Nachbarn

  • Neuer Versuch.


    Wie steht ihr zu euren Nachbarn? Welches Verhältnis pflegt ihr zu ihnen, bzw. welches nicht? Kommt ihr mit denen aus, oder gehen sie euch gehörig auf die Nerven?


    Ich leb hier ja in nem Haus in ner Einfamilienhäuser-Reihe mit 6 Häusern nebeneinander, zusammen mit meinen Eltern und meiner jüngsten Schwester. Mein Verhältnis zu meinen Nachbarn kann man als kühl und distanziert beschreiben. Wenns hochkommt, sehe ich jeden Einzelnen von denen ein halbes Dutzend mal im Jahr (einige noch weniger). Dafür höre ich sie so gut wie jeden Tag, wie sie in den Gärten rumwuseln. :whistling:
    Wenn man sich dann doch mal draußen trifft, dann gibt’s einen Guten Tag und fertig ist.
    Direkt links und rechts von uns leben scheinbar zwei völlig identische Familien. Mann, Frau + 1 kleines Kind und alle in der gleichen Altersgruppierung (Eltern um die 30, Kinder so 7, 8, 9 ?), eigentlich ja auch genau mein Alter (also das der Eltern), aber die sind irgendwie so völlig normal perfekt, gehen ihren tollen Jobs nach, fahren bequeme Autos und veranstalten regelmäßig kleine Gartenfeste, so richtig perfektes Standard-Leben halt. Die können auch so unendlich viel quatschen und quatschen und quatschen. So wie ich gerade. Ne, glaub mit denen bin ich nicht kompatibel, ist aber egal, wir lassen uns gegenseitig in Ruhe, das reicht mir schon.
    Dann wohnt hier noch ne Familie ganz außen, die man nie zusammen mit den anderen Nachbarn sieht, die backen so ihren eigenen Kuchen und lassen die anderen in Ruhe, find ich echt nett. Dann noch ein Banker, den man vielleicht 2x im Jahr sieht, und nie hört. Dann noch ein älteres Paar, das sich gut mit den zwei Bilderbuch-Familien versteht.


    Also Fazit: Sind eigentlich alle ganz umgänglich. Könnte schlimmer sein.


    Würde mich über eure Nachbar-Storys freuen. :thumbup:

  • Ich bin fast nur von Rentnern umgeben. Einige sind voll nervig, andere ganz umgänglich. Als ich mal im totalen Vodkadelirium einem Kumpel meinen Schlüsselbund immer wieder hinterher geschmissen habe, und dann irgendwann ohne Schlüssel nach Hause bin, hat mir das eine Rentnerehepaar erstmal nen Tee gemacht und mir die Kosten für Schlüsselnotdienst vorgeschossen, da ich dachte, ich hätte meinen Schlüssel verloren gehabt. Generell habe ich eigentlich überhaupt keinen Kontakt zu allen Nachbarn hier. Eher zu welchen, die ein paar Minuten weiter weg wohnen. Da gibt es ein paar mit netten Hunden, mit denen man hier und da Gassi gehen kann !

  • Nachbarn? Fremdartige Kreaturen, mit denen ich maximal ein "Hallo" wechsele, wenn es sich absolut nicht vermeiden ließ, ihnen aus dem Weg zu gehen, und man frontal ineinander reinläuft.
    Ansonsten null Kontakt.


    In meiner Kindheit war die Gegend, in der ich aufgewachsen bin, ein schön ruhiger, ländlicher Ort. Gleich hinter meinem Elternhaus begannen die Felder und Wiesen, und auch gegenüber war nur ein altes Bauernhaus mit riesigem Garten, auf dem sich auch noch ein paar Hütten und Scheunen befanden. Seit ungefähr 15 Jahren wird aber alles immer mehr zugebaut. Das Haus steht mittlerweile fast in der Ortsmitte, und jede noch so kleine Grünfläche wird zubetoniert und noch ein Mehrfamilienhaus reingequetscht. Teilweise wird Leuten, die hier schon seit Ewigkeiten leben und die früher immer schön viel Grünfläche um sich herumhatten, mit nur zwei Meter Abstand ein weiteres Haus vor die Nase gesetzt.
    Ich weiß, es gibt auch Gebiete in Deutschland mit der gegenteiligen Entwicklung, aus denen die Leute wegziehen... aber hier im weiteren Stuttgarter Umland hat sich die Einwohnerzahl vermutlich mehr als verdoppelt in den letzten zwei Jahrzehnten. Macht echt keinen Spaß mehr hier zu wohnen. Fast jede Nacht um 0 Uhr macht irgendein selbstverliebtes Arschloch Feuerwerk, weil er Geburtstag hat und meint, er ist der große Superstar und alle sollen an seiner Lebensfreude teilhaben. Sowas hat es vor 20 Jahren auch noch nicht gegeben... auf solche Schwachsinns-Ideen wäre damals keiner gekommen.
    Irgendwann verkauf ich die Scheiße hier und kauf mir von dem Geld ein schön ruhiges Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. ;)


    Und natürlich sind hier überall so aufstrebende junge Familien eingezogen, über die Hälfte mit Migrationshintergrund. Auf der einen Seite die Griechen, auf der anderen die Rumänen, und gegenüber so ein Autoschrauber-Proll aus dem Kosovo, der öfters seine Frau anschreit und sein tiefergelegtes Auto röhren lässt, dass die Wände wackeln. Wenn ich Angst vor Überfremdung hätte, würde ich mir definitiv Sorgen machen.
    Aber ist mir scheißegal, aus welchem Land die kommen und welche Sprache die sprechen. Ich versteh nur nicht, warum immer diese Klischees erfüllt sein müssen... dass die Griechen so viel plappern, dass man den Eindruck hat, selbst wenn ein Familienmitglied nur aufs Klo geht, wird da erstmal eine halbstündige Grundsatzdiskussion darüber geführt... wie kann man nur den ganzen Tag so viel reden und immer so aufgedreht sein?? Und die Rumänen haben nachmittags schon einen im Tee, mit der entsprechenden Lautstärke. Ist aber die andere Seite von der Straße, da krieg ich das nicht so mit, da ist mir das egal.
    Die verbliebenen Schwaben sind aber auch nicht besser. Die waschen jeden Samstag ihr Auto, auch wenn es die ganze Woche lang überhaupt nicht benutzt worden ist, und sind ständig am Hämmern, Sägen, irgendwas Abspritzen, Generator laufen lassen, oder tun sonstige abartige Maschinengeräusche ausstoßen.

    Quote

    "Doch selbst am Samstag, im eignen Garten, wird wild gehämmert und gesägt, denn ohne Arbeit, da wäre Stillstand, den man als Deutscher nur schwer erträgt."


    Was gibt's sonst noch zu erzählen aus der Nachbarschaft?
    Ein paar Häuser weiter wohnt eine verwirrte alte Frau, die im Sommer mit Gummistiefeln, Minirock und Wintermantel rumläuft. Ihr Garten ist ein einziges Dornengestrüpp, und in ihrem Haus befinden sich so gut wie keine Möbel, nur ein Vogelkäfig mit einem vierzig Jahre alten Papagei. Die sah schon, als ich ein Kind war, so aus, als ob sie bald den Löffel abgibt oder in die Klapse eingeliefert wird. Doch sie lebt heute immer noch, und hat schon etliche andere Leute in der Straße überlebt, die wesentlich fitter und jünger gewirkt haben.
    Aber sie macht immerhin keinen unnötigen Lärm. Das ist das allerwichtigste. Ich hätte lieber ein paar mehr Freaks von ihrer Sorte in der Nachbarschaft, und weniger von diesen mitten im Leben stehenden jungen Arschloch-Familien und deren absolut belangloser, austauschbarer jugendlicher Brut.

  • Menschen sind komisch ! Die alte Frau erinnert mich an GrandmaDeath aus Donnie Darko.
    Schon bei deinen ersten Sätzen war sie mir sympatisch, ohne, dass du es dazu sagen hättest müssen. Sehe ich absolut genauso. Alle haben irgendwie einen Schaden und die einen Schatten haben die haben irgendwie subjektiv gefühlt weniger Schaden. Ich stehe auch voll auf Freaks !

  • Ein paar Freaks mehr in der Nachbarschaft wären echt mal nicht schlecht, dann hätte ich wohl auch ein bisschen mehr Kontakt innerhalb der Nachbarschaft (nicht dass ich jetzt sagen möchte, dass ich ein Freak bin und nur mit Freaks kann, ne, wahrscheinlich bin ich halt auch son Normalo, der mit Normalos nicht kann..). Aber so... das ist mir alles zu normal, hehe. Hoffe, ich schaffe es, wie vorgenommen, nächstes Jahr in ne eigene Bude zu ziehen, mal gucken dann, wie es da mit den Nachbarn wird.

  • Die alte Frau erinnert mich an GrandmaDeath aus Donnie Darko.

    Ja, genau so eine ist das. Hat durchaus eine gewisse Ähnlichkeit. Vermutlich gibt es in jedem Dorf so eine Grandma Death, die den ganzen Tag nur mit ihren Tieren spricht und kleine Kinder erschreckt.
    Ich sollte nett zu ihr sein, wenn ich ihr das nächste Mal begegne. Vielleicht erzählt sie mir dann, wie das mit dem Zeitreisen funktioniert. ;-)

  • Also meine Nachbarn sind Tagsüber manchmal laut, aber das Stört mich nicht. Nachts ist es hier sehr ruhig, dass wiederrum finde ich gut. Unter mir wohnt ein Rentner Paar, in meiner Etage wohen 1 Frau Ein älteres Paar und noch eine einzelne Frau. Unter mir wieder ne einzele Frau :D und eine Russenfamilie. Dann noch über mir, da wohnen ein Älteres Paar und eine Doktorfamilie. Ich habe kein verhältniss zu meinen Nachbarn wie die meisten hier. Ein Glück, dass in der Nähe keine Griechen wohnen das wäre nicht mehr schön, mein beileid Dian ;)

  • Bisher hatte ich eigentlich ganz Glück, wenn es um Nachbarn ging.
    In meiner ersten Wohnung hatte ich damals ein liebes altes Ehepaar, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen, aber mir nicht auf die Pelle gerückt sind.


    Dann bin ich in eine größere Stadt gezogen und war in einer Dachwohnung. War klar, das ich dort die Nachbarn nicht wirklich kennenlernen tu. Aber eines war trotzdem mal ganz lustig.
    Ihr kennt sicher das mit den Notgroschen, Notpaket und so weiter ... ich kenne jetzt auch die Nothose, weil ich etwas mitbekommen habe, das total lustig war. Ich habe damals mit meiner Freundin in einer Wohnung gewohnt und wir hatten eine richtig große Dachterrasse. Sie arbeitete beim Mc Donalds und hatte an diesem Tag die Nachtschicht. Das heißt, sie kam relativ spät nach hause und hatte sich noch mit einem Kollegen auf der Terrasse zu einem Bier gesetzt. Ich lag schon im Bett, da ich ja früher raus musste. Als sie ins Schlafzimmer kam und nach einer Hose mich weckte. Sie hat mir am nächsten Tag erzählt, was wirklich war, denn ich hab das in meinem Zustand nicht wirklich mitbekommen. Neben uns wohnt ein junges Pärchen die eben in der Nacht zu Gange waren. Als der Ex von ihr plötzlich aufgetaucht ist und da er größer und "gefährlicher" war, türmte der Freund über das Dach zu uns ... allerdings komplett nackig ... Meine Freundin bzw. der Kollege entdeckte den armen Tropf dann und wir konnten ihn mit einer Nothose behelfen ... Deshalb gibt es auch Nothosen ^^
    Ihr war es total peinlich, wir fanden es total witzig. Danach hatten wir eher lockeren Kontakt ... also hat uns etwas geholfen. Trotzdem ist es in der Stadt sehr schade, dass die Leute so anonym sind.
    Meist hatte ich Nachbarn, die ich nicht gekannt hatte, weil sie nicht wirklich auf einen zu gingen. Andere wiederum waren ganz in Ordnung. Trotzdem war es schwieriger.


    In der jetzigen Wohnung wohnen unter uns, im Erdgeschoss, eine Familie die ... ganz nach RTL 2 Niveau leben ... aber ich hab nicht wirklich einen Kontakt zu denen, einfach, weil ich merke, das sie nicht mir wirklich näher kommen wollen ... eher mit meinem Mann ... der mischt sich in alles ein ... was dann aber auch auf Gegenseitigkeit beruht. Mir ist das eher komplett egal ...

  • Ich nehme das zurück. Dass meine Nachbarn so "normal perfekt" sind. Sie sind, wie sie sind. Und ich bin so, wie ich bin. Ob ich eventuell keine Gemeinsamkeiten mit ihnen habe, bedeutet nicht, dass sie schrecklich normal sind und ich schrecklich unnormal.


    Aber was mich anblödet: Ich habe Angst vor ihnen. Obwohl sie ganz harmlos sind. Sie seit Jahren "kenne". Aber ich hab ständig Angst, ihnen übern Weg zu laufen. Und wenn ich ihnen mal übern Weg laufe, sag ich "Hallo" oder so, und es kommt ein "Hallo" zurück. Wo ist denn mein Problem? Z.B. neulich: Schneefall. Schneeschippen war angesagt. Hab mich aber einfach nicht getraut, aus Angst, ein Nachbar könnte auch draußen sein. Das Schneeschippen hat schlussendlich meine Mutter übernommen.


    Was will ich eigentlich sagen? Ich habe einfach eigentlich unbegründet Angst vor meinen Nachbarn. Obwohl die harmlos sind und mir nix tun.

    Wie kann ich das in den Griff kriegen? Befreit draußen agieren ohne die Angst, ein Nachbar könnte mir übern Weg laufen? Hat das was mit ner Sozialphobie zu tun? Andere Dinge gehen ja auch, z.B. einkaufen und mit der Kassiererin kommunizieren, ohne Angst. Es ist eigentlich nur noch mit den Nachbarn, diese soziale Angst?