Beiträge von Lonewolf

    Ein 'whataboutism', der tatsächlich angeführt werden sollte, da er im Gegensatz zum Jemen-Krieg in der deutschen Berichterstattung nicht mal auftaucht:

    Es ist ein Antiterroreinsatz der Türken gegen die "Terrororganisation" PKK. Von daher ja eindeutig "legitim" aus Sicht des Westens und der Türkei.

    Es ist halt immer so. Schlicht eine Frage der Deutung. Und da uns der Diktator vom Bosporus ja mit der Migrantenwaffe in der Hand hat, wird von Deutschland sicherlich kein einziger Ton hinsichtlich dieser türkischen Militärintervention kommen.

    Auf SPON hab ich nun tatsächlich einen kurzen Artikel zum gegenwärtigen Angriffskrieg der Türkei gefunden, allerdings hinter der Paywall. Wobei nicht nur irakische Gebiete, sondern auch Kobane beschossen wird.

    Dass die Bundesregierung kein Interesse hat, dies zu problematisieren, ist klar. Allerdings wäre mehr Aufmerksamkeit vonseiten aller gut, die an anderer Stelle Russlands oder Amerikas Kriege anprangern.

    Natürlich haben wir alle Doppelstandards. Manche Themen sind uns eben wichtiger als andere und manche Opfergruppen sympathischer. Insofern täte es vielleicht gut, whataboutisms nicht dazu zu nutzen, irgendeinen Punkt zu relativieren. Am Ende werden wir dadurch nur zynisch und gleichgültig.

    Es geht nicht um Quoten, sondern um Strukturen. Und diese unterscheiden sich je nach Organisationsgrad, der Gewaltbereitschaft und -fähigkeit und der Verankerung sowie Akzeptanz in Behörden und Bevölkerung.

    Die von dir genannten Fragen sind alle wichtig und meines Erachtens auch Gegenstand von Faschismustheorie. Die Welt ist sicherlich so komplex, dass einige einfachere Erklärungsansätze, die sehr populär sind, nicht ausreichen. Stichwort soziale Frage, das ist wohl die gängigste 'Mainstreamauffassung', sprich rechte Strömungen als Folge des Gefühls, 'sozial abgehängt sein'.

    Ich denke, wir haben hier kaum ein Thema so umfassend diskutiert wie dieses. Unterm Strich hat sich meine Meinung nicht geändert. Ich will Begriffe nicht polemisch verwenden, sondern die Dinge korrekt beschreiben, damit wir sie verstehen. Dementsprechend sind Corona-Maßnahmen auch nicht 'faschistisch' oder 'faschistoid', nur weil sie mit Zwang und Ausgrenzung verbunden sind. Putin oder auch Erdogan sind hingegen gute Beispiele für Faschisten. Faschismus ist der autoritäre Umbau von Gesellschaften im Sinne einer konservativen Weltanschauung, 'konservative Revolution' ist ein Begriff für die geistigen Vordenker. Faschismus war uns ist historisch immer ein Abwehrreflex gegen die 'Zumutungen einer modernen, liberalen Gesellschaft'. Da du oben die Gruppe verlinkt hast: Die Bezeichnung 'dritter Weg' trifft es gut, denn sowohl bürgerliche Gesellschaft (als 'Kapitalismus' verbrämt) als auch Linke sind die Hauptfeinde faschistischer Weltanschauung.

    Was führt also zu faschistischen Systemen? Die Erosion der bürgerlichen Demokratie (zunehmende mangelnde Glaubwürdigkeit, Unfähigkeit, gesellschaftliche Widersprüche weiterhin zu verwalten und zu befrieden) UND das Fehlen oder Scheitern einer progressiven, linken Perspektive.

    Nö, der Satz zeigt dass wir ein Nazi-Problem haben. Sprich mehr gefährlichere Faschos als z.B. in meiner alten Heimat in Süddeutschland. Das hat nix mit Herabblicken zu tun. Ich bin auch sehr gerne in der sächsischen Provinz - zum Wandern ;-) Aber im Ernst, ich hab mit den Menschen größtenteils kein Problem. Aber es gibt eben eine größere Toleranz für nationalistische und offen rassistische Positionen, und das leider auch sehr im Staatsapparat.

    Ist mir zu platt und polemisch. Eine sachliche und notwendig Kritik ist sicher wichtig. Aber antifaschistische Gruppen sind nach wie vor oft die einzige Kraft gegen rechte Gruppierungen, sowohl praktisch als auch was Aufklärung angeht. Und gerade in Ostdeutschland, aber natürlich nicht nur dort, ist das bitter nötig.

    Linke Positionen sind der Definition nach kapitalismuskritisch bis antikapitalistisch. Wie sehr das Personen konsequent leben, ist eine andere Frage. Ich bin persönlich sicherlich nicht antikapitalistisch in meiner Lebensweise. Allerdings würde ich dies nicht auf andere übertragen ;)

    Der Verweis auf die Corona-Maßnahmen zeigt nur, dass es - wie oft gesagt - keine Bewegung aus progressiver, kapitalismuskritischer Perspektive gab. Das ist auch linkes Versagen, keine Frage. Es ist allerdings nicht so, dass Querdenker und Co. es besser gemacht hätten. Letzten Endes gibt es einfach gegenwärtig nicht die Bewegungen, die wir bräuchten. Auch wenn es hier und dort positive Ansätze gibt - der Kampf gegen Gentrifizierung nur als Beispiel.

    P.S. als ob es nur 'gegen Nazis' gehen würde. Die Hauptthemen sind doch beim Nachwuchs längst verstärkt Sachen wie Feminismus und Öko-Themen, also Dinge, die für mich/uns vor 20 Jahren noch gar keine Rolle gespielt haben.

    Nein, ich habe nur ein Beispiel genannt, wie eine linke Position aussehen würde bzw. sollte. Dass linke Parteien und Bewegungen gegenwärtig scheitern, ist ein anderes Thema. Da kannst du mir glauben, dass ich hier gar nix idealisiere, ganz im Gegenteil. (Ich denke allerdings auch, dass wir hier im Forum zum Thema 'wieso scheitert die Linke' schon eine Menge Beiträge haben.) Umso schlimmer angesichts der Bedrohung durch Faschismus, Nationalismus und der Notwendigkeit, Alternativen zum kapitalistischen Normalbetrieb entwerfen zu müssen.

    Nö, da liegst du falsch :-) In der Russlandfrage ist die Rechte gespalten. Einige kämpfen auf der Seite der ukrainischen Faschisten, andere sind Putin-Sympathisanten, die AfD oder Le Pen nur als Beispiel.

    Natürlich lässt sich nicht die ganze Gesellschaft in ihrer Komplexität in Kategorien wie rechts oder links abbilden. Das heißt aber nicht, dass die Begriffe überholt sind, sie müssen eben näher ausdifferenziert werden. In Bezug auf die Corona-Maßnahmen wäre eine linke Position z.B. die Forderung, dass nicht kapitalistische Interessen im Vordergrund stehen, sondern tatsächlich soziale und gesundheitlich sinnvolle und vertretbare Ansätze. Ein rechter Ansatz wäre die Überzeugung, dass die Schwächeren im Namen der Wirtschaft über die Klinge springen sollen, wie es z.B. aus dem amerikanisch-republikanischen Lager gefordert wurde. Das nur als Beispiel.

    Was die 'Verunglimpfung' angeht: Manche wurden vielleicht tatsächlich zu schnell in die rechte Ecke gesteckt. Das ändert aber nix daran, dass es ein massives Problem mit rechter Beteiligung gab. Deutlich sichtbar in Leipzig auf der Querdenken-Großdemo, nur als prominentestes Beispiel. Da kann sich kein Querdenker rausreden.

    Ein 'whataboutism', der tatsächlich angeführt werden sollte, da er im Gegensatz zum Jemen-Krieg in der deutschen Berichterstattung nicht mal auftaucht:

    Die ignorierte Invasion (II)
    (Eigener Bericht) – Auch die jüngste völkerrechtswidrige Invasion des NATO-Partners Türkei in einen Nachbarstaat stößt in Berlin nicht auf Kritik. Die…
    www.german-foreign-policy.com

    selbsternannten 'Anarchisten'

    Ich habe natürlich einen Zettel der staatlichen Anarchistenzertifizierungsstelle, wo draufsteht, dass ich ein echter anarchist bin. ;-)

    Merkst du schon, dass das ein ziemlicher Griff ins Klo war, der Spruch, oder? - hoff ich doch.

    Es ist schon putzig, dass du dich natürlich wieder als Erster angesprochen fühlst ;) Im Grunde können sich die meisten Forumnanarchos den Schuh anziehen. Versuch' lieber mal, den Kontext der Aussage zu verstehen. Ich mach's mal ganz einfach, extra für dich: Muss ein 'Anarchist' erst die Diktatur an die Wand malen, um staatliche Kontrolle scheiße zu finden? Denkt ein 'Anarchist' also demzufolge, Demokratien sind eine so tolle und freie Sache, dass die Kontrolle in diesen nicht stattfindet bzw. diesen wesensfremd ist?