Beiträge von Dian

    Ich empfinde es so, dass Eskapismus viel mit dem Versinken in einer eigenen Gedankenwelt zu tun hat, die sich nur einem selbst erschließt, und die auch in gewisser Weise mit einer kreativen Eigenleistung einhergeht. Das Spielen eines Computerspiels würde ich jetzt nicht gleich als Realitätsflucht bezeichnen, ebenso wenig, wie wenn man mal öfters ein Buch liest oder einen Film anschaut.

    Die Kulturgüter, die wir konsumieren, sind natürlich streng genommen alle Teil der Realität.

    Ich würde die Grenze da ziehen, wenn man ein Kunstwerk halt nicht einfach nur konsumiert, sondern sich darin verliert...

    Wenn ich die Harry Potter-Bücher nicht einfach nur durchlese und danach wieder weg lege, sondern mein Zimmer in den Gryffindor-Farben tapeziere, mir eine Eule als Haustier besorge und durch die Welt laufe mit dem Gefühl, dass ich ein Zauberer bin, der seine Kräfte verloren hat, und eigentlich nach Hogwarts gehört.
    Wenn diese Dinge also ständig Teil meines Lebens und meiner Gedanken sind und ich eine unstillbare Sehnsucht danach empfinde... das wäre dann Realitätsflucht.


    Und sowas gibt es natürlich auch in Videospielen, keine Frage. Wenn man die Spiele eben nicht nur spielt, sondern sich mit dieser künstlichen Welt so sehr identifiziert, dass man ihnen vielleicht sogar einen höheren Stellenwert einräumt als der realen Umgebung.

    Genauso kann man sich in Musik verlieren, wenn man die Musik nicht einfach nur hört und dazu mit dem Kopf wackelt, sondern sich beim Hören der Musik neue Welten vor dem inneren Auge auftun und man in Gedanken an ganz andere Orte reist oder jemand anderes ist.

    Und natürlich kann man sich auch in Kunstwerken verlieren, die man selbst gerade erst erschafft... oder einfach nur so in Gedankenwelten versinken, ohne dass diese auf irgendeiner künstlerischen Vorlage basieren.


    Der Übergang vom Eskapismus zu Wahnvorstellungen kann sicher fließend sein.

    Ich würde es aber schon eher so sehen, dass der Eskapist sich seiner Realitätsflucht im Grunde stets bewusst ist... anders als ein Mensch, der unter Wahnvorstellungen leidet.

    Ich würde das Ganze eher so sehen, dass es nicht eine ultimative Wahrheit gibt... aber sehr viele eingebildete, falsche Wahrheiten, mit denen Menschen ihre Chaos und Unfrieden erzeugende Taten begründen, durch die alles in Schieflage gerät. Eine Schieflage, welche dann wiederum dazu führt, dass so viele Menschen verzweifelt nach einer "ultimativen Wahrheit" suchen, die sie aus dieser Situation, die sie als unangenehm und falsch empfinden, befreien könnte.

    Das Universum an sich ist neutral, ohne allgemeingültige Werte oder Moral. Ohne ein irgendwo in Stein gemeißeltes "Richtig" oder "Falsch".

    Dann kommen Menschen, machen sich ein stark vereinfachtes Bild der Realität, ein Weltbild, eine Religion... mit der sie sich selbst erhöhen und viel zu oft eben auch andere gleichzeitig erniedrigen. Da muss man nicht zum ungebildeten Araber gehen, der im Namen seines Glaubens an Allah und die Tradition seiner Vorfahren seine Familie unterdrückt.

    Das kann man auch wunderbar hier bei uns beobachten. Der Kontrolleur, der im Namen seines fast schön religiösen Glaubens an die Gesetze der BRD einen Schwarzfahrer festhält und die Polizei ruft, in der festen Überzeugung, auf der moralisch richtigen Seite zu stehen, weil es aus seiner Sicht ja total logisch und nachvollziehbar ist, dass Menschen, die sich nicht an die Gesetze halten, bestraft werden müssen, weil sonst das System das ihn ernährt nicht mehr funktionieren würde. Oder der Gangster, der jemanden ausraubt, im festen Glauben daran, dass auf der Welt das Recht des Stärkeren gilt, weil er selbst dies in seiner Kindheit so erlebt hat, und weil es aus seiner eingeschränkten Sichtweise ja auch völlig nachvollziehbar und logisch erscheint, weil er selbst auch durch Stärkere (und sei es durch den Staat) zu Dingen gezwungen wurde, die er nicht wollte.


    Jeder hat aus seiner eingeschränkten Sichtweise heraus recht und eine nachvollziehbare Moral entwickelt.

    Doch je fanatischer diese individuelle Moral nach außen vertreten wird... je dominanter der Mensch sein eingeschränktes, subjektives Weltbild auslebt... desto mehr gerät er in Konflikt mit seiner Umgebung. Und durch diese andauernden Konflikte werden die Menschen in seiner Umgebung ebenfalls genötigt, sich eine Moral auszudenken, um sich von dem, der sie im Namen seiner eigenen Moral unterdrückt, zu schützen und abzugrenzen.

    Und auch diese Moral wird fehlerhaft sein, kleingeistig und äußerst subjektiv. Und später werden andere ebenfalls unter dieser Moral leiden und wieder dagegen vorgehen. So wie der Antifaschismus an sich völlig gerechtfertigt und nachvollziehbar ist, aber auch ziemlich kleingeistig sein kann, wenn er zum Dogma erhoben und von kleingeistigen, zu sehr von sich selbst überzeugten Menschen umgesetzt wird.


    Daher tendiere ich dazu, dass es keine ultimative Wahrheit gibt.

    Keine höhere Moral, außer dem Gesetz von Aktion und Reaktion. Und der einzige Weg, zu verhindern, dass sich denkende Wesen auch in tausend Jahren noch den Schädel einschlagen, besteht darin, seinen Aktionsradius so zu wählen, dass man niemand anderem auf die Füße tritt... im Idealfall einen gesellschaftlichen Zustand zu finden, in dem jeder genügend Platz hat und sich jeder auch dieser einen Gesetzmäßigkeit bewusst ist... nämlich, dass es auf jede Aktion von ihm eine Reaktion geben wird. Und dass die negativen Emotionen und die Gewalt, die man in die Welt setzt, in dieser Welt bleiben werden und sie weiter vergiften, und irgendwann als Echo zu einem selbst zurückkommen werden.

    So sehe ich das jedenfalls. Keine Ahnung, was der neue Realismus dazu sagt.

    Nun ist es ziemlich genau 10 Jahre her (den konkreten Tag weiß ich nicht mehr), dass ich mit dem Schwabenrevoluzzer zusammentraf und wir bei einem längeren Spaziergang beschlossen haben, gemeinsam ein bisschen Musik zu machen.

    Getroffen hatte ich ihn ursprünglich nur, weil ich es eben einen interessanten Zufall fand, dass da in der Nachbargemeinde im spießigen Remstal noch jemand sitzt, der auf Youtube über die Gesellschaft abkotzt, und weil ich seine Videos als "Schwabenrevoluzzer" oder "Der Misanthrop" (wie er sich davor auf Youtube nannte) eben sehr unterhaltsam fand. Und bei unserem Treffen stellte sich dann eben heraus, dass er als Musikproduzent tätig ist und in seinem Keller ein schickes Studio eingerichtet hat.

    Ich hingegen hatte keine wirkliche musikalische Erfahrung, außer dass ich halt ganz gut Keyboard und Klavier spielen konnte und schon seit ein paar Jahren den Gedanken im Kopf hatte, dass ich ja theoretisch auch mal versuchen könnte, einen Song zu schreiben. Lyrics hatte ich schon ein paar angesammelt zu dem Zeitpunkt, aber für die Umsetzung fehlte mir das nötige Fachwissen, welche Software man dafür braucht und wie man das überhaupt macht, damit es halbwegs nach was klingt und nicht nach mir, wenn ich auf meinem Keyboard rumklimpere.


    Der Schwabenrevoluzzer fand die Idee, eine elektronische Anarcho-Band zu gründen und mal ein bisschen musikalisch über die Gesellschaft abzukotzen, auch ganz witzig. Und so kam es dann eben, dass wir uns wenige Tage später zu viert bei ihm im Studio einfanden. Mit von der Partie waren noch Shinobi (Novator) und K. Antares (der hier im Forum u.a. auch als "Killing Joke" und "12950 B.C." bekannt ist).

    K.Antares war wie ich großer Synthpop-Fan, hat aber ansonsten keinen musikalischen Background, und Shinobi war ein ziemlicher Fachmann, was so etwas geistreicheren, antikommerziellen Deutschrap anging, aber auch nur passiv als Hörer, ohne selber je gerappt zu haben.

    Und so saßen wir dann eben da als totale Anfänger, laberten in lockerer Atmosphäre miteinander.... ich legte meine Lyrics vor, die schon vorher weitestgehend fertig waren, und dann entstand ganz klassisch, durch ausprobieren und gemeinsamen Ideenaustausch, ohne dass jemand vorher eine konkrete Melodie im Kopf gehabt hätte, unser erster Song.


    Für das Video habe ich mir vom Schwabenrevoluzzer dessen Gasmaske geliehen, die er noch aus seiner Zeit bei der Bundeswehr hatte, und wir sind irgendwo in die Weinberge gefahren zu so einem alten Steinbruch, um mein Monopoly-Spiel abzufackeln.

    Und weil das alles ziemlich viel Spaß gemacht hat, haben wir beschlossen, gleich den nächsten Song aufzunehmen, zu dem ich immerhin schon eine gute Melodie im Kopf hatte.

    Auch das Arbeiten am zweiten Song und der darauf folgende Videodreh auf dem Stuttgarter Waldfriedhof mit anschließendem Besuch am Grab der ermorde... äh... durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen RAF-Kämpfer war ein ziemlich cooles Erlebnis.


    Und so folgte mit "Emotionen-Overkill" Song Nr. 3, und dann irgendwann Song Nr. 4... und spätestens da kam uns die Idee, dass man ja, wenn schon, denn schon, auch gleich ein ganzes Album machen könnte.

    So verbrachten wir dann die kommenden Monate um den Jahreswechsel 2012/13 herum damit, viel im Studio zu hocken und neue Songs aufzunehmen, bis das erste Album S.A.A.R.T. fertig war.

    (ich beschleunige jetzt mal ein wenig das Erzähltempo, sonst könnte das ein seeehr langer Text werden...)

    Wir machten also das Album fertig, und verabschiedeten uns für unbestimmte Zeit, mit der Option, irgendwann vielleicht nochmal was zusammen zu machen.

    Anderthalb Jahre später kontaktierte ich den Schwabenrevoluzzer wieder, und wir vereinbarten, ein zweites Album aufzunehmen. Die Stimmung war während der Produktion aber nicht mehr ganz so gut und unbeschwert wie beim ersten Album. Es gab ein paar Unstimmigkeiten zwischen den einzelnen Mitgliedern. Ich übernahm mehr und mehr die musikalische Kontrolle, weil ich es jetzt einfach besser drauf hatte, und komponierte die Songs mehr oder weniger im Alleingang, was den Schwabenrevoluzzer vielleicht nicht direkt störte, aber es führte eben auch dazu, dass er sich nicht mehr so ganz total mit der Band identifizieren konnte, und generell war er etwas schlecht drauf manchmal und es kam zu paar unnötigen Sticheleien im Studio. Shinobi war zu der Zeit auch nicht mehr so ganz glücklich hier und schon auf dem Sprung zu gehen. K.Antares wiederum hatte extrem viel Stress mit seiner Ausbildung und irgendwann keine Lust mehr, sich vom Schwabenrevoluzzer dumm anlabern zu lassen, so dass er gar nicht mehr ins Studio wollte und wir seine Parts dann bei mir zuhause aufnahmen und später zusammenfügten.

    Also es waren alles nur Kleinigkeiten, aber es lief eben auch nicht ganz optimal beim zweiten Album. Trotzdem bekamen wir es irgendwann fertig... aber danach war auch klar, dass es das jetzt dann gewesen ist, und wir im Grunde ja auch längst viel mehr gemacht hatten, als ursprünglich geplant war.


    In den folgenden Jahren bastelte ich zwischendurch immer mal wieder zuhause an neuen Songs, da ich mir mittlerweile die nötigen Programme besorgt hatte, um ähnliche Möglichkeiten zu haben wie beim Schwabenrevoluzzer im Studio, und nahm gelegentlich mit anderen Künstlern wie Dub De Rippa oder Anarchy X etwas auf.

    2019 hatten sich dann so viele Songs auf meiner Festplatte angesammelt, dass es für ein drittes Album reichen würde, und ich kontaktierte noch einmal den Schwabenrevoluzzer, um ihn zu fragen, ob er zumindest noch ein bisschen seine Stimme für ein paar Songs zur Verfügung stellen würde, um der alten Zeiten willen. Er hatte gerade halbwegs gute Laune (für seine Verhältnisse) und stimmte zu. Und so entstand dann eben "Werk 3".


    Und wieder war danach eigentlich für mich klar, dass jetzt erstmal sehr lange Zeit nichts mehr von den Anarchonauten kommen wird... da ich ja auch noch einen Roman fertig zu schreiben hatte, und ohnehin das Gefühl hatte, dass jetzt erstmal alles gesagt war, was ich loswerden wollte.

    Aber nur ein Jahr später ging Corona los, und ich konnte gar nicht anders, als das ganze musikalisch zu verarbeiten. Die Arbeit am neuen Roman inspirierte mich zusätzlich noch zum Nestor Machno-Song, und als ich mich mit Tom von Totstörung (bzw. Dub De Rippa) unterhielt, der gerade mit alten Synthesizern experimentierte, kamen wir auf die Idee, dass man doch einmal ein paar Songs im NDW-Stil zusammen machen könnte.

    Und ehe ich mich versah, war dann eben auch genug Material für ein viertes Album da... diesmal ganz ohne den Schwabenrevoluzzer, aber mit Tom als adäquaten Ersatz in dem einen oder anderen Song, der dann auch musikalisch ein paar neue Einflüsse mit reinbrachte.


    Und nun sind es also 10 Jahre...

    Ist irgendwie ein seltsames Gefühl, wenn man sich daran zurückerinnert, wie klein es einst begonnen hat... nur mit der spontanen Idee, mal "irgendwas" musikalisches zusammen zu machen, und mal ein oder zwei Songs aufzunehmen. Inzwischen sind es knapp 50 geworden, mehr als manch andere Band vorzuweisen hat.

    Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen, ich habe aber bereits ein paar Ideen und Pläne für ein mögliches fünftes Album, was aber definitiv nicht vor 2024 produziert werden wird. Aber so in zwei, drei Jahren könnte ich es mir durchaus vorstellen, das halte ich für eine realistische Zeitspanne.


    Natürlich sollte man zu so einem Jubiläum auch irgendetwas machen, wie etwa ein Best Of-Album rausbringen, oder einen neuen Song.

    Das hat sich irgendwie nicht ergeben... aber zumindest habe ich es zum Anlass genommen, unseren Song "Kein Volk, kein Reich, kein Führer" vom dritten Album noch ein wenig zu optimieren.

    Der sollte damals nämlich einen Chor enthalten, der auch damals bereits aufgenommen worden ist... doch aus, äh, produktionstechnischen Gründen, oder nennen wir es meine Unerfahrenheit, habe ich es zur Fertigstellung des Albums nicht hinbekommen, den Chor vernünftig in den Song einzubauen. Irgendwie hat er sich mit den anderen Tönen nicht vertragen und es klang einfach furchtbar, weshalb wir uns dann entschieden haben, ihn ganz zu streichen.

    Mittlerweile hab ich das Abmischen aber etwas besser im Griff, und daher habe ich den Chor im Refrain wieder eingefügt, so dass der Song nun endlich so klingt, wie er schon 2019 eigentlich hätte klingen sollen.

    Dazu habe ich dann noch ein kleines Video für Youtube gemacht, um auch die Leute dort auf das Jubiläum hinzuweisen.


    Und wenn Unmensch nicht vorher schon entdeckt hätte, dass es die Anarchonauten nun auch auf Spotify gibt, wäre das nun ebenfalls noch hier an dieser Stelle feierlich von mir verkündet worden. ;)

    Mittlerweile sind übrigens alle Alben dort verfügbar, auch bei Deezer, Apple Music, Soundcloud und einigen anderen Diensten... also schaut doch bei Gelegenheit einfach mal rein, wenn ihr dort gelegentlich Musik hört, und empfehlt die Anarchonauten weiter oder nehmt sie in eure Playlists auf.


    Die Neue Deutsche Anarcho Welle
    Listen to Die Neue Deutsche Anarcho Welle by Anarchonauten
    share.amuse.io


    Als letzte Jubiläums-Idee kam mir dann noch der Gedanke, die verbliebenen Anarchonauten-Songs, die noch kein eigenes Video erhalten haben, zumindest mit irgendeinem Symbolbild zu versehen und auf Youtube hochzuladen, so dass auch dort dann alle Lieder der Anarchonauten verfügbar sind. Habe aber gerade gesehen, dass dies nun offenbar automatisch bereits geschehen ist, von Seiten des Distributors, der uns auch auf Spotify und Co. gebracht hat.

    So gesehen kann ich mir die Mühe ja eigentlich sparen... oder würde es Sinn machen, die Songs trotzdem auf dem offiziellen Kanal auch nochmal hochzuladen? Bin mir da gerade etwas unschlüssig.


    Jedenfalls gibt es inzwischen einiges zu hören, wenn man unseren speziellen Sound mag (was nur eben nicht all zu viele tun... :D)

    Und ich lehne mich jetzt einfach mal entspannt zurück und genieße die Erinnerung an alles, was sich so in den letzten 10 Jahren mit und um die Anarchonauten herum ereignet hat...

    War eine nette, manchmal auch leicht chaotische Zeit... und einfach ein cooles Erlebnis, dabei gewesen zu sein und es miterleben zu können, wie sich so etwas entwickelt aus dem Nichts heraus, und ohne dass irgendein kluger Master-Plan die Richtung vorgegeben hätte.

    Ich hab die Sache schon erklärt mit den Dislike-Buttons. Ich mag das nicht... ich mochte es auch auf Youtube nicht...

    Weil es eben auch ein Werkzeug sein kann, um Menschen herauszumobben, oder um ihnen zu zeigen, dass man mehr Freunde hat als sie und dass sie deshalb nichts wert sind. Ich finde es etwas primitiv.

    Sinnvoller ist es bei einer Produktbewertung oder Restaurant-Bewertung oder ähnliches. Aber auch da ist es ja oft so, dass die Bewertungen nicht zwangsläufig repräsentativ für die Qualität des Produktes sind, sondern nur zeigen, ob sich jemand viele Feinde gemacht hat oder nicht.


    Aber technisch dürfte es problemlos machbar sein, sowas einzuführen. Lasst uns diese Diskussion aber im Bedarfsfall dann in einem anderen Thread weiterführen, damit der zwanzig Fragen-Thread für andere, zukünftige User nicht ruiniert wird.

    Ich habe mich immer gefragt, wie es sein kann, dass manche (wenige) Menschen im Alter von 15 oder 16 Jahren schon so viel geblickt haben, wie die Welt funktioniert, und so viel kluge Gedanken und kreatives Potenzial haben und sich mit ihrem Dasein und ihrem Umfeld auseinandersetzen...

    und dann schaust du dir einen typischen Durchschnitts-Teenager in dem Alter an, und er wirkt halt so dermaßen hohl im Vergleich dazu, so stupide, so desinteressiert und eindimensional.

    Also ich rede nicht davon, dass jemand halt bisschen klüger ist als der andere, sondern von so krassen Unterschieden, dass man schon eher denkt, es handele sich um eine andere Spezies. Wie wenn man vielleicht die intellektuellen oder empathischen Fähigkeiten eines Hamsters mit denen von einem Delphin vergleicht oder so.


    Da ist dann natürlich die Frage, wie das sein kann. Natürlich kann man es alles auch naturwissenschaftlich erklären, mit irgendwelchen Synapsen im Gehirn, die vielleicht bei den einen Menschen besser vernetzt sind als bei den anderen.

    Aber eine andere mögliche Erklärung ist sicher auch, dass diese reiferen Menschen im Unterbewusstsein Zugriff auf einen Erfahrungsschatz oder Wissen haben, das aus einem anderen Leben oder einer anderen Dimension stammt.

    Dass diese "alten Seelen" dann eher etwas finsterer drauf sind und genervt sind von ihrer Existenz, anstatt lichtdurchflutete, gütige und erleuchtete Buddhas zu sein, ist so eine Idee, die mir dann eben für meinen Roman "Reinkarnator" gekommen ist, weil ich nunmal diese Beobachtung so gemacht habe im Lauf meines Lebens, dass meistens nur die Dummen oder Unwissenden im Einklang mit sich leben, während die reiferen Geister oft verzweifeln an sich und dem Zustand der Welt.

    In der Hinsicht würde sich meine Definition von alten Seelen dann auch etwas von der herkömmlichen esoterischen bzw. buddhistischen Sichtweise unterscheiden.

    Gerade deshalb fand ich den Gedanken für meinen Roman aber auch so reizvoll... Was, wenn wir zwar reifen und im Lauf vieler Leben Unmengen an Erfahrung sammeln können, aber alles am Ende trotzdem keinen Sinn hat bzw. kein Ausweg existiert, wie ihn die Religionen oder Esoteriker versprechen?


    Ob es tatsächlich so ist, weiß ich nicht. Ich sehe eben, dass ich bin, wie ich bin, obwohl ich in einem ziemlich normalen Umfeld aufgewachsen bin, keine besonders klugen Lehrmeister hatte oder Eltern, die mich zum Hinterfragen der Dinge erzogen hätten.

    Es ist einfach so in mir drin gewesen... und eine gute Erklärung dafür finde ich schon, dass man viele Situationen in zahllosen früheren Leben schon so oft durchlebt hat, dass man sich irgendwann instinktiv daran erinnert und sich nichts mehr vormachen lässt.

    Die frage wäre halt, warum das Wissen um einen Urheber das Verständnis einer Sache ändert. Das zeigt doch, dass es nicht um die Sache ansich geht sondern darum, was jemand über den Urheber gesagt hat..

    Im Allgemeinen bin ich nicht dafür, künstlerische Werke, Texte oder Videos danach zu beurteilen, was die Macher für eine politische Einstellung haben, oder was irgendwer über sie geschrieben oder gesagt hat. Also ich bin in der Hinsicht echt nicht so konsequent wie misa, dass ich solche Dinge dann kategorisch verachte und ablehne, wenn der Macher aus einem politischen Lager kommt, das ich als meinen Feind betrachte. (so lange der Inhalt stimmt und mich anspricht...)

    Andererseits gehört zur Analyse eines Werks natürlich immer auch dazu, sich mit der dahintersteckenden Intention des Verfassers zu beschäftigen.

    Wenn ich nur einen Text vorgelegt bekomme ohne zusätzlichen Kontext und ohne Wissen über den Verfasser, ist es oft schwierig, einwandfrei beurteilen zu können, inwiefern dieser Text ernstgemeint ist, ob es sich vielleicht um Ironie handelt, an wen sich dieser Text richtet, oder ob damit eine versteckte Botschaft vermittelt werden soll.

    Daher würde ich nicht sagen, dass es völlig egal ist, ob man etwas über den Urheber weiß oder nicht, wenn man eine Sache richtig einordnen und verstehen will.

    Und im Fall von Goldschmied Fabian steht nun eben der Verdacht im Raum, dass das Video den Zuschauern unterschwellig suggerieren soll, dass die Juden am Zustand unseres Systems die Schuld tragen. Um einen solchen Verdacht zu erhärten oder zu entkräften, ist es dann natürlich hilfreich, sich mit dem Verfasser zu beschäftigen, weil es dann eben schon einen Unterschied macht, ob dieser sonst in irgendeiner Hinsicht schon in dieser Richtung aufgefallen ist und mit antisemitischem Gedankengut zu tun hatte oder nicht. Und wenn es sich dann um jemanden wie Jan van Helsing handelt... naja, Protokolle der Weisen von Zion und so weiter... ich bin jetzt nicht so in der Materie drin, aber ganz zu Unrecht wird er seinen Ruf schon nicht erworben haben. ;)

    Kann natürlich theoretisch auch sein, er ist nur das Opfer einer fiesen Diffamierungskampagne geworden, weil er die Wahrheit über die weltumfassende Verschwörung erkannt hat... aber ich habe ihn eben immer als rechtsesoterischen Spinner eingeordnet und als Verbreiter von abstrusen Verschwörungstheorien, wie dass die Erde im Inneren hohl ist und Nazis mit ihren Flugscheiben in der Antarktis leben. Das ist für mich netter Science Fiction, aber wenn das jemand wirklich ernst meint, fällt es mir schwer, diese Person noch ernst zu nehmen.

    Jan Udo Holey hat für den Kopp Verlag das Video Fabian der Goldschmied produziert.

    Der Name sagt mir natürlich noch was. War mir in dem Moment nicht bewusst, dass so jemand da dahinter steckt. (vielleicht hatte ich es mal irgendwann gewusst, aber wieder vergessen... keine Ahnung.)

    In dem Fall sieht die Sachlage dann natürlich schon recht eindeutig aus... da kann man dann schon mit Fug und Recht behaupten, dass das Video aus der "rechten Schwurbler-Ecke" kommt, weshalb ich meine vorigen Aussagen dann auch im Bezug auf dieses Video relativieren möchte.

    Gut möglich, dass da dann auch Antisemitismus und der Wunsch nach einer einfacheren, völkischen Weltordnung eine größere Rolle spielt.

    Aber die Doku vom Goldschmied Fabian ist keine schlichte Zinskritik sondern sie ist purer Antisemitismus

    Die Frage ist doch... ist die Aussageabsicht des Videos, Juden als Gruppe zu diskreditieren, ihnen ihre Daseinsberechtigung abzusprechen oder zum Hass gegen sie aufzurufen? Dann wäre es "purer Antisemitismus".

    Oder ist die Aussageabsicht nicht eher Kritik am Banken- und Finanzsystem, an dessen Entwicklung historisch nunmal viele Juden beteiligt gewesen sind, und deshalb sind eben auch Anspielungen auf Juden in dem Video?

    Ich denke, vieles ist interpretierbar und liegt im Auge des Betrachters. Aber glaubst du, das Video wurde bewusst gemacht, um neuen Judenhass zu schüren?

    Das System Kapitalismus muss grundsätzlich in Frage gestellt werden.

    Dem habe ich auch in keinster Weise widersprochen. Ich sehe es doch weitestgehend genauso wie in dem von dir verlinkten Text.

    Nur ist die Sache mit den Zinseszinsen und Leerverkäufen etc. eben schon eine besonders pervertierte Form des Kapitalismus, und ich empfinde es nicht als rotes Tuch (so wie du scheinbar), wenn Leute aus dem bürgerlichen Lager diese Dinge kritisieren und eine Art "Antikapitalismus light" praktizieren, ohne die grundsätzlichen Herrschaftsverhältnisse und die Wirtschaft komplett in Frage zu stellen.

    Genauso wenig wie ich mich daran störe, wenn Anarcho-Kapitalisten den Staat und das Steuersystem kritisieren.

    Anstatt Energie dafür zu verschwenden, mich an anderen Systemgegnern abzuarbeiten und alles und jedes schlecht zu machen, was aus dieser Ecke kommt, freue ich mich eher darüber, wenn jemand aus einem anderen politischen Lager bestimmte Dinge erkannt hat, die ich auch so ähnlich sehe. Ist doch ein Schritt in die richtige Richtung.

    Dass Leute aus anderen politischen Lagern andere Ziele verfolgen, liegt in der Natur der Sache, und darüber kann man natürlich auch streiten, wenn man es für sinnvoll hält.

    Aber wieso sollte ich auch die Dinge, die ich ähnlich sehe, kritisieren, nur weil sie von jemandem ausgesprochen wurden, mit dessen weiteren Zielen und Absichten ich nicht unbedingt sympathisiere? Setzen wir doch besser dort den Hebel an, um diese Leute zu erreichen und ihnen dazu zu gratulieren, dass sie schon ein paar Dinge richtig erkannt haben, aber ihnen gleichzeitig eben aufzuzeigen, dass es noch ein weiter Weg ist und dass alles eben noch ein wenig vielschichtiger und komplexer ist, als es in ihren "Aufklärungs-Videos" manchmal dargestellt wird.

    Ein halber Systemgegner ist mir immer noch lieber als ein Schlafschaf, das nur konsumiert und arbeitet und sich gar keine kritischen Gedanken macht.

    Wenn ich das Video vom Goldschmied Fabian richtig in Erinnerung habe, zeigt es ganz gut auf, wie dieses ganze Zinseszins-System funktioniert und immer weiter pervertiert ist... und ich finde es grundsätzlich erstmal nicht falsch, auf diese anschauliche Weise Menschen auf eine bestehende Problematik aufmerksam zu machen. (die ja nun tatsächlich existiert und keine Schwurbelei ist.)

    Dazu darf das Ganze gerne auch mal stark vereinfacht dargestellt werden, eben damit es auch die durchschnittlichen Achtklässler kapieren.

    Man sollte sich halt nur darüber im Klaren sein, dass dies nur eine Facette des Menschlichen Zivilisationsdramas ist... ein weiteres Mosaiksteinchen von ganz vielen, das erklärt, warum auf diesem Planeten immer mehr der Wahnsinn grassiert.

    Generell sind Vereinfachungen eine gute Sache, wo sie dazu dienen, Dinge verständlicher zu machen und Zusammenhänge aufzuzeigen... aber sie taugen nicht dazu, sich daraus dann ein ganzes Weltbild zu spinnen.

    Die Wechselwirkungen zwischen Kapital, Politik und Bürgertum sind meines Erachtens etwas komplexer und bedürfen einer differenzierteren Betrachtung als einfach nur "Zinsen sind böse, Politiker sind alle gekauft, und alles ist eine gigantische Verschwörung gegen den armen Durchschnittsdeutschen."