Beiträge von Dian

    Der eine oder andere hat es vielleicht mitbekommen... gerade ist Fußball-WM. Aber aus deutscher Sicht war Fußball dabei wirklich nur ganz am Rand ein Thema.

    Eigentlich ging es hauptsächlich um Menschenrechte, um Ausbeutung von Gastarbeitern in Katar, um Regenbogen-Armbinden und sonstige Solidaritätsbekundungen und Symbolhandlungen.

    Katar und die FIFA waren das neue Feindbild der Medien, und es gab eigentlich außer Uli Hoeneß in der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie niemanden, der die Skrupellosigkeit (oder die Eier) hatte, die homophoben Kamelfic... äh Kamelbesitzer und mafiösen FIFA-Verantwortlichen zu verteidigen.

    Also alle waren sich im Grunde einig, dass sie diese WM nicht haben wollen. :money1:  :desert:  :bigshame::bigshame::bigshame::bigshame::bigshame:

    Wenn man sich aber dann mal anschaut, wie begeistert z.B. die argentinischen oder brasilianischen Fans ihre Mannschaft anfeuern und ihren Spielern huldigen (nämlich so wie immer eben)... da könnte man schon den Eindruck bekommen, dass deren Wahrnehmung sich sehr von der deutschen Wahrnehmung unterscheidet. Denen geht es tatsächlich in erster Linie um den Fußball. Und vermutlich werden auch deren Medien ganz anders darüber berichten als die deutschen Medien. Genaugenommen dürfte Deutschland zusammen mit Dänemark und ein paar anderen europäischen Ländern in dieser Sache wohl eher in der Minderheit sein.


    Und ich frage mich, bei aller Verachtung gegenüber dem korrupten Scheißhaufen FIFA und den rückständigen Mohammedanern... muss denn wirklich alles heutzutage so dermaßen politisch aufgeladen sein?

    Gibt es keinen einzigen Safe Space mehr, in dem man vor Politik, aufdringlichen Botschaften und selbsternannten Moralwächtern geschützt ist? Ok, vielleicht noch im Musikantenstadl... aber ansonsten scheint die Gesellschaft nur noch eine Bühne zu sein, auf der politische Aktivisten jedem, der es nicht wissen will, ihre gutgemeinten Botschaften ins Gehirn meißeln.

    Wie gesagt, ich halte die Kritik an sich für völlig berechtigt.

    Nur... ist sie wirklich aufrichtig? Ist es aufrichtig, wenn Deutschland jetzt Weltgewissen spielt und mit dem Finger ständig auf die bösen Russen oder die bösen Katarer zeigt, während hierzulande immer mehr Kinder psychisch erkranken, weil sie die Scheiße in diesem Land, den Druck und das zwischenmenschliche Klima hier einfach nicht mehr aushalten?

    Ist es aufrichtig, die Behandlung von Gastarbeitern am anderen Ende der Welt zu kritisieren, während hierzulande immer noch kein bedigungsloses Grundeinkommen eingeführt wurde, weil eine Mehrheit der Bundesbürger davon überzeugt ist, dass ohne Existenzdruck keiner mehr die Drecksarbeit machen würde?

    Ist es aufrichtig, mit den Katarern zu schimpfen, weil sie Homosexualität als unmoralisch betrachten, während hierzulande die Knäste gefüllt sind mit Menschen, die nichts getan haben außer Drogen zu verkaufen oder zu konsumieren, was nunmal in unserer Kultur als unmoralisch gilt?

    Ist es aufrichtig, das alles zu kritisieren, sich als das große Weltgewissen zu inszenieren, und dann zwischendurch im großen Stil bei den homophoben Ausbeutern Gas zu bestellen?


    Ich habe keine Antworten an dieser Stelle. Ich stelle nur Fragen.

    Findet ihr, dass es Zeichen unseres kulturellen Fortschritts ist, dass sich die Menschen in Deutschland so viele Gedanken über die Menschenrechte in anderen Ländern machen?

    Ist es vielleicht sogar der einzig richtige Weg, wie es jemals besser werden kann, wenn man all diese Dinge anspricht und kritisiert, und gegebenenfalls auch unmoralische Länder/Unternehmen, etc. boykottiert?

    Oder ist es nicht eher ein reines Wohlstandsphänomen, dass Menschen, denen es materiell zu gut geht und die zu viel Zeit haben, anfangen, Weltverbesserer zu spielen, während Menschen mit existenziellen Problemen ganz andere Sorgen haben und gar nicht auf die Idee kämen, sich über solche Dinge den Kopf zu zerbrechen?

    Oder könnte man vielleicht sogar sagen, speziell in Deutschland haben das Dritte Reich und die darauf folgende, generationenübergreifende Aufarbeitung und Schuldgefühle ein Trauma ausgelöst, weshalb die Deutschen nun meinen, besonders heilig, engagiert und minderheitenfreundlich sein zu müssen?

    Ich gebe zu, es ist hier etwas arg still geworden in den letzten Wochen... aber so verzweifelt, dass ich die beiden Krawallbrüder zurückhaben möchte, bin ich nun auch wieder nicht. Immerhin gab es seither auch keinen Streit mehr hier, und das ist ja eigentlich das, was mit dem Rausschmiss bezweckt werden sollte.

    Ich weiß, dass Unmensch auch gute Beiträge geschrieben hat. Aber er ist meines Erachtens zu weit gegangen, als er anfing, hier den Türsteher zu spielen und Leute rausekeln zu wollen, die seiner Meinung nach nicht ins Forum gepasst haben. Es geht nicht nur um den Streit mit SeeBee, sondern ich fand sein Verhalten auch gegenüber anderen Usern nicht in Ordnung. Da war einfach so eine latente Feindseligkeit und Überheblichkeit zu spüren, und das hat viel Gift ins Forum getragen.

    SeeBee wiederum hat eigentlich keinen Stress mit anderen Usern angefangen, außer mit denen, die ihn zuerst angegriffen haben. Seine Aussagen fand ich aber zugegebenermaßen teilweise auch nicht Unity-würdig. Andererseits war er sicher auch nicht das personifizierte Böse oder der personifizierte Dummschwätzer, der von nix Ahnung hat. Immerhin von Musik hatte er Ahnung. Aber gut, Adolf Hitler hat auch schöne Aquarelle gemalt, und sicher auch hin und wieder mal einen vernünftigen Satz von sich gegeben. Deshalb wollte ich ihn noch lang nicht hier im Forum haben. :D


    Also was ich sagen möchte:

    Ich hätte hier halt gern eine Community ohne toxische Persönlichkeiten und ohne Fanatiker. Mit Fanatiker meine ich in dem Zusammenhang einfach User, die sich total reinsteigern in ihr Thema, zwanzig Threads dazu aufmachen und gar nicht merken, wenn sie anderen mit ihren Missionierungsversuchen auf den Sack gehen.

    Aber wie es aussieht, braucht eine jede Community ein paar "Psychos", die den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben als hier ellenlange Beiträge zu verfassen... denn den meisten "normal" tickenden Usern fehlt anscheinend das nötige Mitteilungsbedürfnis und Sendebewusstsein. ;)

    Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass hier irgendwann wieder mehr los sein wird, auch ohne dass wir jetzt wieder ein warmes Bett für hungrige Trolle bereithalten.

    Oder, um in Deutschland zu bleiben, an diejenigen, die sich jetzt über klebende Klimaaktivisten aufregen und die Gelegenheit bewusst oder unbewusst nutzen, um vom eigentlichen Problem abzulenken.

    Naja, das sind eben diese Schein-Debatten, die niemanden weiterbringen... hauptsache man hat was, worüber man schimpfen kann. Egal, ob man sich nun über demonstrierende Klimaaktivisten aufregt, oder über Gaffer die einen Unfall beobachten, oder über Weiße, die sich als Schwarze verkleiden... Das sind alles Dingen, an denen die Welt ganz sicher nicht zu Grunde gehen wird. Und dieses Phänomen gibt es eben in allen Schichten der Gesellschaft, nicht nur am linken oder rechten Rand.

    Eine gewisse Lockerheit im Umgang mit Dingen, die vielleicht moralisch nicht ganz ok sind, aber an denen die Welt ganz sicher nicht zu Grunde gehen wird, wäre mal der erste Schritt, um überhaupt zu einer allgemeinen Entspanntheit und besseren Dialog-Grundlage zu finden. Aber manchmal glaube ich, das den Leuten zu vermitteln ist ein Ding der Unmöglichkeit.... da müsste man eigentlich schon in der Schule ansetzen. Gechilltheit und eine gewisse Resistenz dagegen, auf jeden Reiz sofort anzuspringen wie ein sabbernder Kampfhund, ist meines Erachtens eine esenzielle zivilisatorische Fähigkeit. Die natürlich auch nicht dazu führen sollte, dass man sich alles gefallen läst, klar. Es ist ein Balance-Akt. Aber niemand bringt den Menschen das Balancieren bei.

    Wer allen Ernstes fordert, dass vergewaltigte Jugendliche ihr Kind austragen müssen, wer Arbeitslose zur Zwangsarbeit abkommandieren will, wer an die europäischen Außengrenzen reist, um dort mit rechten Milizen Jagd auf Flüchtlinge zu machen, mit dem können wir keinen Kompromiss finden.

    Ich denke, es geht nicht darum, den Fanatikern das Gestalten der Gesellschaft zu überlassen. Aber vielleicht ihre Meinung anzuhören und mal einfach so stehen zu lassen, auch wenn es unerträglich erscheint, und nicht gleich aus Reflex heraus auf sie zuzustürmen und sie mit Weihwasser zu bespritzen, als ob sie das personifizierte Böse wären.

    Denn dieses sich gegenseitig angiften führt eben nur dazu, dass sich die Fronten immer weiter verhärten. Es kann so keine Entspannung stattfinden. Einen Kompromiss für die Gestaltung der Gesellschaft zu finden, wäre ohnehin erst der übernächste Schritt. Zunächst geht es doch darum, dass eine Entspannung sicher nichts schadet.

    Das heißt ja nicht, dass ich dem dann alles durchgehen lasse, was er TUT, nur weil ich ihm alles durchgehen lasse, was er SAGT.
    Du hast es doch im Grunde selbst verlinkt neulich... in dem Video von diesem Obi-Wan Kenobi-Typ, der über die Konfliktlösung gesagt hat, wie wichtig es ist, dem Gegenüber in einem Streit das Gefühl zu geben, dass man sich erstmal wertungsfrei anhört, was er zu sagen hat, und dass man seine Gefühle und Ängste nachempfinden kann, anstatt gleich zu verurteilen.

    Genau in diesem Sinne meine ich das. Und nun übertrag das mal auf die Situation auf Twitter oder Facebook (oder hier im Forum). Könnte man dort auf dieselbe Weise nicht auch viel Gift und Aggression aus der Debatte nehmen, wenn man einfach erstmal anders miteinander umgehen würde anstatt dem anderen sofort für seine Meinung ins Gesicht zu springen?

    Denn die allgemeine Vorstellung von Meinungsfreiheit behinhaltet nicht, die Meinungen die der eigenen Wiedersprechen so wie sie sind dastehen zu lassen. Es meint lediglich dem Anderen zu gestatten diese zu äußern, dabei möchte man es aber nicht belassen.

    Hat man ja auch vor ein paar Monaten prima hier im Forum gesehen (falls du das mitbekommen hast mit Unmensch und SeeBee und Co... )
    Es ist vielen Menschen einfach nicht möglich, die Meinung des anderen einfach mal stehen zu lassen, auch wenn sie der eigenen widerspricht. Jede Meinungsäußerung des Gegenübers wird gleich als feindselige Provokation, als Angriff auf das eigene Wertesystem, empfunden, auf den man sofort und geradezu zwanghaft reagieren muss, weil man sonst das Gefühl hat, seine heiligen Werte zu verraten.
    Das sehen wir im Internet, genau wie in der Politik. Die von Merkel geprägte "Alternativlosigkeit" beinhaltet genau das...

    Merkel hat gesagt, dass es alternativlos ist, auf die Flüchtlingskrise so zu reagieren, wie sie es tat. Dabei war es ja objektiv betrachtet nie alternativlos... man hätte definitiv auch anders reagieren können. Nur für sie, die in ihrem Wertesystem gefangen war, erschien es vielleicht wirklich so, dass sie nicht anders handeln konnte. Aber andere Menschen mit anderen Wertmaßstäben hätten vielleicht anders gehandelt.

    In der Corona-Politik dann später genau das gleiche. Wieder hieß es "Wir müssen das so machen, es gibt keine Alternative". Natürlich hätte es Alternativen gegeben. Man wollte sie aber gar nicht hören. Jetzt im Nachhinein rudern manche zurück und sagen: "Ach ja, man hätte dieses und jenes sicher auch anders lösen können."

    Doch in dem Moment: Alternativlos. Wer es auch nur gewagt hat, dagegen zu argumentieren, war schnell der "herzlose Menschenfeind", der nur an seine individuelle Freiheit denkt und den es nicht kümmert, wenn die Alten und Schwachen alle sterben werden.

    Es gibt nur noch "Entweder du bist mit uns, oder du bist gegen uns... und wenn du gegen uns bist, dann bist du auf der Seite der Unmenschlichkeit/der Nazis/der Lügenpresse oder was auch immer, und wir müssen dich bekämpfen, weil deine Meinung sowas von falsch ist!"

    Da sehe ich gerade dann auch das wahre Problem für die Gesellschaft in den nächsten Jahren...

    Die zunehmende Zementierung von Weltbildern. Jede Gruppe versucht nur noch, ihre Weltanschauung durchzusetzen, andere niederzubrüllen, andere auszuschließen.

    Aber weil es so viele gegensätzliche Ansichten gibt, wird nie eine Gruppe den endgültigen Sieg davontragen (auch wenn es alle noch so erbittert versuchen).

    Es muss einen anderen Weg geben. Ich bin mir oft auch nicht mehr sicher, teile ich nun die Argumente der einen Seite... vielleicht die der radikalen Umweltschützer... oder doch die der anderen, die das System an sich kritisieren und sich nicht bevormunden lassen wollen von einer Regierung?

    Was ist schon Wahrheit? In jeder Ansicht steckt irgendwo eine subjektive Wahrheit, und jede Seite hat ein paar gute Argumente. Ich weiß nur eins: Wenn in den Lösungen, die uns die verschiedenen Interessens-Gruppen anbieten, nicht der Gedanke von "Leben und leben lassen" vorkommt, dann ist es nicht meine Lösung, und nicht meine Wahrheit.

    Denn ohne eine gute Portion "Leben und leben lassen" wird es nicht funktionieren.

    Dies geschieht mitunter gar nicht böswillig, sondern mit lauter guten Absichten den anderen zu bekehren.

    Sehe ich auch so. Ich will auch den ganzen Woke-Aktivisten nicht ihren guten Willen absprechen.

    Rassismus, Vorurteile und Diskriminierung sind ja auch wirklich Probleme, die man nicht unter den Teppich kehren sollte.

    Nur die Mittel, wie sie es teilweise durchsetzen wollen (Cancel-Culture, Kampf gegen "Kulturelle Aneignung", als ob es keine wichtigeren Probleme auf der Welt gäbe, etc.) sind einfach nicht die richtigen.

    Das ganze Konzept, die Menschheit "erziehen" zu wollen mithilfe der Medien oder des Staates und seiner Gesetze, ist einfach zum Scheitern verurteilt. Wir sollten froh sein, wenn der Staat keine Kontrolle mehr über die Gehirne der Menschen ausübt. Wir sollten froh sein, dass wir davon ein Stück weggekommen sind im Lauf der letzten 70 Jahre, dass der Staat oder irgendwelche Politiker den Menschen erklären, wie sie zu leben, zu denken und zu fühlen haben...

    Und die neutrale Berichterstattung in den Medien, wie wir sie früher hatten (in den 80ern in der Tagesschau und so, wo ganz emotionslos über die Krisen auf der Welt gesprochen wurde) war eigentlich eine gute, positive Errungenschaft, verglichen mit der Hetze früherer Jahre. Wäre besser gewesen, die Medien wären dabei geblieben, anstatt alles zu emotionalisieren und zu dramatisieren. Denn heute ernten wir die "Früchte" dieser Emotionalisierung: Aufgepeitschte, aufgehetzte und rastlose Menschen, die für ihre Ansichten bereit sind, über Leichen zu gehen, weil sie von der unfehlbaren Richtigkeit ihrer Emotionen und ihrer Werte überzeugt sind. Und dabei sehen sie gar nicht, wie sie andere Menschen, die sich von ihnen bedroht fühlen, ebenfalls fanatisieren. Und am Ende kloppen alle aufeinander ein und vergeuden ihre Kraft dafür, den jeweiligen politischen Gegner in die Pfanne zu hauen. Was auf der Strecke bleibt, ist die eigentliche gute Absicht, und zu großen Teilen auch die Menschlichkeit, selbst von denjenigen, die im Namen der Menschlichkeit zu kämpfen glauben.

    Ich halte Elon Musk ja für einen arroganten Arsch mit leichter Tendenz zum Größenwahn...

    Aber dass er jetzt versucht, für etwas mehr Meinungsfreiheit bei Twitter zu sorgen und diesen ganzen Political Correctness-Mainstream-Idioten mal den Stinkefinger entgegenstreckt, finde ich schon ganz sympathisch.

    Allein schon, wenn man sieht, wie kritisch das fast überall von den Mainstream-Medien gesehen wird, und wie es viele Journalisten als total schlimm anprangern, wenn man versucht, im Internet wieder eine etwas lockere Haltung zu diesen Dingen durchzusetzen (wie sie noch vor 10 oder 15 Jahren völlig selbstverständlich war)... dann muss einem doch auffallen, wie sich die öffentliche Meinung und das Internet in den letzten Jahren verändert haben. Und wie sich dabei eben vor allem die Hardliner mit ihren Ansichten durchgesetzt haben, die schon vor zwanzig Jahren das Internet nicht als "rechtsfreien Raum" sehen wollten, sondern es genauso kontrollieren und überwachen wollten wie den ganzen Rest unserer Gesellschaft.

    Und das waren damals übrigens noch hauptsächlich Leute von der CDU und CSU. Die Konservativen.

    Mittlerweile wird die Meinungsfreiheit im Netz aber auch zunehmend von links bedroht, und von allen möglichen "Aktivisten", die ihre politische Agenda aus der realen Welt auch unbedingt im virtuellen Raum durchsetzen wollen und kein Problem mit Zensur haben, so lange die Zensur nur die Meinung des jeweiligen politischen Gegners betrifft. Bösartige Kommentare, die nunmal zum Internet dazugehören, werden von Menschen, die das Internet nie verstanden haben, als "Hassbotschaften" bezeichnet... mittlerweile nennen sie es selbst "Hassposting", wenn jemand sich über einen dicken Politiker lustig macht oder einen frauenfeindlichen Spruch raushaut. Und in diesem Zuge ist es eben auch bei den Mainstream-Medien und den (hauptsächlich mitte-links-orientierten) Journalisten dazu gekommen, dass man eine restriktivere Kontrolle und strafrechtliche Verfolgung von Meinungsäußerungen im Internet regelrecht bejubelt. Weil man sich eben auch immer moralisch schön auf der richtigen Seite wähnt.


    Das ist der Status Quo, den wir heute haben. Dass eigentlich aufgeklärte, humanistisch denkende Menschen die Argumente von konservativen, menschenfeindlichen Hardlinern übernommen haben, und teilweise auch schon deren Weltbild ("Wir brauchen einen starken Staat, eine strenge Justiz, etc. Die Menschen müssen vor sich selbst geschützt werden, weil sonst Chaos und Anarchie herrschen würde, bla bla")

    Viele von denen merken vielleicht nicht einmal, wie sie sich gedreht haben im Lauf ihres Erwachsenwerdens, und wie sie nun selber ein Weltbild vertreten, für das sie irgendwelche CSU-Innenminister in ihrer rebellischen Jugendphase vielleicht noch verachtet haben.

    Natürlich muss man andererseits auch sagen, dass das Netz von heute einen anderen Stellenwert hat als vor 20 Jahren. Dass heute damit Wahlen entschieden werden, und dass leider Gottes auch so dermaßen viele Vollidioten im Internet unterwegs sind, die jeden noch so grottenschlecht gelogenen Lügenmist glauben, dass man sich schon manchmal fragt: Müssen die Menschen vielleicht doch wie kleine Kinder vor Lügen und Fake-News geschützt werden, weil sie schlicht zu dumm dafür sind, um sowas selber erkennen zu können?

    Aber mit derselben Argumentation können wir dann auch gleich Bücher verbrennen, die unwahre Behauptungen enthalten, und am besten auch noch den Kopp-Verlag verbieten und alle sonstigen Medien, in denen politisch unerwünschte Dinge geäußert werden. Nicht wenigen würde diese Vorstellung vermutlich sogar gefallen... und genau da sehe ich eben auch das Problem. (welches viele leider nicht zu sehen scheinen)

    Es gibt keine "gute" Zensur. Viele Jahrhunderte lang wird schon zensiert, und eigentlich immer im Namen von Moral und Sitte. Und immer mit den gleichen Argumenten, wie auch heute noch: "Wir müssen die dummen Menschen vor unmoralischen Dingen schützen, sonst ist der gesellschaftliche Frieden bedroht." Nur was Moral ist, und was die richtigen Sitten sind, das verändert sich nunmal mit dem Zeitgeist. Und zu jeder Zeit waren die Menschen felsenfest davon überzeugt, dass ihre Moralvorstellungen die einzig wahren sind, für die es sich zu zensieren und zu unterdrücken lohnt. Mindestens genauso, wie heute eben der Mainstream wieder felsenfest davon überzeugt ist, dass die heutige Moral so perfekt ausgereift und fehlerfrei ist, dass man in ihrem Namen gern alle Andersdenkenden mundtot machen darf.


    Und nur um das klarzustellen: Es geht mir nicht darum, dass jeder Idiot überall nach Lust und Laune andere User belästigen darf. Ich bin durchaus ein Freund davon, dass es eine gewisse Netiquette gibt, und dass User, die sich zu sehr daneben benehmen, auch mal vor die Türe gesetzt werden, etwa in Diskussionsforen wie unserem hier. Das ist ganz selbstverständlich, auch in der realen Welt. Wer sich unbeliebt macht und anderen Menschen ständig auf den Sack geht, der kriegt irgendwann einen Arschtritt verpasst.

    Es geht mir um Seiten wie Youtube, Facebook, Twitter und Co. Es ist krass, was mittlerweile auf Youtube alles gelöscht wird. Von Facebook und Twitter hab ich keine Ahnung, interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht. Aber ich bin einfach dafür, dass das Internet ein Ort bleibt, an dem man nicht zweimal nachdenken muss, was man sagen darf, sondern wo es etwas direkter und ehrlicher zugeht. ("ehrlicher" in dem Sinn, dass man sich so geben kann wie man ist. Und wenn man ein verlogenes Stück Scheiße ist... tja, meinetwegen, dann soll man so sein dürfen im Internet. Zumindest auf seinem eigenen Twitter-Profil. Selbst wenn man Donald Trump heißt.)


    Was denkt ihr? Brauchen wir Regeln im Internet? Wie viele Regeln brauchen wir? Wer soll das festlegen?

    Und würde wirklich die Welt untergehen, wenn das Netz heute wieder so unreguliert wäre wie zu seiner Anfangszeit?

    Insofern finde ich es es schon recht dreist, sich vom weitestgehend sicheren Deutschland aus anzumaßen, das Handeln oder Nichthandeln von Menschen in Diktaturen zu bewerten.

    Das war ja jetzt nicht im Sinne einer Kritik an den Menschen dort gemeint, sondern einfach als sachliche Feststellung der Tatsache, dass in vielen Ländern Revolutionen längst überfällig scheinen, aber einfach nichts passiert.

    Wenn ich in so einem Land leben würde, würde ich vermutlich auch nicht mein Leben riskieren im Kampf gegen einen übermächtigen Feind. Ich würde aber vermutlich auch nicht dort bleiben wollen, sondern Asyl beantragen und nach Deutschland kommen (und dann vielleicht auch dort für Freiheit in meinem Heimatland demonstrieren, wer weiß. Oder eben über das Internet meinen Beitrag leisten, damit sich in meiner Heimat etwas ändert.)

    Konkret habe ich bei Ländern wie dem Iran aber wenig Hoffnung, siehe Afghanistan. Je länger die Menschen unter solchen Umständen leben, umso selbstverständlicher gehen den meisten diese falschen Werte in Fleisch und Blut über, und die kriegst du da dann kaum noch raus.

    Deutschland war ja "nur" 12 Jahre lang von den Nazis beherrscht, und selbst diese Zeitspanne hat schon gereicht, dass viele dieses Denken ihr Leben lang nicht mehr aus dem Kopf gekriegt haben. Von daher sehe ich da eher schwarz für die Zukunft, selbst wenn es irgendwann eine Revolution geben sollte... es wird ja in solchen Ländern aller Erfahrung nach doch nie wirklich demokratisch danach.

    Die Frage, wieso Menschen sich nach autoritären Führern und Systemen sehnen oder sich zumindest mit diesen wohlwollend arrangieren, ist das eigentliche Problem.

    Das Problem ist, dass diese Zeiten zynisch machen, und Zynismus lässt die Nadel eher nach rechts ausschlagen.

    Nicht nur diese Zeiten... vielleicht ist es einfach so, dass das Erwachsenwerden zynisch macht, weil man zu oft enttäuscht wurde, sich zu oft selbst verbiegen musste, und sich irgendwann in einem Leben wiederfindet, das man eigentlich nie haben wollte, aber das man jetzt eben mögen muss, weil es ja das einzige Leben ist, das man hat.

    So jemandem brauchst du dann nichts von "Solidarität mit den Schwachen und Entrechteten" erzählen. Da greifen Parolen wie "Die Schwachen und Entrechteten haben sich zusammengetan, um dir dein Land und deine Frau zu rauben" vermutlich eher. Weil es halt auch mehr die eigenen Erfahrungswerte dieser Menschen widerspiegelt, dass man um seinen Platz am Futtertrog kämpfen muss, und dass einen unrealistische, naive Träume nirgendwo hin bringen.

    Was wir brauchen, ist Liebe und Weisheit. Jeder Einzelne braucht mehr davon... und die Gesellschaft, die nur Abbild des geistigen/seelischen Zustandes ihrer Mitglieder ist, ebenso.


    LIEBE - Liebe macht einen solchen fundamentalen Unterschied. Es mag kitschig klingen, was ich nun schreibe... doch alles wird anders durch Liebe. Dinge, die uns nerven oder frustrieren, unser ganzes Dasein... alles erstrahlt in einem angenehmeren Licht, wenn da Liebe in unserem Leben ist. Wenn wir das Gefühl haben, nein, wenn wir wissen, dass wir geliebt werden von jemandem, und wir auch lieben.

    Und ich glaube, erst, wenn wir dieses Gefühl erleben, und uns Liebe durchströmt, sind wir wirklich angekommen in diesem Leben. Denn Liebe heißt ja nicht nur, einen Menschen zu haben, mit dem man Zärtlichkeiten austauschen kann. Liebe heißt vor allem auch, zu wissen, dass man richtig ist, dass man gewollt ist.

    Wie viele Kinder haben dieses Gefühl verlernt im Lauf des Erwachsenwerdens? Das Gefühl, gewollt zu sein, in einer Welt, die einem beständig nur entgegenzurufen scheint: "Du bist nichts! Du hast keine Ahnung! Du bist nur ein Sklave von Millionen!"

    Wie viele geben diesem und jenem die Schuld an ihrer Misere und landen im Hass? Hass auf den politischen Gegner, Hass auf irgendwelche Sündenböcke, Hass auf alles, von dem man glaubt, dass es dafür verantwortlich ist, dass wir uns so ungewollt und verloren fühlen?

    Hass spaltet unsere Gesellschaft. Hass frisst die Seele auf (bzw. den Rest, der davon noch übrig ist.)

    Wenn wir hingegen Liebe empfinden, sind wir ausgeglichener und zufriedener. Wir ziehen nicht mehr gegen alles und jeden in den Krieg, weil wir einen Platz haben, an den wir gehören, und den wir nicht verlassen möchten. Wir kümmern uns nicht mehr so viel um die Meinung anderer Leute, wir wollen nicht immer mehr und noch mehr. Denn Liebe ist bereits perfekt, es gibt keine Steigerungsform davon. Wenn wir sie haben, wissen wir, dass wir am Ziel einer langen Reise angekommen sind, und wir wünschen jedem anderen Menschen auch diesen inneren Frieden, dieses Gefühl, angekommen zu sein und loslassen zu können.
    Nun mag man vielleicht einwenden: Fast jeder ist doch mit irgendwem in einer Beziehung und liebt jemanden. Die Welt ist voller Paare und Familien. Warum ist dann trotzdem alles so abgefuckt?

    Zum einen liegt dies natürlich an den gesellschaftlichen Begebenheiten, die die Menschen von kleinauf im Würgegriff halten.

    Der ständige Druck und Zwang, sich beweisen zu müssen. Geld zu verdienen. Gute Noten zu schreiben. All das hält uns auf Trab. Lässt uns nicht zur Ruhe kommen. Macht uns irre im Kopf. Und wer so irre ist, der erkennt die Liebe oft gar nicht, ist gar nicht in der Lage, sie zu geben oder zuzulassen. Oder hat schlicht nicht genügend Zeit dafür... Zeit, die man braucht, um einen anderen Menschen wirklich kennenzulernen, und nicht nur dessen Avatar. So kommt es, dass viele Menschen in einer Beziehung leben, aber dennoch nicht wirklich viel Liebe erfahren, und an den Andersartigen, die sie vielleicht wirklich lieben könnten, nur achtlos vorübergehen.


    WEISHEIT - Weisheit entsteht durch Abstand. Beobachten und darüber nachdenken, was man sieht. Das, was ich schon immer predige, von Anfang an, seit dieses Forum existiert.

    Liebe benötigt Weisheit. Naja, vielleicht nicht unbedingt... auch dumme Menschen oder Tiere können Liebe empfinden oder zulassen. Sagen wir also besser: Liebe benötigt, dass wir nicht von falschen Gedanken geleitet werden. Und das ist letztlich ja auch irgendwie Weisheit... sich nicht von falschen Gedanken, die einem nicht gut tun, von den Dingen abbringen zu lassen, die im Leben wirklich zählen.

    Weisheit kann man auch haben, ohne je ein Buch gelesen zu haben. Es hilft einem aber natürlich dabei, weise zu sein und die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn man die Mechanismen der Welt studiert hat und über ein breitgefächertes Wissen verfügt.

    Und wenn ich dann sehe, was jungen Menschen in der Schule heutzutage so beigebracht wird... das hat mit Weisheit nichts zu tun. Vermutlich war es schon immer so. Aber es ist mir eben gerade wieder bewusst geworden, wenn man sieht, was Schüler für ne Scheiße machen müssen. Die bekommen zumindest in der Oberstufe nur noch einen Text nach dem anderen vorgelegt, und den sollen sie dann nach dem immer gleichen Muster "analysieren". Was in der Praxis bedeutet, wie ein seelenloser Roboter den Inhalt wiederzukäuen. Wenn du zu kreativ bist, kriegst du einen Rüffel vom Lehrer, weil du die formalen Kriterien nicht erfüllt hast.

    Weisheit ist von dieser Art von "Schule" so weit entfernt, wie sie nur sein kann.

    Warum lernt man zum Beispiel nichts über Liebe in der Schule? Was man dabei beachten sollte... wie man verhindert, dass man an die falschen Menschen gerät... wie man sich selbst lieben und annehmen kann. Solche Dinge eben, die von essentieller Bedeutung sind, gerade, weil ich ja vorhin ausgeführt habe, wie fundamental wichtig Liebe ist. Aber wir entlassen die Kinder nach teilweise 13 Jahre Schule in die Welt als völlige Analphabeten, was Liebe angeht, was Freundschaft angeht, was einfach so ziemlich alles angeht, auf das es im Leben wirklich ankommt. Hauptsache, sie können eine Kurvendiskussion führen und jeden noch so uninteressanten Text nach den formal richtigen Gesichtspunkten analysieren und mit eigenen Worten wiedergeben, was sie eigentlich gar nicht interessiert und für ihr weiteres Leben ohne jeden Belang ist.

    Und dann beklagen sich die Verantwortlichen unseres Systems darüber, dass die Populisten so viel Zulauf erhalten... dass es wieder verstärkt zu Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit kommt.

    All das ist das Resultat mangelnder Weisheit, und mangelnder Liebe.

    Ein Mensch, der wirklich gelernt hat, die Dinge zu hinterfragen und auf sein Herz zu hören, würde nie auf irgendwelche Rattenfänger hereinfallen. Er würde aber vielleicht auch das heutige System nicht mehr haben wollen, mit diesen ganzen Zwängen und autoritären Regeln, die man einhalten muss, obwohl man nie gefragt wurde, ob man überhaupt damit einverstanden ist. Wer weise ist und Liebe und Mitgefühl für andere Menschen empfindet, muss eigentlich Anarchist sein. Zumindest wird ihm klar sein, was Zwang und Angst in den Menschen anrichten, und das ein System, dass mit diesen Methoden der schwarzen Pädagogik arbeitet, niemals Frieden finden kann.

    So gesehen ist es kein Wunder, dass das System ein großes Interesse daran hat, dass junge Menschen nur "gebildet" werden, aber nicht weise, und dass sie auch nicht zu viel über Liebe und Freundschaft und echte Solidarität erfahren. (Höchstens diese geheuchelte Solidarität, die darauf hinaus läuft, sich in die Herde zu integrieren und sich darin selbst zu verlieren.)


    LIEBE UND WEISHEIT - Das ist es, was wir brauchen... und was diese Welt braucht.

    Die Frage ist nur: Wir bringt man das an die Menschen ran? So lange die Schule so ist, wie sie ist. So lange wir das System nicht ändern können, das die Menschen am lieben und am weise werden hindert.

    Ich sehe eigentlich nur die Möglichkeit, es vorzuleben. Und anderen davon zu erzählen... natürlich, ohne penetrant oder all zu aufklärerisch aufzutreten und mit seiner Weisheit hausieren zu gehen. Wer wirklich weise ist, erkennt auch, wann er seinen Mitmenschen auf den Sack geht und lieber die Schnauze hält.

    Wir bräuchten im Grunde eine Kultur, in der immer mehr Menschen sich zu diesen Werten bekennen, sie leben und andere inspirieren. Eine Kultur, in der junge Menschen es als erstrebenswert betrachten, Weisheit zu erlangen und Liebe zu finden und zu geben, anstatt irgendwelchen materiellen Zielen oder dem Zeitgeist hinterherzulaufen.

    Mancher mag jetzt vielleicht denken: So etwas ähnliches gibt es doch schon. Nennt sich Christentum. Zumindest die, die es damit ernst meinen und die Botschaft von Jesus wirklich verstanden haben, versuchen ja auch, so in der Art zu leben, anderen ein Vorbild zu sein, Liebe zu geben, verantwortungsbewusst zu handeln, etc. Ich will das auch mal gar nicht komplett ins Lächerliche ziehen an dieser Stelle, wie es mein Alter Ego Gunnar Mageddon in "Traumwandler" getan hat.

    Es gibt unter Christen durchaus auch Aufrichtigkeit und Weisheit, und den Wunsch, die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort zu machen. Unter Muslimen und Budhisten natürlich auch.

    Nur erscheint es mir eben etwas mühsam, diese Werte anhand eines zweitausend Jahre alten Buches mit den immer gleichen Geschichten zu vermitteln.

    Ich denke, wir bräuchten mehr Geschichten. Neue Geschichten vor allem. Vielseitigere Geschichten.

    Die Bibel dieser neuen Bewegung, die sich der Liebe und der Weisheit verschrieben hat, müsste viel vielfältiger sein. Es dürfte im Grunde gar nicht eine einzige Bibel geben, sondern die Bibeln dieser Bewegung müssten aus allen klugen Büchern und Geschichten bestehen, die in den letzten zweitausend Jahren geschrieben worden sind.

    Meine Romane würden sicher ebenfalls ein kleiner Teil davon sein. Doch eben nur ein ganz kleiner, bescheidener... denn es gibt ja so viel mehr gute Literatur da draußen... so viele große Werke, die uns etwas lehren können über Menschlichkeit, über Liebe, über den Sinn des Lebens. Es gibt nahezu unendliche Quellen an Weisheit. Doch sie vermodern in Bücherschränken, weil sie nicht, wie die Bibel, jeden Tag gepredigt und gelehrt werden, sondern weil sie veralten, vergessen werden... weil sie keine Botschafter haben, keine "Zeugen Jehovas", die sie in die Welt hinaus tragen und dafür sorgen, dass diese Worte zum Leben erwachen und gelebt werden, anstatt dass sich nur irgendwelche vertrockneten Literaturliebhaber einen darauf runterholen, wie gebildet sie doch sind, weil sie so viele Werke der Weltliteratur in ihrem Regal stehen haben.


    Was wir bräuchten, wäre eine Gruppe Jedi-Ritter, die im Namen von Weisheit und Liebe ausschwärmen, durch die Lande ziehen, für das Gute kämpfen, ihr Leben leben, und anderen Menschen dadurch ein Vorbild sind... sie dazu inspirieren, es ihnen gleich zu tun. Eine Art neue "Religion" oder "Ideologie", auch wenn es mir fast körperliche Schmerzen bereitet, diese Worte auch nur auszusprechen, weil Religionen und Ideologien schon so viele negative Dinge hervorgebracht haben und für Dogmatismus und Gleichschaltung stehen. Sagen wir daher lieber, eine Wertegemeinschaft... eine Bewegung unorganisierter, ähnlich denkender Gleichgesinnter. Man muss es nicht Unity nennen. ;)

    Und auch nicht Anarchismus, weil Anarchismus zwar viele Elemente dieser Gedanken enthält... wie gesagt, wer wirklich weise ist und Liebe und Mitgefühl empfindet, kann eigentlich kaum Hierarchien und ein bürokratisches System, das auf Strafen und Einschüchterung von Abweichlern basiert, für das Maß aller Dinge halten... und doch ist Anarchismus nur ein Teilstück vom Ganzen, denn ohne Weisheit und Liebe kann es theoretisch zwar auch eine anarchistische Gesellschaftsordnung geben, aber sie würde nie funktionieren, so lang nicht ein Großteil der Menschen in dieser Gesellschaft es begriffen hat und es auch wirklich lebt, was ich hier über Weisheit und Liebe zu vermitteln versuche.

    Ich mag jedenfalls den Gedanken daran, dass es irgendwann so kommen könnte. Dass es eine solche Bewegung geben wird, deren Mitglieder im Namen dieser Werte durch die Lande ziehen und die Menschen unterrichten, und vielleicht auch irgendein unauffälliges Erkennungsmerkmal haben, damit sie sich untereinander erkennen können. Und dass es in jeder Stadt Anlaufstellen gibt, Treffpunkte, ein Clubhaus... Versammlungsstätten dieser Bewegung, auch in der realen Welt.

    Realistisch betrachtet fürchte ich aber, eine solche Bewegung würde jede Menge Spott auf sich ziehen, gerade im Internet, und dass alles längst viel zu verkommen und zynisch geworden ist, als dass man mit irgendwelchen edlen Rittern noch etwas reparieren könnte. Aber wer weiß, vielleicht ja irgendwann später einmal, aus den Ruinen unserer modernen Zivilisation heraus...


    Das alles sind Gedanken, wie ich sie auch schon vor zwanzig Jahren hatte, als dieses Forum noch ganz frisch war. Im Grunde hat sich gar nicht so viel geändert an meiner Einstellung seit damals.

    Doch ohne Liebe... ohne diese gewissen magischen Momente im Leben... ohne ein erkennbares Licht am Ende des Tunnels... neigt man irgendwann dazu, der Misanthropie zu verfallen und nur noch das Hässliche in den Menschen und dieser Welt zu sehen.

    Momentan fühle ich wieder diese Magie in meinem Leben, die ich so lange vermisst habe, und sehe manches in einem anderen Licht... vielleicht in einem ähnlichen wie damals, nur ohne den Idealismus der Jugend (und die zuweilen damit einhergehende Arroganz...). Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass ich in absehbarer Zeit wieder der Schaffenswut verfalle. Diese Schaffenswut war oft auch nur kanalisierte Verzweiflung, die ich eben irgendwie in Kreativität umgewandelt habe... es ist also nicht zwangsweise so, dass ich wenn ich besser drauf bin auch wieder mehr in die Öffentlichkeit dränge und mehr Mitteilungsbedürfnis habe. Vielleicht ist es sogar eher umgekehrt. Dem Forum werde ich aber natürlich so oder so treu bleiben. Und wenn es hier mal wieder etwas mehr Aktivität geben sollte, werde ich höchstwahrscheinlich da sein und mich auch wieder ein bisschen mehr daran beteiligen.

    Mir kamen heute einfach diese Gedanken, als ich etwas länger durch den herbstlichen, bunten Wald gelaufen bin, und dachte mir, das wäre doch mal wieder einen längeren Beitrag im Forum wert. Auch in Erinnerung an die gute alte Zeit, als ich solche Beiträge noch regelmäßig verfasst habe.

    Jedenfalls ist das einzig "heiße" an diesem Herbst bislang die für Oktober ungewöhnlich warme Lufttemperatur. :desert:

    Bei Landtagswahlen entscheiden die Menschen, dass sie total zufrieden sind mit den Regierungsparteien und es ruhig so weitergehen kann.

    Proteste gibt es vereinzelt, aber genau wie zu Corona-Zeiten meistens verbunden mit Weltuntergangsstimmung und idiotischen politischen Ansichten. Erstaunlich, wie viele Menschen im Osten Sympathie für Faschisten empfinden, nur weil die früher mal bei ihnen Besatzungsarmee waren und sie daher im Lauf der Jahrzehnte realisiert haben, dass in den Uniformen auch Menschen stecken... naja, sag ich da nur, die meisten Nazis waren auch Menschen, und mein Opa war auch sehr kinderlieb und trotzdem ein Nazi. Deshalb sind Nazis dennoch Scheiße, und Putin und alle, die seine Politik unterstützen, ebenfalls.

    Jedenfalls scheint die Solidarität mit Faschisten oder die Angst, dass morgen die Welt untergeht, immer noch mehr Menschen zum Protest zu bewegen, als die Sehnsucht nach einer freieren und sozialeren Gesellschaftsordnung.


    International sieht es kein bisschen besser aus. Wo sind international die Proteste? Warum gibt es jetzt, wo Putins Regime geschwächt ist, nicht massiveren Widerstand dort oder in den anderen Ländern wie Georgien, die von Russland schon angegriffen worden sind? Ok, im Iran protestieren paar Menschen, aber letztlich lassen die sich auch niederknüppeln, wie die Demonstranten in der Türkei damals. Gewalttätiger Widerstand scheint (außerhalb Kurdistans, meinetwegen) komplett unmöglich geworden zu sein, "sympathische" Terrorgruppen wie die ETA haben sich alle aufgelöst, nur noch islamistische Irre überall, die Terror machen, und überhaupt... immer mehr rechtsgerichtete Despoten und populistische Arschlöcher kommen an die Macht, und die einzige Alternative scheinen systemfreundliche Schlaftabletten wie Scholz und Biden oder neoliberale Ausbeuter wie Macron zu sein.

    Die Menschheit war definitiv schonmal besser in der Spur auf dem Weg zu einer zivilisierteren, aufgeklärten Gesellschaft... es scheint mir aktuell eher so, als sind alle vom Weg abgekommen und jetzt bewirft man sich gegenseitig nur noch mit Dreck aus Frust, dass die Karre steckengeblieben ist. Aber keiner hat echte Lösungen oder sieht noch das Gesamtbild. Nur noch eine weltweite Krise nach der nächsten, und kein Ende in Sicht... und man muss ja kein verschwörungsgläubiger Populist sein, um das merkwürdig zu finden, oder Ausdruck von kompletter Unfähigkeit der Regierenden (und deren Wähler).

    Mir fällt dazu langsam auch nix mehr ein, was ich noch schreiben könnte, um dieses Forum zu füllen.

    :noidea:

    Ich weiß nicht... mir fällt zu dieser Menschheit einfach nichts mehr ein.

    80.000 Menschen demonstrieren in Berlin gegen die bösen Mullahs im Iran, was die sicher total schockiert und wahnsinnig viel bringt... und was ja auch total viel Mut erfordert, in Berlin gegen das Terror-Regime in Teheran auf die Straße zu gehen...

    Doch für soziale Gerechtigkeit hier in Deutschland bringen die Linken dann maximal 20.000 auf die Straße. Und man hat den Eindruck, dass es einfach keine Sau interessiert. Aber klar, da waren ja auch die Rechten unerwünscht. Sonst wären vielleicht 30.000 gekommen. :sleep::=:!