Würdest du sagen, du hast deine Erfahrungen bei den unterschiedlichsten Arten von Menschen gemacht hast... oder ist eher so ein bestimmtes Umfeld, in dem du dich aufhältst, und wo man vielleicht besonders häufig auf solche Menschen trifft? Du hast ja mal erwähnt, dass du viel in so polyamourösen Kreisen verkehrst. Kann es vielleicht sein, dass Leute dort besonders kompliziert oder "schwierig" sind? (Einen kenne ich ja... der war definitiv schwierig.
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Ich bin und war immer eher ein extrovertierter mensch (bzw. so 60% extro, 40% intro) und habe daher schon viele menschen kennegelernt/in meinem leben gehabt. und da ich mich mal als menschenoffene person bezeichnen würde, die sich mit menschen umgibt die mitunter sehr unterschiedlich ticken und denken, würde ich schon sagen, dass ich die erfahrung mit unterschiedlichen menschen gemacht habe. gerade die poly-leute erleben ich da eher als positv, was nicht heißt, dass ich da mit jedem eine große connection habe, aber polys haben sich für einen lebensweg entschieden, bei dem gute kommunikation notwendig ist, weil ja immer so viele in den sogenannten "polykülen" (molekülartige strukturen die sich in den beziehungen untereinander ergeben) involviert sind.
eine erfahrung, die ich auch oft gemacht habe, ist, dass beziehungen sehr fragil und instabil sein können und zwar, ohne dies zunächst zu ahnen. das läuft meist so, dass alles eine ganze weile ganz prima und harmonisch läuft, und dann gibt es auf einmal was, irgendein neuer faktor der ins leben kommt, der einen konflikt erzeugt. und erst in dieser situation zeigt sich auf einmal ein empfindlicher punkt am anderen (oder an einem selbst), für den es zuvor einfach keinen auslöser gab, so dass es zuvor auch nicht lediglich "gespielt" war, dass alles gut geklappt hat.
daher sage ich manchmal heute auch, dass ich einen kontakt dann als gut bezeichne, wenn man die ersten drei streits hinter sich hat (der erste könnte noch ein zufallsbefund sein), und sie konstruktiv lösen konnte. ich hab auch gar nichts dagegen, dass es ohne streit funktioniert. es ist nur meine bisherige lebenserfahrung, dass irgendwann was um die ecke kommt. aber auch gegen streit habe ich nichts, solange er sich positiv und nachhaltig (!) lösenlässt (nachhaltig in dem Sinne, dass es auch bei schwierigen Themen irgendein positives Weiterkommen gibt, und man sich nicht immer mit derselben Krütze befasst und im Kreis dreht, denn das ist einfach nur zermürbend). im gegenteil: ich hatte als kind ein ungünstiges umfeld, wodurch ich recht angepasst wurde um möglichst wenig ärger auf mich zu ziehen. und streits, die ich mit leuten positiv lösen konnte (die erfahrung gab es ja auch), haben mich sehr in dem glauben an eine sichere bindung bestärkt, nämlich, dass es möglich ist auch mal aneinanderzugeraten, und dadurch nicht gleich die welt zusammenbricht.
ich glaube nicht, dass ich schon alle faktoren die zu diesen erfahrungen führen/geführt haben, auf dem schirm habe.
ein faktor war sicher, dass ich nicht so gut zu mir gestanden habe und sich daher dinge über einen längeren zeitraum zugespitzt haben, weil ich mich nicht früh genug mit meinen bedürfnissen eingebracht habe. oder sehr unsicher war, als ich sie eingebracht habe, was wiederum unsicherheit beim anderen erzeugen kann.
ein anderer punkt ist, dass ein paar leute auch etwas arg neurotisch waren, so dass man das kontaktende auch positiv sehen kann. aber sie waren ein wirklich gutes trainingsfeld um zu mir zu stehen und mich durch das ganze defensive verhalten nicht einschüchtern zu lassen.
was dann auch der nächste puntk wäre, nämlich, dass ich leuten oft sage, wenn ich was wahrnehme, von dem ich denke, dass es destruktiv ist (und sei es nur in bezug auf sie selbst). das empfinden leute oft als angriff, während ich eher aus der ecke komme, dass man auch sehr wohlwollend über sowas sprechen kann.
Wie glaubst du kann diese Trennung der Interpretationen von dem Ursprungsempfinden am besten gelingen?
puh, du stellst fragen ;-) ich hab das gefühl es ist eine lebens- vielleicht sogar menschheitsaufgabe, das rauszukriegen. und ich forsche gerne mit 
wie man die frage beantwortet, hängt wohl auch ganz von der perspektive ab, mit der man draufschaut.
allen voran das menschenbild das man hat, wie frei oder unfrei man den menschen sieht. es gibt ja viele studien, die zeigen, wie wir uns im schnitt in bestimmten situationen verhalten, nur treffen sie ja keine aussage über den grund, und ob auch ein anderes verhalten möglich wäre (das sich aber nicht allgemein durchgesetzt hat).
ich denke, dass es nicht primär eine frage von wissen und fähigkeiten ist, sondern vom willen.
es kann ja sein, dass man sich in irgendeiner inneren scheiße verrannt hat, aus der man nicht selbst rausfindet. aber spätestens wenn ein anderer mensch auftaucht der einem sagt "versuch doch mal diese (andere) sichtweise drauf" weiß man, dass es offenbar noch eine andere perspektive gibt als die eigene. und spätestens dann ist es eine wahl und wenn man den menschen und seine sichtweise von sich fern halten muss (egal ob man dabei eher aggressiv vorgeht oder eher passiv und sich entzieht), entscheidet man sich dafür, in seiner bubble zu bleiben. im anderen positiven fall könnte man sich ja einfach anhören was der andere, ergebnisoffen drauf schauen und es auf sich wirken lassen.
ich denke es geht hierbei um die prinzipielle überlegung, ob man die welt in sich reinlassen oder eher von sich fernhalten will. und dass, wenn man sie in sich reinlassen will, kein cherrypicking möglich ist, sondern man dann auch die ganzen verletzungen und grausamkeiten in sich reinlässt. und ja, ich halte das für eine gute sache ;-).
und dann istr noch eine erfahrung, dass von tiefe labern und tiefe leben zwei unterschiedliche dinge sind. denn ersteres ist einfach, aber es dann wirklich zu tun wenn ein verletzter oder gar traumatisierter bereich von einem betroffen ist, das ist nochmal eine ganz andere sache.
und ich glaube weiterhin, dass menschen mehr angst vor verbundenheit als vor verletzung haben (warum ich das glaube, kann ich nicht gut erklären).
es wird ja gern die verletzung herzitiert, als grund, andere von sich fern zu halten.
ich sehe das ganze aber auch stark aus der von mir schon weiter obenen beschriebenen sicht, dass menschen auch gerne ihre inneren muster schützen, und um muster zu schützen muss man verhindern beeinflussbar und berührbar zu sein.
würde man verbundenheit (wenn sie sich natürlicherweise zeigt) zulassen, könnte sich vieles oder sogar alles ändern und man müsste sich innerlich nochmal ganz neu sehen.
Wenn man das kann stellt man eventuell auch fest, dass einem das womöglich bereits genügt und es gar nicht mehr so sehr darauf ankommt zusätzlich noch von anderen angenommen zu werden.
da denke ich vermutlich anders als die meisten.
ich finde selbstannahme grundsätzlich erstmal eine gute sache, vor allem dann, wenn man sich anfängt für jemanden zu verfälschen.
ich sehe diese haltung aber auch als selbstschutzmechanismus, sich vor enttäuschenden erfahrungen zu schützen.
ich halte den menschen für ein viel zu soziales wesen (bzw. es deckt sich mit meinem empfinden), als dass ich denke, er könnte sich alles selbst geben. dafür sind viel zu viele anteile in uns auf soziale interaktion ausgelegt. auf welche art die gestaltet sein können, da denke ich sind wir oft sehr engstirnig und sehen oft viel zu eingeschränkte varianten. oft fehlt es an freiheit; aber auch die freiheit kann so hoch gehalten werden, dass sie aus meiner sicht wieder einschränkt (letzteres vielleicht auch eine sichtweise, die eher untypisch ist).
und dann hab ich noch so ganz persönliche ansichten. ich hab beispielsweise das gefühl, dass wir alle (bis auf wenige ausnahmen vielleicht) eigentlich viel liebevoller sind oder sein könnten, als wir sind/glauben zu sein/uns verhalten. ich habe auch einen großen liebevollen teil, der sich in der welt viel zu selten auslebt, und der, auch wenn mir nicht alle menschen gleich wichtig sind, sich auf mehr als eine person bezieht; er fühlt sich mehr an wie ein tiefer charakterteil in bezug auf das ganze leben. und ich hab halt noch die annahme, dass ich damit nicht alleine bin, und sich alle nicht so recht trauen das zu zeigen ;-).