Social Justice Warriors / Gutmenschentum

Es gibt 120 Antworten in diesem Thema, welches 78.868 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (21. August 2018 um 15:33) ist von Lonewolf.

  • Gibt es einen Grund spirituelle Erfahrungen als "Sinnestäuschung" einzuordnen?

    Die Erfahrungen selbst nicht, wenn sie nicht als Beleg für die Existenz Gottes interpretiert werden. Wie gesagt möchte ich ihnen einen gewissen (psychologischen) Wert nicht absprechen.

  • Es stellt sich halt bei beidem die Frage nach der Ursache.


    Die eigentliche Frage ist die nach dem, was sich einem präsentiert?

    Zitat

    Solange sich Gott mir nicht sehr überzeugend präsentiert, sehe ich jedenfalls keinen Grund, warum ich an ihn anstatt Thor, Crom oder den Weihnachtsmann glauben sollte.


    So wie man keinen Grund sehen kann anzunehmen man habe noch Essen im Haus anstatt eine Dose Ravioli oder eine Packung Reis?

    Die Erfahrungen selbst nicht, wenn sie nicht als Beleg für die Existenz Gottes interpretiert werden.


    Du meinst man sollte die Möglichkeit, daß es so war, wie es wirkte pauschal auschließen?

  • So wie man keinen Grund sehen kann anzunehmen man habe noch Essen im Haus anstatt eine Dose Ravioli oder eine Packung Reis?

    Ist diese Unterscheidung nicht sehr subjektiv?

    Du meinst man sollte die Möglichkeit, daß es so war, wie es wirkte pauschal auschließen?

    Nein, wenn man es genauer wissen will, muss man es genauer untersuchen.

  • Es kommt bei der Wahl der Methode halt darauf an, wie überzeugend die gefundene Erkenntnis sein soll. Wenn sie nur Menschen überzeugen soll, die (auf diesem Gebiet) keine allzu strengen Standards bezüglich ihrer Wahrheiten haben, reicht es, eine entsprechende Methode zu benutzen.

    Ich bin insofern aber bei dir, dass dementsprechende Untersuchungen mit wissenschaftlichen Methoden gelegentlich auch nicht vorurteilsfrei ("Es muss einfach Humbug sein!") vonstatten gehen.

  • Es kommt bei der Wahl der Methode halt darauf an, wie überzeugend die gefundene Erkenntnis sein soll. Wenn sie nur Menschen überzeugen soll, die (auf diesem Gebiet) keine allzu strengen Standards bezüglich ihrer Wahrheiten haben, reicht es, eine entsprechende Methode zu benutzen.


    "Überzeugend" und "strenger Standard" hängen von der Perspektive ab, würde ich sagen.

    Vielleicht läßt sich nun ein Bogen zurück zum Anfang des Threads spannen:

    In dem Video wird auf ironische Weise vor der Gefahr gewarnt, dass immer mehr Minderheiten-Quoten, Sonderregeln und zu viel Rücksichtsnahme dazu führen, dass die Welt immer verrückter wird und sich die ganz normalen Leute irgendwann völlig Fehl am Platz fühlen.
    Ich kann das einerseits natürlich nachvollziehen, weil mich dieser ganze Frauen- Ausländer- und Behindertenquoten-Schwachsinn auch nervt.


    Der grundsätzlichen Analyse stimme ich zu, daß manche Emanzipationsbewegungen in mancherlei Hinsicht inzwischen übertreiben. In mancherlei Hinsicht gibt es aber zugleich noch immer festsitzende Diskriminierungen.

    Trifft das aber nicht genauso auf die Religionsfeindlichkeit mancher hier zu? Ist das nicht ein "SJW", das so wie es hier vertreten wird inzwischen über das Ziel hinausschießt und im Grad des vertretenen Fanatismus sich selbst ad absurdum führt?

  • Trifft das aber nicht genauso auf die Religionsfeindlichkeit mancher hier zu? Ist das nicht ein "SJW", das so wie es hier vertreten wird inzwischen über das Ziel hinausschießt und im Grad des vertretenen Fanatismus sich selbst ad absurdum führt?

    Wo siehst du Fanatismus? Sollen wir in einen anderen/neuen Thread wechseln?

  • Wo siehst du Fanatismus?


    Manche Haltungen zu Religion finde ich vergleichbar über das Ziel hinaus wie Haltungen, die anfangs kritisch betrachtet worden waren.

    Zitat

    Sollen wir in einen anderen/neuen Thread wechseln?


    Was stellst du dir da vor? Im Moment finde ich, daß wir wieder weitgehend beim Ursprungsthema angekommen sind. :)

    • Offizieller Beitrag

    Irgendwie muss ich gerade an Campino denken... für mich der Prototyp eines "Gutmenschen", und ein wunderbares Beispiel dafür, warum Menschen, die sich für Minderheiten einsetzen, trotzdem ziemlich scheiße sein können.
    Campino hat ja neulich bei der Echo-Verleihung (so ne dämliche Veranstaltung, wo die degenerierte Promi-Mischpoke sich selbst feiert :! ) den Abend gerettet, indem er den beiden Preisträgern in der Kategorie "asozialer Dumpfbacken-Rap" oberlehrerhaft ins Gewissen geredet hat, weil ihre Texte nicht den politisch korrekten Mindeststandards genügten. Und dafür hat der Campino dann hinterher auch ordentlich Lob von der Presse und dem Establishment bekommen, und jetzt will man ihm glaub für seinen mutigen Auftritt und seine Zivilcourage dann demnächst auch den Friedensnobelpreis verleihen. Zusammen mit Peter Maffay und Marius Müller-Westernhagen. Fehlen eigentlich nur noch Bono und Grönemeyer.
    Das ist genau die Sorte "Gutmenschen", die mich anwidern, und wegen denen ich es mir auch nicht nehmen lasse, den Begriff "Gutmensch" zu benutzen, auch wenn der eigentlich ein Kampfbegriff der rechten Szene gegen alles Linke geworden ist. Aber er passt nunmal einfach so wunderbar, dieser Begriff, für Leute wie Campino.

    Eigentlich wäre es seine Aufgabe als Punk gewesen (war er das überhaupt jemals?), diese verlogene Promi-Veranstaltung zu sprengen und auf die Bühne zu kotzen oder mal richtig Klartext zu reden. Aber solche Künstler haben wir in Deutschland leider nicht. Jedenfalls nicht unter den sogenannten "Promis" in den obersten Charts-Regionen. Alles, was wir haben, sind so pseudo-alternative Selbstdarsteller, für die alternativ sein bedeutet, auf dem roten Teppich ein bisschen über den Hunger in der Dritten Welt zu philosophieren und sich beim anschließenden kalten Buffet bewusst vegan vollzufressen. Aber ansonsten schön mit dem Strom schwimmen und in die Kamera lächeln und Preise entgegennehmen und Hände schütteln wie alle anderen Promis auch.
    Da müssen dann erst zwei weitestgehend talentbefreite Unterschichten-Honks daherkommen und mit ihren schlechtgereimten Rap-kata-strophen für einen Skandal sorgen, damit diese spießige Selbstbeweihräucherungs-Orgie der Musikindustrie mal so richtig durchgeschüttelt wird.
    Es ist ja traurig, dass es so ist... aber Farid Bang und Kollegah können nur deshalb schocken, weil alle anderen "Künstler" überhaupt nicht mehr schocken wollen, sondern sich längst einen Logenplatz im Establishment gesichert haben und sich auch längst als Teil dieses Systems betrachten, auch wenn sie vielleicht auf ihrem Logenplatz ein bisschen weiter links sitzen mögen als andere.

    Das Beste an diesem "Skandal" fand ich aber dann, dass die als Kritik angeführten ach so antisemitischen Textpassagen überhaupt nix mit Antisemitismus zu tun haben. Es wird eben das böse Wort "Holocaust" erwähnt, und dann heißt es noch irgendwo "mein Körper definierter als der von Auschwitz-Insassen". So wie ich das verstehe, ist das definitiv KEIN Antisemitismus, sondern eine vielleicht wenig geschmackvolle Metapher, die keinen interessiert hätten, wenn es nicht um das eine Tabu-Thema gegangen wäre, über das man in Deutschland nicht so normal reden kann wie über andere Themen.
    Ich hab spaßeshalber mal nach dem kompletten Song-Text gegoogelt... kleiner Ausschnitt gefällig?

    Spoiler anzeigen


    Diese Penner droppen Fakeshit
    Dolmetscherrapper biten Drakehits
    Warum tanzt du rum wie ne Cocaine-Bitch?
    Ein Uppercut und du hebst ab – Facelift
    Hundesöhne rennen vor dem Halbkanadier
    Ich komm und zertrenne deine Halsschlagader
    Bange mit der AK, bam-bam
    Alle meine Bratans, Member in der Balkanmafia
    Nutte, meine Limositze Alcantara
    Mache wieder mal nen Holocaust
    Komm an mit der Molotow im Hennessy für meine Enemies
    Und lasse deine Family verbrennen an nem Waldrandparkplatz
    Schlag Laas Unltd. und gebe dann dem Crackhead
    Uppercut, dann wird der Backpack zu nem Jetpack
    Smacke deine Ex dann im Bett weg


    Sorry, das ist definitiv kein Antisemitismus, das ist einfach nur schlecht gereimter primitiver Unterschichtenrap ohne Niveau. Traurig, dass man mit sowas Erfolg haben kann und Preise abräumt, während die Anarchonauten noch nicht einmal nominiert waren... aber das ist wieder ein anderes Thema.

    Was ich eigentlich sagen wollte:
    Das Widerliche am typischen "Gutmenschen" ist, dass er aus Mücken einen Elefanten macht und sich über unwichtige Scheiße aufregt, während er sich gleichzeitig vom System hofieren lässt oder selber dabei mitwirkt und gar nicht kapiert, dass dieses ganze System eigentlich viel mehr stinkt als die unbedeutenden politisch inkorrekten Kleinigkeiten, über die er sich so aufregt.
    Und das hat man an dem Beispiel mit Campino und der Echo-Verleihung mal wieder wunderbar beobachten können.
    Und deshalb finde ich, kann man sehr wohl über solche Gutmenschen und deren heuchlerische Doppelmoral abkotzen, ohne deshalb gleich auf der Seite der homophoben, nationalistischen, chauvinistischen Ewiggestrigen zu stehen. Man muss es sogar, wenn man nicht irgendwann wirklich eine Welt haben möchte, in der Künstler nicht mehr provozieren, sondern nur noch das Establishment verteidigen, während das so wichtige Rebellieren und Provozieren irgendwelchen geistlosen Idioten aus den untersten Niveau-Schichten überlassen wird, die sich dann hinterher dafür noch als Verfechter der freien Meinungsäußerung feiern lassen dürfen.