Ich sehe den Artikel auch nicht unkritisch. Hinweisen wollte ich darauf, dass Krisen in Menschen reaktionäre Impulse auslösen können und dass Positionen zu bestimmten Themen nicht fest mit bestimmten politischen Lagern verknüpft sind, sondern je nach Umständen unterschiedlich ausgelegt werden können. Das heißt ja nicht, dass das auch der korrekte Umgang mit der Situation ist.
Die spannende Frage ist, wie man hier so etwas wie eine mentale 'Krisenresilienz' herausbilden kann. Es gibt genug Ansätze zu materiellem Prepping und Krisenvorbereitung, aber die Frage eines 'philosophischen Preppings' - gerade auch außerhalb von individueller psychologischer Resilienz - steht meist außen vor. Es gibt anarchistische Zusammenhänge, die von kollektiver Resilienz sprechen, aber hier geht es auch in der Regel primär um die Frage, wie man als Gemeinschaft bzw Gesellschaft auf Krisensituationen reagiert.
Das Problem mit reaktionären Impulsen ist, dass sie bereits durch die Verhältnisse begünstigt werden. Konkurrenzkampf, Vereinzelung, Machtlosigkeit sind prägende Grunderfahrungen in kapit. Massengesellschaften. Entsprechend anfällig werden Menschen für Gemeinschaftsversprechen, die auf Ausschluss identifizierter Feindgruppen basieren (was ja ein Kernaspekt des Faschismus ist). Entsprechend sehe ich bedenkliche Entwicklungen gerade in der Linken, die stark auf populistische Mobilisierung und Lagerdenken (Antiimperialismus) hinauslaufen, oft sogar tatsächlich durch den Erfolg der Rechten motiviert (in den USA besonders deutlich sichtbar). Die Herrschaft des Gefühls vor der Vernunft ist ja gerade ein Kennzeichen faschistischer Bewegungen, und es ist gefährlich, wenn Linke dies imitieren wollen, um Menschen zu erreichen. Auf der anderen Seite sind dann kritische Ansätze oft zu unzugänglich für die meisten. Das Problem ist, wenn Angst und Pessimismus treibende Faktoren bleiben, und dies wird ja nun im digitalen Zeitalter massiv verstärkt.