiert, zuletzt von Lonewolf (11. Juni 2026 um 14:07)