Okay, wenn alle dagegen sind (sogar die Kirchen!), muss da ja doch was dran sein. Das ist die Logik, auf der der 'Unity-Anarchismus' mittlerweile angekommen ist.
Naja, korrigiert mich, wenn ich etwas falsch verstanden habe - aber geht es hier nicht hauptsächlich um die ganze abgefuckte "Diskussionskultur" in Kombination mit dem weitestgehend politischen Einheitsbrei, der überhaupt nichts mehr duldet, geschweige denn toleriert, was von der Mainstream-Blase abweicht? Natürlich ist die AfD eine hängengebliebene Schrottpartei, aber man darf eben nicht aus den Augen verlieren, dass sie kein Teil des gerne präsentierten Einheitsbreis ist. Hinzu kommt die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die sich letzten Endes von den hübsch servierten Scheinlösungen der Partei angezogen fühlt. Die ordentliche Anzahl dieser Leute, die deutlich zu spüren meinen, dass etwas schiefläuft, sollte doch zu denken geben.
Die Probleme liegen nicht darin, dass die Wähler dumm wählen, sondern in den Ursachen ihres Verlangens, dumm zu wählen (alles andere hätte man sich noch vor der Errichtung der Demokratie überlegen sollen). Gerade diese spielen nämlich in die Karten der AfD. Und aus meiner Sicht trägt der Umgang der Mainstream-Parteien mit dieser Entwicklung aktiv dazu bei.
Die Ursachen für rechtswählen liegen entweder darin, dass die Wählerschaft eben rechts tickt (na sowas) oder dass sie bestimmten Argumentationsmustern auf den Leim geht. In ersterem Fall sehe ich keine Möglichkeit, hier Überzeugungsarbeit leisten zu können. Im zweiten muss man eben hinsehen, wo nun die tatsächlichen Motive liegen. Meiner Auffassung nach wird der 'Einheitsbrei' eben als Dienstleister betrachtet, der einen miesen Job macht. Hingegen müssen Rechtspopulisten überhaupt nichts liefern, da es hier nicht um Inhalte geht, sondern um Identitätsangebote, so ähnlich wie bei bestimmten Formen des Influencings oder der Moitivational Speeches: 'Mit dir/uns ist alles in Ordnung, die anderen sind alle schuld/kaputt'. Das ist die ganze Masche 'in a nutshell'. Auch hier sehen ich wenig Chancen, mit rationalen Argumenten zu kontern.
Die einzig Lösung wäre der Aufbau einer tatsächlichen Alternative zum Bestehenden. Das ist klassisch die Linke, aber die scheitert gerade an sich selbst. Insofern sehe die einzige kurzfristige Möglichkeit tatsächlich in einem strategischen Antifaschismus. Und der beinhaltet nicht, der Afd und ihrem Klientel 'auf Augenhöhe' zu begegnen, sondern sie strategisch schlau zu bekämpfen und in ihren Entfaltungsmöglichkeiten einzuschränken. Man darf ja nicht vergessen, dass es auch im bürgerlich-konservative Lager genug Stimmen gibt, die sich programmatisch bei rechtsautoritären Phantasien bewegen. Wenn rechte Positionen immer 'diskutabler' und 'normaler' werden, dann wird dieser Rechtsruck eben nicht mehr nur von der AfD ausgehen, sondern von allen, die ihre Chance wittern, den Diskurs zu verschieben. Daher ist Ausgrenzung schon der richtige Weg.