Es gibt 56 Antworten in diesem Thema, welches 17.927 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (24. September 2025 um 11:38) ist von Neuschwabenland.

  • Okay, wenn alle dagegen sind (sogar die Kirchen!), muss da ja doch was dran sein. Das ist die Logik, auf der der 'Unity-Anarchismus' mittlerweile angekommen ist.

    Naja, korrigiert mich, wenn ich etwas falsch verstanden habe - aber geht es hier nicht hauptsächlich um die ganze abgefuckte "Diskussionskultur" in Kombination mit dem weitestgehend politischen Einheitsbrei, der überhaupt nichts mehr duldet, geschweige denn toleriert, was von der Mainstream-Blase abweicht? Natürlich ist die AfD eine hängengebliebene Schrottpartei, aber man darf eben nicht aus den Augen verlieren, dass sie kein Teil des gerne präsentierten Einheitsbreis ist. Hinzu kommt die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die sich letzten Endes von den hübsch servierten Scheinlösungen der Partei angezogen fühlt. Die ordentliche Anzahl dieser Leute, die deutlich zu spüren meinen, dass etwas schiefläuft, sollte doch zu denken geben.

    Die Probleme liegen nicht darin, dass die Wähler dumm wählen, sondern in den Ursachen ihres Verlangens, dumm zu wählen (alles andere hätte man sich noch vor der Errichtung der Demokratie überlegen sollen). Gerade diese spielen nämlich in die Karten der AfD. Und aus meiner Sicht trägt der Umgang der Mainstream-Parteien mit dieser Entwicklung aktiv dazu bei.

    Die Ursachen für rechtswählen liegen entweder darin, dass die Wählerschaft eben rechts tickt (na sowas) oder dass sie bestimmten Argumentationsmustern auf den Leim geht. In ersterem Fall sehe ich keine Möglichkeit, hier Überzeugungsarbeit leisten zu können. Im zweiten muss man eben hinsehen, wo nun die tatsächlichen Motive liegen. Meiner Auffassung nach wird der 'Einheitsbrei' eben als Dienstleister betrachtet, der einen miesen Job macht. Hingegen müssen Rechtspopulisten überhaupt nichts liefern, da es hier nicht um Inhalte geht, sondern um Identitätsangebote, so ähnlich wie bei bestimmten Formen des Influencings oder der Moitivational Speeches: 'Mit dir/uns ist alles in Ordnung, die anderen sind alle schuld/kaputt'. Das ist die ganze Masche 'in a nutshell'. Auch hier sehen ich wenig Chancen, mit rationalen Argumenten zu kontern.

    Die einzig Lösung wäre der Aufbau einer tatsächlichen Alternative zum Bestehenden. Das ist klassisch die Linke, aber die scheitert gerade an sich selbst. Insofern sehe die einzige kurzfristige Möglichkeit tatsächlich in einem strategischen Antifaschismus. Und der beinhaltet nicht, der Afd und ihrem Klientel 'auf Augenhöhe' zu begegnen, sondern sie strategisch schlau zu bekämpfen und in ihren Entfaltungsmöglichkeiten einzuschränken. Man darf ja nicht vergessen, dass es auch im bürgerlich-konservative Lager genug Stimmen gibt, die sich programmatisch bei rechtsautoritären Phantasien bewegen. Wenn rechte Positionen immer 'diskutabler' und 'normaler' werden, dann wird dieser Rechtsruck eben nicht mehr nur von der AfD ausgehen, sondern von allen, die ihre Chance wittern, den Diskurs zu verschieben. Daher ist Ausgrenzung schon der richtige Weg.

    Why do we fall?

  • Ich seh das Problem vor allem darin, dass die wenigsten Menschen eine differenzierte Sichtweise auf Dinge entwickeln wollen.

    Das liegt vielleicht daran, dass differenzierte Sichtweisen einige attraktive Vorteile nicht besitzen:

    man kann sich mit keiner bestimmten Gruppe identifizieren und sich Teil von ihr nennen (erinnert mich an den tiefen Antrieb des Menschen, nicht aus Gruppen ausgeschlossen werden zu wollen weil Lebensgefahr). Man kann sich nicht an Weltbilder festklammern, man kann keine schwarz-weiß Ansichten einnehmen, kurz: wenn man differenziert auf Dinge blickt, kann mich sich nicht über geistige Konstrukte (gefühlte) Sicherheit schaffen. zumindest gehe ich davon aus, dass Menschen Sichtweisen meist verteidigen, weil sie ihnen Sicherheit geben. und die Suche nach Sicherheit steht einem tieferen Verständnis, das einen immer wieder in den eigenen Ansichten herausfordern würde, im Weg. man müsste sich ja schließlich auch mal ändern, sei es eine Meinung, oder eine tiefergreifende Charakteränderung durchmachen. wie viele Leute seht ihr, die das tun?

    und wenn sich jemand davon nicht frei machen und diese eigene Tendenz in Weltbildern und Positionen Sicherheit zu suchen eingestehen kann, dann versteht er halt Dinge in der Welt nicht tiefer. und es gibt viele Tricks das auszublenden (z.B. indem man den Intellekt ganz groß schreibt, Rationalisiert, entweder alle Gefühle ausblendet oder über-emotionalisiert, Widersprüche ausblendet) etc.

    ich denke egal welche politische Richtung: da schenken sich Menschen nix.

  • Zitat

    Die Ursachen für rechtswählen liegen entweder darin, dass die Wählerschaft eben rechts tickt (na sowas) oder dass sie bestimmten Argumentationsmustern auf den Leim geht.

    Oder es liegt daran das keine einzige der restlichen Parteien auf bestimmte Sachen eingehen möchte die den Wählern am Herzen liegen und sie somit kein Gehör für ihre Anliegen mehr finden, weshalb sie praktisch keine andere Wahl haben als die AfD zu wählen oder weiter von der Politik übergangen zu werden.

    ''Everyone around me, they feel connected to something. Connected to something, I'm not.''
    Motoko Kusanagi

  • Zitat

    Die Ursachen für rechtswählen liegen entweder darin, dass die Wählerschaft eben rechts tickt (na sowas) oder dass sie bestimmten Argumentationsmustern auf den Leim geht.

    Oder es liegt daran das keine einzige der restlichen Parteien auf bestimmte Sachen eingehen möchte die den Wählern am Herzen liegen und sie somit kein Gehör für ihre Anliegen mehr finden, weshalb sie praktisch keine andere Wahl haben als die AfD zu wählen oder weiter von der Politik übergangen zu werden.

    Ich sehe nicht, wo hier der Widerspruch zu meiner Aussage besteht. Menschen wählen eine rechte Partei, weil ihnen rechte Themen wichtig sind ('Überfremdung', 'linker Kulturkampf'). Das ist der Bereich, den die AfD abdeckt. Für andere Themenschwerpunkte gibt es andere Parteien (wenn man überhaupt wählen will).

    Why do we fall?

  • Zitat

    Die Ursachen für rechtswählen liegen entweder darin, dass die Wählerschaft eben rechts tickt (na sowas) oder dass sie bestimmten Argumentationsmustern auf den Leim geht.

    Oder es liegt daran das keine einzige der restlichen Parteien auf bestimmte Sachen eingehen möchte die den Wählern am Herzen liegen und sie somit kein Gehör für ihre Anliegen mehr finden, weshalb sie praktisch keine andere Wahl haben als die AfD zu wählen oder weiter von der Politik übergangen zu werden.

    Ich sehe nicht, wo hier der Widerspruch zu meiner Aussage besteht. Menschen wählen eine rechte Partei, weil ihnen rechte Themen wichtig sind ('Überfremdung', 'linker Kulturkampf'). Das ist der Bereich, den die AfD abdeckt. Für andere Themenschwerpunkte gibt es andere Parteien (wenn man überhaupt wählen will).

    Die falsche Prämisse die ich darin erkenne liegt in der Annahme es seinen dezidiert linke oder rechte Themen über die hier gestritten wird. Dabei gibt es doch im realen Leben viel mehr Nuancen und Überschneidungen zwischen Links und Rechts weshalb sich solche plakativen pauschalisierten Aussagen nur schlecht halten können. Die AfD ist in der Analyse der tatsächlichen Probleme sicher genauso wenig Ausgewogen wie bei ihren politischen Kontrahenten, aber sie widmen sich eben als einzige Partei den Problemen von der anderen Seite und das macht sie für einen Großteil der Bevölkerung attraktiv die sich nirgendwo sonst vertreten fühlen.

    Du scheinst davon überzeugt zu sein, dass rechte Themen per se schlecht und damit abzulehnen seien. Dabei betreffen rechte Themen niemals ausschließlich bloß die recht Blase genau wie Linke Themen niemals bloß auf die Linke Blase beschränkt bleiben. Beim Thema der Überfremdung kommt man auch sehr schnell zu Themen die eigentlich linke Themen sein könnten, z.b. die rückständigen Weltbilder großer Anteile innerhalb von zugewanderten Gruppen, welche sich dann wieder negativ auf sexuelle Selbstbestimmung und andere Frauenrechte auswirkt, sich in Anfeindungen und Angriffen gegenüber Homosexuellen zeigt oder wenn etwa Juden dem Hass dieser in ihren religiösen und kulturellen Weltbildern verhafteten Personen ausgesetzt fühlen müssen. Ein weiteres Urlinkes Anliegen das heute komplett der AfD in die Hände fällt ist etwa die Bemühung zur Diplomatie mit Russland und zur Beendigung des Ukraine Konflikts und die Forderung keine Waffen in einen Krieg zu schicken, das war eigentlich mal etwas was eher Linken am Herz lag. Die Genderpolitik stellt ihrerseits im gleichen Maße alte Positionen auf den Kopf, wenn etwa plötzlich Frauen ihre Schutzräume verlieren weil plötzlich überall das bloße Bekenntnis eines Mannes sich als Frau zu identifizieren genügen soll um auch überall dort zugelassen zu werden wo sonst nur Frauen geduldet waren. Auch die Haltung im Bezug auf Datenschutz, Grundrechte oder körperliche Selbstbestimmung hat sich im Zuge der Coronazeit von Links nach Rechts verschoben. Der Pragmatismus im Umgang mit Meinungsfreiheit die im Zuge der Cancel Culture und antifaschistischer Schlägerbanden und anderer faschistoider Auswüchse sichtbar wird gewährt zudem einen sehr tiefen Einblick in das irrige Selbstverständnis linker Zeitgenossen, welche sich nach außen gerne als Rebellen und Kämpfer für die Freiheit verstehen, aber nur dort wo es um die eigenen Leute geht und nichts wirklich auf dem Spiel steht, dann stört es auch niemanden wenn man bereitwillig alle andersdenkenden behandeln möchte wie die SA im dritten Reich. Die Gewaltphantasien der Gegenseite werden stets Dämonisiert und als Legitimation herangezogen um ein ganz ähnliches Gewaltverständnis zu rechtfertigen welches dann auch nicht mehr hinterfragt wird, das gilt natürlich für beide seiten der politischen Lager sowie überall sonst wo sich solche Lager auftun. Irgendwie fehlt mir da die Stimme der Vernunft die auch mal bereit ist sich eigenes Fehlverhalten einzugestehen statt auf dem eigenen Auge blind zu bleiben und den schwarzen Peter immer der Gegenseite zuzuschieben.

    Es geht halt zunehmend bei den politischen Lagern bloß noch um identity politics und weil das womit man sich momentan identifiziert beliebig und austauschbar ist ändern sich ständig auch die Vorstellungen davon was links und was rechts ist, was heute rechts ist wird womöglich morgen schon wieder links sein und umgekehrt und die gesellschaftliche Einteilung dieser unsteten Standpunkte als gut oder schlecht ist dabei genauso beliebig und sagt nichts über ihre jeweilige Richtigkeit aus. Es fehlt mir da irgendwo die Bereitschaft und der Wille zur absolut ergebnisoffenen Wahrheitsfindung.

    ''Everyone around me, they feel connected to something. Connected to something, I'm not.''
    Motoko Kusanagi

    2 Mal editiert, zuletzt von Shinobi (22. September 2023 um 13:00)

  • Du bist hier derjenige, dem es an differenzierten Sichtweisen mangelt. Im Grunde stellst du hier nur eine Menge Strohpüppchen auf, die sich leicht zerreißen lassen.

    Stichwort 'Überfremdung': Die Ablehnung von Menschen, die man einem bestimmten Kulturraum zuordnet, ist nicht dasselbe wie eine Kritik von gesellschaftlichen bzw. religiösen Ideologien und Institutionen. Ersteres ist ein typisch rechter Move, wohingegen letzteres eigentlich Aufgabe einer progressiven Linken sein sollte (und wenn dies nicht der Fall ist, ist dies eben eine Lücke, die man füllen muss), sei es nun die Kritik bzw. der Kampf gegen islamistische Verbände oder Regime wie der Türkei oder dem Iran. Wo wird denn Letzteres von der AfD praktiziert? Ich sehe immer nur linke Demos zu dieser Thematik. Und nein, vor Flüchtlingsheimen aufmarschieren fällt nicht in die Kategorie des Kampfes gegen Islamisierung.

    Gerade Homophobie und Sexismus sind Themen, die für Rechte nur dann von Interesse sind, wenn sie von Zugewanderten ausgehen.

    Stichwort russischer Angriffskrieg: Muss ich eigentlich nicht kommentieren. Gegen Waffenlieferungen und für Diplomatie stellt sich auch die Linke, dafür braucht es keine AfD (wobei ich persönlich gerade in dieser Frage eine andere Position einnehme).

    Stichwort 'Genderproblem': Ja, das ist ein nettes kleines Scheinproblem der Rechten und Konservativen. Als ob es um 'Schutzräume für Frauen' ginge. Etwas weniger Heuchelei bitte. Wo ist denn die Solidarität mit Frauen, die sexuelle Gewalt anprangern (me too etc.)? Wie sieht nochmal das generelle Verhältnis von Rechten zum Thema Feminismus aus?

    Das Einzige, worum es hier geht, ist der Hass auf alles, was in irgendeiner Form vom patriarchalen Familien- und Geschlechterbild abweicht.

    'Meinungsfreiheit' , 'Cancel Culture', Coronatrauma. Junge, mach dich hier nicht dümmer, als du bist. Ich verstehe gut den Frust, den man angesichts des Verhaltens einiger linker Gruppen im Zuge der Coronapolitik entwickeln kann. Ich teile ihn auch ein gutes Stückweit. Allerdings gehört hier eben zur Wahrheit, dass es in der Frage eine große Spaltung gab und gibt, z.B. in Hinblick auf die Impfpflicht. Die AfD hat lediglich in üblich populistischer Manier versucht, Kapital aus emotionalisierenden Themen zu schlagen. Daher ist die Auffassung ziemlich dämlich, die rechte Seite stünde in irgendeiner Form für 'Freiheiten'. Setz dich einfach mal ein wenig mehr mit der Thematik von Bürgerrechten und -freiheiten auseinander, dann wird dir auffallen, wer hier aktiv ist und wer nicht (Polizeigesetze, Versammlungsrecht, Überwachung, Schnüffelparagraph, Abtreibung usw.).

    Und noch ergänzend hierzu: 'Rechte' Einzelpositionen sind für mich tatsächlich nicht durchweg 'schlecht' bzw. abzulehnen. In Bezug auf den Umgang mit schweren Formen der Kriminalität ticke ich sicherlich eher 'rechts' als 'links', also eher in Richtung 'Rache' und weniger in Richtung 'Wiedereingliederung'. Wobei man allerdings ergänzen könnte, dass dieser Punkt auch auf linker Seite nicht unbedingt immer strittig ist, das Problem ist eher, wie man dies in Einklang bringt mit einer grundlegenden Kritik am Gefängnissystem.

    Auch sehe ich 'linke' Positionen nicht grundlegend positiv, wenn es z.B. um den Zwiespalt zwischen Individuum und Gesellschaft geht. Die Frage, ob und in welcher Form individuelle Freiheiten beschnitten werden dürfen (z.B. hinsichtlich der Verfügungsgewalt über Eigentum), ist z.B. eine, die ich nicht gerne 'ideologisch', sondern eher fallbezogen entscheiden würde.

    Why do we fall?

    Einmal editiert, zuletzt von Lonewolf (22. September 2023 um 13:50)

  • Laut einer aktuellen Studie der Friedrich Ebert-Stiftung befürworten 6 Prozent der Befragten eine Diktatur mit einer starken Partei und einem Führer. (das sind für mich die richtigen Nazis.)

    16 Prozent sind negativ gegenüber Ausländern eingestellt.

    34 Prozent meinen, Geflüchtete kämen nur nach Deutschland, um das Sozialsystem auszunutzen.

    Es scheint also durchaus einen beträchtlichen Teil zu geben, der zwar eine restriktivere Einwanderungspolitik befürwortet und findet, dass es hier zu viele "Ausländer" gibt, der aber kein Interesse an einer Abschaffung der Demokratie hat. Und ich denke, solche Dinge meinte Shinobi dann, wenn er sagt, dass es zu bestimmten Themen keine Partei außer der AFD gibt, die man wählen kann, wenn einem so etwas wichtig ist.

    Denn alle anderen Parteien sagen zur Flüchtlingspolitik eben "Weiter so". Auch die CDU... die hat das alles ja erst mit-initiiert. Und dass sie sich jetzt neuerdings etwas anders präsentiert und härtere Einwanderungsgesetze fordert, wäre letztlich nie passiert, wenn sie nicht den Druck von rechts gespürt hätte in Form der AFD. Und viele konservative Wähler nehmen der CDU das halt auch überhaupt nicht mehr ab, weshalb sie nicht mehr viele Wahl-Alternativen sehen außer eben die selbsternannte "Alternative für Deutschland."

    Gehen wir mal davon aus, dass diese Zahlen so halbwegs korrekt sind, und 34 Prozent ziemlich unzufrieden sind mit Einwanderungspolitik, vielleicht auch noch mit Klimaschutzpolitik, Verkehrspolitik, Gender-Politik, GEZ-Gebühren, Corona-Maßnahmen, übertriebenem Minderheitenschutz, etc. ...
    Deshalb sind die noch lange keine Nazis. In meinen Augen ist man nicht mal zwangsläufig rechts, nur weil man keine staatliche Einmischungen in sein Privatleben mag und will, dass die Sprache nicht verhunzt wird, und sich unwohl fühlt, wenn immer mehr Kopftuchleute und asoziale Gangstertypen die Städte bevölkern.

    Womit ich jetzt nicht sagen will, dass ein Großteil der AFD-Wähler keine rechten Ansichten hätte...

    Gerade, was Drogenpolitik angeht, die Forderung nach härteren Strafen und mehr Rechten für die Polizei, oder in der Sozialpolitik und der Glorfizierung der traditionellen Familienwerte als einzig wahres Lebensmodell ist diese Partei schon ziemlich rechts. Und die meisten die sie wählen, sind das wohl auch, oder haben zumindest kein Problem mit einer solchen rechten Innenpolitik.

    Nur... das ändert ja alles nichts an dem Problem, dass es abseits der AFD keine andere (größere) Partei gibt, die diesen oben erwähnten 34 Prozent eine politische Heimat bietet. Und der einzige Grund, warum die AFD nicht längst bundesweit bei 34 Prozent ist, ist vermutlich, dass einige von denen, die z.B. der Flüchtlingspolitik skeptisch gegenüberstehen, eben doch keine Nazis sind und der AFD nicht so recht trauen, bzw. deren Sozialpolitik oder andere Dinge scheiße finden.

    Aber wenn die Linken weiterhin jeden, der in der Flüchtlingspolitik eine Kehrtwende will und gegen übertriebenen Minderheitenschutz ist, gleich als "Nazi" bezeichnet, wird da auch irgendwann die Hemmschwelle dieser Leute sinken, die AFD zu wählen. Es setzt eben auch ein gewisser Solidarisierungs-Effekt ein. Je mehr es der AFD gelingt, sich als einziges verbliebenes Sprachrohr der Vernunft gegenüber einem durchgeknallten linken Verbotsstaat zu präsentieren, und je mehr Menschen wegen ihrer Ansichten ausgegrenzt oder Künstler gecancelt werden, umso mehr Wähler werden irgendwann dann aus Trotz doch AFD wählen.

    Von daher halte ich auch Lonewolfs Forderungen nach mehr Ausgrenzung für völlig verfehlt und hängengeblieben.

    Wir leben nicht mehr in den 90ern, wo Glatzen mit Springerstiefeln durch Hoyerswerda marschieren. Dass man denen besser aufs Maul haut, als sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen, mag ja eine gute Taktik gewesen sein. Nur heute haben sich die Zeiten eben grundlegend geändert, und links und rechts verwischt immer mehr. Da hat Shinobi durchaus recht. Manche rechte Partei hat z.B. in der Corona-Krise liberalere Ansichten vertreten als die linken, die plötzlich Überwachungsstaat und harte Strafen gegen ungehorsame Bürger ganz toll fanden. Das haben einige Wähler nicht vergessen, und das war ja auch kein einmaliger Ausrutscher, sondern da haben auch viele Linke ihr wahres Gesicht gezeigt und sind damit für viele kritisch denkende Menschen unwählbar geworden.

  • Du tust nix anderes, als das zu bestätigen, was ich geschrieben habe. Wer die AfD wählt, teilt entweder deren rechte Positionen, oder er hat komische bzw. verfehlte Einschätzungen in Bezug auf deren Agenda bzw. findet er nur 'alles scheiße' und meint, die AfD sei irgendeine Art politischer Paria, mit dessen Wahl man 'dem System' dem Stinkefinger zeigt. Die AfD ist kapitalistisches Establishment durch und durch, und man muss schon ziemlich dumm oder ein ziemliches Arschloch sein, um als sozial prekarisierter Mensch irgendeine Form von Sympathie für diese Truppe zu hegen.

    Im Übrigen teile ich deine Einschätzung in Bezug auf Zuwanderung kein Stück. Wer hier schärfere Regeln will, ist bei der nach rechts gerückten CDU unter Merz gut aufgehoben. Wobei wir schon bei Meloni sehen, dass rechter Populismus rein gar nichts an den Realitäten in dieser Welt ändert.

    Zum 'übertriebenen Minderheitenschutz' muss ich nichts sagen, oder? Wer rechte Scheiße vertritt, wird rechts wählen - mitunter auch dann, wenn er selbst Leidtragender ist, hautptsache, den anderen verhassten Minderheiten geht es noch schlechter. Wieso sollte man als halbwegs progressiv denkender Mensch irgendeine Form von Verständnis für diese 'Sorgen' haben? Es ist schon lustig: Früher hat Dian the Saint in jedem Posting gegen 'Lemminge' polemisiert, und heute wird er zum großen Verteidiger des politischen Lemmingverhaltens. Ich kann über deine Motivation nur rätseln. Entweder kommt doch nach und nach der Konservative in dir durch, oder du schiebst noch immer Coronafrust und suchst nun bequeme Feindbilder, bevorzugt unter 'den Linken' und 'den Woken'. Viel 'Anarchismus' kann ich jedenfalls in deinen politischen Positionen nicht mehr erkennen.

    Dass immer mehr Menschen menschenverachtende und autoritäre Positionen vertreten, macht sie nicht legitim. Aufgrund der historischen Erfahrung stelle ich mich gegen jede Idee eines Umgangs mit dem rechten Lager, das auf etwas anderes als Ausgrenzung abzielt. Und ich teile nebenbei bemerkt auch nicht den 'Optimismus', dass weniger Geflüchtete auch weniger AfD-Stimmen bedeuten würden, da der Rechtsruck schlichtweg unterschiedlichste Bereiche betrifft. Das Problem ist, dass wir in 'faschismusgünstigen' Zeiten leben: Abstiegsängste, Verschwörungsdenken, Krisenherde überall und eine bei sehr vielen Menschen chauvinistische 'Ich bin mir selbst der Nächste'-Philosophie.

    Es wäre ja schön, wenn wir mal ganz progressiv hier darüber sprechen könnten, wie sich tatsächliche Alternativen zum Bestehenden formulieren lassen. Oder ist dir die Phantasie ausgegangen? Jetzt mal Butter bei dir Fische: Wie genau willst du denn auf eine fortschrittliche Art mit dem gesellschaftlichen Unmut umgehen? Wie kommen wir zu einer Gesellschaft mit weniger kapitalistischem Verwertungszwang und weniger staatlicher Überwachung, also hin zu mehr 'Anarchie', oder ist das für dich nur noch ein Label für deine Veröffentlichungen? Oder sind das verfehlte Hoffnungen, weil offenkundig immer mehr Menschen sich einen autoritären Führerstaat, weniger 'Ausländer' und generell weniger sichtbare Minderheiten wünschen?

    Why do we fall?

  • 'durchgeknallter linker Verbotsstaat'

    Ich hoffe wirklich, dass bald die Mimimimi-Wagenknecht-Partei kommt, damit es endlich eine wählbare Stimme der Vernunft mehr gibt und die armen Menschen nicht mehr AfD wählen MÜSSEN :lob: :thumbsup:

    Why do we fall?

  • Ja verdammt, gebt den Idioten doch endlich eine Partei für ihre scheiss Probleme, damit sie deshalb keine Faschisten wählen müssen. :dash:

    Für das yatanische Volk, Yatanistan und den gelenkten Yatanismus!