Die andere Seite der Geschichte

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema, welches 1.880 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (31. März 2026 um 00:47) ist von Dian.

  • Hallo,

    diese myStory ist gar nicht wirklich über mich, sondern einen der User, den die Unity vor über 10 Jahren verloren hat (vieles hier sind wahrscheinlich auch Annahmen). Aber um diese Zeit geht es auch nicht, sondern um das davor. Hansi war vor langer Zeit ein guter Freund von mir. Wir haben jeden Abend gechattet und uns über unsere Probleme unterhalten, bei ICQ und im IRC bis spät in die Nacht. Das ist circa 20 Jahre her. Während ich trotz aller meiner Probleme ein behütetes Leben hatte und keine finanziellen Probleme oder schlechte Zukunftsaussichten in dieser Gesellschaft, hat sich Hansi mit sehr schlecht bezahlten, beschissenen Jobs rumgeschlagen und lebte ständig am Limit. Nebenbei war er noch auf der Unity (und später der Gegenbewegung mind-riot) unterwegs und hat auch eigene Songs aufgenommen. Er war nicht super belesen wie andere User oder hat immer total überzeugend argumentiert aber man musste Hansi einfach mögen.

    Was mich dann aber wirklich beeindruckt hat an ihm war sein Mut. Er hätte sich so gesehen schon damals umbringen können aber was hat er getan? Alles hat er liegen lassen, sein Leben hinter sich gelassen und sich auf ein Abenteuer begeben. Ohne dass ihm jemand Geld gegeben hat oder dazu aufforderte. Er hat seine Tasche gepackt und ist mit dem Zug zu mir gefahren und stand vor meiner Tür. Dann begann eine kleine Reise mit einem Abstecher bei Soulmirror und am Ende landete Hansi in Köln, wo er noch einiges erlebt hat.

    Es gab viele Treffen danach (in Köln und anderswo), Silvesterfeiern, Ausflüge. Bei einem dieser Ausflüge ist Hansi dann sogar nicht mit uns zurück gefahren sondern zu irgendeinem Hippie-Treffen. Hansi fand damals Rückhalt bei anderen Unity/mind-riot Mitgliedern und vielleicht hat das sein Leben verlängert. Vielleicht hat hier das Forum und die Gemeinschaft von damals sogar geholfen. Sie hat zumindest zum Teil diesen Lebensweg ermöglicht. Hansi hat die Gelegenheit damals ergriffen und etwas aus seinem Leben gemacht. Er war so gesehen furchtlos und das finde ich bis heute beeindruckend.

    Natürlich ging die Geschichte ganz am Ende tragisch aus und ich hatte auch irgendwann leider keinen Kontakt mehr zu ihm, so dass ich darüber wenig sagen kann. Vielleicht hilft dieser Teil aber trotzdem dabei das Ganze auch mal etwas anders zu betrachten. Damals fanden sich über das Forum viele Menschen zusammen und haben sehr viel erlebt. Das hat Menschen auch sehr positiv beeinflusst, vielleicht sogar Hansi, auch wenn seine Geschichte am Ende nicht gut ausging.

    Einmal editiert, zuletzt von Tzak (19. Dezember 2025 um 18:59)

  • Ich meine, ich habe ihn tatsächlich nur einmal in echt getroffen, damals beim Sommerstapel bei Christina im Kleinwalsertal. Schon komisch, wenn man zurückdenkt und sich vergegenwärtigt, dass fast die Hälfte der damaligen Teilnehmer nun nicht mehr unter uns sind. Hansi war auf jeden Fall einer der angenehmeren Zeitgenossen, aber ja, er hatte wohl 'sein Kreuz zu tragen'. Er hat eben noch eine Zeit erwischt, in der man sich in der Unity ein Stückweit gegenseitig aufgefangen hat, in der das Internet tatsächlich noch sowas wie ein Rückzugsort für Außenseiter war. Und vor dem Hintergrund muss man auch dem Prä-Schwurbel-Dian Respekt zollen, dass er den Raum dafür geschaffen hat. Denn das ist ja eigentlich das Herzstück des ganzen Projekts gewesen, und nicht irgendwelche hehren Ansprüche an eine Veränderung der Gesellschaft hin zum Besseren - eher, sich eine Scholle einzurichten, auf der man selbst leben kann. Zumindest dürfte es wohl für Hansi lebensverlängernd gewesen sein, auch wenn er - genauso wenig wie die anderen - am Ende genug mitnehmen konnte, um weiterzumachen.

    Why do we fall?

  • Was mich dann aber wirklich beeindruckt hat an ihm war sein Mut. Er hätte sich so gesehen schon damals umbringen können aber was hat er getan? Alles hat er liegen lassen, sein Leben hinter sich gelassen und sich auf ein Abenteuer begeben.

    Wen es interessiert: Hier ist der Original-Thread von damals, in dem es um Hansis Flucht ging, und wo auch der Abschiedsbrief zu finden ist, den er damals seiner Mutter hinterlassen hat.

    The Unity Archiv - Hansi auf der Walz -

    Ich wurde darin involviert, weil plötzlich seine Mutter bei mir angerufen hat und mir Vorwürfe gemacht hat, obwohl ich von nichts wusste. Aber was der Thread auch schön zeigt, ist wie die Stimmung damals hier im Forum war, und dass es zu dieser Zeit so ein gutes Gemeinschaftsgefühl gab, auch wenn wir alle komplett unterschiedlich getickt haben und aus ganz unterschiedlichen Backgrounds kamen.

    Hansi ist dann damals auf seiner Deutschlandtour auch bei mir vorbeigekommen, für ungefähr eine Woche. In Erinnerung geblieben ist mir irgendwie eine Szene, wir zusammen Fußball geschaut haben und Karim und ich uns darüber amüsiert haben, dass Hansi sich als Leverkusen-Fan geoutet hat, welche damals im Ruf standen, immer nur zweite zu werden und keinen Titel gewinnen zu können. Jahre später waren sie dann plötzlich doch Meister, aber das hat Hansi leider nicht mehr miterleben können.

    Ach so... und der Ehrlichkeit halber muss ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass mir Hansi etwas auf die Nerven gegangen ist, weil er extrem tollpatschig war, beinahe im Museum ein Ausstellungsstück ruiniert hat und beim Einkaufen, als wir ihn einmal mitgenommen haben, eine Weinflasche auf den Boden fallen ließ. Das ging schon etwas in die Slapstick-Richtung bei ihm, sodass man ihm nichts Wertvolles mehr in die Hand geben wollte. Vielleicht war er auch nur zu bekifft, keine Ahnung. :420:

    Danach hatte ich nicht mehr so viel Kontakt zu ihm, meines Wissens nur noch gelegentlich über das Forum, wo er dann aber im Lauf der Zeit auch nicht mehr so viel Energie reingesteckt hat wie früher.

    Hat eigentlich noch jemand alte Texte oder Songs von ihm oder weiß, wo man die finden kann?

    Seine Hansi CB-Homepage ist ja schon lange nicht mehr online, und auch sonst finde ich nirgendwo etwas.

  • Hier mal noch Hansis Worte von damals, mit denen er mit seinem alten Leben gebrochen hat:

  • Können wir daraus vielleicht etwas nützliches ableiten?

    Ihr beide bekommt ja mit welche Leute aktuell in den Discord gespült werden. Da sind viele junge Menschen dabei, die sich irgendwie äußern wollen und eine Gemeinschaft suchen. Da könnte ja eine "Unity" wirklich Halt geben bzw. einfach einen Rückzugsort darstellen. Dafür wäre es vielleicht angemessen die ganzen Gesellschaftsänderungs- und Politikdiskussionen (die ich ja auch gerne führe) etwas zurückzufahren zugunsten einer Unterstützung dieser Menschen.

    In erster Linie ganz banal durch Zuhören und vielleicht mal andere Perspektiven aufzeigen. Das ist ja was früher passiert ist in Internetforen wie der Unity und sicher auch einigen Menschen geholfen hat.
    Bei den weiteren Unterstützungsmöglichkeiten hänge ich noch fest. Dinge, wie sie früher der Fall waren als Leute für Wochen bei anderen untergekommen sind, kann ich mir irgendwie nicht richtig vorstellen.

    Genau das sehe ich aber auch als "lebensverlängernd" an wie Lonewolf es bei Hansi sagte. Und für andere Menschen war es lebensverändernd, da sie ihr Umfeld veränderten (auch wenn sie dadurch von der Unity weg kamen).

  • Ja, sehe ich ja ganz genauso. Gerade wenn ich so wie neulich durchs Archiv wühle und ein paar alte Beiträge anklicke, fällt mir wieder auf, wie divers die Unity eigentlich immer war. Genaugenommen hatte jeder zu allem eine komplett andere Meinung, aber dennoch haben wir nicht ständig nur darüber diskutiert, wessen Meinung nun die richtige ist, sondern das Themenspektrum war wahnsinnig breit gefächert.

    Zumindest in den Phasen, in denen es gut lief. Natürlich kam es irgendwann dann auch zu Konflikten, in denen sich dann Gruppen gebildet haben, die einander unversöhnlich gegenüberstanden.

    Ich erinnere an Mind Riot, die mit meiner Admin-Politik nicht einverstanden waren, weil sie möglichst viel Anarchie haben wollten und selbst die größten Deppen nicht rauswerfen wollten. Und die Gegenbewegung, der Keller, denen es im Hauptforum zu viele niveaulose (und ideologische) Leute gab.

    Also das waren dann so die hauptsächlichen Streitigkeiten, die sich damals aufgetan haben. Es ging nicht so sehr um konkrete politische Fragen oder political Correctness... aber in gewisser Weise natürlich auch schon um die Fragen: FÜR WEN soll die Unity sein? Und: WAS soll die Unity sein?

    Rückzugsort für elitäre Eskapisten mit einem Mindest-Anspruch an Niveau? Oder Sammelbecken für alle Underdogs, die mit dem System unzufrieden sind und dann vielleicht auch mal Bullshit labern oder komische Ansichten haben?

    Beide Gruppen konnten sich von der Beschreibung "Für alle, die sich nach einer besseren Welt sehnen" angesprochen fühlen.

    In gewisser Weise trauere ich diesen Zeiten auch etwas nach. Ich denke aber auch, dass es nicht an mir lag, dass sich diese Dinge geändert haben und alles so politisiert wurde. Wenn, dann musst du Lonewolf davon überzeugen, dass die Unity wieder mehr so ein Auffangbecken für alle möglichen orientierungslosen jungen Menschen sein soll, und weniger politisches Ideologiezentrum. Ich erinnere daran, dass ich auch Unmensch oft genug gebeten habe, doch einfach die Leute mal so sein zu lassen, wie sie sind, anstatt alles in eine gewisse ideologische Richtung drängen zu wollen und jeden, der davon abwich, gleich rauszuekeln. Hat leider nicht funktioniert. Aber an mir soll es nicht scheitern.

  • Bei dem Geschwafel geht es mir nicht aus dem Kopf, dass Christina unter anderem wegen ihrem Aussehen in der Schule gemobbt wurde und dass ihr niemand geholfen hat.

    Für das yatanische Volk, Yatanistan und den gelenkten Yatanismus!

  • Ach komm... niemand hat aktuell irgendwen gemobbt, bevor du angefangen hast, dem neuen User auf Discord zu sagen, dass er sich verpissen soll, weil dir seine politischen Ansichten nicht gefallen. Ist ein gutes Beispiel dafür, wie Diskussionen eskalieren, weil man dem anderen nicht mehr seine Meinung lässt. Ich meine, das kannst du natürlich gern so machen, aber du brauchst dich dann eben auch nicht zu wundern, wenn derjenige aggressiv reagiert und das Klima hinterher vergifteter ist als vorher. Insofern würde ich sagen, lass uns den Scheiß abhaken. So schlimm ist der Typ nicht, dass man deshalb nun eine Grundsatzdebatte lostreten müsste. (Er ist ja auch seither still und äußert sich nicht übermäßig aufdringlich.)

    Aber natürlich können wir darüber diskutieren, wie man mit Leuten umgehen soll, die ein machiavelistisches oder rechtes Weltbild haben. Soll man die generell sofort rauswerfen? (was ja wohl deine Meinung dann ist...)

    Ich bin da eben eher der Ansicht, dass man sie nicht einzig aufgrund ihres Weltbilds rauswerfen sollte. Höchstens, wenn sie aggressiv oder missionierend/nervig auftreten und sich zu sehr ausbreiten. Das hat der User meines Erachtens aber nicht getan. Ich würde sogar sagen, er hat gelassener auf die Anfeindungen reagiert, als ich dies an seiner Stelle getan hätte.

  • J

    In gewisser Weise trauere ich diesen Zeiten auch etwas nach. Ich denke aber auch, dass es nicht an mir lag, dass sich diese Dinge geändert haben und alles so politisiert wurde. Wenn, dann musst du Lonewolf davon überzeugen, dass die Unity wieder mehr so ein Auffangbecken für alle möglichen orientierungslosen jungen Menschen sein soll, und weniger politisches Ideologiezentrum. Ich erinnere daran, dass ich auch Unmensch oft genug gebeten habe, doch einfach die Leute mal so sein zu lassen, wie sie sind, anstatt alles in eine gewisse ideologische Richtung drängen zu wollen und jeden, der davon abwich, gleich rauszuekeln. Hat leider nicht funktioniert. Aber an mir soll es nicht scheitern.

    DU bist hier derjenige, der Unity-Inhalte mit - eben nicht sehr durchdachten - 'gesellschaftskritischen' Positionen, Videos und 'Philosophien' auflädt. Wenn du einfach nur ein Auffangbecken für Außenseiter basteln willst, solltest du nicht nach außen hin den Eindruck erwecken, es ginge um mehr oder gar um eine 'freiere, gerechtere und aufgeklärtere Welt'. Ich positioniere mich meist reaktiv, wenn eben bestimmte fragwürdige Ansichten geäußert werden, die ich so nicht stehenlassen kann. Dass dir der Unterschied zwischen Ideologie und Gesellschafts- und Ideologiekritik nicht klar ist, ist des Weiteren nicht meine Schuld :-)

    Mir ist es wurscht, ob der Politik-Bereich dichtgemacht wird, wenn man sich dann eben konsequent auf persönliche und eher lebensphilosophische Dinge, Selbstfindung etc. konzentriert. Mein letzter großer Krieger-Thread dreht sich ja um nix anderes.

    Why do we fall?

  • Ach komm... niemand hat aktuell irgendwen gemobbt, bevor du angefangen hast, dem neuen User auf Discord zu sagen, dass er sich verpissen soll, weil dir seine politischen Ansichten nicht gefallen. Ist ein gutes Beispiel dafür, wie Diskussionen eskalieren, weil man dem anderen nicht mehr seine Meinung lässt.

    Wenn ich dir sage, dass du dich mit deiner fucking Meinung verpissen sollst, bin ich schuld, dass du Bärbel ne fette Sau nennst?

    Für das yatanische Volk, Yatanistan und den gelenkten Yatanismus!