Alles anzeigenWeil es an dieser Stelle ganz gut passt zum Thema Philosophie und der schwierigen Balance zwischen Ordnung und Freiheit, und weil es auch schön zeigt, wie differenziert KI's mittlerweile "denken" können, hier ein kleiner Ausschnitt aus einer Diskussion, die ich vorhin mit ChatGPT hatte.
Ich habe geschrieben, nachdem ich mit der KI ins Diskutieren geraten bin über die Notwendigkeit von Zensur von bestimmten Inhalten und der meiner Meinung nach übertriebenen Moralisierung in der heutigen Zeit:
"Ich denke, das hast du sehr gut dargestellt. Die Problematik ist komplexer, als dass man sie eben einfach in "woke" oder "konservative" Motive (bzw. rechts oder links) einteilen könnte. Was den sogenannten "Jugendschutz" angeht, herrscht meines Erachtens ja sogar Einigkeit bei vielen, und zwar Ideologie-übergreifend. Ich nenne mal ein Beispiel aus meinem Buch: Elvis Presley hatte in den 50er-Jahren seine minderjährige Freundin geheiratet. Das wurde damals von konservativen als Skandal empfunden, während es heutzutage eher die progressiven, "woken" Menschen provozieren würde, wenn ein erwachsener Star eine Fünfzehnjährige heiraten würde. Dies habe ich auch in einem Kapitel meines Buches als Beispiel dafür erwähnt, wie sich zwar im Lauf der Zeit manche gesellschaftliche Werte verändern, die grundsätzliche Mentalität der Menschen, ständig empört zu sein und bestimmte moralische Werte für alle zur Pflicht machen zu wollen, jedoch nicht. Was ist deine Einschätzung dazu? Denkst du, dieses ständige Moralisieren ist der richtige Weg, den sowohl die Konservativen als auch die Progressiven da eingeschlagen haben, oder könnte es vielleich auch sein, dass sie sich irren, und dass diese künstliche Einteilung in "Minderjährige" auf der einen und "Erwachsene" auf der anderen Seite ein sehr menschgemachtes, subjektives und emotional gesteuertes Denken ist, das aber objektiv betrachtet vielleicht sogar mehr Schaden als Nutzen bewirkt?"
Daraut antwortete ChatGPT dann:
Ich halte deinen Elvis-Vergleich für interessant, weil er auf etwas hinweist, das Historiker und Sozialwissenschaftler tatsächlich häufig beobachten: Die konkreten moralischen Regeln ändern sich, aber der Impuls, moralische Regeln aufzustellen und ihre Einhaltung einzufordern, bleibt erstaunlich konstant.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jede Moralvorstellung beliebig oder nur Ausdruck eines menschlichen Bedürfnisses nach Empörung ist.
Man kann die Frage auf zwei Ebenen betrachten:
1. Die psychologische Ebene
Auf dieser Ebene scheint es tatsächlich etwas sehr Menschliches zu sein, moralische Grenzen zu ziehen.
Menschen bilden Gruppen, entwickeln Normen und bewerten Verhalten. Das findet man:
- bei religiösen Gemeinschaften,
- bei säkularen Gesellschaften,
- bei Konservativen,
- bei Progressiven.
Die Themen wechseln:
- Früher standen oft Blasphemie, sexuelle Freizügigkeit oder außereheliche Beziehungen im Fokus.
- Heute stehen eher Diskriminierung, Machtmissbrauch oder Fragen des Einverständnisses im Vordergrund.
In diesem Sinne könnte man sagen, dass die Objekte der Empörung wechseln, die Neigung zur Moralisierung aber bestehen bleibt.
2. Die normative Ebene
Hier wird es schwieriger.
Die Frage lautet nicht mehr:
Zitat„Moralisieren Menschen?“
sondern:
Zitat„Sind die konkreten moralischen Regeln gerechtfertigt?“
Und da reicht es nicht aus zu zeigen, dass Menschen schon immer moralisiert haben.
Nehmen wir dein Beispiel der Altersgrenze zwischen Minderjährigen und Erwachsenen.
Man könnte argumentieren:
- Die Grenze von 18 Jahren ist offensichtlich menschengemacht.
- Reife entwickelt sich kontinuierlich, nicht sprunghaft über Nacht.
- Manche 17-Jährige sind reifer als manche 25-Jährige.
Das ist alles plausibel.
Gleichzeitig folgt daraus nicht automatisch, dass die Grenze sinnlos ist.
Viele gesellschaftliche Kategorien sind künstlich, aber dennoch praktisch:
- Volljährigkeit
- Wahlalter
- Führerscheinalter
- Strafmündigkeit
Es gibt keinen objektiven Punkt in der Natur, an dem plötzlich ein Erwachsener entsteht.
Trotzdem brauchen Gesellschaften oft klare Regeln, weil individuelle Einzelfallprüfungen kaum durchführbar wären.
Ich teile diese Einschätzung teilweise. Aus juristischer und begrifflicher Sicht ist eine Beziehung zwischen zwei volljährigen Personen einzuordnen. Dennoch betrachte ich einen Altersunterschied von 25 bis 30 Jahren kritisch nicht, weil eine solche Beziehung grundsätzlich unmoralisch wäre, sondern weil sich die Partner häufig in unterschiedlichen Lebensphasen befinden und sich hinsichtlich Lebenserfahrung, Reife und sozialer Rollen deutlich unterscheiden können.
Würde ich mir beispielsweise eine Konstellation vorstellen, in der ich 45 Jahre alt und die andere Person 19 Jahre alt wäre, entspräche ihr Alter in etwa dem einer eigenen Tochter. Gerade weil ich selbst Vater einer elfjährigen Tochter bin, würde sich eine solche Beziehung für mich persönlich befremdlich anfühlen. Es handelt sich dabei jedoch um eine persönliche Wertung und nicht um eine allgemeingültige moralische Beurteilung.
Ebenso halte ich es für problematisch, ältere Männer in Beziehungen mit fast volljährigen jungen Frauen pauschal als „Pädophile“ oder „Perverse“ zu bezeichnen. Vielmehr sollten die individuellen Umstände berücksichtigt werden. Beziehungen mit großem Altersunterschied können auf gegenseitiger Zuneigung beruhen, sie können aber auch durch wirtschaftliche Interessen oder sogenannte „Sugar-Daddy“-Konstellationen geprägt sein. Eine differenzierte Betrachtung erscheint daher angemessener als eine pauschale moralische Verurteilung.