Die andere Seite der Geschichte

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema, welches 1.881 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (31. März 2026 um 00:47) ist von Dian.

  • Zur Ausgangsfrage: Meine Intention mit dem Krieger-Thread war ja gerade, einen bestimmten Aspekt der Unity zu betonen - das Entwickeln einer 'kriegerischen', resilienteren Haltung gegenüber den Zumutungen der Gesellschaft und den Herausforderungen durch Lebensprobleme und Schicksalsschläge. Das ist eigentlich auch der Kern des Ganzen, abseits von irgendwelchen weltverbesserischen Absichten. Das bedeutet, dass Themen wie individuelle Entwicklung, Psychologie und auch eine gewisse Spiritualität einen höhere Stellenwert einnehmen könnten.

    Wenn man weltanschauliche Fragen nicht völlig ausblenden kann oder will - und das wird eben der Fall sein, wenn der Einfluss bzw die Rolle der Gesellschaft thematisiert wird - ist eben ein impliziter Konsens notwendig, der darauf abzielt, dass die freie Entfaltung der Einzelnen (ohne die Freiheit anderer zu berühren) gewährleistet bleibt. Da kann es eben schwierig werden, wenn jemand zum Beispiel eugenische Ansichten vertritt und gleichzeitig Menschen mit Behinderungen anwesend sind. Oder wenn jemand rassistisch oder antisemitisch auftritt, während Betroffene oder deren 'Allies' in einen Rechtfertigungszwang geraten. Ich habe kein Problem mit einem Austausch auf einer eher abstrakt philosophischen Ebene, beispielsweise zu bestimmten unterschiedlichen rechten oder linken Denkschulen. Aber wenn es 'konsequent politisch' wird, wird das eben zum Problem, da am Ende gruppenfeindliche Positionen weiter normalisiert werden. Aber es ist eben eine Gratwanderung.

    Kurz und bündig: Wir können hier 'mehr' oder etwas anderes sein als eine therapeutische Hilfestellung, da es uns nicht nur um das 'Funktionierenkönnen' geht, sondern auch darum, uns von erkannten Fehlentwicklungen in der Gesellschaft bewusst abzugrenzen. Das ist keine Eingliederungshilfe, was wir hier machen, sondern der Versuch, in dieser Gesellschaft zu 'überleben' - und sich dabei im besten Fall auch im positiven Sinne weiterzuentwickeln, ohne sich zu assimilieren.

    Eine Therapie können wir sowieso nicht leisten, aber eben vielleicht doch eine gewisse Ethik des Denkens und Handelns. Und da wäre dann eben die Brücke zwischen einer individuellen Selbstfindung und einer 'freieren, gerechteren und aufgeklärteren Gesellschaft' gebaut.

    Why do we fall?

  • Können wir daraus vielleicht etwas nützliches ableiten?

    Ihr beide bekommt ja mit welche Leute aktuell in den Discord gespült werden. Da sind viele junge Menschen dabei, die sich irgendwie äußern wollen und eine Gemeinschaft suchen. Da könnte ja eine "Unity" wirklich Halt geben bzw. einfach einen Rückzugsort darstellen. Dafür wäre es vielleicht angemessen die ganzen Gesellschaftsänderungs- und Politikdiskussionen (die ich ja auch gerne führe) etwas zurückzufahren zugunsten einer Unterstützung dieser Menschen.

    In erster Linie ganz banal durch Zuhören und vielleicht mal andere Perspektiven aufzeigen. Das ist ja was früher passiert ist in Internetforen wie der Unity und sicher auch einigen Menschen geholfen hat.
    Bei den weiteren Unterstützungsmöglichkeiten hänge ich noch fest. Dinge, wie sie früher der Fall waren als Leute für Wochen bei anderen untergekommen sind, kann ich mir irgendwie nicht richtig vorstellen.

    Genau das sehe ich aber auch als "lebensverlängernd" an wie Lonewolf es bei Hansi sagte. Und für andere Menschen war es lebensverändernd, da sie ihr Umfeld veränderten (auch wenn sie dadurch von der Unity weg kamen).

    Ich muss mich hier selbst korrigieren. Nicht die Unity oder Dian haben etwas für die Leute getan, sondern die Menschen haben sich gegenseitig unterstützt und das hat mal besser und mal schlechter funktioniert. So gesehen stammen die meisten meiner positiven Erinnerungen auch aus einer Zeit in der sich viele Nutzer von der Unity abgewandt hatten und eigene Gemeinschaften/Gruppen gründeten. Unterstützungsnetzwerke. Davon war ich ein sehr kleiner Teil, hauptsächlich habe ich Leute von A nach B gebracht.

    Inzwischen habe ich einiges nachgelesen was hier passiert ist und komme zu dem Schluss, dass die Unity einfach ein Sammelbecken ist und sich dort Menschen finden können, die sich vielleicht gut tun, sich vielleicht aber auch in die Katastrophe treiben wobei ich die Gefahr für das Zweite viel zu hoch halte. Es wurde auch nie wirklich aufgearbeitet inwiefern die Unity-Philosophie solche Katastrophen ermöglicht oder begünstigt hat und ich denke da ist von Dian auch keine Einsicht zu erwarten.

    Es gab hier wirklich unterirdische Gestalten, die einfach losgelassen wurden auf Menschen, die in Lebenskrisen waren. Statt diese Leute zu bannen, hat man sich auf eine imaginäre Freiheit berufen. Und die Menschen, die diese Problematik angesprochen haben, wurden hier nie ernst genommen. Verantwortung übernehmen gehört eigentlich auch zur Anarchie aber das ist hier fremd.

    Das ist definitiv nicht das was ich suche oder brauche oder durch Beteiligung irgendwie weiter unterstützen möchte. Allen mit großen Problemen (Mobbing, Einsamkeit, psychische Krankheiten, Missbrauch) wünsche ich natürlich, dass es gut tut hier zu sein oder sie ihre Unterstützungsnetzwerke finden. Ich kann sowieso niemandem helfen, der solche Probleme hat. Ich bin nicht hilfreich für einen Ort an dem Menschen Halt suchen aber ich denke das brauchen viele (vor allem im Discord). Vielleicht schafft ihr es ja noch diesen Ort herzustellen. Mit der Philosophie der vergangenen Jahre halte ich das aber für unmöglich.

    Euch wünsche ich noch eine schöne Zeit und alles Gute für die Zukunft.

  • Hmm... mich würde jetzt ja schon interessieren, welche "unterirdischen Gestalten" du konkret meinst, denn wie bereits auf dem Server erwähnt: Wer oder was unterirdisch ist definiert jeder ein bisschen anders. Konkret würden mir jetzt nicht viele Fälle einfallen, in denen Menschen, die sich in Lebenskrisen befanden, hier im Forum von "unterirdischen Gestalten" belästigt wurden. Dass es hier schon genügend User gab, die Bullshit verzapft haben, ist natürlich klar. Lässt sich eigentlich nur dadurch verhindern, dass wir die Hürden etwas höher legen, wer hier schreiben darf.

    Und selbst, wenn wir das tun würden, bliebe immer noch die Frage, wer das denn festlegen soll, ab wann ein User unterirdisch ist und gehen muss. Richten wir dann für jede dämliche Behauptung, die jemand macht, und für jedes unfreundliche Wort einem anderen User gegenüber ein Tribunal ein, und verhandeln dann darüber, ob der betreffende User rausgeworfen wird?

    Die Grenzen sind nunmal fließend, es gibt nicht DEN hundertprozentig unterirdischen User... bzw. wenn es solche in der Vergangenheit gab, wurden sie über kurz oder lang auch vor die Tür gesetzt. Und selbst dafür musste ich mich als Admin dann meistens rechtfertigen, weil es immer irgendwen gab, der nicht damit einverstanden war, wenn ein anderer User gebannt wurde, egal wieviel Schwachsinn der auch verzapft hat.

    So gesehen stammen die meisten meiner positiven Erinnerungen auch aus einer Zeit in der sich viele Nutzer von der Unity abgewandt hatten und eigene Gemeinschaften/Gruppen gründeten.

    Ja, und diese Gruppen, die sich von der Unity abgewandt haben, entstanden oftmals dadurch, dass die Meinungen innerhalb der Userschaft weit auseinander gingen, welche User man gerne in der Unity haben möchte und welche nicht. Und ob die Admins mehr eingreifen sollen oder eher weniger.

    Es ist eben nicht so einfach, wie du es dir machst, wenn du es so dastellst, als ob die Admins hier zu wenig Verantwortungsgefühl haben oder zu wenig durchgreifen.

    Das Problem sehe ich eher darin, dass die Unity eben eine Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren anspricht, und dass so der klare gemeinsame Nenner fehlt, auf den sich alle einigen können. Klar soll das Unity-Projekt Leuten helfen, die Außenseiter sind und sich unverstanden fühlen, so wie ich mich früher auch oft unverstanden gefühlt habe. Aber ich sehe das jetzt hier nicht als einzigen Daseinszweck, dass wir Anlaufstelle oder Selbsthilfegruppe für alle möglichen Außenseiter oder psychisch angeschlagene junge Leute sind. Es geht eben darüberhinaus auch um Diskussionen über konkrete Dinge, die in der Gesellschaft schieflaufen, ebenso wie um meine kreativen Ergüsse (und gerne auch die von anderen Leuten), die sich kritisch mit dem System oder unserer Welt auseinandersetzen, und die dadurch vielleicht auch ihren eigenen Frust verarbeiten oder ihre Erfahrungen und psychischen Probleme. Und ihr schließt sich eben wieder der Kreis. Es gehört alles irgendwie zusammen: Psychische Probleme, Außenseitertum, gesellschaftliche Missstände, utopische Gedanken, Brainstorming, elitäres Abkotzen, künstlerisches Schaffen, Nostalgie.

    All das ist UNITY, und ich persönlich wüsste auch nicht, was wir am grundlegenden Konzept ändern sollten, ohne dass es dann eben nicht mehr Unity ist, sondern ein x-beliebiges Selbsthilfe- oder Politikforum, von denen es im Internet ja genug andere gibt.