Ich habe bislang alle deine Bücher gelesen (außer dem letzten nicht so ganz) und konnte mich stets intensiv mit den dargestellten Thesen und Narrativen auseinandersetzen.
Auch dir vielen Dank für die ausführliche Rückmeldung! Stilistisch zugänglich bin ich hoffentlich geblieben, wenngleich sich der eine oder andere überlange Schachtelsatz, anders als in einem Roman, bei einem solchen Werk manchmal nicht vermeiden lässt.
Wenn du schreibst, dass du das letzte Buch nicht so ganz gelesen hast, meinst du dann damit "Traumwandler" bzw. "Unity 5"?
Vor allem würde mich dann der Grund interessieren, weil das irgendwie von allen Büchern das ist, zu dem ich bisher auch am wenigsten Feedback erhalten habe.
Genau die meine ich "Traumwandler – Unity 5“
Ich habe es damals während einer Flugreise gelesen. Ich bin zwar kein großer Fan von langen Flügen, besonders wenn es ab fünf Stunden oder länger dauern, aber dafür hatte ich endlich einmal die Ruhe, alles in Ruhe durchzulesen.
Ich halte mich hier aber bewusst kurz, da ich niemanden spoilern oder zu viel vorwegnehmen möchte.
Der Roman eröffnet mit einem Briefroman-Element: Jacob richtet einen Brief an seine Schwester Leonie, in dem er rückblickend die Ereignisse schildert, die ihn in eine geheimnisvolle Welt voller Rätsel und Gefahren geführt haben. Der Einstieg setzt bewusst auf eine langsame Exposition und erzeugt durch zahlreiche Andeutungen eine geheimnisvolle Atmosphäre.
Literarisch überzeugt der Beginn vor allem durch seine originelle Grundidee. Die Verbindung von Realität und einer verborgenen Parallelwelt weckt früh die Neugier der Lesenden. Die Briefform schafft dabei eine persönliche Erzählperspektive und verleiht der Geschichte emotionale Nähe. Zudem wird durch das gezielte Zurückhalten von Informationen ein Spannungsbogen aufgebaut, der zum Weiterlesen motiviert. Die Atmosphäre ist stimmig und unterstützt die Mystery- und Fantasy-Elemente des Romans. Auch der Weltentwurf wirkt durchdacht und lässt auf eine komplexe Handlung schließen.
Kritisch anzumerken ist jedoch, dass die Exposition vergleichsweise umfangreich ausfällt. Bis die eigentliche Handlung einsetzt, vergeht relativ viel Zeit, wodurch das Erzähltempo zunächst gering bleibt. Für manche Lesende könnte dies den Spannungsaufbau verlangsamen. Darüber hinaus stehen zahlreiche Andeutungen zunächst nur wenigen konkreten Informationen gegenüber. Dieses Stilmittel erzeugt zwar Spannung, kann aber gleichzeitig zu Orientierungsschwierigkeiten führen. Auch die Figurencharakterisierung bleibt zu Beginn noch eher oberflächlich, sodass eine emotionale Identifikation mit den Hauptfiguren zunächst erschwert wird. Teilweise wirken Dialoge und Erklärungen zudem funktional und dienen vor allem der Informationsvermittlung.
Aus literarischer Sicht könnte der Roman von einer strafferen Exposition profitieren. Ein früheres Schlüsselereignis würde den Einstieg dynamischer gestalten und die Handlung schneller in Gang setzen.
Ebenso könnten Informationen über die fiktive Welt schrittweise in den Handlungsverlauf integriert werden, anstatt sie überwiegend zu Beginn anzudeuten. Eine stärkere Ausarbeitung der Figurencharakterisierung würde zusätzlich die emotionale Bindung der Lesenden fördern.
Insgesamt präsentiert der Roman einen vielversprechenden Einstieg mit einer originellen Prämisse, einer dichten Atmosphäre und einem interessanten Weltentwurf.
Die größte Schwäche liegt im langsamen Erzähltempo der Exposition, das den Einstieg stellenweise etwas langatmig erscheinen lässt. Insgesamt verdient der Romananfang eine Bewertung von mir eine 7,5 bis 8 von 10 Punkten.