Bundestagswahl 2021

Es gibt 233 Antworten in diesem Thema, welches 67.399 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (7. Dezember 2021 um 23:27) ist von SeeBee.

  • Eine Partei auf zu machen, Ist mir zu anstrengend,

    Ja, mir auch...

    Dieses Jahr wirds wieder "Die Linke".

    Das einzige Mal, als ich wählen war, hab ich die auch gewählt. Für mehr soziale Gerechtigkeit und so. :good:

    Bei der letzten Bundestagswahl wären sie – wären sie in das Ergebnis eingeflossen – zweitstärkste Fraktion geworden.

    Wie so eine Partei wohl aussehen würde. :rolleyes_gif:

    Naja, ich glaub, ich wähl doch. Muss mich nur mal richtig informieren. Hoffentlich krieg ich nicht wieder ne Psychose direkt vor der Wahl. ;)

  • Also ich werde Wahrscheinlich wählen gehen und ich versuche das mal auszuführen.

    Und um ein vorwegzunehmen, nicht wegen der AfD. Sondern wegen der CDU, beziehungsweise wegen denen die momentanen die Macht haben. Durchs nicht wählen zeigt man den mächtigen gar nichts, im gegenteil denke ich sogar das ist genau das was so jemand möchte. Nämlich Politischen Gegenbewegungen zu Demobilisieren und aus dem Prozess rauszunehmen. Ein nicht Wähler ist besser als ein Linken Wähler oder ein AfD wählen, zumindest für die CDU, weil es sich mit denen nicht gut Koalieren lässt. Der Diskurs wird ja ganz klar von der CDU verhindert, es geht immer nur darum das nicht genug Geld da ist, das so ja alles nicht so einfach geht, man Arbeitsplätze erhalten muss, die Wirtschaft sonnst untergeht und wir alle verhungern werden etc. Währen dessen, sind die super Korrupt und inkompetent und anstatt das da irgendwas darauf Folgt, sitzt die Regierung das aus, wartet ein Paar Monate und nach einer Zeit ist alles wieder nicht mehr Präsent. Korruption und Inkompetenz hat keine Folgen aber gleichzeitig wird der Diskurs unterbrochen(aka. die Menschen werden für dumm gehalten und verkauft). Sieht man ja bei der Maut Affaire, Cum ex, WireCard oder was jetzt gerade in Afghanistan passiert.

    Das wird im Kauf genommen und jetzt muss man sich mal überlegen, welches Klientel nach dem ganzen Bullshit keine Lust mehr auf die Politik mehr hat. Die Leute die nicht davon profitieren. Und durch das ganze Narrativ der Alternativlosigkeit, scheiden sie aus dem Prozess aus. Die Leute die Profitieren wählen weiter und dann natürlich in der Regel die CDU. Eine weitere Beobachtung die diese Theorie stützt ist wenn man den Wahlkampf beobachtet. Was war die Strategie gegen die Grünen? Kompetenz in frage zu stellen aber möglichst vom Diskurs über Themen ausweichen. Und immer mit Phrasen kommen, das ist alles viel Komplexer und Traumtänzerei. Man war nie Interessiert wirklich einen Diskurs anzufangen sondern das einzige Ziel war, den Gegner auf die eigene Ebene runter zu ziehen und Kompetenz abzusprechen. Und ich will jetzt die Grünen nicht als die Radikale Alternative Darstellen aber sie haben noch einiges zu tun wenn sie die CDU in Korruption aufholen wollen. In dem Text soll es ja aber nicht um die Grünen gehen sondern darum wie versucht wird, die Menschen zu Demobilisieren. Gut gerade klappt das nicht so gut, aber das denke ich hat was mit dem Kandidaten zu tun. Bei Merkel hat das ja gut geklappt und bei der SPD klappt das ja mehr oder weniger gerade.

    Und was ich noch vergessen hab. Es geht vor allem darum die Wahl zu einer Kandidaten frage zu machen(Was wahrscheinlich der wirklich große Fehler der Grünen war sich darauf einzulassen). Anstatt darüber zu reden wie man das Leben besser machen kann, geht es darum, was jetzt der eine Kandidat schon wieder gemacht hat. Da machen die Medien natürlich fleißig mit und die sind bei der Demobilisierung auch ein großes Problem aber der Text wird sowieso schon zu lang. Der CDU ist diese Personen Fixierung selber auf die Füße gefallen aber es geht ja um das Prinzip.

    Die AfD oder generell Populistische Bewegungen machen sich das zwar zu nutze, bzw. Profitieren davon aber eben in dem sie diese Nichtwähler Mobilisieren und nicht in dem sie Wähler weg ekeln. Deshalb sollte man jetzt nicht nur wegen der AfD oder allgemein Populismus unbedingt wählen, denn außer dieses eine triviale Argument(Mit einer Stimme für eine andere Partei, verringert man ihr anteil an den gesamte stimmen für die AfD) ist dabei nichts dran. Die mächtigen Profitieren davon wenn sich Leute weniger für Politik einsetzen, beziehungsweise sich aufhören dafür zu interessieren. Und eigentlich geht es ja dabei gar nicht so wirklich ums wählen. Sondern um Politisches Engagement, ob man jetzt wählt oder nicht aber trotzdem versucht durch andere Wege was zu ändern ist egal. Es geht darum, dass die mächtigen es lieber haben wenn frustrierte aus dem Politischen System ausscheiden, als das sie was verändern wollen. Wie verändern, ob jetzt durch Gewerkschaften(Bei denen man bestimmt auch gute Beispiele zur Demobilisierung finden kann) oder durch Öffentlichkeitsarbeit, ist da egal. Die CDU findet es gut wenn auf ihre scheiße mit frustration anstatt mit Wut geantwortet wird.

    Vielleicht irre ich mich auch aber ich habe nicht das Gefühl das die nicht Wähler hier sich anders Politisch Engagieren sondern er sich zurück ziehen. Das darf natürlich jeder aber man Protestiert damit gegen nichts. Sondern spielt damit den Mächtigen in die Hand.

    Um noch mal auf das Wort Mächtige einzugehen. Damit meine ich in erste Linie eine Herrschende Politische Klasse, die entweder viel Geld haben oder viel Einfluss (z.B. gehören ihnen Medien) oder sie bekleiden hohe Politische Ämter.

    Und falls jemand sich gar nicht für eine große Partei Entscheiden kann, es gibt ja auch viele kleinst Parteien. Vielleicht entsprechen die ja euren Einstellungen. Denn in erster Linie geht es darum sich nicht durch diese eklige Politik raus drängen zu lassen, sondern dabei zu bleiben. Wenn das auch nichts ist, schaut euch die Direkt Kandidaten in euren Wahlkreisen an. Vielleicht ist da jemand cooles dabei, man muss sich ja nicht unbedingt einer Partei zugehörig fühlen. Fabio de Masi tritt zwar nicht mehr an aber ich finde der hat ein paar sehr wichtige Sachen gemacht.

  • Mit einer Stimme für eine andere Partei, verringert man ihr anteil an den gesamte stimmen

    Genauso sieht's aus.

    Man sollte sich nie dem Denkfehler hingeben, man werde zum Nichtwähler, um "denen da oben" mal die Meinung zu geigen. Durch Nichtstun tut man keine Meinung geigen. Man tut gar nichts. Allenfalls zeigt man, dass einem trotz der ganzen Skandale alles egal ist und man auch weiterhin nicht aufstehen wird. Man sitzt ja so bequem.

    Wer wirklich "denen da oben" schaden will, der wählt eine andere Partei und eliminiert damit die Stimme eines Armin Laschet, der sich natürlich selbst wählen wird. Je mehr Leute so wählen, desto mehr gleichen sie prozentual den Stimmenanzahl der anderen Parteien wieder aus. Zum Beispiel könnte man die Nichtwähler-Partei wählen. Die setzen sich übrigens für die direkte Demokratie ein, und auch andere gute Sachen, die jeder Nichtwähler weit oben auf seiner Agenda stehen haben dürfte. Lediglich nicht zur Wahl gehen ist so ziemlich das Dümmste, was man als vermeintlich schlauer Mensch tun kann.

    Okay, allenfalls noch ungültig wählen, das ist sogar noch eine Stufe dämlicher, da man sich sogar extra auf den Weg gemacht hat für Nichts.

  • Ich darf daran erinnern, dass die von einigen hier so geschätzten Grünen von 1998 bis 2005 an der Regierung beteiligt waren. (Ich weiß das deshalb, weil ich sie damals gewählt habe.) Die Unterschiede zu einer CDU-Regierung waren minimal... man könnte allerdings darüber diskutieren, ob wir mit einer CDU-Regierung auch sowas wie Hartz4 bekommen hätten, oder ob die CDU nicht vielleicht doch eher aus ihrer chronischen Angst vor Veränderungen heraus im Bereich der Sozialhilfe alles beim Alten gelassen hätte (und das war eben vor Schröder, Fischer und Co definitiv besser und humaner.)

    Ich darf daran erinnern, dass wir in Thüringen einen Ministerpräsidenten von den Linken haben, und in Baden-Württemberg nun schon seit viel zu vielen Jahren einen von den Grünen. Wäre mir nicht aufgefallen, dass es in einem der beiden Länder in irgendeiner Weise menschlicher, umweltfreundlicher oder sozial gerechter zugehen würde als anderswo.

    Ich darf daran erinnern, dass es mal eine Piraten-Partei gab, die ziemlich coole Ansätze hatte, aber von den Mainstream-Medien genauso schnell demontiert worden ist, wie man sie einst hochgejubelt hatte. Schließlich hatten sie nur die Wahl, entweder ihre radikalen Ansichten beizubehalten und von der Bevölkerungs-Mehrheit auch in 1000 Jahren noch für nicht regierungsfähig gehalten zu werden, oder sich dem Mainstream anzubiedern und letztlich zu einer verwässerten pseudo-freiheitlichen Besserverdiener-Partei zu werden wie die FDP.

    Und nicht zuletzt darf ich daran erinnern, dass wir schonmal eine kleine, relativ harmlose Splitterpartei namens AfD hatten, die ursprünglich einfach nur den Euro abschaffen wollte. Doch kaum, dass sie ein bisschen bekannter wurden, traten immer mehr dubiose, rechtsradikale Leute ein, weil sie dort ihre Chance auf die Machtergreifung gekommen sahen... mit dem Ergebnis, dass die Gründerväter der Partei panisch davonrannten, als sie realisiert haben, dass sie in ihrer eigenen Partei längst zu Außenseitern geworden waren.

    Es geht mir nicht darum, das Nichtwählen als die ultimative Lösung anzupreisen, die uns aus dem Schlamassel in irgendeiner Weise befreien wird.

    Ich sage nur einfach, aufgrund langjähriger Erfahrungswerte und meiner Studien der menschlichen Gesellschaft: Es ist komplett scheißegal, wen ihr wählt oder wieso. Am Ende werden alle von der Macht korrumpiert, vom System assimiliert, oder im Zweifelsfall einfach von den Medien zerstört, bevor sie irgendwas wirklich Grundsätzliches ändern könnten.

    Letztlich sind Wahlen eine Illusion von gesellschaftlicher Teilhabe, wo in Wirklichkeit ganz andere Kräfte und Mechanismen das Sagen haben.

    Klar, theoretisch könnt ihr mit der Abgabe eurer Stimme die Stimme von Armin Laschet neutralisieren. Das Problem ist nur: Armin Laschet schnippst nur kurz mit dem Finger, dann wird eine Werbekampagne geschaltet, durch die 100.000 neue Wählerstimmen generiert werden. Sowas kann man machen, wenn man viel Geld zur Verfügung hat.

    Also wenn es dir wirklich wichtig ist, die Gesellschaft zu verändern, @Unmensch: Spar dir das Abgeben deiner Stimme und sieh lieber zu, dass du so schnell wie möglich Milliardär wirst, dann kannst du dir zehntausende oder hunderttausende Stimmen kaufen. Oder ist dir das Verändern der Gesellschaft vielleicht doch nicht so wichtig, dass du deshalb jetzt bis zum Umfallen schuften würdest, um dir ein paar Millionen zu verdienen? Beruhigt es vielleicht einfach nur dein Gewissen, wenn du dir einredest, dass du einmal alle vier Jahre ein Kreuz auf einem Zettel machst und dadurch den Lauf der Geschichte verändern kannst? Träum weiter!

    Wie gesagt, ich will hier niemand vom Wählen abhalten. Ich versuche nur aufzuzeigen, warum ich es persönlich angesichts des momentanen Zustands der Gesellschaft für reichlich sinnlos halte und großes Verständnis für jeden habe, der das genauso sieht.

  • reichlich sinnlos

    Sinnlos ist sooo vieles was wir tun.

    Leben zum Beispiel. Am Ende stirbt man auch. Und hinterlässt Schulden und noch mehr Belastungen für die Angehörigen.

    Aber wenn eh egal was wir tun sinnlos ist, warum tun dann Menschen immer noch etwas? Wir könnten daheim sitzen HartzV beziehen und nichts tun. Oder uns doch einfach umbringen.

    Vielleicht sollten wir in die Vergangenheit reisen um den Höhlenmenschen zu sagen, dass sie bloß nichts entwickeln, auf keinen Fall eine Zivilisation aufbauen sollen und wehe sie wagen es den Kapitalismus einzuführen.

    Die Aussage das nicht zu Wählen sinnlos sei, ist gewiss korrekt - Das kannst Du aber nur aus einer Position sagen, die einem vergleichbaren Luxus gleicht.

    Vieles bringt nichts, es deshalb zu lassen? Was soll das den dann bringen?

    Aufhören Sport zu machen, weil ich dadurch eh nicht fitter werde, bringt auch nur das Gegenteil.

    Nicht zu wählen, bringt Dir auch nur die Bestätigung, dass sich eh nie etwas ändern wird. Aber zu wählen, bietet zumindest den Hauch einer Hoffnung.

    Who knows, wer da mal hoch kommt. Vielleicht schlummern unter manchen Politikern interessante Trickser. Die am Ende Dinge durchringen, die wir hier diskutieren.

    Es lebe die Freiheit, die Meinungsäußerung und der Respekt anderen gegenüber.

    „Will man einen Menschen genauer beurteilen, so muß man die Geschichte seiner Kinder- und Jugendjahre kennen.“

    - August Bebel

  • Zitat von Edrey

    Aber wenn eh egal was wir tun sinnlos ist, warum tun dann Menschen immer noch etwas?

    Weil die meisten glauben, sie würden damit etwas für sich selbst bewirken oder so.:pardon:Oder für ihr Gewissen, ihre Mitmenschen oder vielleicht aus Prinzip. Möglicherweise sehen sie auch einfach einen gottverdammten Sinn im Leben.

    Und genauso sinnlos ist es dann, bei jedem tieferen Gespräch darauf hinzuweisen, dass es inklusive aller Inhalte sinnbefreit ist.

    Zitat von Edrey

    Die Aussage das nicht zu Wählen sinnlos sei, ist gewiss korrekt - Das kannst Du aber nur aus einer Position sagen, die einem vergleichbaren Luxus gleicht.

    Wie definierst du den "vergleichbaren Luxus"? Das erschließt sich mir aus dem Satzbau heraus nicht so ganz. Und inwiefern ergibt es mehr Sinn wählen zu gehen, wenn deine Wahl keinen grundlegenden Einfluss hat?

    Was haltet ihr von dem Zitat von Kurt Tucholsky: "Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten"?

    Und ich bin mir absolut sicher, dass damit keine Veränderungen im kleineren Rahmen gemeint sind, denn weitere Beschlüsse und Verbote werden sowieso immer hinzukommen, sondern wirklich ausschlaggebende und essenzielle Neugestaltungen.

    Bei Wahlen gibt man seine Stimme wortwörtlich auf einem Zettel an andere Menschen ab und lässt sie in den nächsten vier Jahren die Verantwortung für einen übernehmen. Man legitimiert ihnen, mit dieser Macht alles mögliche anzustellen, Koalitionen zu bilden, usw., aber anscheinend doch völlig zu Recht mit der Einwilligung der Wähler, also dem Wählerwillen nach.

    Danach darf man protestieren, Artikel schreiben, seine Meinung äußern, aber man wird nicht mehr erhört, da die Stimme ja bereits "abgegeben" ist.

    Zitat von Edrey

    Nicht zu wählen, bringt Dir auch nur die Bestätigung, dass sich eh nie etwas ändern wird. Aber zu wählen, bietet zumindest den Hauch einer Hoffnung.

    Who knows, wer da mal hoch kommt. Vielleicht schlummern unter manchen Politikern interessante Trickser. Die am Ende Dinge durchringen, die wir hier diskutieren.

    Nicht zu wählen bietet mir ehrlich gesagt eher den Hauch einer Hoffnung auf eine Revolution als mit schlechteren Aussichten als im Lotto darauf zu hoffen, dass eine "radikale" und kleine Partei an die Spitze gelangt und sich dann nicht gefügig macht oder einen Shitstorm der aktuellen Spitzenparteien erhält. Die blinden Folger würden darauf nämlich hören - ohne sich jemals das Parteiprogramm der eigenen Wahl auch nur angesehen zu haben. In die Schlagwörter auf den Wahlplakaten lässt sich viel hineininterpretieren, dann dichtet man sich einiges über die Partei zusammen und letzten Endes wird das Parteiprogramm sowieso nicht umgesetzt.

    μολὼν λαβέ.

  • Ich darf daran erinnern, dass wir in Thüringen einen Ministerpräsidenten von den Linken haben, und in Baden-Württemberg nun schon seit viel zu vielen Jahren einen von den Grünen.

    Bringst du jetzt ernsthaft den Vorwurf, dass Ministerpräsidenten keine autoritären Diktatoren sind?

    Wenn du schon an die beiden Wahlen erinnerst, dann will ich das auch mal tun: weder in Baden-Württemberg, noch in Thüringen gewannen Grüne oder Linke mit einer absoluten Mehrheit. Noch nicht mal ansatzweise! Die CDU wurde weiterhin von so vielen Leuten gewählt, wodurch eben diese Mehrheitsverhältnisse konsequent verhindert wurden (soviel also zur Sinnlosigkeit von Stimmabgaben).

    Es gab weder grüne Mehrheiten, noch linke. Koalitionen mussten her, was automatisch immer auch Verlust von Entscheidungsgewalt bedeutet. Würde Ya hier noch Co-Admin machen, könntest du dein Ding auch nicht mehr so durchziehen, wie es dir beliebt. Auch wenn man sich auf dem Papier darauf einigt, dass weiterhin du nach Außen den Admin verkörperst.

    Nicht anders ist es bei den angesprochenen Bundesländern und ihren Präsidenten. Als solcher ist man im Grunde nichts anderes als der Chef der Politiker im Landtag. So wie der Bürgermeister aus meiner Stadt auch weit wertloser ist, als die Verkörperung nach außen es darstellt. Für mich als Bürger ist der keine Instanz und seine Möglichkeiten sind begrenzt. Lediglich über die Mitarbeiter der Stadtverwaltung übt er volle Macht aus. Es ist ihr Boss und alleinig weisungsbefugt. Und selbst danach endet dann seine Macht.

    Will sagen: ich weiß nicht, wie du dir das vorstellst, aber Ministerpräsidenten können weder allein beschließen, dass jeder Bürger ein bedingungsloses Grundeinkommen erhält, noch dass fortan auch Jugendliche ab 14 Jahren politische Ämter übernehmen.

    So läuft das nicht. Noch weniger, wenn eine Partei, die sich komplett gegen das alles stellt, am Ende sogar mehr Stimmen im Sack hat als die Linken, so wie das bei der Landtagswahl in Thüringen 2014 tatsächlich der Fall war. Und doch wurde es der Bodo. Zumindest auf dem Papier.

    Auch in Baden-Württemberg war es nicht anders. Auch wenn fälschlicherweise immer wieder angenommen wird, BW werde grün regiert werden, so ist es seit vielen Jahren lediglich eine Koalition mit der CDU, die natürlich in schöner Regelmäßigkeit alles blockieren, was die Grünen wollen.

    Und du klagst jetzt ernsthaft darüber, dass selbst unter den Grünen noch nicht die Revolution gestartet ist? Damit hast du doch den unumstrittenen Beweis, dass Gegenstimmen durchaus das verhindern können, was man nicht haben will.

    Ich sage nur einfach, aufgrund langjähriger Erfahrungswerte und meiner Studien der menschlichen Gesellschaft: Es ist komplett scheißegal, wen ihr wählt oder wieso.

    Wie Edrey schon anmerkte: alles im Leben ist irgendwie sinnlos. Dass wir uns seitenweise mit Themen beschäftigen, die sowieso nichts ändern werden, ist auch sinnlos und komplett egal. Trotzdem tun wir es. Bestenfalls lesen das dann eine handvoll Leute. Bestenfalls! Und davon wird uns die Hälfte noch nicht mal auf die Schulter klopfen, sondern erörtern, dass alles falsch sei und man ja sowieso keine Ahnung habe.

    Ich verstehe einfach nicht, wieso Leute lieber seitenweise sinnlos schwafeln, statt dieses winzige Kreuzchen zu machen. Bei einem Spaziergang einfach einen Zettel in eine Box werfen. Thats it! Was soll passieren? Dass man durch seine Entscheidung den Höllenschlund öffnet? Wohl kaum. Dank dir wissen wir ja nun nun, dass das alles sowieso nichts bringt und nichts verändert. Wo ist also das verdammte Problem? Bist du so gebrechlich, dass du das Risiko abwägen musst, die 300 Meter zur Wahlkabine zu laufen? Meine Güte, dann nimm halt das Auto oder mach Briefwahl.

    Millionen Leute spielen Lotto, obwohl die Chance verschwindend gering ist, dass sich an ihrem Leben etwas ändert. Und sie zahlen dafür sogar noch bares Geld. Eine Wahl hingegen kostet nichts. Allenfalls das allerletzte Stückchen Mitspracherecht, was man in diesem Land überhaupt noch hat. Und wenn man dadurch nur einen Sitz im Bundestag für die afd und Co. dauerhaft zertreten kann, dann war mir es dieser Spaziergang bis zur Straßenecke absolut wert! Zumal weil ich hinterher meckern darf, ohne mich unglaublich zu machen. Ich find's halt echt immer seltsam, dass sich anschließend vier Jahre lang Leute über untätige Politiker aufregen, obwohl man genauso untätig war und noch nicht mal das Haus verlassen hat.

    Begreife einfach nicht, wie man sich so kolossal gegen ein Kreuzchen oder einen Pieks stellen kann. Es sind immer die gleichen Leute. Und das alles aus einer "gefühlten Wahrheit" heraus, wie man das sonst nur von Nazis und Schwurblern kennt. Rein wissenschaftlich betrachtet bringt Impfen, wie auch Wählen, sehr wohl etwas. Die prozentuale Abnahme der Stimmenverhältnisse anderer Parteien ist mathematisch bewiesen. Und das schon in der Grundschule (Tortendiagramm).

    Das Ding ist halt auch, dass keiner der Wahlverweigerer mir jemals erklären konnte, wie denn stattdessen die Alternative aussähe. Dann verstummen sie immer. Manchmal hört man noch einen ANARCHIE rufen. Ich erinnere dann immer nur, dass wir hinterher weit schlimmer dran wären. Regiert werden würden wir dann trotzdem, nur dann eben so wie jetzt die Leute in Afghanistan.

    Was ist denn deine Alternative? Volksentscheide auf Bundesebene? Dafür brauchst du aber auch eine Partei, die das durchsetzt, und eine entsprechende politische Infrastruktur, welche das handhabt. Da ja nun das Volk immer und ständig nach seiner Meinung gefragt wird, ist das also so ein gigantischer Aufwand, das müssten genauso Leute von Berufswegen machen. Oder wie soll das funktionieren? Gehst du persönlich von Haustür zu Haustür im ganzen Land und hältst den Leuten die Urne unter der Nase? Toll, wäre aber halt auch nur eine Wahlveranstaltung. Zudem schaffst du das weder logistisch, noch werden die kritischen Stimmen ausbleiben, die behaupten dass du von höheren Mächten gesteuert wirst, womöglich sogar durch Geldeinfluss die Volksentscheide fälscht.

    Armin Laschet schnippst nur kurz mit dem Finger, dann wird eine Werbekampagne geschaltet, durch die 100.000 neue Wählerstimmen generiert werden.

    Dafür, dass lediglich mit dem Finger geschnippt werden musss, sanken die CDU-Ergebnisse aber ziemlich extrem in Kellerbereiche, wo sie noch nie zuvor waren.

    Nicht zu wählen bietet mir ehrlich gesagt eher den Hauch einer Hoffnung auf eine Revolution

    Mir ist kein Land der Erde bekannt, wo es durch Nichtstun zu einer Veränderung kam. Kein einziges. Wenn etwas kam, dann war es eher tausend mal schlimmer und schrecklicher. Siehe derzeit Afghanistan.

  • Zitat von Unmensch

    Mir ist kein Land der Erde bekannt, wo es durch Nichtstun zu einer Veränderung kam.

    Hast du noch nie etwas vom Streiken gehört? Letzte Woche war es zum Beispiel die DB.

    Wenn wir das übertragen, ist logische und zwangsläufige Konsequenz eines kollektiven Wahlstreiks, dass das aktuelle System so nicht weiter funktionieren kann. Sprich: eine Veränderung.

    μολὼν λαβέ.

  • Achja und wegen den Taliban, Anarchie ist ja eher keine Gewaltherrschaft...

    Sondern Frieden? Dann passt es ja. So sehen die das auch. Islam bedeutet Frieden.