Beiträge von Lissaminka

    ... für dezembergerechtes Rumgeheule. :rolleyes2: :rolleyes2: :rolleyes2:


    Ich muss nun anmerken, dass ich die Hälfte davon noch in der Nacht von Montag auf Dienstag formulierte, dann wieder zu viel mit Schlafen, Uni, Lethargie und prä-exmatrikulativen Wutausbrüchen beschäftigt war, die mich jetzt dazu verleiten, meinen Schlaf wieder für ein inaktives Schwurblerforum zu opfern und zu hoffen, dass ich bis morgen an einer mir selbst zugefügten Sepsis krepiere, weswegen ich meine Zeitangaben wie "heute" und "morgen", die eigentlich "Montag" und "Dienstag" meinen, nicht mehr ändern werde.


    Es haben sich seit meinem letzten Erguss über das Studium und meinen Schlafmangel bislang keine radikalen Veränderungen in meinem Leben ergeben, von dem steigenden Frustpegel oder dem unwiderstehlichen Drang mal abgesehen, euch ach-so-transzendentale Phantasten wieder vollzulabern (Mittwochsedit: Nee, so viel Schreiblaune hab ich jetzt doch nicht, aber was tut man aus lauter Verzweiflung nicht alles), ebenso wie von der Tatsache, dass ich gerade immer noch ziemlich besoffen bin und mir ohnehin jede rücksichtsvolle Hemmung vor eurem Desinteresse an Bodenständigkeit fehlt - here we go:


    Beginnen wir damit, dass ich nicht in das Zeitschema dieses Planeten passe. Jeder einzelne Tag ist zu kurz, ich schlafe zu wenig, ich verbringe zu wenig Zeit mit meinen Studieninhalten und mir fehlt insbesindere die Zeit für meine Gedanken und alles, das diese nachhaltig nähren könnte - inklusive Büchern oder dieses Forums (wobei die Archive meinen erwähnten Anspruch aus Konsumentensicht stärker erfüllen), aber mir fehlt bei euren Themen ehrlich gesagt jeder Anreiz, mich zu beteiligen (Mittwochsedit: es ist 4 Uhr, natürlich hab ich morgen wieder Uni und bin missmutig dabei, mir den morgigen Tag zu zerschießen, indem ich einfach nicht schlafen geh - nun hab ich gestern schon geschwänzt, aber wenn ich euch den Text nicht heute noch auskotze, wird das bis nächste Woche wieder nix, oder bis zur übernächsten, wenn ich mich an den Vodka rantrau - Alkohol ist ja so kuhl, bisher ging's mir am nächsten Morgen immer richtig glänzend, ich muss das weiter erforschen).

    Nicht in seiner Natur existieren zu dürfen, sondern zwangsweise geistig beschäftigt gehalten zu werden, ist dem Tode gleichzusetzen, was zur Folge hat, dass ich zurzeit a) vor lauter WINTERDEPRESSION kaum noch an zwei, drei Tagen die Woche Morgens aus dem Bett krieche, um mich zur Uni zu schleppen (deswegen ist es scheißegal, übrigens, dass ich mich an einem Montagabend so besaufe, dass ich die Dienstagsvorlesungen VERGESSEN kann), jeder zweite Abend in Wut- und Verzweiflungsausbrüchen endet, ich die Menschen in Mitleidenschaft ziehe, denen das ungerecht gegenüber ist, und b) der ECHTE Tod wieder einen signifikanten Raum in meinen Gedanken einnimmt, was euch wiederum beruhigen darf, weil bekanntlich niemand mit ernstzunehmendem Suizidwunsch vorher so viel darüber kläffen, sondern allerhöchstens stolz über die Meilensteine der Emoskala, inklusive aller Elemente der Aufmerksamkeitsleiter von kitschigen Deprisongs über Schwänzen und Saufen, bis hin zum Ritzen und naiv auf ne Sepsis hoffen, prahlen würde.

    Der Zeitmangel ist mein aktuell größtes Problem, das mich eines impulsiven Abends eigenhändig exmatrikulieren wird. Ich bin halt zu bodenständig und unbegabt, um mich wochenlang exzessiv in der Mathematik vergraben und mein Seelenheil in ihr finden zu können, und ich ahne, dass ein anderer Studiengang nichts daran verändern würde, solange ich konzeptionell nur glücklich sein kann, wenn mir täglich noch einige Stunden für meinen Rechner, meine Gedanken und meine Bücher und Texte zur Verfügung stehen.


    Auch Camus hat mich letztes Wochenende nicht erlöst, mir jedoch hübsches, existentialistisches Kontrasprogramm geliefert, das ich in meiner WG (gleich mehr dazu) bitter nötig habe. Mersault lebt in der Wahrheit seines Moments, in seiner absurden Gegenwart, ohne moralische Staffage, und das macht ihn unbrauchbar für diese Welt. Natürlich reizt mich seine Kapitulation vor der Sinnillusion.

    Völlig konträr dazu steht doch leider Gottes mein erbärmliches Scharwenzler-Dasein innerhalb meiner WG, dem sozialantropologischen Unfall mit ihrem mir übergestülpten Sozialleben und mindestens drei extrem pathologisch verhaltensgestörten Mädels, in der alle so christlich, so selbstverständlich davon ausgehen, dass man jede Mahlzeit fröhlich in Gemeinschaft speisen, bei jeder Gelegenheit dieselben, allesamt gleich klingenden LOBPREIS-Lieder mit Akkordbegleitung auf Grundschulniveau singen (mit meiner radikalen Gegenmaßnahme, mir im Zimmer beliebigen Metal als Kompensations- und Verdrängugsmethode in mein Trommelfell zu jagen), auf jede angebotene, christliche Veranstaltung/Freizeit/Mission/Gottesdienst/Jugendstunde/WHATEVER gehen und sein Wochenende oder seine Sozialkontakte mit NICHTS ANDEREM als seiner eigenen Spezies füllen möchte, und letztlich in jede noch so gewöhnlich formulierte Frage seine bis zum Erbrechen trainierte Fähigkeit einsetzt, alles in einer geistlichen GOTTES- und GLAUBENShinsicht zu beantworten. Es scheint möglich zu sein, sich eine Geisteshaltung so tiefgreifend zu seiner eigenen Identität zu verklären, dass man nichts anderes mehr benötigt. Die eine hier z. B. hört keine Musik, liest keine Bücher und schaut allerhöchstens noch Dokumentationen. Wenn sie spricht, beschleicht mich bereits beim Anblick eine kaum erträgliche Empfindung an Mitleid und Scham, wenn ihre Stimme in jedem zweiten Wort vor fürchterlichster Introversion dysphonisch wegbricht und ich dreimal nachfragen muss, um sie akustisch zu verstehen. Das zarte Seelchen musste sich seine Ohren zuhalten, als meine Vermieterin mal von ihrem Hardcore-anthroposophischen Großvater erzählte, welcher wohl wie ein geistlicher Weiser in seiner abgeklärten Traumwelt lebte und mit niemandem mehr sprach. Die nächste hat Tics ohne Ende, war bis vor kurzem die älteste hier, und übertrifft erstere an Gehalt- und Gedankenlosigkeit nochmal meisterhaft. Es grenzt an psychischem Missbrauch, mir zuzumuten, ihr bei wärmeren Temperaturen stundenlang dabei zuzusehen, wie sie draußen auf unserem Balkon rumhüpft und tanzt, und zugleich sämtliche Klischees eines in rosa gekleideten PFERDEMÄDCHENS erfüllt. Ich beginne jetzt nicht, von der praktizierten Zungensprache oder dem christlichen FLAGGENTANZ zu erzählen - vor all meinem sektierisch anmutenden Hintergrund sind selbst mir diese Praktiken zu pfingstlich-charismatisch und befremdlich. Die anderen drei Mädels sind zudem noch mit männlichen, christlichen Partnern gesegnet, was ich zum einen für eine beachtliche Quote halte und womit sie zum anderen offiziell mehr in ihrem Leben erreicht haben als ich, denn mein Partner ist ja nicht christlich! Die Bekanntengeschichten von Christen, die sich zweimal gesehen und dann gleich voller Überzeugung geheiratet haben, werden auch immer so stolz präsentiert. Ein solches Maß an Ambition oder Dummeheit - pardon, kombiniertes GOTTESVERTRAUEN - würde mir glatt imponieren, wären sie nicht bloß auf die gesetzeskonforme Paarung scharf.

    Tja, muss jedenfalls ganz schön beschissen sein, wenn man so isoliert aufgewachsen ist, aber da fühle ich mich mit meinen Gründen, in der Uni zurzeit keine tiefgehenden Freundschaften zu pflegen, gleich wesentlich authentischer.


    Wie unschwer zu erkennen, verfällt mein Geist aktuell in einer puren WEIBER-WG. Mit meiner Neurophysiologie bin ich in diesen vier Wändern über kurz oder lang also dem UNTERGANG geweiht. Ich hegte von Anfang an gewisse Zweifel, als meine Vermieter bei der Besichtigung irgendwas von Frauen laberten, weil ihnen die Männer zu unartig waren, und verließ mich naiv auf Ausnahmetoleranzen, sobald sie mich erst mal kennenlernen, was den platonischen Männerbesuch über Nacht in meinem Zimmer angeht, den ich in meinem 16qm-Zimmer getrost auf der anderen Seite des Zimmers auf einer Matratze AUF DEM BODEN deponieren könnte, wenn das Gästezimmer gerade belegt ist. Mitnichten! Da ich derzeit noch nicht für eine dämonische Gefahr des Hauses gehalten werden will, fuhren wir also in den Ruhrpott, um in seiner Kellerwohnung auf demselben PAPPBETT zu pennen (diese Kellerwohnungen quer durch Deutschland sind irgendwie ein wiederkehrendes Motiv in meinem Leben).


    Nun könnte man sich natürlich die Frage stellen, warum ich nicht einfach umziehe, denn wohlgemerkt habe ich oben drauf ne Stunde Pendelzeit von Haustür zur Uni, deren DB-Abschnitt täglich ein neues Abenteuer verspricht und die Pendelzeit am Tag frei gewürfelt steigern kann. Der Zeitverlust gleicht sich damit aus, dass unsere Vermieter für die ganze WG einkaufen und gelegentlich Essensreste im Kühlschrank vorzufinden sind, sodass ich auch nicht immer kochen muss. Küchenausstattung, Zimmer, Aussicht, zur Verfügung stehendes Klavier, geringe Menschendichte und Umgebung sind ebenfalls unschlagbare Pro-Argumente, die gegen den Nervenverlust durch meine Mitbewohner aufwiegen könnten. Ebenso wie mein Vermieter, der von Techniker und Elektriker über Führungskraft, Informatiker, Rentner, vierfach Berufstätiger, Gleitschirmpilot bis schlag mich tot, was der alles gemacht hat, alles ist, so ist es für mich mit gelegentlich neuen Einfällen immer vorteilhaft, mit dem Überflieger im Haus zu wohnen. Auch die Gespräche mit ihm taugen was, denn er kam mit allem schon mal in Berührung. Die Bequemlichkeit und der Pragmatismus, den gegenwärtigen Zustand auszuhalten, fällt mir weiter ein. Ich könnte das Risiko nicht ausschließen, in einer wesentlich schlechteren Wohnsituation zu enden, und der Weg dorthin würde mich mehr Kraft kosten, als ich aktuell aufbringen kann.

    Fakt ist allerdings, dass ich nicht hierher gehöre und die Tarnung nicht aufgeben darf, damit die Stimmung nicht verhängnisvoll umschlägt. Überhaupt fehlt mir jeder Grund, an irgendwas zu glauben oder mich mit nervigen Christen abzugeben. Ich glaube, weil ich in diesen Mist hineingeboren wurde, und anderweitig wohl auch jeder letzte Selbst- oder Fremdrespekt flöten ginge, wenn ich es nicht täte. Vielleicht vergeht mir das noch, wenn ich ein, zwei weitere Järchen in diesem Irrenhaus verbringe.



    Ich bin meinem Leben zurzeit sehr überdrüssig und kriege kaum die Wochen um. Ich kann nicht genau sagen, wann das wieder begonnen hat, aber ursächlich ist dafür zweifelsohne der Zeitmangel. Ich habe aufgehört, regelmäßig zur Uni zu gehen, während dionysisches Alkohol-Erkenntnis-Blabla immer verlockender klingt (und versucht mit meinem gesteigerten Psychosenrisiko gar nicht erst, mir bewusstseinserweiterndes Zeug anzudrehen, bevor ich zum Forenscore 'fünf' werde).


    Aus gegebenem Anlass begleitet mich dieser Song hier zurzeit besonders:



    I can be thankful to be alive, but I despise this life

    In all my years, at best, I've only learned just to survive

    But when I look around you, I understand why you believe

    I see your evidence of God all around me

    You have so therefore you are,

    but I have not

    You've seen the evidence of God,

    but I have not and I have none



    Ach, *seufz*. Nun kann meine Seele bereinigt schlafen gehen, oder so ähnlich.

    Wenn man aber auch den Tieren eine Seele zugesteht, muss man sich natürlich fragen, wo die ganzen Seelen herkommen.

    Hä? Und die Menschen alleine genügen dir nicht, um diese Frage aufzuwerfen?


    Gehen die Kerne für Äpfel aus, sodass irgendwann keine Äpfel mehr am Baum wachsen? Die Willkür deiner Ansätze übertrifft sich immer wieder selbst. Eins weiß ich: Wenn die Gehirne aus sind, kommen die Menschen einfach ohne sie auf die Welt.


    Zufallsberichte einer Welt, die wir materiell nicht einmal begreifen, als 'Argument' für spirituelle Überlegungen zu wählen, unterstütze ich auch nicht. Wir wissen nicht einmal, was so Unentdecktes unserer eigenen Welt noch real ist und für immer verborgen bleibt. Wir sollten bei der Suche nach den Außerirdischen bleiben.



    Meinen "Bibelfreunden" nach, welche in dieser Debatte nichts verloren haben, weil auch sie nur willkürliche Spekulation mit der Prämisse eines Glaubens an die BIBEL betreiben (und welche dich darum am wenigsten kümmern dürften), haben sämtliche Lebewesen, inklusive der Menschen, eine Empfindungs- und Wachstumsseele. Der 'Odem des Lebens' sozusagen.

    Menschen wird darüber hinaus eine vernunftbegabte, unsterbliche Seele erteilt, die sie in jener Hinsicht eben unterscheidet.


    Ansonsten stimme ich Lonewolf bezüglich der Annahme der Gebundenheit des "Ich-Gefühls", des "Bewusstseins" an die Körperlichkeit zu. Wie Energie (und Achtung, das ist nur eine Analogie) zum Beispiel, die als Hilfsgröße stets eine Form annehmen muss und nicht "frei" umherschwirren kann.

    Zumindest im modernen Katholizismus, der die Evolutionstheorie anerkennt, gibt es ja die Einsetzungsthese. Gott ist also ein Seelenproduzent, der jedem neuen Kindlein eine Seele schenkt. Evolutionstechnisch ist da vor allem interessant, ab welchem Zeitpunkt unsere Vorfahren denn ihre Seelen bekommen haben. Hatte erst der erste Homo sapiens eine Seele, oder schon der Homo heidelbergiensis? Hatten Neandertaler überhaupt Seelen? Da wir hier von Übergängen über Jahrtausende sprechen, und nicht von einem auf einen Augenblick fixierten Schöpfungsakt, wird die Sache noch komplizierter. Bekommen diese Affenmenschen irgendwann eine Seele, sobald sie in der Lage sind, Gott zu verehren? Oder verleiht dieser Gott den Affenmenschen eine Seele, damit sie ihn anbeten können?

    Ich sehe mich zu einer naturwissenschaftlich metaphorischen Interpretation des Schöpfungsberichts gezwungen – sprich: die "Tage", an denen Gott das Licht, die Meere, Land und Tiere schuf, übertrage ich auf die (nichtlinear stattgefundenen) Epochen wie Nukleosynthese, Abkühlung des Universums, Reionisierung, Entstehung der Erde usw.

    Zu welchem Zeitpunkt sich der Herr allerdings dazu entschloss, Adam den Odem einzuhauchen, kann ich dir nicht beantworten. ;)

    Und was soll an der Idee einer Seele, die den Körper überdauert und in eine andere Existenzebene entschwindet, so absurd sein?

    Niemand, der nicht in der unerbittlichen Gnade des ALLMÄCHTIGEN sorgfältig außerwählt wurde, wird jemals das tröstende Licht einer mystischen höheren Präsenz erblicken, im Gefühl vollkommener Erkenntnis schwelgen und der höchsten Stufe der Harmonie mit dem Universum treiben - nein, denn sie werden unruhig Sterben und danach erwachen in jener unangenehmen Version des Daseins, in der sie ewig in den Speicherständen diverser Computerspiele dahinschwimmen.

    Zunächst bewegen sie sich durch einen pixeligen RPG im ersten Level, natürlich ohne Waffen, und erinnern sich an nichts - dann wollen sie raus, aber da schwebt dieses Menü, das sie in seiner abgestandenen Höflichkeit fragt, ob sie tatsächlich "Fortfahren" wollen, und sie können seinem Zwang nicht entfliehen oder "Nein" sagen. Also laufen sie durch dieselben Wälder, denselben in Endlosschleife dudelnden Soundtrack, und jedes Mal, wenn sie denken, sie hätten etwas begriffen, lädt das Spiel neu, ohne selbst den Trost einer Ladebildschirm-Weisheit.

    Nach unzähligen Schleifen stürzen sie schließlich in einen Ego-Shooter - und jetzt müssen sie keine Entscheidungen mehr treffen, aber jedes Mal, wenn sie schießen, tragen die Gegner ihre eigenen Gesichter und verzerren auf grässlichste Weise, sobald sie abdrücken. Der "Beenden"-Button führt sie lediglich zurück ins Hauptmenü, in dem sie "Starten" drücken können, um fortzufahren. Und sie drücken - natürlich tun sie es, es bleibt ihnen nix anderes übrig.

    Am Ende landen sie in einer Art Tetris-Himmel, in dem ihre eigenen Gedanken als bunte Blöcke auf sie einprasseln - je lauter die Gedanken, desto schneller die Blöcke -, und sie mühen sich ab, sie ordentlich zu stapeln, doch sie drehen sich in die falsche Richtung, bis ein unaufhörliches, galaktisches "Game Over" durch ihre Schädeldecke hallt wie ein göttlich motivierender Weckruf, der niemals verhallt und sich als Hintergrundmusik ihrer gesamten Nach-Existenz einbrennt.


    Was soll an der Idee so absurd sein? ;)

    Discord-Auslagerung, muss ja nicht im Chatsumpf untergehen.


    Ursprüngliche Frage von jannis:


    "Glaubst du an Nahtoderfahrungen?"




    Meine Antwort:

    Ich halte das für keine Frage des Glaubens.

    Nahtoderfahrungen sind charakteristisch recht ähnlich zu psychedelischen Drogentrips.
    https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6173534/
    Diesen Artikel fand ich mal sehr interessant, weil es darin um negative Nahtoderfahrungen geht. Das ist gar nicht mal so wahnsinnig selten.

    A literature review covering thirty years of research concludes that as many as one in five NDEs may be predominantly distressing.

    Ein Gehirn unter Sauerstoffmangel verursacht eben generell gerne mal weirde Out-of-Body-Experiences. Ich wette, da gibt es noch eine ganze Reihe ähnlicher Effekte. Auch können Einblutungen ins Gehirn euphorische Zustände erzeugen, indem sie Teilbereiche, die negative Gedanken und Gefühle produzieren würden, unbrauchbar machen.
    Generell wirkt das Wort "Nahtod" dahingehend auch ein bisschen verharmlosend. Es suggeriert: "puh, nichts passiert, das war knapp", aber das stimmt häufig anscheinend überhaupt nicht. Es hinterlässt extrem schnell massive, bleibende Schäden (hinsichtlich Wesensveränderungen interessant, die einige Menschen nach Nahtoderfahrungen durchmachen).


    Hab ich aber auch glaub schon mal irgendwo verlinkt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Nahtod-Studien
    Nahtod-Studien sind generell interessant.
    Es wurden auch welche durchgeführt, "AWARE" hieß eine von ihnen, die den "spirituellen" Zusammenhang derjenigen, die meinen, während der Erfahrung im OP-Saal rumzuschweben und Dinge zu sehen, wiederlegen. Es wurden in teilnehmenden Krankenhäusern an erhöhten Punkten, die aus einer normalen Perspektive heraus nicht zu sehen waren, extrem auffällige Markierungen angebracht, um herauszufinden, ob Menschen, die bei einer OP verstarben und zurückgeholt wurden und danach von außerkörperlichen Erfahrungen berichteten, die Markierungen sehen konnten, während sie vermeintlich an der Decke schwebten und auf die Szene hinterblickten. Und leider - wie erwartet - gab es keinen einzigen Fall, bei dem jemand die Markierungen sah.
    Ebenfalls interessant ist die unfassbar niedrige Quote an Nahtoderfahrungen überhaupt. Von 152 Überlebenden eines Herzstillstands berichteten nur zwei von visuellen Erfahrungen, und nur einer von beiden konnte interviewt werden, weil der andere dann doch verstarb.
    Diese Quote passt überhaupt nicht zu dem, was man sich glaub vorstellt.





    Dians Antwort:


    Nicht einmal Wikipedia sieht es ja so eindimensional wie du. In der Sache ist noch gar nichts endgültig bewiesen oder widerlegt. Das Thema ist immer noch ziemlich umstritten, und Tatsache ist, es gibt diese Berichte von Menschen, die während sie klinisch tot oder ohne Bewusstsein waren, Dinge in der Umgebung wahrgenommen haben, die sie unmöglich sehen konnten. Ebenso klar ist wohl auch, dass diese Dinge nicht besonders häufig passieren. Das ist natürlich eine gute Frage, warum das nicht jeder, der klinisch tot gewesen ist, erlebt. Aber vielleicht ist das eben wie bei den Träumen auch... jeder Mensch träumt, aber ob man sich daran erinnert, hängt auch viel davon ab, ob man mitten im Traum spontan aufwacht, oder erst irgendwann später, wenn der Traum längst vorbei ist. Oder manche Menschen sind einfach empfänglicher dafür als andere. Das ist jedenfalls noch lange kein Beweis dafür, dass das alles nur in deren Kopf stattfindet.


    "Es hinterlässt extrem schnell massive, bleibende Schäden (hinsichtlich Wesensveränderungen interessant, die einige Menschen nach Nahtoderfahrungen durchmachen)."

    Naja, was heißt "bleibende Schäden"? Hauptsächlich wird von Menschen, die eine Nahtoderfahrung hatten, ja doch berichtet, dass sie ihr Leben danach mehr zu schätzen wissen und mehr Wert auf die wirklich wichtigen Dinge legen, anstatt auf Oberflächlichkeiten. Das damit zu erklären, dass irgendwas im Gehirn zu wenig Sauerstoff abbekommen hat oder ähnliches, erscheint mir doch sehr weit hergeholt. Wäre mir jetzt nicht bekannt, dass Menschen, die eine Nahtoderfahrung hatten, danach irgendwie dümmer oder zurückgeblieben sind. Klar gibt es Menschen, die durch Sauerstoffmangel bleibende Schäden erleiden, aber die berichten doch üblicherweise dann nicht von Nahtoderfahrungen.



    Meine Antwort:



    Geht es hierbei um Berichte auf YouTube und Reddit? In die Studie hast du ja vermutlich keinen Blick geworfen.

    *gähn*, sorry, auf so ne Diskussionsgrundlage hab ich keinen Bock.

    Aber ich rede mit einem, der Astralreisen ernsthaft ausprobieren wollte, also was erwarte ich überhaupt?


    Vor der Studie wusste ich nicht einmal, dass es diese negativen Nahtoderfahrungen überhaupt gibt. Das ist irgendwie viel gewaltiger als die positiven Erfahrungen. Beeindruckend spirituell für die Betroffenen. Generell erscheint mir die Bandbreite bei den Horrortrips größer und interessanter.

    Und zurecht stellen sich die Betroffenen die Frage: "I’ve pondered if I was in that hell, will I go back on my death?"

    Jede einzelne Erfahrung ist auch so nachvollziehbar und effektiv brutal. Mit einer enormen Auswirkung für das Leben nach dieser Erfahrung.


    "A woman in childbirth found herself abruptly flying over the hospital and into deep, empty space. A group of circular entities informed her she never existed, that she had been allowed to imagine her life but it was a joke; she was not real. She argued with facts about her life and descriptions of Earth. “No,” they said, “none of that had ever been real; this is all there was.” She was left alone in space."


    Ich vermute, die Bilder werden auch stark davon beeinflusst, welche Hirnareale zu welchem Zeitpunkt auf welche Weise ausfallen.

    Vermutlich auch, was gerade im Hirn passierte, *bevor* die Situation tödlich wurde und die Versorgung abbrach.

    Es ist ja ein Unterschied, ob jemand zum Beispiel im Schlaf eine Rauchgasvergiftung erleidet und stirbt, ohne vorher zu Bewusstsein zu kommen, oder ob jemand gerade von einem Anhalter angegriffen wurde und noch bis zum Schluss versucht hat, die Attacke abzuwehren. Und ich persönlich glaube auch nicht, dass hinter solchen Fantasien ein übergeordnetes Ziel steht.


    Was die Sauerstoff-Sache nochmal betrifft:


    "Bei künstlich erzeugten Ohnmachtsanfällen durch Sauerstoffmangel im Gehirn bei 42 gesunden Versuchspersonen wurden am Universitätsklinikum Rudolf Virchow in Berlin sehr oft NTE-artige Erlebnisse ausgelöst: 16 % hatten außerkörperliche Erfahrungen, 35 % Gefühle von Frieden und Schmerzlosigkeit, 17 % Lichterscheinungen, 47 % Erleben einer anderen Welt, 20 % Zusammentreffen mit unbekannten Lebewesen, und 8 % Tunnelerlebnisse."


    Das sind schon sehr bezeichnend, finde ich, und es existieren mehrere ähnliche Studien, gerade in Bezug auf OBEs.


    Naja. Wahrscheinlich geht es bei vielen Menschen einfach zu Ende, wie man halt ohnmächtig werden kann. Ohne Schwebezustände, ohne Lichter, ohne goldene Himmelstore und verstorbene Liebende. Einfach bewusstlos und weg.

    Und auch wenn ein geiler Trip voller angenehmer Gefühle und ungewohnter Erfahrungen am Ende schon nett wäre, sind das eben auch nur 30 Sekunden einsamen, verständnislosen Erlebens vor der endgültigen Selbstauflösung und der Leere der Unendlichkeit. ;)


    Hypoxischer Hirnschaden – Ursache, Diagnose, Behandlung
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    "Die Nervenzellen des Gehirns, vor allem die für höhere Funktionen des Bewusstseins wie Wahrnehmung, Gedächtnis und Koordination zuständigen und besonders empfindlichen Zellen an der Oberfläche des Großhirns, sterben aufgrund des Sauerstoffmangels innerhalb weniger Minuten ab. Da sich diese Nervenzellen nicht wieder nachbilden, wird das Gehirn irreparabel geschädigt und es entsteht ein hypoxischer Hirnschaden. Die Ursachen für eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff sind vielfältig und treten häufig als Folge eines Verkehrsunfalls mit hohem Blutverlust oder eines Ertrinkungsunfalls, eines Herzstillstands, einer Vergiftung oder einer schweren allergischen Reaktion auf.

    [...]

    Das Ausmaß des hypoxischen Hirnschadens hängt unter anderem davon ab, wie lange die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrochen war. Bei einer kurzen Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff können Symptome wie Koordinations-, Wahrnehmungs- oder Gedächtnisstörungen auftreten, die sich in der Regel wieder zurückbilden. Eine längere Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff von mehr als fünf Minuten führt zu einer tiefen Bewusstlosigkeit, dem Koma. In schweren Fällen geht das Koma in eine anhaltende schwere Bewusstseinsstörung bis hin zum Wachkoma über."


    "hinsichtlich Wesensveränderungen interessant, die einige Menschen nach Nahtoderfahrungen durchmachen"
    In erster Linie meine ich damit, dass man von außen betrachtet nie genau sagen kann, ob eine durch eine Nahtoderfahrung bedingte spirituelle Wesensveränderung primär durch das Erlebnis selbst oder durch einen Hirnschaden verursacht wurde. Oder durch synaptische Neuverdrahtung in Richtung "Autosuggestion durch die Vorstellung einer Art höheren Glücks". Trauma trifft Plastizität, gewissermaßen.

    Die Berichte, die wir im Nachhinein von Betroffenen erhalten, sind höchstwahrscheinlich stark zerfiltert und geschädigt. Und die Schlüsse, die diese Menschen aus diesen Erfahrungen ziehen, ebenfalls.
    Zumindest erklärt das diese seltsame kognitive Zerfasertheit, die mir beim Lesen vieler solcher Berichte aufgefallen ist. Ein fallabhängig mehr oder weniger subtiles Gefühl von Fragwürdigkeit bis hin zur dann in mir erzeugten Skepsis/"Fremdscham". Ich frage mich, ob man diese Veränderungen des Individuums wohl rudimentär steuern könnte durch das vorher-/nachher-Setting und den genau richtigen Grad an Schädigung des Hirns.


    Wahrscheinlich gibt es einfach zu viele Variablen.





    Lonewolfs Bemerkung darf auch noch rein:

    Ihr wirkt tatsächlich manchmal wie Mulder und Scully. :grin~1:



    Da jannis nicht hier registriert ist, füge ich einen Textschnipsel des weiteren Gesprächsverlaufs meinerseits noch hier ein:


    jannis hatte geschrieben:

    Zitat

    Ist Wissenschaft immer die letzte Antwort? Grundsätzlich ist es richtig, alles kritisch und mit Fragen zu betrachten, weil man nur so Antworten erhält und Entdeckungen macht. Ich finde nur, dass Wissenschaft auch an ihre Grenzen stoßen kann

    Entscheidet der Grad der "Unglaublichkeit" eines Phänomens darüber, ob er nun Wissenschaft oder Magie/Religion/Spiritualität/whatever ist? :D Wo willst du die Grenze ziehen? Ich kann dir sagen, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der Vergangenheit Physiker schon in bittere Existenzkrisen gestürzt haben, weil sie ihr Lebenswerk auf Erkenntnissen bauten, die irgendwann einstürzten oder neu entdeckt wurden. Stichwort Quantenmechanik, oder ein Stückchen früher die kopernikanische Wende (blöd halt, wenn man sich um veränderbare Thesen anfängt, Religionen zu konstruieren).


    Nur, weil etwas für den gegenwärtigen Stand zu komplex ist, rechtfertigt es eigentlich keinen viel unangemesseneren Ansatz, zum Beispiel das Fantasieren viel absurderer Erklärungen.


    Zum Thema Nahtoderfahrungen und Wirklichkeit: Wie gesagt, der pragmatische, wissenschaftliche Ansatz ist das Gehirn, dessen Komplexität der Mensch nicht ansatzweise begreifen kann. Was ist daran "unecht"? Ich glaube den Menschen ja, dass sie unwirkliche Empfindungen hatten und davon träumten, herumzuschweben und Tote zu sehen.

    Aber ich halte es für eine unzulässige Vereinfachung, eine Seele, ein Jenseits, eine Verstrickung des Jenseits mit unserer Welt und zufällig auch noch den Zusammenhang mit dem Tod, dann aber auch nicht jedermanns Tod und nicht immer die gleiche Erfahrung, als gegeben anzunehmen, um das Phänomen, die Erfahrungen anzuerkennen und begründet zu sehen.


    Ist das wirklich glaubhafter als Neuronen?

    Oder schwer zu akzeptieren, dass es "nichts weiter" sein kann?



    Ich finde, man sollte öfter und aufrichtiger der Komplexität der Welt frönen und immerhin versuchen zu begreifen, was das eigentlich bedeutet.







    Um den Rest dürft ihr euch selbst kümmern.

    Es ist also eher eine kognitive Verzerrung.

    Ebenso wie meine in Kasachstan hockende Mutter jetzt glauben wird, dass die Aluminiumbuchsen jeden Tag vom Himmel fallen und der Rückflug jetzt ganz irre gefährlich ist.


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