Beiträge von Papa Stern

    ich für meinen teil gebe meine stimmte wie bisher der spaßpartei "die partei". vielleicht werd ich auch mal irgendwann taktisch wählen.

    ansonsten hab ich keinen bedarf irgendeine der etablierten parteien zu wählen, und auch nicht die Linke, nicht die AfD und auch nicht die mögliche neue wagenknecht partei. ich halte alles für mist in einem anderen gewand.

    Würdest du sagen, du hast deine Erfahrungen bei den unterschiedlichsten Arten von Menschen gemacht hast... oder ist eher so ein bestimmtes Umfeld, in dem du dich aufhältst, und wo man vielleicht besonders häufig auf solche Menschen trifft? Du hast ja mal erwähnt, dass du viel in so polyamourösen Kreisen verkehrst. Kann es vielleicht sein, dass Leute dort besonders kompliziert oder "schwierig" sind? (Einen kenne ich ja... der war definitiv schwierig. ;) )

    Ich bin und war immer eher ein extrovertierter mensch (bzw. so 60% extro, 40% intro) und habe daher schon viele menschen kennegelernt/in meinem leben gehabt. und da ich mich mal als menschenoffene person bezeichnen würde, die sich mit menschen umgibt die mitunter sehr unterschiedlich ticken und denken, würde ich schon sagen, dass ich die erfahrung mit unterschiedlichen menschen gemacht habe. gerade die poly-leute erleben ich da eher als positv, was nicht heißt, dass ich da mit jedem eine große connection habe, aber polys haben sich für einen lebensweg entschieden, bei dem gute kommunikation notwendig ist, weil ja immer so viele in den sogenannten "polykülen" (molekülartige strukturen die sich in den beziehungen untereinander ergeben) involviert sind.

    eine erfahrung, die ich auch oft gemacht habe, ist, dass beziehungen sehr fragil und instabil sein können und zwar, ohne dies zunächst zu ahnen. das läuft meist so, dass alles eine ganze weile ganz prima und harmonisch läuft, und dann gibt es auf einmal was, irgendein neuer faktor der ins leben kommt, der einen konflikt erzeugt. und erst in dieser situation zeigt sich auf einmal ein empfindlicher punkt am anderen (oder an einem selbst), für den es zuvor einfach keinen auslöser gab, so dass es zuvor auch nicht lediglich "gespielt" war, dass alles gut geklappt hat.

    daher sage ich manchmal heute auch, dass ich einen kontakt dann als gut bezeichne, wenn man die ersten drei streits hinter sich hat (der erste könnte noch ein zufallsbefund sein), und sie konstruktiv lösen konnte. ich hab auch gar nichts dagegen, dass es ohne streit funktioniert. es ist nur meine bisherige lebenserfahrung, dass irgendwann was um die ecke kommt. aber auch gegen streit habe ich nichts, solange er sich positiv und nachhaltig (!) lösenlässt (nachhaltig in dem Sinne, dass es auch bei schwierigen Themen irgendein positives Weiterkommen gibt, und man sich nicht immer mit derselben Krütze befasst und im Kreis dreht, denn das ist einfach nur zermürbend). im gegenteil: ich hatte als kind ein ungünstiges umfeld, wodurch ich recht angepasst wurde um möglichst wenig ärger auf mich zu ziehen. und streits, die ich mit leuten positiv lösen konnte (die erfahrung gab es ja auch), haben mich sehr in dem glauben an eine sichere bindung bestärkt, nämlich, dass es möglich ist auch mal aneinanderzugeraten, und dadurch nicht gleich die welt zusammenbricht.

    ich glaube nicht, dass ich schon alle faktoren die zu diesen erfahrungen führen/geführt haben, auf dem schirm habe.

    ein faktor war sicher, dass ich nicht so gut zu mir gestanden habe und sich daher dinge über einen längeren zeitraum zugespitzt haben, weil ich mich nicht früh genug mit meinen bedürfnissen eingebracht habe. oder sehr unsicher war, als ich sie eingebracht habe, was wiederum unsicherheit beim anderen erzeugen kann.

    ein anderer punkt ist, dass ein paar leute auch etwas arg neurotisch waren, so dass man das kontaktende auch positiv sehen kann. aber sie waren ein wirklich gutes trainingsfeld um zu mir zu stehen und mich durch das ganze defensive verhalten nicht einschüchtern zu lassen.

    was dann auch der nächste puntk wäre, nämlich, dass ich leuten oft sage, wenn ich was wahrnehme, von dem ich denke, dass es destruktiv ist (und sei es nur in bezug auf sie selbst). das empfinden leute oft als angriff, während ich eher aus der ecke komme, dass man auch sehr wohlwollend über sowas sprechen kann.

    Wie glaubst du kann diese Trennung der Interpretationen von dem Ursprungsempfinden am besten gelingen?

    puh, du stellst fragen ;-) ich hab das gefühl es ist eine lebens- vielleicht sogar menschheitsaufgabe, das rauszukriegen. und ich forsche gerne mit :)

    wie man die frage beantwortet, hängt wohl auch ganz von der perspektive ab, mit der man draufschaut.

    allen voran das menschenbild das man hat, wie frei oder unfrei man den menschen sieht. es gibt ja viele studien, die zeigen, wie wir uns im schnitt in bestimmten situationen verhalten, nur treffen sie ja keine aussage über den grund, und ob auch ein anderes verhalten möglich wäre (das sich aber nicht allgemein durchgesetzt hat).

    ich denke, dass es nicht primär eine frage von wissen und fähigkeiten ist, sondern vom willen.

    es kann ja sein, dass man sich in irgendeiner inneren scheiße verrannt hat, aus der man nicht selbst rausfindet. aber spätestens wenn ein anderer mensch auftaucht der einem sagt "versuch doch mal diese (andere) sichtweise drauf" weiß man, dass es offenbar noch eine andere perspektive gibt als die eigene. und spätestens dann ist es eine wahl und wenn man den menschen und seine sichtweise von sich fern halten muss (egal ob man dabei eher aggressiv vorgeht oder eher passiv und sich entzieht), entscheidet man sich dafür, in seiner bubble zu bleiben. im anderen positiven fall könnte man sich ja einfach anhören was der andere, ergebnisoffen drauf schauen und es auf sich wirken lassen.

    ich denke es geht hierbei um die prinzipielle überlegung, ob man die welt in sich reinlassen oder eher von sich fernhalten will. und dass, wenn man sie in sich reinlassen will, kein cherrypicking möglich ist, sondern man dann auch die ganzen verletzungen und grausamkeiten in sich reinlässt. und ja, ich halte das für eine gute sache ;-).

    und dann istr noch eine erfahrung, dass von tiefe labern und tiefe leben zwei unterschiedliche dinge sind. denn ersteres ist einfach, aber es dann wirklich zu tun wenn ein verletzter oder gar traumatisierter bereich von einem betroffen ist, das ist nochmal eine ganz andere sache.

    und ich glaube weiterhin, dass menschen mehr angst vor verbundenheit als vor verletzung haben (warum ich das glaube, kann ich nicht gut erklären).

    es wird ja gern die verletzung herzitiert, als grund, andere von sich fern zu halten.

    ich sehe das ganze aber auch stark aus der von mir schon weiter obenen beschriebenen sicht, dass menschen auch gerne ihre inneren muster schützen, und um muster zu schützen muss man verhindern beeinflussbar und berührbar zu sein.

    würde man verbundenheit (wenn sie sich natürlicherweise zeigt) zulassen, könnte sich vieles oder sogar alles ändern und man müsste sich innerlich nochmal ganz neu sehen.

    Wenn man das kann stellt man eventuell auch fest, dass einem das womöglich bereits genügt und es gar nicht mehr so sehr darauf ankommt zusätzlich noch von anderen angenommen zu werden.

    da denke ich vermutlich anders als die meisten.

    ich finde selbstannahme grundsätzlich erstmal eine gute sache, vor allem dann, wenn man sich anfängt für jemanden zu verfälschen.

    ich sehe diese haltung aber auch als selbstschutzmechanismus, sich vor enttäuschenden erfahrungen zu schützen.

    ich halte den menschen für ein viel zu soziales wesen (bzw. es deckt sich mit meinem empfinden), als dass ich denke, er könnte sich alles selbst geben. dafür sind viel zu viele anteile in uns auf soziale interaktion ausgelegt. auf welche art die gestaltet sein können, da denke ich sind wir oft sehr engstirnig und sehen oft viel zu eingeschränkte varianten. oft fehlt es an freiheit; aber auch die freiheit kann so hoch gehalten werden, dass sie aus meiner sicht wieder einschränkt (letzteres vielleicht auch eine sichtweise, die eher untypisch ist).

    und dann hab ich noch so ganz persönliche ansichten. ich hab beispielsweise das gefühl, dass wir alle (bis auf wenige ausnahmen vielleicht) eigentlich viel liebevoller sind oder sein könnten, als wir sind/glauben zu sein/uns verhalten. ich habe auch einen großen liebevollen teil, der sich in der welt viel zu selten auslebt, und der, auch wenn mir nicht alle menschen gleich wichtig sind, sich auf mehr als eine person bezieht; er fühlt sich mehr an wie ein tiefer charakterteil in bezug auf das ganze leben. und ich hab halt noch die annahme, dass ich damit nicht alleine bin, und sich alle nicht so recht trauen das zu zeigen ;-).

    Ich seh das Problem vor allem darin, dass die wenigsten Menschen eine differenzierte Sichtweise auf Dinge entwickeln wollen.

    Das liegt vielleicht daran, dass differenzierte Sichtweisen einige attraktive Vorteile nicht besitzen:

    man kann sich mit keiner bestimmten Gruppe identifizieren und sich Teil von ihr nennen (erinnert mich an den tiefen Antrieb des Menschen, nicht aus Gruppen ausgeschlossen werden zu wollen weil Lebensgefahr). Man kann sich nicht an Weltbilder festklammern, man kann keine schwarz-weiß Ansichten einnehmen, kurz: wenn man differenziert auf Dinge blickt, kann mich sich nicht über geistige Konstrukte (gefühlte) Sicherheit schaffen. zumindest gehe ich davon aus, dass Menschen Sichtweisen meist verteidigen, weil sie ihnen Sicherheit geben. und die Suche nach Sicherheit steht einem tieferen Verständnis, das einen immer wieder in den eigenen Ansichten herausfordern würde, im Weg. man müsste sich ja schließlich auch mal ändern, sei es eine Meinung, oder eine tiefergreifende Charakteränderung durchmachen. wie viele Leute seht ihr, die das tun?

    und wenn sich jemand davon nicht frei machen und diese eigene Tendenz in Weltbildern und Positionen Sicherheit zu suchen eingestehen kann, dann versteht er halt Dinge in der Welt nicht tiefer. und es gibt viele Tricks das auszublenden (z.B. indem man den Intellekt ganz groß schreibt, Rationalisiert, entweder alle Gefühle ausblendet oder über-emotionalisiert, Widersprüche ausblendet) etc.

    ich denke egal welche politische Richtung: da schenken sich Menschen nix.

    Der Wunsch angenommen zu sein ist vielleicht sowas wie eine Rückmeldung von außen, so sein zu dürfen, wie man ist, ohne das Alleinsein fürchten zu müssen oder ständig dafür kritisiert zu werden und im Idealfall natürlich Menschen zu finden, die ähnlich ticken, wie man selbst.

    ja, ich denke, das trifft es.

    meine Gedanken gehen weiter in die Richtung, dass jeder Mensch einen Seelenhafen haben sollte. einen Ort mit anderen Menschen, an dem er zeigen kann, wie es wirklich in ihm aussieht und das wohlwollend entgegengenommen und sich dafür interessiert wird.

    Und hier ergibt sich oft eine Schwierigkeit; ich rede da auch von vielen persönlichen Erfahrungen.

    Ich versuch es mal zu beschreiben:

    und zwar haben Menschen ja einerseits etwas, was sie in ihrer Seele bewegt. Und dann ist das "Originalempfinden" meist mit einer geistigen Interpretation überlagert. Und viele Menschen fordern, dass ihre Interpretation geteilt wird und fühlen sich erst dann angenommen. Manchmal werden richtige Dramen deswegen aufgeführt und oft gehen sie mit dem Vorwurf einher, dass man sich eben nicht für den anderen interessiert (weil man ja sonst auch so denken würde).

    Und mein Empfinden ist, dass das Originalempfinden und die Interpretation (das Selbstbild) oft nicht zusammenpassen. Und ich denke das ergibt sich daraus, dass die Interpretation oft nicht einfach nur der Versuch ist, sich selbst tiefer zu verstehen, sondern dahinter oft Strategien stehen. Muster, die sich Menschen (z.B. aus Selbstschutz in nicht verarbeiteten Situationen von Hilflosigkeit) angeeignet haben und es eigentlich darum geht, das Muster zu schützen und nur eine passende Interpretation gesucht wurde, die etwas bestätigt und somit das Muster auch wieder als sinnvoll und wichtig erscheinen lässt.

    Somit klappt das mit dem annehmen und angenommen fühlen aus meiner Sicht nur, wenn alle das grundsätzliche Verständnis mitbringen, dass andere sich durchaus für einen interessieren können, ohne dasselbe Narrativ zu teilen. Und ich denke das geht wiederum nur, wenn die Bereitschaft von allen da ist, Originalempfinden von der Interpretation trennen zu können oder zumindest zu sehen, dass beides sehr verschieden sein kann.

    Ach, du bist ein Weibchen? Das hätte ich jetzt bei dem Nickname gar nicht vermutet...

    jepp. Geschlecht ist mir bei Leuten auch egal :-).

    Ansonsten, was das ganze Thema betrifft, bleibe ich - solange ich nicht was anderes schlüssiger finde - erstmal bei meiner Arbeitshypothese, dass Menschen (unbewusst) glauben, sie seien angenommen, wenn sie dieselbe Meinung haben wie jemand anderes, denn dafür bietet sich ein Themenfeld mit einem vermeintlich sehr klaren "richtig und falsch" prima an. (Und den Gedanken hab ich auf andere Art in den anderen Posts zum Thema Selbstbild und angenommen sein auch ausgedrückt.)

    Was "angenomen sein" wirklich bedeutet, ist eine Frage, die mich schon lange begleitet. Und mich auf die Suche nach der Antwort zu machen, eine Art Lebensaufgabe.

    Mein bisher Stand: angenommen sein ist nicht dasselbe wie akzeptiert sein, sondern viel mehr. es heißt, für andere von Bedeutung zu sein zwar schlicht, weil man ein Mensch ist. Und dass man sich nicht erst beweisen oder ein besonders guter Bedürfniserfüller für andere sein muss, um das zu bekommen. Vielleicht ist es der Liebe ähnlich, ich würde nur sagen, angenommen sein und Liebe gehen zusammen, aber Liebe muss nicht Teil des Pakets/Voraussetzung dafür sein. (Wobei ich trotzdem denke, dass Liebe von selbst viel mehr entstehen würde, würden sich alle annehmen.) Es heißt, auch dann wichtig für jemanden zu sein, auch wenn das Spezialgefühl von Liebe sich nicht einstellt.

    Ich hab das Gefühl, bisher nur Puzzlestücke zu haben und selbst nicht zu begreifen, was das heißt.

    Ich glaube, dass es den Menschen an angenommen sein mangelt. Was man vielleicht auch daran sehen kann, dass z.B. Jesus/Gott diese Idee bewerben, oder andere Spiri-Varianten.

    Und dass alle eine Sehnsucht dazu spüren und viele so ihre Idee davon haben.

    Eine Idee davon ist vielleicht, dass man angenommen ist, wenn man einen Gedanken von jemand anderem übernommen hat. Etwas, was ich überhaupt nicht glaube.

    In der Extremform fühlen sich dann in einer Diktatur alle (scheinbar) angenommen, weil sie alle demselben Gedanken nachrennen.

    Aber der jeweilige Gedanke, das jeweilige Thema ist aus dieser Perspektive egal, weil's um das Nachrennen geht und das Thema austauschbar ist.

    Mehr hab ich grad nicht dazu.

    schon faszinierend, was bei diesem Thema so passiert ?(

    Wir haben die einzelnen Überlegungen die im Raum stehen.

    Man kann ja über alles reden z.B. darüber, ob man "protect your daughters, educate your sons" jetzt gut oder weniger gut findet.

    Ich persönlich mag den Fokus davon nicht so. Und bevor ich das jetzt erläutere, würde mich interessieren, ob du Lonewolf von dir aus eine andere Erklärung dafür finden kannst, als Misogynie oder patriarchales Denken.

    Wir haben diese 'next level Gesellschaftskritik' bzw. dieses Hinterfragen hier ausschließlich (!) beim Thema sexueller Gewalt, siehe auch meinen Hinweis auf den gemobbten Außenseiter. Da könnt ihr euch auf den Kopf stellen wie ihr wollt, das ist nicht eingestandene misogyne Sozialisation

    Ich hab eine andere Interpretation angeboten warum es zum vermehrten Hinterfragen kommt.

    Und Dian hatte zuvor auch gesagt, dass er sich mit der next level Gesellschaftskritik für größere Zusammenhänge interessiert, da für ihn als selbstverständlich gilt, dass man seinen Partner nicht verprügelt (und sich im weiteren Sinne anständig verhält, wozu dann ja auch Gleichberechtigung gehört).

    Ich hab halt nicht das Gefühl, dass es um die einzelnen Überlegungen geht, sondern dass du den Vorwurf der Misogynie einfach wiederholst, so, als würdest du daran klammern. Als würde es primär darum gehen, auf gar keinen Fall diesen Standpunkt aufzugeben bzw. differenzierter zu machen (denn Frauenhass ist ja schon eine heftige Unterstellung). Warum?

    P.S. Thema 'Diskussionskultur': Wir reden hier von einem Thema, bei dem viele eben persönlich betroffen sind. Nicht du, nicht ich (unmittelbar), sondern in erster Linie Mädchen und Frauen

    also ich bin davon beispielsweise ziemlich betroffen und zwar in der Form, dass ich für meine Meinungen und mein kritisches Nachfragen schon mehrfach (v.a. im real life) richtig hart angegangen wurde, weil ich mich halt auch geäußert habe (ich kenne Leute die ähnlich denken, aber halt bewusst ihre Fresse halten, um genau das zu vermeiden). Gerade Frauen scheinen mich manchmal als richtige Verräterin zu sehen, noch schlimmer als einen Mann, weil ich ja eine von ihnen bin.

    Wenn ich jetzt mal dasselbe Spiel anwenden würde, könnte ich da auch einen auf unterdrückte Minderheit machen :thumbsup:.

    Aber das Ding ist eben, es juckt keinen an der Stelle was ich da empfinde und wie es mir mit solchen Gesprächen und wenn die Leute sich dann distanzieren, geht. Ich verdiene da offenbar nicht dieselbe Aufmerksamkeit, wie die anderen, mit ihrem Problem (; .

    Also jetzt kein Spaß: dieses Thema bzw. die Ablehnung die ich da schon erfahren habe (auch z.B. durch verächtliche Blicke) ist für mich wirklich viel mehr ein Thema als schlechte Erfahrungen mit Männer, also 10:1 oder so.

    Wieso muss der erste Reflex immer darin bestehen, nach einem Fehlverhalten von Betroffenen zu suchen? Wieso können wir nicht einfach mal anerkennen, dass es 'human predators' da draußen gibt, die man eben ins Visier nehmen muss?

    Das ist halt erstmal eine Unterstellung/Interpretation, dass es darum ginge, einen Täter zu schützen (und sei es nur indirekt weil man die sogenannten partriarchalen Denkstrukturen durch die Prägung übernommen hat, die noch im Unterbewusstsein rumwabern).

    Ich verstehe es mehr als ein kritisches Hinterfragen, als eine gewisse Skepsis, sich nicht alles, was einem serviert wird, direkt verkaufen zu lassen. Vielleicht ist die Skepsis nicht an jeder Stelle sinnvoll, aber - und darauf will ich hinaus - die ganze Motivation dahinter ist eben eine andere, als sich auf die Seite von irgendwelchen Tätern zu stellen. (Dian kann sich ja selbst dazu äußern, wenn er mag.)

    Und wenn das ein Reflex ist, dann sieht das für mich wie ein Reflex als Reaktion auf den Reflex aus, jedem der sagt, er habe einen sexuellen Übergriff erlebt, sofort unkritisch zu glauben.

    Ich nehme das direkt mal als konkretes Beispiel: ich finde es absolut nicht in Ordnung, jemandem per se zu glauben, weil das eben auch eine Unterstellung ist, nämlich die, dass Menschen nicht lügen können wenn sie ihre Interessen verfolgen. Wenn jemand eine solche Behauptung aufstellt, muss sie ernst genommen und untersucht werden und leider leider leider kann man auch z.B. eine Vergewaltigung oft nicht nachweisen, wenn sie wirklich vorgefallen ist. Aber der Vorwurf wurde auch schon von Frauen eingesetzt, um dem Ruf von jemandem zu schaden, es ist sogar eine recht mächtige Waffe, denn selbst wenn der Mann den Prozess gewinnt wird er den Leuten immer als möglicher Täter im Gedächtnis bleiben (weil er seine Unschuld eben auch nicht unbedingt nachweisen kann). Und es gibt sicherlich auch Frauen, die mit Männern schlafen, um ihre Karriere nach vorne zu pushen.

    Und was ich an Woke Heinis (auch wenn du dich jetzt nicht damit identifizieren kannst) glaube ich nicht leiden kann, ist, dass sie alle anderen so darstellen, als seien sie prinzipiell fähig zu Gewalt (deswegen gibt es auch so Argumente wie z.B. zu akzeptieren, dass man eh rassistisch ist, weil man gar nicht anders kann in der Kultur, in der man aufgewachsen ist), während sie sich selbst als völlig harmlos darstellen. Und dazu sag ich dann: ne, kauf ich nicht. Die Woke Heinis lösen nämlich mit ihrem Zeug auch viel Leid und Verletzungen aus und sind überhaupt nicht so friendfertig und harmlos und ich glaube, ganz oft geht's ihnen auch gar nicht um die echten Opfer.

    Inzwischen sind wir (Diskutierenden) da vielleicht an einem Punkt gelandet, an dem wir nur noch mit diesen Reflexen aufeinander reagieren.

    Und ein Teil davon kommt halt auch daher, dass man das Gefühl hat, dass Opferargumentation an der ein oder anderen Stelle auch mal übertrieben oder falsch dargestellt wurde (ist keine Generalisierung) oder man eben selbst merkt, wie oft man anders verstanden wird als man eine Sache meint. Ich war wirklich in X Diskussionen über die letzten Jahre, primär nichtmal online sondern real life, in denen solche Themen aufkamen und man den Leuten dabei zuschauen konnte, wie sie ganz selbstverständlich einen im Raum stehenden Vorwurf einfach übernommen haben; weil Trigger Wort "sexueller Übergriff" oder so, als sei es da nicht mehr erlaubt, kritisch nachzuhaken.

    Ich habe ja schon von meiner Rammstein Debatte mit einer berichtet, und da kam eben auch der Punkt auf, dass sie meinte "man muss einem Opfer immer glauben". Und nein, da bin ich einfach anderer Meinung, auch, wenn das vielleicht die Konsequenz hat, dass bei Nichtnachweisbarkeit es dann öfter mal keine Gerechtigkeit gibt. Wenn mir mal als Frau eine Vergewaltigung passieren sollte, will ich natürlich, dass sich da sofort drum gekümmert und alles untersucht wird. Aber wäre ich ein Mann, der einen solchen Vorwurf bekommt, würde ich genauso wollen, dass nicht jeder diesem blind folgt, und ich würde nicht meine Bekannte als Polizistin haben wollen, die erstmal pauschal alle Vorwürfe von vornherein glaubt und vielleicht auch noch "toxische Männlichkeit" in ihrem Männerbild hat.

    Und das kritische Nachhaken wird jetzt eben manchmal auch übertrieben, oder es gibt vielleicht wirklich ein Reflex geworden beim Wort "sexueller Übergriff" erstmal eine Augenbraue hochzuziehen, weil es eben auch die Komponente von politischem Kampfwort hat. Was irgendwie auch tragisch ist, weil das Wort einen eigentlich sofort sensibilisieren sollte. Aber wenn man gesehen hat, dass das Argument auch schon öfter mal im Namen der Ideologie/Agenda missbraucht wurdet, die vielleicht auch gar nicht mehr viel mit dem echten Leid von Betroffenen zu tun hat (sondern es eher darum geht, sich in seinem eigenen Denken als bestätigt zu sehen), dann ist man nicht mehr so sehr durch den Vorwurf sensibilisiert, wie man es vielleicht sein sollte. Ich finde den Effekt schlecht. Aber es ist eben eine falsche Schlussfolgerung, zu denken, dass das durch Misogynie oder sowas kommt.

    Und das ist deshalb wichtig, weil sehr viele so denken, und sich diesen Denken vom echten Misogynen, der Frauenhass schiebt und sich Frauen generell überlegen sieht, also sie auch für sich objektiviert hat, zu unterscheiden.

    Warum haben wir überhaupt den "Mann Frau" oder was es sonst noch an Geschlechtern geben soll Kampf. Warum können wir uns nicht einfach alle für dieselben ethischen Werte einsetzen, die dann für alle gelten.