Beiträge von Lonewolf

    Ich sehe da keinen Sinn drin und kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass Unmensch nochmal hier aufschlagen würde, wenn er denn dürfte. Bei Seebee bin ich mir nicht so sicher, aber das wollen wir doch nicht wirklich, oder? ;)


    Der gähnenden Leere kann man entgegenwirken, indem man sich selbst Themen ausdenkt. Finde ich jetzt nicht so konstruktiv, den toxischen Zustand des Forums wieder heraufzubeschwören, der vor dem Rausschmiss geherrscht hat, nur weil einem langweilig ist. Das Problem ist eher, dass wir uns hier thematisch etwas im Kreis drehen. Die Frage ist auch, was man erwartet. Eine Müllkippe für den eigenen Frust, ein Unterhaltungsprogramm, oder (wie bei mir) eher eine Art offen einsehbares Notizbuch für Überlegungen.

    "Das heißt ja nicht, dass ich dem dann alles durchgehen lasse, was er TUT, nur weil ich ihm alles durchgehen lasse, was er SAGT."


    Das ist wohl der Knackpunkt. Viele werden - mit Recht - behaupten, dass es vom Reden zum Tun nur ein kleiner Schritt ist. Allerdings entwickeln wir uns dann tatsächlich in Richtung einer Gesellschaft, in der es das reine Wort, der Diskurs, schwer haben wird. Wenn jemand der Auffassung ist, dass die Ansichten von J.K. Rowling oder von irgendwelchen Uni-Dozentinnen automatisch zu Gewalt oder Benachteiligung von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen führen, ist das mir tatsächlich zu weit gegriffen. Anders verhält es sich mit politischer Agitation von Organisationen, da es hier weniger um Meinungsfreiheit als vielmehr um Raumnahme geht. Das kann einfach die angestrebte Durchsetzung physischer Präsenz sein (z. B. rechte Demonstrationen) oder auch die Markierung von Menschen als Zielscheiben (das, was dann als Aufrufe zu Gewalt, Volksverhetzung etc. strafbar wird). Insofern würde ich schon noch Grenzen ziehen zwischen Dingen, die gesagt werden dürfen, und Aussagen, die im Kontext von politischer Organisierung sanktioniert werden sollten.


    Zur generellen Frage, ob man es den Rechten 'leicht macht': Ich denke, wir sollten differenziert betrachten, wieso welche rechten Strömungen stärker werden oder wieso sich Menschen für rechte Alternative entscheiden. Die Gründe hierfür variieren in Deutschland, Frankreich, Schweden, Brasilien oder den USA durchaus. Man geht dem rechten Narrativ ein Stückweit auf den Leim, wenn man hier eine homogene Entwicklung bzw. Motivation unterstellt (nach dem Motto 'Die Menschen überall auf der Welt wachen endlich auf!', 'Man kann uns nicht mundtot machen'!). Gerade das Argument mit dem 'Mundtotmachen' ist amüsant, hinter rechten Bewegungen stehen milliardenschwere Unternehmen und Medien, siehe die Republikaner in den USA. Auch Bolsonaros Erfolg bei den Armen in der Vergangenheit hängt mit massiven großen Desinformationskampagnen zusammen ('Die Linken werden eure Kirchen schließen' etc.).


    Dass in Deutschland auf den ersten Blick rechte Positionen im öffentlichen Diskurs geächteter sind als anderswo, sollte nicht dazu verleiten, im 'Underdog-Motiv' die eigentliche Triebkraft hinter rechten Bewegungen zu sehen - und gar zu fordern, man solle Rechte bekämpfen, indem man sie 'demystifiziert' bzw stärker zu Wort kommen lässt. Dieser Ansatz ist immer ins Gegenteil umgeschlagen, z.B. bei der 'integrativen Jugendarbeit' in Ostdeutschland. Insofern würde ich dabei blieben, dass Ausgrenzung gegen Rechts absolut notwendig ist, es hat uns zumindest momentan dazu geführt, dass Koalitionen unter Beteiligung der AFD trotz deren starker Wahlbeteiligungen momentan eher auszuschließen sind.


    Das soll nicht heißen, dass wir bestimmte Themenbereiche stigmatisieren sollten, nur um nicht 'den Rechten in die Hände zu spielen'. Beispiel Islamismus und Gewalt durch Zuwanderer. Hier ist es natürlich verfehlt, die Rassismuskarte zu ziehen, wenn (!) mit korrekten Daten bzw. Fakten gearbeitet wird. Schweden und die dortige Bandenkriminalität ist ein aktuelles Beispiel, das in dem Kontext auch das Erstarken der Rechten befeuert hat. In den USA hingegen ist auch der Frust über die Coronamaßnahmen und die Furcht über den daraus resultierenden sozialen Abstieg zu nennen, was eben auch Schwarze und Hispanics dazu gebracht hat, rechts zu wählen. In Italien scheint die Frustration über die etalierte politische Landschaft ausschlaggebend zu sein. So oder so sehen wir immer eine Verengung auf bestimmte Reizthemen und den Wunsch, 'das Eigene' zu bewahren. Das logische Gegengift gegen rechtes Denken wäre also eine glaubhafte Diversität ohne Ausblenden der dunklen Flecke, eine Erweiterung des Blickfeldes und Wahrnehmungsradius. Und dazu kann bzw muss sicher auch gehören, bestimmte Themen aus mehr Blickwinkeln zu debattieren, anstatt 'gut gemeint' die Menschen auf eine bestimmte Art, sich zu verhalten, einzuschwören.

    Sehe ich auch so. Ich will auch den ganzen Woke-Aktivisten nicht ihren guten Willen absprechen.

    Rassismus, Vorurteile und Diskriminierung sind ja auch wirklich Probleme, die man nicht unter den Teppich kehren sollte.

    Nur die Mittel, wie sie es teilweise durchsetzen wollen (Cancel-Culture, Kampf gegen "Kulturelle Aneignung", als ob es keine wichtigeren Probleme auf der Welt gäbe, etc.) sind einfach nicht die richtigen.


    Es ist die (verfehlte) Hoffnung, dass die Diskriminierung und die Gewalt endlich aufhören, wenn endlich alle Grenzen verschwimmen und alle so ticken wie man selbst, was z. B. radikalere Queer-Aktivisten dazu bringt, die Geschlechter als solche abschaffen zu wollen, damit niemand mehr wegen seiner Geschlechtsidentität benachteiligt wird. Natürlich hat diese Form des 'Educatens' bzw. der Umerziehung selbst etwas Totalitäres an sich. Aber dennoch stört es mich, dass wir bzw. du hier größtenteils über die böse Cancel-Culture der 'Generation Woke' herziehen. Mich erinnert das schon ein Stückweit an die US-amerikanische Debatte bzw. die ganzen Jordan-Peterson-Fans. Oder, um in Deutschland zu bleiben, an diejenigen, die sich jetzt über klebende Klimaaktivisten aufregen und die Gelegenheit bewusst oder unbewusst nutzen, um vom eigentlichen Problem abzulenken. Nur weil viele kontraproduktiv gegen Missstände vorgehen, sollten wir nicht so tun, als wären diese Missstände nicht vorhanden oder 'nicht so schlimm'. Wie in meinem ersten Post schon erwähnt, gibt es eben eine fanatisierte und extrem gewaltbereite reaktionäre Gegenbewegung, die gegen jeden kleinsten Fortschritt zu Felde zieht, seien es Frauen- oder LGBTQ-Rechte, Verbesserung der Situation von Arbeitslosen oder Umweltschutz. Nur weil uns 'Wokies' auf den Sack gehen, sollten wir nicht vergessen, wo die wahren Feinde sitzen. Die USA könnten sich durchaus in den nächsten Jahren zum rechtsreaktionären Regime entwickeln, mit dramatischen Folgen für uns alle in Europa. Und auch wenn es in Deutschland momentan etwas 'ruhiger' wirkt als von manchen befürchtet, stehen auch hier die Faschisten schon längst in den Startlöchern, um die Uhr zurückzudrehen und die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen umzuformen. Wir leben in Zeiten, in denen die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Ich verstehe deinen Wunsch nach Kompromissen und Harmonie, aber ich bin mir nicht sicher, ob und wie das mit dem genannten Klientel möglich sein wird. Wer allen Ernstes fordert, dass vergewaltigte Jugendliche ihr Kind austragen müssen, wer Arbeitslose zur Zwangsarbeit abkommandieren will, wer an die europäischen Außengrenzen reist, um dort mit rechten Milizen Jagd auf Flüchtlinge zu machen, mit dem können wir keinen Kompromiss finden. Und das sind eben nicht nur verstrahlte 'Ränder', sondern Personen, die in Parlamenten sitzen und dort Politik mitgestalten. Insofern würde ich den Wunsch nach 'gegenseitigem Zuhören' und 'Meinungen aushalten' doch stark relativieren.

    Eine schwierige Frage bzw. Problematik, die nicht so einfach und allgemein zu beantworten ist. Das Problem besteht ja darin, dass es einen Haufen an Personen und Gruppen gibt, die unter dem Deckmantel der 'Meinungsfreiheit' gezielt auf eine Gesellschaft hinarbeiten, die tatsächlich für viele Menschen, nicht 'nur' Minderheiten, wesentlich unfreier sein wird. Und die sozialen Medien spielen hier eine wesentliche Rolle. Andererseits stellt sich die Frage, inwieweit Reglementierungen überhaupt zielführend sind bzw. inwiefern unliebsame Meinungen überhaupt 'unsichtbar' gemacht werden können. Steisand-Effekt: Das Verbot verstärkt erst das Interesse. Vor allem im digitalen Zeitalter lässt sich Zensur noch schwerer realisieren, weil die Zensierten auf andere Kanäle ausweichen.

    Ich würde mir wünschen, dass wir tiefgreifender über Begriffe wie 'Freiheit' diskutieren. In Corona-Zeiten haben es sich viele, gerade unter den sogenannten Progressiven, relativ leicht gemacht und häufig Rufe nach Freiheit als Egoismus denunziert. Ich denke, die Tragweite des Anspruchs, dass das Individuelle hinterm dem Kollektivwohl zurückzutreten hat, wurde von vielen nicht erkannt. Dabei wird gerade diese Frage immer essenzieller werden, auch in Zeiten des Krieges.

    Auf der anderen Seite wird, wie oben erwähnt, der Begriff der '(Meinungs-)Freiheit heute stark von denen okkupiert, die ihrerseits anderen die Freiheit nehmen wollen. Die Konservativen und ihre Wählerschaft in den USA, die sich als Freiheitskämpfer sehen, aber z. B. Frauen das Recht auf Abtreibung nehmen wollen, sind das beste Beispiel hierfür.

    Die Linke wiederum schafft es meist nicht, die individuelle Freiheit abseits von der Auslebung wirtschaftlicher Privilegien zu denken. 'Freiheit' wird hier als Instrument bzw Privileg von wenigen gedacht, der Begriff mieft nach 'Bürgertum'. Und die ganzen identitätspolitischen Debatten, in denen sich Menschen für ihre Gruppenzugehörigkeit rechtfertigen sollen und nicht mehr als Individuen wahrgenommen werden, tragen zu dieser Erosion der 'individuellen Souveränität' bei.

    Lange Rede kurzer Sinn: Wer Meinungsfreiheit fordert, soll sich der Problematik in ihrer Gänze stellen. Es wird entscheidend sein, was am Ende rauskommt: eine freiere oder eine unfreiere Gesellschaft, und diese bemisst sich nicht nur daran, wer was auf Twitter oder Youtube posten darf.

    Das Video kam mir bei Dians letztem Thread in den Sinn. Es beschreibt vielleicht ganz gut in Ansätzen, wie ein möglicher Weg hin zu einer neuen Bewegung friedvoller Krieger aussehen könnte.



    Ich kann bzw. will nicht bewerten, ob die Veränderung in einem Land wie Afghanistan deshalb nicht möglich war, weil große Tele der Bevölkerung 'falsche Werte' verinnerlicht haben, oder weil die Taliban schlichtweg eine hochmotivierte, kampferfahrene Konstante waren, die vielleicht eine Minderheit darstellt, die aber dennoch letztlich den längeren Atem hatte. Die progressiven Kräfte haben sich 20 Jahre auf den Westen verlassen und konnten ohne den militärischen Schutz der USA nicht überleben. Die Lehre, die ich aus Afghanistan ziehe, ist jedenfalls, dass immer die Wehrhaftigkeit gegeben sein muss, bevor man sich Gedanken über den Sieg der eigenen Ideale macht. Wie es im Falle Iran aussieht, kann ich noch weniger bewerten, da fehlen mir die Informationen über Art und Form des Widerstands. In Bezug auf Russland sind zwar Umfragen in der dortigen Bevölkerung nicht unbedingt aussagekräftig ('Immer daran denken, Putin am Telefon zu loben', wie russische Bekannte es formulieren, wenn sie mal in der alten Heimat anrufen), und ich habe auch schon deutlich kritische Stimmen auf russischen Kanälen vernommen, aber der Rückhalt für Putins Regime ist eben aufgrund eines jahrzehntelang kultivierten politischen Zynismus, gepaart mit Resten der Sehnsucht nach dem Sowjetreich, in der russischen Bevölkerung so groß, dass ich mir keine Hoffnungen auf eine Veränderung von innen machen würde.

    Die einzige vage Hoffnung für die etwas fernere Zukunft ist die junge Generation weltweit, der ich schon attestieren würde, zumindest bewusster und politisierter zu sein, als es noch bei Generation y der Fall war.


    Möglicherweise ist dir entgangen, dass es sowohl im Iran als auch in Russland auch gewalttätigere Aktionen gegen das Regime gab. Man sollte sich bei dem Wunsch nach 'echten Aufständen' auch immer vergegenwärtigen, dass die Methoden der Überwachung heute weitaus ausgereifter sind als es früher der Fall war, und dass die Bereitschaft der Menschen, Leib und Leben zu riskieren, natürlich beschränkt ist. Insofern finde ich es es schon recht dreist, sich vom weitestgehend sicheren Deutschland aus anzumaßen, das Handeln oder Nichthandeln von Menschen in Diktaturen zu bewerten.

    Mal davon abgesehen, dass man nicht davon ausgehen sollte, dass eine Mehrheit oder auch nur große Teile der Bevölkerung den bestehenden Regimen abgeneigt sind. Selbst in Brasilien, wo noch Wahlfreiheit herrscht, werden Typen wie Bolsonaro gewählt, auch von den Ärmsten. Die Frage, wieso Menschen sich nach autoritären Führern und Systemen sehnen oder sich zumindest mit diesen wohlwollend arrangieren, ist das eigentliche Problem. Ich weiß nicht, ob die Menschheit tatsächlich schon mal weiter war. Diejenigen, die sich auf der richtigen Seite der Geschichte wähnten, haben eben gleichzeitig oft die Augen verschlossen vor den Verbrechen der 'eigenen Seite'. Wir haben sehr viele gute Ideen scheitern sehen und stehen heute vor den Trümmern der positiven Utopien. Der herbeigesehnte radikale Wandel ist eher eine Frage der Notwendigkeit angesichts der tickenden Zeitbombe, auf der wir sitzen. Wie viel Platz für Optimismus bleibt da noch? Das Problem ist, dass diese Zeiten zynisch machen, und Zynismus lässt die Nadel eher nach rechts ausschlagen.

    Ich weiß nicht... mir fällt zu dieser Menschheit einfach nichts mehr ein.

    80.000 Menschen demonstrieren in Berlin gegen die bösen Mullahs im Iran, was die sicher total schockiert und wahnsinnig viel bringt... und was ja auch total viel Mut erfordert, in Berlin gegen das Terror-Regime in Teheran auf die Straße zu gehen...

    Doch für soziale Gerechtigkeit hier in Deutschland bringen die Linken dann maximal 20.000 auf die Straße. Und man hat den Eindruck, dass es einfach keine Sau interessiert. Aber klar, da waren ja auch die Rechten unerwünscht. Sonst wären vielleicht 30.000 gekommen. :sleep::=:!


    Der Begriff der 'sozialen Gerechtigkeit' ist eben so schwammig, dass soziale Inhalte und deren Anschlussfähigkeit stark auf bestimmte politische Spektren beschränkt sind. Dementsprechend haben wir leider momentan ein eher kleineres Mobilisierungspotenzial für soziale Themen. Wobei man nicht vergessen sollte, dass konkrete Mobilisierungen, z. B. die Forderung nach Enteignungen von Immobilienunternehmen, auch sehr viele Menschen auf die Straße gebracht haben.

    Allerdings ist die "Heißer Herbst"-Sache eben eine gespaltene Angelegenheit. Auf der einen Seite haben wir die Querfront aus besorgten Bürgern und Nazis, auf der anderen eine Linke, die gerade ein starkes Glaubwürdigkeitsproblem hat bzw. tief gespalten ist.


    Die Ablehnung des Regimes im Iran ist ein andererseits klarer gemeinsamer Nenner. Ich würde auch vermuten, dass im vorliegenden Fall bestimmte Spektren, z.B. die kurdischen oder alevitischen Vereine, explizit zu den Demos aufgerufen haben. Wenn das der Fall ist, kommen eben auch mal spontan Zehntausende. Dass das sonderlich 'mutig' ist, behauptet wohl niemand. Allerdings ist ein internationaler Druck immer ein Faktor, der auch nicht einfach außer Acht gelassen werden sollte, bzw. würde ich den Demonstrierenden gewiss kein "Geh doch nach drüben" entgegnen. Wenn schon von 'wertegeleiteter' oder gar 'feministischer' Außenpolitik schwadroniert wird, kann man hier auch ansetzen und zum Beispiele entsprechende Sanktionen gegen die Regime-Clans fordern.