Beiträge von Madhias

    Genau solche Themen sind essentiell für eine anarchistischen Kultur.

    Anarchismus, egal welcher Spielart, auf Knopfdruck zur aktuellen Zeit global umzusetzen, würde vermutlich schief gehen ohne eine entsprechende Kultur und Vernetzung.

    Wie ich schon mehrmals dargelegt habe, sehe ich da nur einen Weg über die Kultur, die Spielart ist dabei relativ unerheblich.


    AnCaps stellen sich auf jeden Fall klar gegen Monopolisierung, diese wird durch Konkurrenz auf natürliche Art begrenzt.


    In Bezug auf die aktuelle globale Lage, sehe ich eher die Chance über eine radikale Privatisierung anarchistische Kultur zu schaffen, als über eine globale Revolution, denn die Umsetzung ist in kleinen unabhängigen mehr oder weniger geschlossenen Gruppen wesentlich realistischer. Können sich anarchistische Unternehmen auf dem freien Markt behaupten, wird es sehr schnell Nachahmer geben.
    Eine entscheidende Frage ist also, was versteht man unter Profit und ist dieser nur auf materielles beschränkt?
    Eine Kultur in der Profitmaximierung die Maximierung von Lebensqualität entspricht wäre doch anzustreben oder nicht?

    Ich könnte mir gut vorstellen, wenn sich die Bedeutung von Profit in diese Richtung ändert, dann transformiert sich der Kapitalismus von selbst.

    Eigentlich wurde das Thema auch in anderen Threads schon ganz gut durchgekaut. In erster Linie ging es mir bei der Thematik darum Brücken zu bauen. Für Anarchisten wäre es sinnvoller sich auf Gemeinsamkeiten zu konzentrieren, als sich gegenseitig zu zerhacken. Im Anarchismus geht es in erster Linie um Kultur. Wenn man aber als Anarchist schon permanent intellektuelle Konkurrenz betreibt, sich aber dann vehement dagegen ausspricht, ist das irgendwie ein bisschen lächerlich. Das ist der Kern meiner Kritik an einigen Menschen, welche ich kennen lernen durfte und welche sich in dieser Ecke verorten.

    Ich glaube nicht das Evolution ohne Wettbewerb möglich ist. Es bleibt natürlich wieder einmal eine Frage der Definition. Wenn Wettbewerb eine rein menschliche Eigenschaft wäre, könnte ich dir vielleicht zustimmen. Allerdings finde ich das Mechanismen in der Natur definitiv einen Wettbewerbscharakter haben. Beispiele lassen sich viele finden, z.B.: der Krieg zwischen Ameisenvölkern, der mikrobiologische Kampf um den Wirt, die eine Lebensform verdrängt eine andere, Konkurrenz bei der Fortpflanzung, …

    Wenn sich erfolgreichere Prinzipien durchsetzen hat das für mich einen Konkurrenz/Wettkampf Charakter.


    Ich gebe dir Recht in dem Punkt, dass Gewalt ein Teil von Wettkampf und Konkurrenz darstellt. Wie vorher schon aufgeführt glaube ich aber das Gewalt immer ein Teil des Lebens bleiben wird. Es geht eben eher um ein Rahmensystem, welches diese nicht eskalieren lässt und in konstruktive Bahnen lenkt.

    Du betreibst Kontaktsport, ist dabei Wettkampf und Konkurrenz kein Teil davon?

    Ich nehme an, dass du auch Spaß daran hast und diesen Teil eher als harmlos bezeichnen würdest.

    Kapitalismus ist das Pendant auf der wirtschaftlichen Ebene.


    Ich sehen einen Vorteil im AnCap gegenüber dem kommunistischen Anarchismus genau darin, dass der AnCap die Augen davor nicht verschließt und die Thematik integriert und auch darin, dass die Akzeptanz seitens AnCap in Richtung ComAn größer ist. Kritisieren kann man dabei selbstverständlich einen zu starken Fokus auf Konkurrenz und Wettbewerb, also das Ableiten eines kompletten Wertesystems, bekannte Kapitalismusproblematik. Beim ComAn kommt es mir oft so vor, als ob diese Thematik ein Tabu darstellt(Menschenbild?), über das am Besten einfach nicht gesprochen wird. Somit kann er auch keine vernünftigen Lösungen für das Problem bieten.


    In welchem konstruktiven Rahmen können Individuen solche Neigungen ausleben?
    Streng genommen sollte also auch jeglicher sportlicher Wettkampf verpönt sein. Wenn nicht spricht eigentlich nichts dagegen, diesen im Rahmen eines wirtschaftlichen, fairen und gerechtem Wettkampf zu tun.



    Der Corona(r)zi und seine Corozentrik könnte ein alternativer Titel lauten, sehr schönes Interview, zwar eigentlich keine neue Erkenntnis, aber schön psychoanalytisch aufgearbeitet.
    Holzfaellen : Dort findest du eine psychoanalytische Betrachtung zum Thema Narzissmus.

    Was meinst du mit Verantwortung? Das sie für Probleme zur Verantwortung gezogen werden? Weil das sehe ich in viele von den natürlichen Autoritäten eben nicht. Kindern sind Lehrern ausgeliefert, genau so wie sie es den Eltern sind.

    Es geht dabei um Kultur, Erziehung(blödes Wort), Vorleben und nicht um zur Verantwortung gezogen werden, sondern selbst die Verantwortung zu übernehmen. Vermutlich haben wir eine unterschiedliche Definition von natürlicher Autorität. Eine natürliche Autorität ist jemand, welcher sich keiner übergrifflichen Autorität bedienen muss. Ein Führer dem freiwillig gefolgt wird, aufgrund seines Charisma, seines Wissens, Könnens, ... In einem solchen Verhältnis gibt es idealer Weise keinen Machtmissbrauch.
    Kinder stellen einen speziellen Fall dar. Denn Kinder sind schutzbedürftig und alleine nicht überlebensfähig. Ausgeliefert ist ein sehr negatives Wort, welches einen Machtmissbrauch impliziert. Sie sind vom Schutz der Eltern abhängig, dafür müssen Eltern auch "übergriffig" werden, aber ausschließlich zum Wohl des Kindes(Theorie). Auch wenn das Kind gerne auf die Straße rennt, werde ich das gegen seinen Willen verhindern.

    Andererseits sollte es durch aus Mechanismen geben die Kindern vor ihren Eltern und Lehrern Schützen. Wie Schulen zum Beispiel einer sind.

    Ja kulturelle Mechanismen, die sind in uns veranlagt, also Kindchenschema, große Augen, etc.
    Schulen sollten in erster Linie kein Schutz sein, zumindest heut bei uns nicht mehr, sind sie natürlich im Weiteren Sinn aber immer.
    Gerade da haben wir ein massives Gesellschaftliches Problem. Schulen erziehen uns zum Gehorsam, sie haben eigentlich immer noch eine monarchistische und faschistoide Struktur. Schulen zerstören Potential, wenn die Teilnahme erzwungen wird.


    was mich dazu bewogen hat die Gesellschaft und das Individuum für unvereinbar zu erklären.

    Den Standpunkt kann ich verstehen, es ist ein Modell unter vielen. Im Film wird dieses Modell stark propagiert. Objektiv betrachtet ist es nicht so einfach, denn wo fängt die eigene Grenze eigentlich genau an? Was bin wirklich ich und nicht nur meine DNA(Produkt der Umwelt) und meine Prägung?
    Ganz offensichtlich sind Gesellschaft und Individuum vereinbar, sonst würden wir ja nicht in einer solchen Gesellschaft leben. Auch hier funktioniert die reine 1/0 Logik nicht.
    Ein unheiliger Psychopath ist eigentlich nicht mit der Gesellschaft kompatibel, sollte man auf den ersten Blick meinen. Ein objektiver Blick zeigt anderes. Ich versuche das systemisch zu sehen.

    Eben aufgrund der Existenz von natürlichen Autoritäten, daher Leute die aufgrund von Äußeren Faktoren, Macht über jemand anderen Verfügen.

    Natürliche Autoritäten haben nur so lange Macht über einen anderen, solange, dieser sich freiwillig unterwirft. Die Beziehung darf vom Schüler zu jederzeit beendet werden, somit wird Machtmissbrauch verhindert.

    Ganz generell geht es bei der Macht Thematik ja nicht in erster Linie um Macht über andere. In erster Linie geht es um Macht über einen selber und dem daraus folgenden Resultat einer Produktivität. Ich mache etwas, also bin ich mächtig.
    Verantwortung beschränkt Macht nicht zwangsläufig sondern sie macht den Unterschied zwischen der dunklen und der hellen Seite der Macht aus.

    Naja je nach Umstand werden bestimmte Verhaltensweisen gefördert und bestimmte bestraft. Ich denke weder das der Mensch, in der Gesamtheit Grundsätzlich unsozial ist, noch grundsätzlich sozial.

    Ich würde einen wesentlich stärkeres Gewicht auf das Sozialwesen legen. Kein Mensch kann überleben ohne. Sprich ein soziales Verhalten ist existentiell.


    Ich halte eine dezentralere Gesellschaft nicht mehr wirklich für möglich. Die Welt ist zu vernetzt das ein Rückzug in kleinere Abteilungen überhaupt noch sinn macht und möglich ist.

    Was ist denn mit größeren Problemen? Krieg, Klimawandel, globale Monopole etc. die sich nicht im kleinen Lösen lassen können.

    Das sehe ich nicht so. Ich denke gerade in der Dezentralität liegt evolutionär das größte Potenzial. Früher wäre das nicht so perfekt möglich, wie heute, das Internet wäre da ein Gamechanger. Mit Dezentralität ist ja nicht gemeint, dass auf andere geschissen wird oder man nicht vernetzt ist, sich gegenseitig unterschützt. Trotzdem sollte jede Zelle soweit wie möglich unabhängig sein. Jegliches Katastrophenszenario würde mit dabei Recht geben.
    Gerade aus diesen entarteten Kollektiven entstehen, diese Problem doch erst. Wenn ein kleiner Indianerstamm den anderen bekämpft ist das alles halb so wild.


    Ich denke damit machst du es dir zu einfach. Meinst du es ist Gesellschaftlich Sinnvoll dauerhaft diese Ressourcen in die Gesundheitsversorgung zu stecken. Das ist viel Verschwendung. Eben bei sowas wie die Spanische Grippe, wo 2,5 Prozent der infizierten sterben, die sich schnell überträgt, wie weit ist es Sinnvoll die nötigen Ressourcen dauerhaft zur Verfügung zustellen für das eine Jahrhundert Ereignis. Vielleicht ist es dann nicht tatsächlich für alle Besser sich dann einzuschränken, für eine gewisse Zeit durch Lockdowns etc. Anstatt sich dauerhaft einzuschenken in dem man so viele Ressourcen, die dann eben auch woanders fehlen. Aber ich denke diese Spezifische Frage ist zu weit vom Thema dieses Threads entfernt, deshalb stelle ich einfach mal nur die frage und lasse sie unbeantwortet.

    Ja vielleicht, nehmen wir 50%. Ich denke, damit wären wir dann in einem absolut realistischen Szenario. Ärzte und Pfleger können sich ja auch anderwertig beschäftigen, wenn sie das möchten. Wären die Ressourcen gerechter verteilt, wäre so etwas ohne Problem weltweit umsetzbar.


    Das sage ich ja gar nicht. Ich stimme dir zu, ich sage nur nicht alleine sein zu Wollen kostest eben Freiheit. Das ist ja die Tragödie in Nymphomaniac. Joe möchte nicht alleine sein aber kann den Preis dafür nicht bezahlen. Und wer kann das wirklich?

    Joe ist wohl stark traumatisiert. Schau dir mal die psychoanalytische Betrachtung von Narzissmus an. Nicht für jeden muss das Leid bedeuten. Aber bis zu einem gewissen Punkt, gebe ich dir da schon auch recht.


    Was heißt das? Nicht das die von dir Behauptete Symbiose gescheitert ist? Nicht das Joe weiter durch die gegen irrt und keinen Platz findet?

    Ja im Kontext des Film, aber ich denke Trier arbeitet da einen Persönlichkeitsanteil oder eine Erfahrung auf. Nicht jeder Mensch passt in das Profil von Joe oder Seligman. Beide wirken auf mich stark gestört. Ich kenne nur einen Menschen in meinem Umfeld, der in das Profil von Joe passt. Vielleicht hat jeder Anteile davon, aber die Menge variiert stark.


    a hab sein Buch auch in meinen Zimmer rum fliegen allerdings hab ich es noch nicht gelesen. Hab ein ganz grobes Verständnis von ihm. Mit Nietzsche beschäftige ich mich dagegen gerade ziemlich viel. Vor allem mit den Jüngeren. Denke schon das es zwischen den beiden große und auch grundsätzliche Unterschiede gibt aber um da endgültig Urteilen zu können kenne ich Max Stirner zu schlecht.

    Gibt aber ein Wikipedia Artikel dazu und zumindest der Abschnitt über Deleuze ist nicht schlecht

    Der Einzige und sein Eigentum ist ja kein besonders dickes Buch, los geht's! Eines der Bücher, welches mich stark beschäftigt und beeinflusst hat. Selbstverständlich gibt es da Unterschiede, aber eben auch sehr starke Ähnlichkeiten.
    Das Spannendste ist das Stirner auch heute noch weitgehend ein Tabu ist oder zumindest als unwichtig abgetan wird.

    http://www.lsr-projekt.de/nietzsche.html

    Was mich irritiert bzw. was für mich ein Stück weit entlarvend ist, ist eben der Fokus bzw. die starke Betonung des Eigentums. Das klingt dann eben für mich eher so, als sei der 'Anarcho-Cap' eine schicke Ideologie für privilegierte radikale Liberalos.

    Ja das ist er. Aber gleichzeitig ein mögliches Einfallstor.

    Wenn allerdings Spekulation verpönt ist, würde dies auch bedeuten, dass Räumungen von genutzten Häusern illegitim sind.

    Gutes Beispiel. Ich denke man kann das nicht pauschal beantworten.


    Die politische Ebene sehe ich da als generelles Problem, denn diese kann in meinen Augen im Anarchismus keine Lösung bieten.

    Anarchismus jeglicher Spielart setzt doch eigentlich eher auf kulturelle Lösungen.

    Er benötigt eine kulturelle Basis ohne diese ist er nicht möglich.

    Egal ob die Kultur begrenzt ist oder nicht, sie ist entscheidend und soll zur Nachahmung anregen, da ihr Fokus auf der Lebensqualität liegt.


    Die Königsdisziplin ist es also eine gewaltfreie und gerechte Lösungen zu finden.

    Ich denke Psychopathen stellen eine Minderheit da. Vermutlich sind sie auch Opfer ihrer Umstände.

    Was ich damit sagen will, die Kultur ist entscheidend für die Wohnraumlösung.

    Die politische Struktur ist maximal das Ergebnis davon.

    Sprich es kann keine pauschale Antwort dafür geben.

    Ich glaube es geht nicht darum Wohnraum dem Markt zu entziehen, sondern einfach nur darum ihn zur Verfügung zu stellen. Ob Räumungen illegitim sind oder nicht, hängt von den vereinbarten Verträgen ab.

    Es gilt Vertragsfreiheit, die Grenze liegt beim Recht auf Sezierung.

    Der gemeinschaftliche Konsens liegt darin, dies zu sichern.

    Ich kann mich versklaven, solange ich das will. Wenn ich das nicht mehr will, erhält der Vertragspartner eventuelle Entschädigungen.

    Genau da liegt die Grenze, ein absolutes Recht auf Selbstbestimmung.


    Alle ungenutzten Flächen sind Gemeinschaftseigentum, private(das schließt auch kollektive Eigentümer ein) Flächen können für die Gemeinschaft freigestellt werden.

    Eine interessante Erweiterung ist die Tatsache, dass beim Stakeholderprinzip die Umwelt, somit auch Pflanzen und Tiere ebenfalls eine Interessengemeinschaft bilden können.

    In wie weit dies zur Anwendung kommt ist von philosophischer, somit auch kultureller Natur.

    Es geht um die Thematik der menschlichen Überlegenheit. Dürfen wir Tiere beherrschen?

    Sprich innerhalb eines AnCap wären auch ganzheitliche Lösungen denkbar, es bleibt eine Frage der Kultur.


    Die Verdrängungsthematik:

    Das ist eine Frage der Natur und des Menschenbildes. Sterben gehört zum Kreislauf des Lebens, verdrängt werden auch.

    Stell dir vor jedes Leben ist absolut heilig. Kann das funktionieren?

    Kann Unsterblichkeit funktionieren und wenn auf Kosten von wem?
    Kann Evolution ohne Wettkampf existieren?


    Sozialleistungen:

    Diese werden nicht abgelehnt. Abgelehnt wird lediglich der Zwang zu diesen.

    Welches Wesen ist ihnen eigen?

    Empathie.

    Diese hängt nicht an der Politik, sondern ist dem Menschen an sich eigen, wenn ist die Kultur entscheidend.

    Die meisten Menschen empfinden Freude, wenn sie anderen freiwillig helfen dürfen.


    Ich glaube nicht das mir alle Anarchokapitalisten da zustimmen, aber zumindest der Blankertz gibt so etwas her. Die Auslegung und die Philosophie liegen halt hauptsächlich an den Begriffsdefinitionen.

    :rofl: ...absolute Zustimmung!

    Ich würde sagen, dass ein essenzieller Unterschied zwischen Anarchismus im moderneren Sinne und 'Anarcho-Kapitalismus' schon allein darin besteht, dass sich letzterer nur auf den Staat fokussiert, wohingegen ersterer, wie der Name schon sagt, nicht Staatsfreiheit, sondern Herrschaftsfreiheit anstrebt.

    Ich denke, dass trifft es auf den Punkt. Der AnCap lässt Herrschaft bis zu einem gewissen Punkt zu und der utopische Anarchismus eben nicht.
    Wobei sich eben genau da die Frage stellt, ab wann beginnt Herrschaft, also welche Dosis macht das Gift?
    Können wir komplett ohne überhaupt?
    Auch im Anarchismus gab es immer Führer, man kann sie sich halt freiwillig aussuchen. Ähnlich Lehrer/Schüler, geht man eine solche Beziehung ein, muss man halt die Regeln akzeptieren, wenn nicht kann man ja gehen und sich etwas anderes suchen.
    Ein Hausrecht ist schon wichtig. Das vergessen die Linken gerne, außer bei sich daheim. :roll:
    Nochmal wir sprechen über ein utopisches Konzept, Monopole sind immer problematisch.

    Wenn ich mit einer Gruppe etwas aufbaue, egal ob Kommune, Unternehmen, oder was auch immer, behält sich diese Gruppe ein Haus-/Ausgrenzungsrecht vor und genau das ist überall so, denn wenn dem nicht so ist, wird man ausgenutzt.
    Gerade wenn es in die Militanz geht, wird es auch in anarchistischen Gruppen entsprechende temporäre "Herrschaftsstrukturen" geben.


    Wie wir 'Herrschaft' definieren, darüber müssen wir wohl streiten. Gerade in 'woken' und identitätspolitischen Zeiten ;)

    Ja ich denke exakt das ist der Punkt.


    Wenn wir mehr 'Herrschaftsfreiheit' wollen, müssen wir die Loslösung von Zwangsverhältnissen als Prozess begreifen, und nicht als Bekenntnis zu irgendeiner abstrakten Theorie. Soll heißen: Indem wir einfach ganz konkret in unserem Leben und unserer Gesellschaft darauf achten, ob und in welcher Form Menschen Gewalt angetan wird und inwiefern Abhängigkeitsverhältnisse bestehen - und diese gehen eben keineswegs nur vom Staat aus, wie Anarcho-Caps scheinbar denken.

    Da kann ich nur absolut zustimmen. Genau darum geht es, um den Umgang miteinander, Herrschaftsfreiheit im Alltag.
    Exakt aus dem Grund pissen mich eben entsprechende Antifas oder Linke ziemlich an, denn sie wollen ihre Ziele in erster Linie außerhalb erreichen und fangen nicht bei sich an, dabei verhalten sie sich oft sehr herrschaftlich.

    Genau darin liegt vermutlich der Unterschied zwischen AnCap und einem "reinen" Anarchismus. Die Ablehnung von Herrschaft ist im AnCap nicht so radikal. Ich wiederhole mich nochmals, ich möchte hier nicht einen AnCap als Endziel propagieren. Aber ich denke das Thema ist auf jeden Fall diskutable, ich finde es sollte unter Anarchisten kein Tabuthema sein. Denn hinter Tabu's stecken eben oft Herrschaftsstrukturen, vielleicht sogar immer.

    Ich glaube es ist ein Tabuthema, weil darin eben eine realistische, nicht so schöne und utopische Seite des Anarchismus offengelegt wird.
    Viele Anarchisten haben eben eine zu unkonkrete und utopische Vorstellung und wollen bestimmte hässliche menschliche Charakteristiken nicht sehen und können somit auch keine Lösung dafür anbieten.
    Es gibt eben nicht nur 1 und 0, sondern das Leben liegt dazwischen.

    Das spannende am AnCap finde ich, dass es eine Art Übergang sein könnte, denn wir werden die Herrschaft nicht von heute auf morgen vernichten, diese steckt in jedem von uns, mehr oder weniger. Es bleibt viel mehr die Frage, wie geht man damit um, wie kann sie kanalisiert oder transformiert werden.

    Wenn es ein stärkeres Privatrecht gäbe oder Sezierungsrecht, dann könnten sich anarchistische Strukturen viel besser entwickeln. Und ja es gibt auch Kapitalisten/Unternehmer, die sehr freiheitlich und sozial eingestellt sind.
    Ich denke das Gewaltmonopol des Staat ist auf jeden Fall ein großes Problem, wie man ja aktuell sehr gut sehen kann.

    Abschließend, damit wir uns nicht schon wieder falsch verstehen. Viele Wege führen nach Ruhm.

    Bzgl. Gentrifizierung sehe ich die Problematik eigentlich nicht so sehr spezifisch in einem fiktiven Anarchokapitalismus.

    Den einzigen Unterschied, den ich sehe ist, dass es in einem AnCap auch andere Gesellschaftsstrukturen geben kann als beim utopischen Anarchismus.

    Zum einen gibt es das Nicht-Aggressionsprinzip, was den Anarchismus Teil ausmacht.
    Auf der anderen Seite gibt es die Regelung bzgl. Eigentum, ich weiß gerade nicht mehr was der professionelle Ausdruck dafür ist, aber Eigentum kann nur sein, was auch genutzt oder bewirtschaftet wird.

    Das soll Spekulation verhindern, diese ist auch bei AnCaps verpönt.

    Es kann also Mietverhältnisse geben, allerdings, wenn diese Wohnungen nicht genutzt werden können, würde der Eigentümer sein Eigentumsrecht darauf verlieren.
    Ich wiederhole mich.


    Generell ist der Ansatz einfach der, es gibt kein Recht auf Sozialleistungen. Aber das kann es in einem utopischen Anarchismus eigentlich auch nicht geben. Denn diese Recht setzt eben Diebstahl(Steuer/Enteignung) voraus.
    Freiwillige Sozialleistungen sind zu begrüßen.

    Ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht sicher, ob es eine direkte Antwort auf die Gentrifizierung geben muss.

    Wenn der Wohnraum in der Stadt zu teuer wird, dann muss eben neuer Wohnraum geschaffen werden, z.B. auf dem Land.

    Oder falls Wohnungen über einen bestimmten Zeitraum leer stehen, Spekulation oder zu teure Miete, dann gibt es ja eine Art Recht auf Enteignung, da der Grund nicht mehr bewirtschaftet wird, da liegt die Grenze.


    Der Punkt ist einfach der, alle anarchistischen Lösungsstrategien können auch im AnCap zur Anwendung kommen.
    Wie sähe denn explizit deine anarchistische Lösung zu dem Thema aus?