Deine Vorstellungen von 'Freiheit' und 'Gerechtigkeit ' sind klar selektiv und exklusiv. Und damit stehst du eben völlig in einer eher liberalistischen Denktradition. Ein Anarchist würde immer zunächst die Frage nach der Selbstorganisation und Eigenverantwortung stellen.
Man könnte dazu jetzt ja auch antworten: "Genau deshalb funktioniert das mit dem Anarchismus auch nicht, und sie treten seit hundert Jahren nur auf der Stelle."
Weil das einfach für eine breite Mehrheit der Bevölkerung keine realistische Utopie ist. Und weil eben die Linken (nicht nur die Anarchisten) auf bestimmte Fragen, die die Bevölkerung beschäftigen, keine guten Antworten haben. Eine dieser Fragen ist sicherlich: Was macht die anarchistische Gesellschaft, wenn plötzlich ganz Afrika die Koffer packt und lieber bei ihnen wohnen möchte. Auch wenn das jetzt vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt ist.. aber das Problem ist ja nicht nur rein hypothetisch, sondern wir haben ja gesehen, wie schnell plötzlich sehr große Flüchtlingsströme auf uns zukommen können, und dass sich das vermutlich durch den Klimawandel noch verstärken wird in Zukunft.
Da erscheint mir einfach ein liberaler Ansatz realistischer, und vielleicht auch anschlussfähiger an den "gemeinen Pöbel". Zunächst mal den Staat so antiautoritär und freiheitlich wie möglich machen (und natürlich auch sozial), ohne ganz auf gewisse stabilisierende Strukturen zu verzichten. Wie gesagt, Anarchie als Leitbild... als das, was am Endziel der Entwicklung steht, nachdem man die Menschen behutsam an Liberalität, Solidarität und Eigenverantwortung herangeführt hat. Wenn eine solche Idee nicht anarchistisch ist, dann bin ich wohl auch kein Anarchist. Oder wir definieren Anarchie einfach anders, so dass auch ich und Pippi Langstrumpf Anarchisten sein dürfen.
Die Betroffenen kommen eben in deiner Wahrnehmung nicht als Individuen vor, sondern nur als Repräsentanten einer bestimmten Gruppe. Du triffst sehr schnell Urteile über Personen, die du nicht kennst, deren Biographie und Erfahrungen du nicht nachvollziehen kannst.
Naja, das gleiche könnte ich auch über deine Wahrnehmung von ostdeutschen AfD-Wählern sagen. Da ist dir dann auch relativ egal, was die für Biographien haben und welche Erfahrungen sie zu so einem Weltbild gebracht haben, du siehst erst mal nur die Bedrohung, die von ihnen ausgeht.
Will sagen: Wann immer ein Asylbewerber mit einem Messer um sich sticht, hört man von linker Seite "Das sind bedauerliche Einzelfälle, die man nicht verallgemeinern darf. Die allermeisten Menschen, die zu uns kommen, sind ganz anders."
Wenn hingegen irgendwo ein schwules Pärchen von ein paar gewaltbereiten Rechten angegriffen wird, ist das kein Einzelfall, sondern dann ist jede einzelne Attacke eine zuviel, und natürlich ist das dann auch immer ein Hinweis darauf, dass es nicht nur irgendwo vereinzelt Homophobie gibt, sondern dass die ganze Gesellschaft ein großes strukturelles Problem mit Schwulenfeindlichkeit oder Rassismus hat.
Ich hoffe, man erkennt hierbei die Doppelmoral. Es genügt halt nicht, nur bei den Problemen, die uns persönlich besonders beschäftigen, ganz genau hinzusehen und schonungslos die dem zugrunde liegenden Mechanismen zu analysieren. Sondern man muss das vielleicht auch bei Problematiken tun, die einem ideologisch betrachtet eher nicht so in den Kram passen. Und da denke ich, wird schon oft mit zweierlei Maß gemessen.
Deine Ansichten sind nicht weder 'rechts noch links', sie sind auch nicht sonderlich komplex oder originell. Das ist ganz simpler CDU-Sprech (eher mit rechterer Tendenz, da dir scheinbar auch die CDU nicht restriktiv genug ist) - mit dem genannten Unterschied, dass du natürlich aus subjektiven Gründen bitte nicht mit der Ordnungsmacht identifiziert werden willst, denn das würde deinem 'Selbstbild widersprechen.
Najaaa, das ist wieder so eine ideologisch eingefärbte Unterstellung von dir, die überhaupt nicht der Wirklichkeit entspricht und die ich mir nur damit erklären kann, dass es für dich halt keine Nuancen mehr gibt, sondern immer nur entweder schwarz oder weiß, Freund oder Feind. Mir fallen sehr viele Dinge ein, wo ich regelmäßig über die CDU abkotze, Wehrpflicht, Bürgergeld, Internet-Überwachung, Drogenpolitik, etc.
Es ging hier einzig um die Asylpolitik, wo man schon ganz objektiv beobachten konnte, dass die CDU unter Merkel irgendwann nicht mehr wirklich konservativ war. Und das hat meiner Meinung nach eben entschieden dazu beigetragen, dass viele Konservative sich von der CDU nicht mehr vertreten gefühlt haben und zur AfD abgewandert sind.
Zumindest in meinem Weltbild ist es halt durchaus möglich, dass man in vielen Dingen eher linke oder liberale Ansichten vertritt, aber bei manchen Sachen (sei es nun Migration, Waffenrecht, Ablehnung von Gender-Sprache oder sonst irgendwas) auch mal der Gegenseite zustimmen kann, wenn die irgendwas vernünftiges sagen. Deshalb sage ich, ich bin oft eher zwischen den Stühlen, weder rechts noch links. Und du drehst es dann so hin, als ob ich rechts der CDU wäre, nur weil ich im Bezug auf die Asylpolitik und Political Correctness auch mal rechte Positionen nachvollziehen kann und die linken Parteien kritisiere. Das wirkt eben schon etwas so, als ob du es dir zu einfach machst und immer nur das siehst, was du sehen möchtest.
Das wären mal Ansätze, die tatsächlich über den üblichen Polit-Stammtisch, den du hier deckst, hinausweisen würden
Also die Diskussion hier darf jedenfalls gern wieder vielschichtiger werden, falls du das meinst.
Wenn ich hier ständig nur dabei bin, zu erklären, warum ich manchen Stammtisch-Frust nachvollziehen kann, und was mich an der linken Ideologie und Doppelmoral stört, weil solche Äußerungen von mir nunmal hier auch am meisten Echo und Widerspruch auslösen, dann wirkt das natürlich irgendwann so, als ob sich mein Denken nur noch um diese Dinge dreht.
Ich wollte ja auch gar nicht, dass sich das jetzt über so viele Threads erstreckt. Aber wie gesagt, wenn ich halt mal etwas Kontroverses äußere, muss ich mich dazu öfters erklären und noch weiter ausholen, und dann wirkt das Thema überdurchschnittlich stark repräsentiert. Wenn ich hingegen irgendwo schreibe, dass ich die Wehrpflicht ablehne, widerspricht mir in unseren Kreisen kaum einer, und so wird daraus eben auch keine ellenlange Debatte. Trotzdem sind mir beide Themen ähnlich wichtig, auch wenn es dann vielleicht von außen betrachtet nicht so aussehen mag.