Beiträge von Lonewolf

    Ein anderer Punkt sind die Aufzüge vor Impfzentren oder Klinken. Ich verstehe es absolut, dass man seinen Unmut zu den Verantwortlichen der Maßnahmen trägt, also zu Politikern. Gegen medizinische Einrichtungen zu demonstrieren ist allerdings eine miese Einschüchterungstaktik, das ist dann z.B. tatsächlich ein Beispiel, bei dem ich zünftige Gegenaktionen befürworte.


    Das Off-topic vermeiden wir, indem wir an jeden Post ein Stück Punk dranhängen :lol::monster:


    Was mich irritiert bzw. was für mich ein Stück weit entlarvend ist, ist eben der Fokus bzw. die starke Betonung des Eigentums. Das klingt dann eben für mich eher so, als sei der 'Anarcho-Cap' eine schicke Ideologie für privilegierte radikale Liberalos.

    Wenn allerdings Spekulation verpönt ist, würde dies auch bedeuten, dass Räumungen von genutzten Häusern illegitim sind. Mir geht es nicht um fiktive utopische Zustände, diese sind irrelevant, sondern um politische Handlungen. Anarchismus beinhaltet eben auch die Aneignung von Räumen, um sie dem Markt und der Spekulation zu entziehen. Ich finde schon, dass es Privateigentum geben sollte, allerdings muss eben nicht alles zu Privateigentum werden. In Bezug auf Immobilien hieße das z.B., dass Individuen natürlich Räume besitzen und nutzen können, ich sehe auch kein grundsätzliches Problem in Mietverhältnissen. Das Problem ist, wie gesagt, die Verdrängung, die nur funktioniert, weil Einzelne bzw. Unternehmen einen Besitzanspruch auf Räume erheben und die Nutzer (mit Polizeigewalt) verjagen können. Dies würde ich beispielsweise ändern, indem wie im vorliegenden Fall der Gentrifizierung solche Räumungen massiv erschwert bis unmöglich gemacht werden. Soll heißen, das Nutzungsrecht wird dem Eigentumsrecht gleichgestellt. Natürlich kann es Ausnahmen geben (z.B. völlige Verwahrlosung einer Immobilie, nachweisbare extreme finanzielle Not des Besitzers).


    Die Ablehnung von Sozialleistungen ist auch eher so ein Punkt, der für mich entlarvend ist (Privilegierten-Ideologie). Sinn und Zweck eines Gemeinwesens ist für mich eben der, dass alle Individuen vor bestimmten Dingen geschützt sind, dazu gehört auch die finanzielle Not. Wir reden hier nicht vom 'Old West' und den 'New Frontiers', sondern von modernen komplexen Massengesellschaften. Wo Not ist, gibt es Aufstand, der wieder gewaltsame Reaktion erfordert, womit wir wiederum keine freie Gesellschaft haben. Irgendeine Form von 'Sozialleistung' ist also eine schiere Notwendigkeit, damit sowas wie 'freies' bzw. 'gewaltfreies' Zusammenleben funktioniert - es sei denn, alles läuft so perfekt, dass alle Individuen sich eigenständig ernähren können. Aber da es Anarcho-Caps anscheinend auch ok finden, seine Kinder verhungern zu lassen, hab ich so meine Zweifel, ob wir hier mit 'gewaltfreier' Gesellschaft wirklich dasselbe meinen.

    Ich würde sagen, dass ein essenzieller Unterschied zwischen Anarchismus im moderneren Sinne und 'Anarcho-Kapitalismus' schon allein darin besteht, dass sich letzterer nur auf den Staat fokussiert, wohingegen ersterer, wie der Name schon sagt, nicht Staatsfreiheit, sondern Herrschaftsfreiheit anstrebt. Murray Bookchin bringt es hier auf den Punkt:


    Diese Position ließe sich somit sowohl als Abgrenzung zum Marxismus als auch zum 'A-Cap' verstehen. Bookchin hat letztere auch treffend als 'Propertarians' beschrieben. Es gibt eben auch nichtstaatliche Herrschaftsformen, für die 'A-Cap' blind ist - z.B. die Verfügungsgewalt über Eigentum.

    Natürlich kann man hier anmerken, dass sich Bookchin vom Anarchismus später losgesagt hat, eben weil er diesen nur noch als Lifestyle wahrnahm. Im Grunde ist es allerdings sekundär, welchen Begriff man wählt. Wie wir 'Herrschaft' definieren, darüber müssen wir wohl streiten. Gerade in 'woken' und identitätspolitischen Zeiten ;)


    Der Kern des Textes ist eben die marxistische Auffassung, dass Anarchisten die marxistische Ökonomiekritik und somit auch das Prinzip der Staatlichkeit im Kapitalismus nicht verstanden haben. Dem könnte man entgegenhalten, dass Marxisten eben nur ein instrumentelles Verständnis von Staatlichkeit haben, weswegen es eben auch kein Zufall war, dass sozialistische Staaten nicht unbedingt sonderlich freiheitlich waren. Wenn wir mehr 'Herrschaftsfreiheit' wollen, müssen wir die Loslösung von Zwangsverhältnissen als Prozess begreifen, und nicht als Bekenntnis zu irgendeiner abstrakten Theorie. Soll heißen: Indem wir einfach ganz konkret in unserem Leben und unserer Gesellschaft darauf achten, ob und in welcher Form Menschen Gewalt angetan wird und inwiefern Abhängigkeitsverhältnisse bestehen - und diese gehen eben keineswegs nur vom Staat aus, wie Anarcho-Caps scheinbar denken.

    " Wenn sich Menschen so organisieren wollen sollen sie es tun, der Kapitalismus verbietet das nicht."

    ---> Dann bestehen eben völlig unterschiedliche Wahrnehmungen in Bezug auf kapitalistische Logik. Für mich (und sicherlich auch für linke Anarchisten) ist die Gentrifizierung ein perfektes Beispiel für kapitalistische Verdrängung, die wir vor unserer Haustür beobachten können und die unsere Räume bedroht. Natürlich sind viele Räumungen auch rein politisch motiviert und von staatlicher Seite beabsichtigt, z.B. die Räumungen in Griechenland (Delta Squat, Scaramanga, Villa Amalias etc.). Aber der Großteil dürfte einfach auf kapitalistisches Profitstreben zurückzuführen sein. Daher würde es mich brennend interessieren, was 'Rechtslibertäre' oder 'Anarcho-Caps' zu dieser Form der Verdrängung zu sagen haben. Eigentlich dürften sie hiermit kein Problem haben - und hier wird eben deutlich, wo ein eklatanter Unterschied zwischen Anarchos und 'rechten Libertären' besteht.


    Gespräche mit 'Querdenkern' hab ich natürlich schon geführt, ich hab ja wie gesagt auch entsprechende Bekannte. Man kann sich eben darauf einigen, dass die staatliche Bevormundung abzulehnen ist. Aber letztlich läuft in Bezug auf die Bewertung der Pandemie alles auf Totschlagargumente und diffuse Bauchgefühle hinaus. Der Verweis auf Studien zählt nicht, denn 'die sind alle von der Pharmaindustrie finanziert und damit automatisch unglaubwürdig'. Hingegen sind Leute wie Wodarg Autoritäten, die nicht angezweifelt werden.

    Was die Wahrnehmung von Nazis angeht, spricht eine simple Beobachtung Bände: Querdenker schreien in Richtung der Gegendemonstranten "Nazis raus" - und direkt neben ihnen stehen 'Thor Steinar' und 'White Power'-Typen. Das ist Realsatire pur.

    Noch abschließend zur Nazi-Frage, da wir uns hier im Kreis drehen: Ich sage nicht, dass die Proteste durchgehend rechts unterwandert sind. Aber das Spektrum reicht von : von rechts organisiert über von rechts unterwandert bis hin zu vereinzelt rechtsoffen und meinetwegen auch durchgehend 'bürgerlich', was immer das dann auch heißen mag. Für mich persönlich bestehen keine wirklichen Anknüpfungspunkte.

    Was ich mir wünschen würde, wäre eine deutliche Verflechtung linker Kritik mit einem dezidierten Freiheitsanspruch - also z.b. eine Verknüpfung der Positionen aus dem Aufruf der Interventionistischen Linken mit bestimmten klaren Forderungen nach dem Ende der pauschalen Schließungen etc.


    Zum Thema 'libertär' vs. 'links'... Ich habe dahingehend keine Beißreflexe, nur überzeugen mich die Argumente nicht. Der verlinkte Text ist inhaltlich nichts neues. 'Freiheit' im libertären Sinne wird eher als Zustand individueller Freiheit aufgefasst, den es zu erhalten gilt. 'Freiheit' im klassisch linken Sinne wäre eher der Zustand, den es zu erreichen gilt, indem allen Menschen dieselben Möglichkeiten gegeben werden. 'Freiheit' im libertären Sinne ist also ein Privileg, das nur wenige haben (es sei denn man bezeichnet es als 'frei' oder 'tolerant', dass der Obdachlose und der Millionär beide das Recht haben, unter der Brücke zu schlafen). Ich habe nicht umsonst das Thema der Gentrifizierung genannt- das ist Klassenkampf von oben, individuelles freies Eigeninteresse, das durch staatliche Unterstützung andere Menschen verdrängt. In kapitalistischen Verhältnissen dient 'Freiheit' denjenigen, die über die entsprechen Mittel verfügen. Kapitalismus ist 'waffenstarrende Freiheit'.

    Womit ich mich hingegen anfreunden könnte (denn ich bin auch kein Anhänger eines 'gleichmachenden Sozialismus'), ist eine 'linkslibertäre' Haltung: Das bedeutet, so wenig Staat oder Kollektiv wie möglich, aber primär zu dem Zweck, zu verhindern, dass Einzelne durch ihre materielle Macht andere massiv übervorteilen. Das Kollektiv ermöglicht allen Menschen freien Zugang zu notwendigen Ressourcen, denn das ist sein Sinn und seine Daseinsberechtigung.

    Nur ein paar Punkte:


    1. Wer ist ein Nazi? NPD, ein großer Teil der ostdeutschen AfD und natürlich das genannte Hool-Spektrum ist es auf jeden Fall. Wir demonstrieren hier im Osten nicht mit Leuten, die unsere Nachbarschaft verwüstet haben - es ist schlicht und ergreifend dasselbe Klientel.


    2. Querdenker, die ohne Maske in Geschäfte gehen und das Personal anpöbeln, habe ich selbst bei der großen Demo in LE erlebt. Natürlich kenne ich auch Leute, auf die dies nicht zutrifft, z.B. meinen besagten Kumpel. Aber im Kern sehe ich hier rote Linien in Bezug auf die Einschätzung der Pandemie. Und wer die Pandemie als solche leugnet, vor Impfzentren aufmarschiert etc. ist niemand, mit dem ich persönlich mich gemein mache. Wer sich nicht impfen lassen will, soll es lassen, aber gezielte Anti-Impfaktionen gehen zu weit. Lies dich einfach mal durch die ganzen Kommentarspalten zum Thema Corona, sie sind voller Häme gegen Menschen, die an dem Scheißvirus nunmal krepieren, langfristige Folgen haben etc.


    3. Bitte definiere 'rechts-libertär'. Meine Definition lautet: Befürwortung eines Minimalstaats, der im Grunde nur noch dazu da ist, das persönliche Eigentum zu schützen. Wie sieht wohl die 'rechtslibertäre' Antwort auf Wohnungsnot und generell Gentrifizierung aus?


    Eine Querfront wird vor dem Hintergrund eines angeblichen gemeinsamen Interesses oder Ziels propagiert, hinter das andere Unterschiede zurückzustehen haben. Dieses angeblich gemeinsame Ziel ist dann doch eher fraglich - das ist schon in Bezug auf eine Alternative zum Kapitalismus so, und erst recht in Bezug auf den Umgang mit der Pandemie. 'Querfront' im ostdeutschen Sinne bedeutet, dass NPD, AfD und angeblich 'Linke' nebeneinander demonstrieren und auch Reden halten. Der Anspruch, Nazis hier rauszudrängen, kommt dem Sprengen der Demo als solcher gleich.

    Auch im größeren Maßstab ist es widersprüchlich, mit Kräften zusammenzuarbeiten, die sich vllt. 'Freiheit' auf die Fahnen schreiben, selbst aber eine unfreie Gesellschaft zum Ziel haben. 'Rechtslibertär' ist Blödsinn, eine 'Freiheit' ohne soziale Komponente ist ohne autoritären Staat, der die Privilegien der wenigen absichert, nicht denkbar.


    Im Übrigen sehe ich auch was die Einschätzung der Pandemie angeht keine großen Gemeinsamkeiten. Aus linker Perspektive müssen die Menschen geschützt werden, man kann die Solidarität mit Betroffenen nicht einfach über Bord werfen. Mein Kritikpunkt ist hier eben, dass auch diese Solidarität Grenzen hat und gegen individuelle Selbstbestimmung abgewogen werden muss. Rote Linien sind für mich z.B. Ausgangsbeschränkungen und pauschale Schließungen. Andererseits hat für mich auch die individuelle Selbstbestimmung Grenzen. Die Frage ist die Abwägung, und diese treffe ich eben anders als z.B. der deutsche oder andere Staaten. Ich treffe sie allerdings auch anders als irgendwelche Querdenker, die sich weigern, beim Einkaufen eine Maske zu tragen - das wiederum bedeutet für mich gerade aus linker Perspektive eine Solidarität mit den Beschäftigten, die dort den ganzen Tag arbeiten müssen.

    Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehe ich also völlig 'zwischen den Stühlen' und sehe momentan keine Perspektive, irgendeine bestehende Bewegung oder Gruppe zu unterstützen. Ich bin normalerweise alles andere als ein Spalter, sondern im Gegenteil ein Versöhner und Überwinder der Gegensätze - die ganze 'antideutsch vs. antiimp'-Frage hat mich zum Beispiel nie tangiert - aber im vorliegenden Fall gibt es zu viele rote Linien auf allen Seiten.


    P.S. Bei der 'Freien Linken' sehe ich wenig linke Inhalte. Es wirkt eher wie ein Feigenblatt für die Querdenker, nach dem Motto: 'Hey, die sind gar nicht rechts, wir sind schließlich links'.

    Phrasenhaft vom Kapitalismus sprechen macht noch keinen Linken. Links bedeutet eine Bezugnahme auf den Klassenstandpunkt - im Falle der Pandemiebekämpfung wäre z.B. die Forderung nach einer Aufhebung der Patente links, oder ein expliziter Fokus auf den Arbeitsbereich, also stärkere Eingriffe im Arbeits- statt im Freizeitbereich.

    Da viele offenkundig zu dumm sind, um zwischen Systemkritik/Klassenstandpunkt und regressiven, verkürzten Verschwörungserzählungen zu unterscheiden, hier mal ein recht einfach formulierter kritischer Aufruf der Interventionistischen Linken:

    Kapitalismus ist das Problem - Querdenken keine Lösung | Interventionistische Linke


    (Ich stimme natürlich nicht in allen Punkten zu, wieder mal spielt eine Kritik am staatlichen Autoritarismus nur am Rande eine Rolle bzw. wird einseitig auf kapitalistische Logik heruntergebrochen. Das zeigt eben, dass 'Freiheit' aus orthodox-linker Sicht oft nur ein liberale Phrase ist - in der Konsequenz muss sich niemand wundern, wenn sozialistische Systeme in die Unfreiheit führen.)

    Welches 'Volk' denn? Wer soll das sein?

    Nachdem du entweder meinst ich wäre zu doof oder zu klug für dich und mich deshalb weitestgehendst ignorierst,

    Natürlich Ersteres, du bist mir schlicht zu doof, daher ignoriere ich dich auch weiterhin, von dieser einen kurzen Ausnahme hier abgesehen :-) Alles, was du von dir gibst, verfestigt den Eindruck, dass dein 'Engagement' vor Corona nicht vorhanden war und du nun nach der Lektüre ein paar 'kritischer Texte' meinst, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Dunning-Kruger-Effekt eben.

    Das Gerede vom einfachen Volk bzw. einem kollektiven Interesse bleibt in diesem Kontext Quatsch. Es macht in dem Kontext Sinn, in dem z.B. Arbeitnehmer Parteien wählen, die gegen Arbeitnehmerrechte vorgehen (und auch hier macht es eher Sinn, von Klasse zu sprechen und sicher nicht von 'Volk').

    In der Pandemie hingegen nehme ich die Menschen und ihre unterschiedlichen Prioritäten Ernst. Manche haben berechtigt oder auch unberechtigt einen Riesenangst vor dem Virus und wünschen sich möglichst harte Maßnahmen, auch wenn die Lebensqualität aller drunter leidet. Ich verstehe das zwar, aber bin nunmal anderer Ansicht. Menschen treffen unterschiedliche Risikoabwägungen in Bezug auf die Impfung, auch damit habe ich kein Problem. Ich habe keinen Bock auf diese bekackten Grabenkämpfe, dafür ist mir meine Zeit zu schade. Wer sich als Märtyrer fühlen will, weil er mit seinem gefakten Impfpass oder Attest abgeführt wird, soll das machen. Wer meint, sich als Saint Solidarity inszenieren zu müssen, indem er den Keller nur zum Einkaufen verlässt, und ansonsten Durchhalteparolen über Youtube verbreitet, soll das auch gerne tun. Ein guter Freund von mir ist Impfverweigerer und findet Rüdiger Dahlke toll, ein anderer ist superwoke und findet 'Schwurbler' scheiße. Ich kenne viele Menschen, die sich entfreundet haben und nicht mehr miteinander reden (bzw nur noch hinterm dem Rücken des jeweils anderen). Es ist mir schlicht und ergreifend egal, solange jeder den Safe Space des anderen respektiert. Fühl dich meinetwegen als 'Rebell gegen das System', I don't care. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, mich an der Hybris anderer abzuarbeiten.