Ich erkläre dir gerne nochmals den Unterschied zu linken Projekten oder anarchistischen Squats: Mit Sicherheit werden dort keine Menschen aussortiert, die 'kulturell nicht dazupassen'
Interessant. Willst du mir gerade erzählen, dass Leute, die schon einen hysterischen Anfall bekommen, wenn es ein Weißer wagt, Dreadlocks zu tragen, wenn jemand zu einem amerikanischen Ureinwohner "Indianer" sagt, oder wenn ein Mann einer Frau hinterherpfeift, niemanden aufgrund seiner kulturellen Prägung aus ihrer Gruppe rauswerfen würden? 
Mein Anspruch ist relativ einfach: Behandle Menschen als Individuen, nicht als Repräsentanten irgendwelcher Kollektive.
Ich habe nie etwas anderes behauptet, und nirgendwo geschrieben, dass man Menschen aus bestimmten Kulturräumen grundsätzlich nicht in Deutschland aufnehmen sollte! Von daher verstehe ich auch nicht so ganz, was du mir hier immer vorzuwerfen versuchst.
Ich sage lediglich, dass die Prägung (vor allem während ihrer Kindheit) einen sehr starken Einfluss auf einen jeden Menschen hat, und dass wir daher nicht so naiv sein sollten, zu glauben, dass jemand, der in einer rückständigen Gesellschaft aufgewachsen ist, in der Gewalt und Diskriminierung von Frauen etwas ganz normales sind, mal eben so durch ein bisschen Schulterklopfen und positive Willkommensstimmung seine Prägung ablegen kann... und dass man daher genauer hinschauen sollte, wen man bei sich aufnimmt, weil Integration eben nicht so einfach auf Knopfdruck funktioniert, wie sich das manche Linke eben so vorstellen, so nach dem Motto: Da kommt jemand, der sein Leben lang daran gewöhnt war, Frauen, Juden und Homosexuelle zu verachten, in unser Land, und dann legt er einfach in seinem Kopf einen Schalter um, und ist plötzlich ein die Diversität feiernder Musterdemokrat und gut integriertes Mitglied unserer Gesellschaft. So funktioniert das eben nicht. Aber manche Leute scheinen ernsthaft zu glauben, dass es so einfach wäre. Und denen unterstelle ich eben eine gewisse Naivität.
Ich kann nicht reelle Abstiegsängste durch 'Aufklärung' kontern, ich brauche Perspektiven zur Verbesserung der Lebenssituation jenseits einer Suche nach Sündenböcken.
Natürlich braucht es diese Perspektiven. Nur ist das Ganze eben so ein bisschen wie ein Hund, der sich selbst in den Schwanz beißt. Wir müssen die Lebensverhältnisse der Menschen verbessern, damit sie reifer und klüger werden können. Doch so lange sie nicht reifer und klüger sind, wird ihnen gar nicht bewusst sein, dass ihre Lebensverhältnisse, an die sie sich im Lauf der Jahrhunderte gewöhnt haben, und die sie (wie zum Beispiel die allgemeine Schulpflicht und ähnliche "Errungenschaften" der modernen Zivilisation) überhaupt nicht mehr hinterfragen können, noch weit davon entfernt sind, optimal zu sein.
Es benötigt also gewissermaßen beides... den konkreten Kampf um die Verbesserung der Lebensverhältnisse, aber zusammen mit tiefergehenden, von dir als "utopisch" oder unnütz verspotteten Gedanken darüber, wie man die Menschen klüger und (selbst-)kritischer machen kann. Der soziale Kampf um einen besseren Platz am Futtertrog alleine wird zu nichts anderem führen, als dass sich diejenigen, die bereits einen guten Platz am Futtertrog haben, bedroht fühlen. Und dann kämpfen die einen gegen die anderen, vergeuden ihre ganze Energie für diesen Kampf, und am Ende steht jeder wieder genau da, wo er vor dem Kampf auch schon gewesen ist. Und das ist ja das, was wir seit Jahrzehnten erleben. Es führt zu nichts, wenn wir uns nicht getrauen, weiter zu denken und tiefer zu gehen als nur zu glauben: "Wir machen jetzt ordentlich Klassenkampf, und dann wird alles gut." Denn so einfach ist es eben leider nicht.
Es ist im Übrigen ironisch: Du bemängelst ständig fehlende Bildung, Aufklärung oder Reflexion, aber von dir ist eben wenig anderes zu hören als Halbwissen und Polemik, weil deine Bildungskanäle anscheinend ziemlich begrenzt sind.
Och, da wird er schon wieder persönlich. Das ist eigentlich nur ein Beleg dafür, dass dir die Argumente ausgehen, und dass du insgeheim genau weißt, dass ich Recht habe mit dem, was ich schreibe.
Ich gebe zu, ich hab nichts von Camus gelesen und weiß nicht, was Kafka zu all dem sagen würde. Aber ich gehe mit offenen Augen und ohne ideologische Scheuklappen durch die Welt. Und das ist manchmal mehr wert als alle (Pseudo-)Bildung dieser Welt, weil manche Menschen auch gern mal dazu neigen, wenn sie zu sehr in abgehobenen intellektuellen Sphären schweben, die ganz normalen Basics aus den Augen zu verlieren.