Die AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt hat erklärt, eine Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht schaffen zu wollen.
Es ist natürlich klar, dass die sowas nicht so sehr deshalb wollen, weil sie alle so freiheitlich und individualistisch drauf sind, sondern um irgendwelchen Sektenspinnern zu ermöglichen, ihre Kinder erst richtig zu indoktrinieren und sie von linkem oder progressivem Gedankengut fernzuhalten.
Dennoch ist die Idee an sich richtig, zumindest wenn sie für alle Kinder gelten soll, so dass zum Beispiel auch linksgerichtete oder antikapitalistische Eltern ihre Kinder zuhause unterrichten könnten, und nicht nur irgendwelche religiöse Fundamentalistenfamilien. Und es wäre schön, wenn auch die Linken dann einfach mal sagen würden: "Die Idee tragen wir mit, auch wenn wir ansonsten komplett andere Ansichten haben als der politische Gegner." Aber so wie ich das aktuelle politische Klima einschätze, werden die Linken dann allein schon aus Prinzip sagen, dass sie für die Schulpflicht sind, weil etwas, was die Rechten wollen, ja aus Prinzip schon schlecht sein muss und zu bekämpfen ist. Siehe auch Abschaffung der GEZ-Gebühren. Anstatt da mal an einem Strang zu ziehen, stellen sich auch manche Linke demonstrativ auf die Seite des unfreiheitlichen Staates, und paktieren lieber gemeinsam mit den Systemlingen und der CDU, als mit denen, die das System schwächen oder aufweichen wollen.
Wenn die Bundesbildungsministerin sagt: "Die Schulpflicht ist eine Errungenschaft, deren Bedeutung man gar nicht genug betonen kann", krieg ich das große Kotzen. ![]()
Dieses ganze gutbürgerliche Getue ist so dermaßen verlogen, vor allem, wenn sie dann so darstellen, als ob durch die tägliche Anwesenheitspflicht in der Schule soziale Fähigkeiten erlent werden würden, die den Kindern andernfalls fehlen würde. Jedes Kindergartenkind ist von alleine, ganz ohne Anwesenheitspflicht, wesentlich sozialer, als das, was dann hinterher nach der Schule an zurechtgestutzten, genormten Erwachsenen herauskommt.
Schule ist in erster Linie eine gigantische Indoktrinierungsmaschine, in der Kinder zu produktiven Erwachsenen umgeformt werden sollen, die niemanden stören und nicht anecken. Dieses Geschwätz von der Ministerin, die es so darstellt, als würde die Schulpflicht die verschiedenen gesellschaftlichen Millieus zusammenhalten, weil Kinder so gezwungen sind, gemeinsam zu lernen und nicht nur in ihrer eigenen Blase zu leben, ist einfach nur verharmlosender Blödsinn, und der Versuch, ein einst zur Bevölkerungskontrolle und Konditionierung eingeführtes autoritäres Instrument als demokratische Errungenschaft zu verklären. Genauso kann man auch sagen, die Wehrpflicht hält die Gesellschaft zusammen... und es gab ja auch tatsächlich ernsthaft schon Politiker, die auf diese Weise argumentiert haben.
Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass die ständige Anwesenheitspflicht und der Selektionsdruck an den Schulen nicht zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beiträgt, sondern in erster Linie dazu da ist, Kinder nach den Anforderungen der Wirtschaft zu formen und diejenigen, die zu sehr von der Norm abweichen, zurechtzubiegen oder auszugrenzen.
Aber wenn man Kritik daran jetzt den radikalen Spinnern überlässt, wird das (ähnlich wie bei der Kritk an den Corona-Maßnahmen) vor allem dazu führen, dass sich der eine oder andere individualistisch gesinnte Mensch zu diesen Spinnern hingezogen fühlt. Deshalb brauchen wir dringend mehr Kritik an Dingen wie der Schulpflicht aus anderen, progressiver gesinnten gesellschaftlichen Lagern.