- Offizieller Beitrag
Irgendwie scheint es beim Thema "Tiere" so zwei Extrempositionen zu geben: Die einen betrachten Tiere als eine Art lebende Maschine, die man benutzen und für sich arbeiten lassen kann, und die man ansonsten ersäuft oder schlachtet, wenn sie im Weg sind (also so diese Bauern-Mentalität eben). Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die ihre Tiere beinahe vergöttern und behaupten, dass Tiere die besseren Menschen sind, weil sie einen nicht hintergehen und immer zu einem stehen. Letzteres Phänomen ist vor allem in den westlichen Wohlstandsgesellschaften zu finden, während in ärmeren Ländern, wo die Menschen noch selber schauen müssen, dass sie genug zu essen haben, eher die Einstellung überwiegt, dass Tiere nur dann gut sind, wenn sie auch einen konkreten Nutzen haben.
Wobei es bei uns im Westen ja dann wiederum diesen schizophrenen Widerspruch gibt, dass man einerseits seine Haustiere verhätschelt, Kröten über die Straße trägt und Gourmet-Menues für seine Katze kauft, und andererseits ohne Gewissensbisse Wurst und Fleisch aus der Massentierhaltung verzehrt, obwohl man ja eigentlich dagegen ist und bei Reportagen aus dem Schlachthaus schnell den Fernseher abschaltet.
Ich finde es immer etwas seltsam, wie die Menschen so unterscheiden zwischen "wertvollen" und "wertlosen" Tieren. Wer seinen Hund schlachtet, gilt als Psychopath. Ein Schwein hingegen wird einfach nur als Ware betrachtet. Die Begründung lautet dann meist, das hat eben kulturelle Gründe. Also die gleiche Logik, mit der man auch den Alkohol erlaubt hat und das Kiffen verbietet. War halt schon immer so. Wird schon richtig sein.
Wobei ich jetzt natürlich nicht dafür plädieren möchte, zur Abwechslung auch mal Hundesalami zu essen. Ich versuche es einfach nur, rational zu verstehen, was da in den Köpfen der Menschen vor sich geht. Und ich frage mich eben, woran macht man den Wert eines Tieres fest? Was ist es, was uns dazu bringt, die einen Tiere zu essen und die anderen in den Heiligenstand zu erheben?
Auf der anderen Seite gibt es dann wiederum diese übertriebene Tierliebe, die nicht selten (etwa bei radikalen Ökos) auch gern mal mit Menschenhass einhergeht. Nicht, dass ich es nicht nachvollziehen könnte, dass man lieber einen treuen Hund um sich hat, der einem bedingungslos ergeben ist, als einen Menschen, der eigene Interessen hat und seine intellektuellen Fähigkeiten auch gern mal dafür benutzt, um einem zu widersprechen oder zu lügen.
Aber man muss halt auch mal realistisch sein und klar sagen, Hunde sind nicht unbedingt edlere Geschöpfe als wir... die sind halt bissel dumm und haben gar nicht die geistigen Fähigkeiten dazu, irgendein Komplott auszuhecken. Sonst würden sie es vermutlich auch tun. Also lieben wir sie eigentlich nur für ihre Dummheit?
Oder Katzen. Katzen wie die von meiner Mutter, die neulich mal wieder genüsslich eine Maus zu Tode gequält hat (also die Katze, nicht meine Mutter). Nicht, um die Maus zu fressen, sondern einfach nur, weil sie es lustig fand, den Todeskampf ihres Opfers zu beobachten und immer mal wieder mit der Tatze draufzuhauen.
Würde sich ein Mensch so verhalten, würde man ihn als Sadist oder Tierquäler bezeichnen. Bei Tieren sagt man nur: "Ach, so sind sie halt."
Auch etwas seltsam finde ich es, dass manche Tierfreunde Menschen, die betteln gehen oder nicht arbeiten wollen, als "Schmarotzer" bezeichnen... aber für Vögel oder Enten kauft man extra Meisenknödel im Supermarkt, damit die armen Tiere im Winter nicht hungern müssen. (Weil die ja auch früher im Winter alle regelmäßig ausgestorben sind, wenn sie von den Menschen kein Futter bekamen dash )
Also ein und das selbe Verhalten, nämlich sich durchfüttern zu lassen, wird bei Menschen verurteilt, bei Tieren aber als niedlich empfunden (auch wenn die theoretisch sehr wohl dazu in der Lage wären, sich ihr Fressen eigenständig zu organisieren). Mal ganz abgesehen davon, dass die ach so niedlichen Vögel auch gern mal den Nachwuchs ihrer Konkurrenz fressen. Und wenn die Vögel 3 Meter groß wären, würden sie garantiert auch uns Menschen als Beute betrachten, und uns nicht auch noch füttern, weil sie uns irgendwie niedlich finden, weil wir ja so viel hilfloser und kleiner sind als sie. Andererseits würden sie aber vermutlich auch nicht auf die Idee kommen, Konzentrationslager und Schlachthöfe zu errichten... das muss man ihnen dann wiederum zu gute halten.
Also sind Tiere die besseren Menschen? Oder sind Menschen die besseren Tiere?
Was denkt ihr?