malte6071 schrieb am 06.06.2026, 19:03 in #le-café-unité:
Und nun ernsthaft.
Wäre unsere Illusion mit der Realität widerspruchsfrei, müsste das bedeuten, dass wir allwissend wären, um in Unserer Vorstellung der Welt mit keinem Detail im Widerspruch zu stehen.
Die Andere Möglichkeit ist, dass wir nichts wissend sind. Und damit meine ich absolut nichts. Gar nichts. So wenig, dass wir nicht wissen, wir es geht, sich etwas Vorzustellen, und keine Basis haben, die wir für Illusionen nutzen können, da jau auch diese auf einer Idee basieren müssen, aber das Wissen dazu fehlt, wenn wir nichts wissen. Ohne eine Vorstellung von der Welt können wir mit dieser nicht im Konflikt mit der Realität stehen.
Beide Zustände halte ich für ausgeschlossen. Durch die Existenz unserer Sinne eigenen wir uns unumgänglich Wissen über unsere Umgebung an, also sind wir ab dem Moment des ersten Sinneseindrucks nicht mehr nichtswissend.
Die Allwissenheit erklärt sich von selber für äußerst unrealistisch, dass muss ich nicht weiter erläutern.
Es folgt meiner Ansicht nach der unausweichliche Konflikt zwischen Realität und eigenem Weltbild.
Das Entscheidende ist der Umgang mit dieser Situation. Bin ich gewillt, mein Weltbild anzupassen? Kann ich meinen Wunsch von der Realität trennen? Sehe ich ein, dass manches unrealistisch ist, und kann mich zum Selbstschutz davon lösen oder meine Wünsche an die Realität so anpassen, die sie keine Utopien mehr sind?
Wenn das alles nicht funktioniert, dann lebt man an der Realität vorbei und wird irgendwann gnadenlos zerschellen.
Wenn man kein Rückgrat für seine eigene Vorstellungen hat, at man kein Leben mehr das man Lebt, sondern in dem man nur noch als Körper existiert.
Schafft man aber, für sich und seine Weltvorstellung einen Platz in der Realität zu finden und Kompromisse zu schließen, und mit den unweigerlichen Widersprochen zu leben, dann glaube ich daran, dass man durchaus davon profitieren und damit glücklich werden kann.