Dein Gerede von zugewanderten Sozialschmarotzern spricht hier Bände - Ja, damit bist du im rechten Lager angekommen. Denn scheinbar erkennst du nicht die logische Konsequenz dieser Denke. Wenn man dieser Logik folgt, landet man automatisch im Sozialdarwinismus - oder gelten deine hehren Vorstellungen einer 'freieren gerechteren Welt'' ohne 'Leistungsterror' nur für dich und deine Volksgenossen? Denkst du, eine Politik, die sich gegen 'ausländische Schmarotzer' richtet, macht am Ende Halt vor anderen Volksschädlingen, vor Arbeitslosen, sozial Schwachen etc.?
Naja, zunächst mal ist es einfach eine Sache der Logik, dass endloser Zustrom in ein soziales System dauerhaft genauso wenig funktionieren kann, wie endloses Wirtschaftswachstum, während man nur einen Planeten und begrenzte Ressourcen zur Verfügung hat.
Allein die Tatsache, wie du und andere Linke reagieren, wenn man diese heikle Themen auch nur anspricht, zeugt für mich schon von einer gewissen ideologischen Verblendung.
Und dann haben wir eben noch die Sache mit der Kultur, dass Menschen hier her kommen, die zu großen Teilen andere Lebensgewohnheiten haben und in der Regel nicht so progressiv denken... Kein Mensch hat was gegen schwule afghanische Regimegegner, weißrussische Dissidenten oder Cello spielende iranische Mädchen, die zu uns kommen. Aber die Realität ist ja nunmal, dass ein großer Teil eben nicht aus solchen wirklich verfolgten Menschen besteht, sondern überproportional viele junge männliche Glücksritter und Abenteurer zu uns kommen, die einfach die Chance auf eine bessere materielle Zukunft hier her treibt. Man kann es ihnen ja auch nicht verübeln. Aber es erzeugt soziale Reibung in einem Land, und es kostet Geld. Und es ist nun mal auch keine Erfindung rechtsradikaler Propaganda, dass ab und zu so einer austickt und mit dem Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt fährt oder Frauen an den Hintern fasst.
Das sind einfach Fakten, vor denen man nicht einfach naiv die Augen verschließen kann. Was tun denn die Linken dagegen, dass solche Dinge geschehen, außer schöne Predigten halten, dass man nichts verallgemeinern darf?
Sie tun NICHTS. Und schon wenn einer wie Merz kommt und mal ankündigt, Straftäter abzuschieben, heulen sie alle rum: "Oh, das darf man doch nicht, die Menschenrechte, etc." Das sind Dinge, die viele Menschen aufregen, und weil sie sich nirgendwo ernstgenommen fühlen damit, landen sie irgendwann bei der AfD. Nicht weil sie sich selbst als Nazis sehen würden (das tun vermutlich die wenigsten). Sondern weil sie das Gefühl haben, dass der "gesunde Menschenverstand" nicht mehr funktioniert in diesem Land, und weil Politiker aus ideologischen Gründen viele Probleme nicht sehen wollen. Das ist zumindest unter den Rechten ein verbreitetes Narrativ, und viele argumentieren so, wenn man sich mit ihnen unterhält, warum sie AfD wählen.
Deine These, dass jede Abgrenzung eines Systems zwangsweise dazu führen wird, dass morgen noch mehr Menschen auch innerhalb dieses Systems diskriminiert werden, halte ich für ein wenig gewagt. Grenzen zu schließen führt genauso wenig zwangsläufig zu Hass gegen Schwule, wie ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr zu mehr Marihuana-Konsum führt, weil das zwei verschiedene Dinge sind, die nur eben dadurch verbunden sind, dass Menschen aus einem bestimmten politischen Spektrum diese fordern.
Das Problem besteht aber natürlich, dass die Rechten, wenn sie erst mal an der Macht sind, allen möglichen Bullshit umsetzen werden, und nicht nur das, weshalb man sie ursprünglich mal gewählt hat. Das liegt allerdings nun weniger daran, dass das eine zwangsläufig zum anderen führen wird, sondern an unserem tollen Parteien-System, wo man eben nicht konkret bestimmte Meinungen wählt, sondern ganze Meinungs-Pakete unterschiedlichsten Inhalts.
Ich denke, wenn du die Menschen direkt abstimmen lassen würdest, ob sie ein Problem mit Homosexuellen haben, würde ein deutliche Mehrheit der Bevölkerung gegen die Diskriminierung von Homosexuellen stimmen.
Aber ebenso ist eine Mehrheit dafür, nicht jeden ins Land zu lassen und kriminelle Ausländer ohne deutschen Pass konsequent abzuschieben.
Also könnte man nicht vielleicht theoretisch basierend auf diesen Mehrheiten ein System errichten, das einerseits eine restriktivere Asylpolitik betreibt, aber dennoch religiösen und sexuellen Minderheiten gegenüber tolerant ist?
Ich denke schon, dass dies möglich wäre. Ich denke auch, dass ein System vorstellbar ist, das sich nach außen hin eher abschottet und neutral bleibt wie z.B. die Schweiz, aber nach innen sozial ist und vielleicht sogar ein bedingungsloses Grundeinkommen einführt. Doch so lange wir in unserem heutigen Lagerdenken gefangen sind, ist das eben undenkbar, weil Menschen eben nicht versuchen, auf diese Weise jedes Problem für sich zu betrachten und Kompromisse zu finden, sondern weil eben sehr stark dieses Denken vorherrscht, dass man sich für die eine oder andere Seite entscheiden muss, denn wenn du für mehr Abschiebungen bist, bist du sowieso ein Nazi, und wenn du für mehr Umweltschutz bist, bist du sowieso eine linke Zecke.
Dabei ist die Welt eigentlich viel mehrdimensionaler, aber so lang unser System das nicht anerkennt, und die Menschen in ihren Köpfen es auch nicht anerkennen, wie soll sich jemals etwas ändern können? Ist ja nur logische Konsequenz, dass dann auch irgendwann mal die Gegenseite an die Macht kommt und die Uhren wieder ein paar Jahre zurückdreht. Ein ewiges Hin und her eben. Und irgendwann sind dann wieder die Linken an der Macht und verteufeln alles, was in ihren Augen rechts ist.
Nur so kommt die Gesellschaft halt langfristig nicht voran.
Und ich finde es genauso wie die ganze Diskussion hier einfach nur ermüdend. Ich denke, man sollte einfach etwas über seine ideologische Prägung hinausblicken und dieses Schwarz-Weiß-Denken unserer Vorfahren langsam mal hinter sich lassen.