Cancelkultur / Political Correctness

Es gibt 82 Antworten in diesem Thema, welches 27.002 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (5. Oktober 2025 um 12:20) ist von Dian.

  • Zum Thema Frauen und Kleidung: Irgendwie scheint es kulturell verankert zu sein, dass Frauen vermittelt wird, sie sollten lieber figurbetonte Kleidung tragen und das wiederum wird über die Medien/Werbung vermittelt.

    Wie oft wurde mir schon gesagt, ich sollte doch mal ein Kleid oder einen Rock anziehen und mich weiblicher kleiden. Oder dass ich anstatt Boots auch mal andere Schuhe tragen könnte.

    Aber was ich bei den heutigen Jugendlichen positiv hervorheben muss: In dieser Generation trauen sich mehrere das anzuziehen, was sie einfach anziehen wollen: z.B. als Mädchen super schlapprige Übergroßenshirts/- pullover und das gefällt mir richtig gut, weil es eine Abwendung vom Mainstream und vom "allgemeinen Frauenbild" bedeutet. Ich hülle mich am liebsten in schlapprigem schwarzen Stoff und mittlerweile ist es mir vollkommen egal, was andere davon halten. Auch wenn ich selbst von eigentlich feministischen Männern leider gesagt bekomme, ich könnte doch auch mal xyz tragen. Ich sag dann immer, dass es auf der Welt so viele Menschen gibt und wenn demjenigen ein femininer Stil besser gefällt, dann sollte er sich einen Menschen suchen, dem das auch gefällt und nicht versuchen, andere zu verändern.

    Chaos und Liebe und irgendwie überstehen:rain:

  • Zum Thema Frauen und Kleidung: Irgendwie scheint es kulturell verankert zu sein, dass Frauen vermittelt wird, sie sollten lieber figurbetonte Kleidung tragen und das wiederum wird über die Medien/Werbung vermittelt.

    Das gilt aber nur für Frauen, die nicht fett sind. Die nervt komischerweise keiner mit sowas :D

    Also einfach regelmäßig Burger einwerfen und keinen Sport treiben und schon hat man wieder ein bischen mehr Ruhe vor oberflächlichen Schwuchteln ;-)


  • Da du ja schon die ein oder andere Lanze für Herrn Kachelmann gebrochen hast, könnten dich vielleicht auch die folgenden Worte ansprechen :saint:

    "Alte reiche Männer sollten keine Wutbürger sein und sich auf schöne Auftritte bei Julian Reichelt vorbereiten. Das ist nicht der Gnadenhof, den man sich für Herrn Dian the Saint wünschen möchte."

    "Abschiedsjammer": Jörg Kachelmann über Thomas Gottschalks Fernsehkritik
    Mit seiner live bei "Wetten, dass..?" geäußerten Kritik hat Thomas Gottschalk für Wirbel gesorgt. Ein Moderationskollege findet bei t-online nun deutliche…
    www.t-online.de

    Why do we fall?

  • Immerhin ist es hierzulande noch nicht so extrem wie in den USA, wo sie scheinbar gänzlich den Verstand verloren haben. :pillepalle:

    ''Everyone around me, they feel connected to something. Connected to something, I'm not.''
    Motoko Kusanagi

  • Seinem Plädoyer am Ende kann ich ja durchaus zustimmen, klingt vernünftig.

    Aber der andere Teil klingt mir doch ein bisschen sehr nach der typischen Trump-Propaganda... also dass da jetzt reihenweise die Läden ausgeraubt werden, marodierende Banden durch das Land ziehen und sich die Polizei oder die Wachleute nichts mehr zu machen getrauen. Waren die USA nicht vor kurzem noch das Land, wo du jemanden ungestraft erschießen konntest, wenn er aus Versehen in deine Garageneinfahrt gelaufen ist und die falsche Hautfarbe hatte? :huntsman:

    Dass das jetzt komplett ins Gegenteil verkehrt wurde, kann ich mir wirklich nur schwer vorstellen.

    So wie ich das bisher immer verstanden habe, gab es halt solche Plünderungen, meist in Verbindung mit den Black Life Matters-Protesten. Und in diesem Zusammenhang sind dann vermutlich auch die Sätze gefallen, die die Plünderungen als einen Akt des zivilen Ungehorsams verharmlosen.

    Die Idee, Bagatell-Delikte nicht mehr mit Gefängnis zu bestrafen, sondern eher als Ordnungswidrigkeit oder sowas zu betrachten, gibt es ja bei uns auch, vor allem in Verbindung mit dem Schwarzfahren. Und der Widerstand gegen solche Vorstellungen ist ja doch meistens eher eine typisch rechte oder konservative Reaktion, und meistens mit viel übertriebener Polemik und dem Ausmalen von apokalytpischen Szenarien verbunden. Und in diesem Sinne erscheint mir der Beitrag hier eben auch etwas stark übertrieben. Aber ich kann mich auch irren.

  • Zitat

    Dass das jetzt komplett ins Gegenteil verkehrt wurde, kann ich mir wirklich nur schwer vorstellen.

    So wie ich das bisher immer verstanden habe, gab es halt solche Plünderungen, meist in Verbindung mit den Black Life Matters-Protesten. Und in diesem Zusammenhang sind dann vermutlich auch die Sätze gefallen, die die Plünderungen als einen Akt des zivilen Ungehorsams verharmlosen.

    Die Idee, Bagatell-Delikte nicht mehr mit Gefängnis zu bestrafen, sondern eher als Ordnungswidrigkeit oder sowas zu betrachten, gibt es ja bei uns auch, vor allem in Verbindung mit dem Schwarzfahren. Und der Widerstand gegen solche Vorstellungen ist ja doch meistens eher eine typisch rechte oder konservative Reaktion, und meistens mit viel übertriebener Polemik und dem Ausmalen von apokalytpischen Szenarien verbunden. Und in diesem Sinne erscheint mir der Beitrag hier eben auch etwas stark übertrieben. Aber ich kann mich auch irren.

    Ich würde sagen die Vorwürfe sind schon nicht aus der Luft gegriffen. Und tatsächlich wurde zumindest in Kalifornien Ladendiebstahl unter 950$ von Felony (Verbrechen) zu Misdemeanor (Vergehen) herabgestuft. Ob das auch in anderen Bundesstaaten gemacht wurde weiß ich jetzt nicht, ich könnte es mir aber schon vorstellen.

    Geahndet werden diese Ladendiebstähle in bestimmten Fällen vermutlich dennoch, sofern die Täter geschnappt werden. Aber da diese Diebstähle aus koordinierten Flashmobs heraus begangen werden und die meisten Täter Vermummt sind und teilweise äußerst Professionell dabei vorgehen dürften wohl nicht allzu viele dabei geschnappt werden. Was ebenfalls stimmt ist, dass viele große Ketten ihren Mitarbeitern ausdrücklich untersagt haben dagegen vorzugehen und diese somit zur Untätigkeit verdammt sind, selbst die Security darf meist nur zusehen und videos davon anfertigen. Als Mitarbeiter hätte ich ohnehin nur wenig Motivation bei sowas einzugreifen und den Held zu spielen. Doch selbst wenn man so Abenteuerlustig und Übereifrig ist und einen Täter aufhalten oder festhalten möchte, könnte man dabei sogar seinen Job verlieren und gekündigt werden. Aber wenn die Raubzüge anhalten und die Filialen irgendwann dauerhaft dicht gemacht werden, sind die Angestellten ihren Job am Ende auch los

    Armutsproblem außer Kontrolle: Ladendiebstahl-Epidemie in der USA
    Immer mehr Läden in den USA schließen ihre Produkte weg. Grund ist ein wahre Diebstahl-Epidemie, die das Land heimsucht. Was steckt dahinter?
    www.t-online.de

    Das hat auch nicht bloß während BLM stattgefunden, sondern passiert bis heute durchgehend und auch nicht nur am Rande ähnlicher Proteste, sondern oftmals im Zusammenhang mit illegalen Driftevents auf öffentlichen Kreuzungen oder wenn mal wieder eine Horde Teenager sich dazu verabredet die Innenstädte zu übernehmen um auf geparkten Autos zu twerken oder sonst wie zu randalieren und zu plündern. Das Internet ist voll von Videoaufnahmen solcher Sachen. Oft kommt es dabei auch zu tödlichen Schießereien, meist unter den Jugendlichen selbst, wegen irgendwelcher Gang Fehden oder ähnlichem. Das ganze hat also auch viel mit dem ganzen Gang Lifestyle, der Virilität sozialer Medien und vieler anderer Faktoren zu tun und lässt sich nicht nur auf Rassismus und Sozioökonomische Gründe zurückführen, obwohl Probleme in diesen Bereichen sicherlich auch nicht von der Hand zu weisen sind.

    Das hier ist z.b. ganz aktuell

    Die soziale Ungleichheit in den USA ist sicherlich ein entscheidender Faktor warum es überhaupt soweit kommen konnte. Aber damit allein lässt sich halt auch nicht alles erklären. Als ob da alle bloß aufgrund bitterer Armut solche Diebstähle begehen, da wollen sich einfach nur ganz viele persönlich bereichern und es gibt da im Hintergrund garantiert auch organisierte Banden die damit hohe Umsätze generieren. Und sobald man mal Blut geleckt hat und merkt wie leicht man mit sowas relativ einfach Geld machen und ungestraft davon kommen kann, dann kann daraus ganz leicht eine Eigendynamik mit großer Anziehungskraft entstehen. Wer das mal erfolgreich durchgezogen hat wird es in Zukunft sicher öfters probieren und vor seinem Kumpels damit prahlen, die davon dann ebenfalls angespornt werden.

    Nur letztlich schadet das doch wie immer der normalen Bevölkerung am meisten, wenn dann nach und nach die ganzen Läden dicht machen müssen, Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren und du irgendwann in deinem Viertel kein einziges verbliebenes Geschäft mehr findest in dem du noch einkaufen kannst. Oder die Geschäfte dann nur noch mit hohen Sicherheitsvorkehrungen betrieben werden können und alles hinter bruchsicheren Glasvitrinen verschlossen wird und man sich beim Betreten der Geschäfte womöglich irgendwann zunächst von einem Scanner durchleuchten lassen muss oder sich direkt per ID Scan identifizieren muss um überhaupt in den Laden zu gelangen. Nur weil die Gier einiger Idioten so immens hoch ist, werden für einen schnellen aber kurzlebigen Gewinn dauerhaft immer mehr Freiheiten wegfallen und das Ansehen der schwarzen Jugend wird dadurch in den Augen der ganz normalen Bevölkerung sicher auch nur weiter sinken und am Ende gewinnen dabei republikanische Politiker wie Trump, oder es kommt noch jemand viel schlimmeres an die Macht. Falschverstandene Toleranz kann halt auch dazu führen dass am Ende immer mehr bürgerliche Freiheiten verschwinden, weil der Staat dann härter durchgreifen wird beim Versuch wieder Ordnung herzustellen.

    ''Everyone around me, they feel connected to something. Connected to something, I'm not.''
    Motoko Kusanagi

    6 Mal editiert, zuletzt von Shinobi (13. Dezember 2023 um 19:57)

  • Mark Reicher gehört zum marktradikalen bzw rechtslibertären Lager, da verwundert es nicht, dass die Eigentumsfrage bzw der Schutz der Privilegien von Besitzenden für ihn an erster Stelle steht.

    Persönlich würde ich sagen, dass ich immer ein Gegner von sinnloser Zerstörung sowie Plünderungen war, die z.B. kleine Händler treffen. Die Supermarktenteignungen durch griechische Anarchisten im Rahmen des Dezemberaufstandes 2008 und in der Zeit danach sind eine andere Kategorie. Generell ist aber für mich klar, dass der Aufbau einer anderen Welt einen höheren Stellenwert besitzen sollte als Bilderstürmerei und das Einreißen der alten. Vielleicht werde ich auch einfach alt ;) Aber die Begeisterung am Ausnahmezustand ist bei mir eher geschwunden, auch weil wir sehen, welches Risiko von Trittbrettfahrern besteht, ganz zu schweigen von dem reaktionären Backlash. Der Kapitolsturm und rechte Milizen auf den Straßen sind die Kehrseite der Medaille (vermutlich hat Reicher damit weniger Probleme).

    Why do we fall?

    Einmal editiert, zuletzt von Lonewolf (14. Dezember 2023 um 21:53)

  • Ok, den verlinkten Artikeln nach scheint es ja doch wirklich ein größeres Problem zu sein, als ich gedacht hätte.

    Generell finde ich die Idee, Bagatelldelikte zu entkriminalisieren, ja schon gut. Aber in Kombination mit massiver sozialer Ungleichheit und einer so dermaßen gespaltenen Gesellschaft wie in den USA ist das natürlich problematisch. Für solche Experimente müsste vermutlich erst mal eine gesunde Basis und Übereinkunft in der Bevölkerung vorhanden sein.

    Ich frage mich sowieso, wo das noch hinführen soll in den USA. Das ist ja schon teilweise noch verrückter als irgendwelche Gender-Streitigkeiten bei uns, wie sich da zwei Fraktionen dermaßen unversöhnlich gegenüberstehen und keinerlei Absicht haben, auch nur mal ein bisschen zu versuchen, die jeweils andere Seite zu verstehen und einen Kompromiss zu finden. Da gibt es ja scheinbar echt nur noch schwarz oder weiß, woke oder Trump. Ich würde mich da auch irgendwie komplett zwischen den Stühlen fühlen und mich weder mit dem einen noch dem anderen Lager identifizieren können.

    In dem oben verlinkten Video wird am Ende etwas belächelnd so getan, als ob die Rechten zu einer aussterbenden Art gehören würden und früher oder später eh scheitern. So sicher bin ich mir da aber nicht... die Biermarke hat inzwischen anscheinend auch aus Schadensbegrenzung versucht, sich von ihrer eigenen Werbung wieder zu distanzieren und sich bei den Konservativen wieder einzuschleimen.

  • Wenn ich die weltanschauliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte beschreiben müsste, dann sähe das in etwa so aus:

    Wir haben eine Entwicklung von entpolitisierten, 'postideologischen' westlichen Gesellschaften in den 90ern hin zu re-politisierten Verhältnissen erlebt, in denen die Lehren der Vergangenheit Stück für Stück erodieren, oder aber für viele niemals eine Rolle gespielt haben. Es gibt bei großen Teilen keine Reflexion bzw keinen geschichtsbewussten Umgang mit den Irrungen des 20. Jahrhunderts mehr.

    Und so haben wir nun eine ganze Reihe von Strömungen und Gruppierungen, die den Eindruck erwecken, als seien sie den Satireformaten entsprungen, mit denen wir aufgewachsen sind, wobei einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Die neuen Formen von Faschismus (Mob-Mentalität, Sehnsucht nach starken Führern und Männlichkeitsbildern, nationaler Chauvinismus, Sozialdarwinismus), selbstgerechtem Tugendterror ('woke shit'), rotem Wiedergängertum (immer mehr neue K-Gruppen, auch wenn diese im gesellschaftlichen Kontext marginal sein mögen, sie sind ebenfalls ein Symptom), generell die Tendenz zum Postfaktischen, zum Zynismus und zur Verächtlichmachung von anderen, für die keinerlei Empathie mehr besteht. Die sozialen Medien spielen meines Erachtens eine massive Rolle, weil sie das Medium von Fake-News und Shitstorms und der Katalysator der genannten Empathielosigkeit sind.

    Why do we fall?