Eine Querfront wird vor dem Hintergrund eines angeblichen gemeinsamen Interesses oder Ziels propagiert, hinter dass andere Unterschiede zurückzustehen haben.
Da kann ich soweit mitgehen, sehe aber daran nix schlimmes. Mal abgesehen von dem feuchten Traum von Cotzbrocken. Ich glaube es gibt keine ewigen Verbündeten, es gibt nur temporäre Interessensgemeinschaften. Temporär ist natürlich dehnbar.
'Querfront' im ostdeutschen Sinne bedeutet, dass NPD, AfD und angeblich 'Linke' nebeneinander demonstrieren und auch Reden halten. Der Anspruch, Nazis hier rauszudrängen, kommt dem Sprengen der Demo als solcher gleich.
Das glaube ich nicht. Wir sind sofort wieder in der Diskussion, was denn genau Nazi bedeutet. Titulierst du nur die Menschen so, oder sie sich selber auch?
Meine Schwiegermama war ein paar mal in Neustrelitz, gut ich denke nicht, dass sie alles an entsprechendem Klientel erkennen kann, aber eine Reichsflagge z.B. schon. Sie hat da nix gesehen und meinte es war von Seiten der Demonstranten ziemlich friedlich. Also das ist sicher nicht überall heterogen.
'Rechtslibertär' ist Blödsinn, eine 'Freiheit' ohne soziale Komponente ist ohne autoritären Staat, der die Privilegien der wenigen absichert, nicht denkbar.
Auch hier wieder das leidige Definitionsthema. Was ist genau rechts. Ich kenne so viele unterschiedliche Definitionen, dass es ein schlechter Witz ist. Es gibt da zwischen den Lagern keinen Konsens. In linken Kreisen wird rechts=böse gesetzt und das ziemlich ausnahmslos. Auf der Ebene kann gar keine Diskussion entstehen. Ich poste in dem alten AnCap Thread mal eine linke Abhandlung darüber.
Anarchokapitalismus gegen Gewalt
Es werden Gemeinsamkeiten und Anschlusspunkte zwischen kommunistischen und kapitalistischen Anarchismus aufgezeigt. Natürlich wird der Anarchismus als solcher kritisiert. Rechtslibertär/AnCap ist ein linkes/anarchistisches Tabuthema, vermutlich nicht ohne Grund.
Im Übrigen sehe ich auch was die Einschätzung der Pandemie angeht keine großen Gemeinsamkeiten. Aus linker Perspektive müssen die Menschen geschützt werden, man kann die Solidarität mit Betroffenen nicht einfach über Bord werfen.
Kein einziger Mensch, den ich aus der Bewegung kennen gelernt hat scheißt auf die Betroffenen. Absolut respektvoller Umgang miteinander. Selbst die Rechten von der AFD scheißen da nicht drauf. Das ist ein linkes Narrativ. Menschen welche sich selbst als rechts bezeichnen können sehr solidarisch und empathisch sein. Und andersrum gibt es Linke, die sind die letzten narzisstischen und psychopathischen Arschlöcher.
Ich treffe sie allerdings auch anders als irgendwelche Querdenker, die sich weigern, beim Einkaufen eine Maske zu tragen - das wiederum bedeutet für mich gerade aus linker Perspektive eine Solidarität mit den Beschäftigten, die dort den ganzen Tag arbeiten müssen.
Wer sind die denn, ich habe noch nie einen getroffen, im Gegenteil, die meisten sind sehr solidarisch, rücksichtsvoll, einfühlsam, .... Dieser Stereotyp ist in der absoluten Minderheit. Warum greift man als Anarchist diese Narrative auf, obwohl es offensichtlich ist, welche Funktion sie haben. Die Wirksamkeit einer Maske, gerade was Kinder angeht, muss weiter in Frage gestellt werden dürfen. Es geht auch mit weniger Maske, siehe Schweden, USA, ... Bei der Maskenthematik kommt vor allem die Gesamtheitliche und langfristige Betrachtung dazu. Ich kenne niemanden, der die Maske nicht aufsetzt, wenn das der andere möchte oder sich nicht testet wenn andere das möchten. Der Umgang damit muss selbstbestimmt bleiben.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehe ich also völlig 'zwischen den Stühlen' und sehe momentan keine Perspektive, irgendeine bestehende Bewegung oder Gruppe zu unterstützen. Ich bin normalerweise alles andere als ein Spalter, sondern im Gegenteil ein Versöhner und Überwinder der Gegensätze - die ganze 'antideutsch vs. antiimp'-Frage hat mich zum Beispiel nie tangiert - aber im vorliegenden Fall gibt es zu viele rote Linien auf allen Seiten.
Verstehe ich, auch deine Kritik ist oft zutreffend. Wobei ich den Überwinder der Gegensätze bei dir nicht so sehen kann. Ich denke, dass wäre der wichtigste Punkt im anarchistischen Kampf, wieder mehr auf Gemeinsamkeiten zu setzen.
Ich finde es schlimmer einfach nichts zu tun oder verdammt dämliche Gegenaktionen zu machen, als zu riskieren mit möglichen Rechten für eine gemeinsame Sache auf die Straße zu gehen. Man kann sich ja auch da abgrenzen. Wir hatten das Thema schon, du kennst meine Meinung. Die Angst in der Linken umgedreht zu werden, daran sollte sie arbeiten. Denn wenn die Gefahr so groß ist, scheinen die Gemeinsamkeiten doch viel größer als gedacht, das ist offensichtlich. Wenn Linke und Rechte oder was für unterschiedliche Menschen auch immer zusammen kommen, werden die Meinungen und Haltungen immer gegenseitig abfärben, dass ist keine One-Way Geschichte.
Ich finde es einfach überheblich und auch faschistoid andere Menschen als "was weiß ich" zu titulieren ohne sie anzuhören oder auf sie einzugehen.