Beiträge von Lonewolf

    Lärm ist Herrschaft (gemäß der Devise vieler "Anarchisten", nach der alles, was ihnen persönlich nicht passt "Herrschaft" sei).


    Vielleicht nicht Herrschaft, aber sicherlich u.U. eine Form der Gewalt und daher auch zurecht kritisch zu betrachten. Für mich ist das eine Güterabwägung - Kultur (Musik, Sport) darf ruhig mal laut sein, ohne dass Anwohner auf die Barrikaden gehen sollten. Wenn ich sehe, wie Konzertlocations und Jugendhäuser kaputt gemacht werden, weil es auch mal laut wird (nicht täglich und nicht die ganze Nacht), dann läuft was falsch. Ich beschwer mich auch nicht, wenn es im Sommer auf dem Fußballplatz um die Ecke mal lauter wird.

    Meine Toleranz endet bei Techno-Gewummer nachts um 2 im Mietshaus, da steh ich dann auch vor der Tür. Lärm als Privatvergnügen muss nicht sein, ich dreh auch nicht die Anlage auf.


    Und wie du ja schon angedeutet hast: Regeln und Verbote schützen auch Schwächere vor Missbrauch und Ausbeutung, und Anarchie heißt nicht 'mir darf keiner Vorschriften machen', sondern 'Wie kann man Herrschaft, Ausbeutung und Gewalt überwinden?``.

    Interessant ist vor allem, was nun nicht mehr verboten ist: Spät abends Lärm machen, wenn es mit dem Kulturgut Fußball zusammenhängt!

    https://www.chip.de/news/Ausgesetzt-Bald-koennen-Sie-sich-von-der-Nachtruhe-verabschieden_185314583.html


    Na super. Ich bin ja der Letzte, der sich über Lärm beschwert, wenn er überschaubar und ab und zu auftritt.

    Mein Versuch, ein wenig Subkultur in miefigen Kleinstädten einzuführen, ist ja auch an dämlichen Anwohnern gescheitert, die sofort die Polizei rufen, wenn einmal alle zwei Monate Samstags nach 22 Uhr noch Konzertlärm zu hören ist. Einer von zahlreichen Gründen für meine Provinzverachtung.

    Das sagt die KI:


    "Diese Texte sind rückblickend deshalb so belastend, weil sie suggerieren:

    Zitat

    „Wenn man mich nur richtig verstanden hätte, wäre alles lösbar gewesen.“

    Das ist ein sehr verständlicher Gedanke, aber er ist meistens zu optimistisch in Bezug auf Komplexität solcher Verläufe.

    Verstehen hilft – aber nicht allein."


    Zumindest ist klar, wieso ich nicht der Richtige gewesen bin, um irgendwie bei den beiden durchzudringen: eine Auseinandersetzung auf philosophischer, symbolischer Ebene kann nicht diese geschlossene Doktrin der Ausweglosigkeit aufbrechen, die aus ihren Texten herausscheint. Es ist wohl letztlich so, wie Dian angedeutet hat: stabile, lebensbejahende Beziehungen, soziale Verankerungen außerhalb des eigenen Mikrokosmos, hätten sie vielleicht gerettet, sprich: 'eine dauerhafte, sehr einfache Gegenrealität zur inneren Totalisierung.'

    Das Thema Todessehnsucht ist eines für sich, denke ich.

    Ich würde allein beim Live-Anblick weiche Knie bekommen, gebe ich zu. Warum es so dramatisch sein muss, erschließt sich mir bis heute nicht. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen: Weil das Gefühl von Thrill nochmal erlebt werden will, oder weil die angestaute Wut und Verzweiflung durch den windigen Abtrieb noch einmal raus kann. Ist bestimmt Unsinn - ich kann mich nicht in diese Lage hinein versetzen.


    "Auch wenn dieser Weg auf die eine oder andere Art unter der
    Brücke endet, direkt oder knapp daneben, ist es doch meiner. Vielleicht der einer Fanatikerin,
    getrieben von der Sehnsucht nach absoluter Hingabe, Selbstaufgabe, Verlorenheit in einer Sache,
    die das wert ist. Mäßigkeit ist nicht meine Bestimmung, ich muss leben lassen, was in mir lauert und
    nicht daran ersticken, sollte es mich vernichten, werde ich das akzeptieren, aber es wird kein
    Erstickungs- oder Erfrierungstod sein."


    Ich seh sie noch vor mir, wie sie - im Gegensatz zu uns - souverän über alle Höhen bergauf und bergab lief, im Einklang mit der Bergwelt. Natürlich hat sie das Ende draußen in der Wildnis gewählt, wo auch sonst.

    Natürlich ist das schön zum Urlaub machen oder als möglicher Retreat, wenn man mal weg will von allem. Aber da dauerhaft leben oder gar dort aufwachsen? Ich geh auch gern im Harz wandern, aber will ich in einem Dorf in Sachsen-Anhalt leben oder dort Kinder großziehen? Wohl kaum.

    Aufwachsen als Kind bis zum 12. Lebensjahr, entweder mit gleichaltrigen Freunden oder eben mit coolen bzw korrekten Verwandten, das funktioniert auch. Dann will man irgendwann vielleicht mehr sehen als Kühe und Berge.

    Ich komme ja auch aus einer schwäbischen Kleinstadt. Wenn ich alles wegdenke, was da war - gute Freunde, irgendwann auch ein cooles soziales Umfeld in der Schule, stabiles Elternhaus - was wäre dann noch geblieben außer einem fruchtbaren Boden für Depressionen? Und wenn man dann nicht mal weg kann später, weil man 'außerhalb' auch nicht funktionieren kann, weil man eine Außenseiternatur entwickelt hat, die sich weder hier noch dort beheimaten kann, nicht überlebensfähig werden kann - das ist ein Recipe for Disaster.


    Ich habe bis heute keine Antwort auf die Frage gefunden, was wir hätten tun können oder sollen, wenn wir die Zeichen besser gedeutet hätten.

    Das Hinterfragen 'offizieller' Versionen, oder sagen wir gleich: Das Hinterfragen an sich, finde ich sehr wichtig. Idealerweise hinterfragt man auch mal sich selbst, so zur Kalibrierung, damit man nicht nur nach gusto bestimmte Ansichten ohne weiteres akzeptiert und nur bei bestimmten Themen oder Punkten kritisch ist. Das ist etwas, was mir immer schwer gefallen ist und, wenn ich ganz ehrlich bin, auch heute noch nicht gerade einfach fällt.


    Aus der Diskussion hier im thread habe ich bereits etwas mitnehmen können. Beispielsweise wie letztlich heraus gearbeitet wurde, dass Deutschland gar nicht so restriktiv sein kann, weil wir immerhin unsere Meinung hier kund tun dürfen.


    Ja... genau das ist die falsche Schlussfolgerung bzw Reaktion auf 'Schwurbler'. Hat mich schon genervt, als es hier angesprochen wurde: 'Uns geht's doch gar nicht so schlecht!' Das ist das sehr oft zu beobachtende scheinbare Dilemma, in das viele, wenn nicht die meisten geraten, wenn sie sich dazu genötigt fühlen, gegen Verschwörungsdenker anzureden: Sie enden als reine Verteidiger oder Schönredner des Status quo. Da sind wir wieder bei den 'Leveln der Erkenntnis'. Offizielle Narrative infrage zu stellen, das Bestehende Verständnis von Demokratie und Staatlichkeit zu hinterfragen, ist absolut legitim - nur sollte man dann eben nicht gleich der nächsten autoritären Lüge anheim fallen. Kritik an Aufrüstung führt dann eben nicht zu 'Aber der Putin will doch in Wahrheit nur Frieden, die böse NATO umzingelt ihn!' Es ist kein Widerspruch, Militarisierung kritisch zu sehen und Wehrpflicht abzulehnen, und gleichzeitig die Gefahr eines russischen Imperialismus ernst zu nehmen. Und natürlich kann man autoritäre Tendenzen in Deutschland benennen und verurteilen, ohne Russland zu verklären (oder umgekehrt).

    Mit dem deutschen Staat, seiner Politik und Justiz mache ich keinen Frieden. Kurdische Freunde saßen in Stammheim, weil sie Flugblätter verteilt haben, deutsche Antifaschisten werden an Staaten wie Ungarn ausgeliefert, deutsche Journalistinnen sitzen in syrischen Foltergefängnissen, während Merz dem Terrorpaten Al Jolani die Hand schüttelt und ihn umschmeichelt, damit der doch vielleicht die syrischen Flüchtlinge wieder zurücknimmt, die Taliban bekommen aus demselben Grund eine eigene Botschaftsvertretung in Berlin etc.

    Nee, diese Scheiße gilt es nicht schönzureden, die deutschen Verhältnisse gilt es nicht zu verklären, nur weil man meint, 'seine Demokratie' gegen konforme, autoritäre 'Systemgegner' verteidigen zu müssen.


    Natürlich gibt es auch linke Schwurbler, und ich würde den Threadersteller auch hier einordnen. Passt ja auch perfekt zum BSW.

    DIe RAF'ler waren bzw. sind aber eher harte Ideologen. Da sind alternative Fakten und Verschwörungserzählungen nicht das Entscheidende, sondern eher in Beton gegossene Doktrin von Lenin, Mao, Che und Co.


    Interessant ist aber an der 'neuen' linken Pro-Palästina-Bewegung, der auch Greta zuzurechnen ist, dass die teils tatsächlich nach Querdenkern klingen und natürlich extrem anfällig für Verschwörungsdenken sind, es geht ja auch schließlich um Juden/Israel.

    Es handelt sich um exakt das, was wir im Parallelthread angesprochen haben: tumbe Emotionalität und Bauchgefühle, die die Vernunft zuschütten, und eine Handvoll Schlaumaier, die es natürlich besser wissen als alle Experten, sprich: ein Schwurblerthema. ;)


    Moin, leider kann ich mich gerade nicht an dich erinnern, unter welchem Nick warst du denn damals im Forum?


    Eine Distanz zu Streitpunkten habe ich in dem Sinne nicht, dass ich eben schon eher ein 'verkopfter' Typ bin. Natürlich schwingt da auch eine generelle Frustration mit, der ich ja nun schon oft hier Ausdruck verliehen habe. Ich habe neulich ein interessantes Video gefunden (tatsächlich auf einem Kanal, den andere als 'Schwurbler-Kanal' bezeichnen würden ;)), in dem von verschiedenen Leveln des Erkennens und Hinterfragens die Rede war. Was ich für mich mitnehme, ist, dass die meisten Menschen nicht über den ersten Level hinauskommen: das Hinterfragen 'offizieller' Versionen. Man lehnt eine bestimmte Position als Manipulation oder Propaganda ab - und flüchtet sich in die nächste 'Wahrheit', ohne diese mit derselben Skepsis zu hinterfragen. Natürlich fußen persönliche Überzeugungen letzten Endes auch auf Glaubensbekenntnissen, aber muss sich eben der Grenze bewusst sein, an der sich Kritik/Philosophie und Ideologie trennen (ich halte auch Dians Buch nicht für Philosophie, sondern für ein ideologisches Pamphlet). Und gerade wer sich selbst auf dem Pfad der Philosophie sieht, muss auch in der Lage sein, eigene Positionen auf den Prüfstand zu stellen und eher von Annahmen als von 'Wahrheiten' auszugehen.

    Der Begriff 'Schwurbler' mag oft etwas beliebig für Menschen Verwendung finden, die offizielle Positionen anzweifeln- ich nutze ihn aber speziell für Verschwörungsdenker, die selbst wiederum ihre gefundene 'Wahrheit' nicht mehr hinterfragen können. Mit Nazis hat das auch nicht zwangsläufig etwas zu tun, aber es spielt denen natürlich auch in die Hände, da es für Faschisten immer nützlich ist, wenn Bauchgefühl und Emotionen Vernunft und Kritikfähigkeit überlagern.

    Telegramgruppen haben eben während der Coronazeit diesen Ruf erworben, als Plattform für 'alternative Medien' zu fungieren. Natürlich sind die hier nur ein Medium unter anderen, und ja bei weitem nicht so rechtsfrei oder konspirativ wie andere.

    Was auch noch eine Option wäre: https://www.workaway.info/

    Das wäre mal ein niedrigschwelliger Ansatz, wenn man nicht direkt Zugang zu irgendeinem Projekt findet, an dem man teilhaben will. Eben auf Zeit, aber mit der Möglichkeit, zurückgezogen für Kost und Logis irgendwo mitzuhelfen. Ich denke, wenn ich ungebunden und planlos wäre, wäre das etwas, das ich mal ausprobieren würde.