"Nürnberg" hab ich mir nicht angeschaut. Einfach, weil ich mir schon gedacht habe, dass das nicht so den Mehrwert hat, weil man die Story als historisch informierter Mensch eh schon kennt, und weil es vermutlich nur eine Russel Crow-One Man-Show ist. Und die Kritiken waren ja auch eher so meh... jedenfalls scheint es wohl kein Meisterwerk zu sein, das man unbedingt gesehen haben müsste.
Aber ich mag "Filmanalyse", und wie er es immer schafft, auf so eine geistreiche und belesene Art selbst über den größten Quatschfilm noch ein intellektuelles Video zu machen.
Im oben verlinkten Video geht es vor allem darum, dass er die Frage aufwirft, ob man Menschen wie Göring oder Höcke von ihrer menschlichen, alltäglichen Seite zeigen sollte, oder ob das nicht eher zwangsläufig zu einer Verharmlosung ihrer Politik führt. Das angesprochene Höcke-Video hab ich mir nicht angetan, kann mir aber schon gut vorstellen, wie dieses Interview so gewesen ist.
Ich bin da etwas zwiegespalten, gerade auch, was diese erwähnte Interviewreihe angeht. Einerseits ist es schon angenehm, wenn mal jemand nicht im öffentlich-rechtlichen Lanz-Stil gegrillt wird, nur weil er die falschen Ansichten hat, sondern man ihn einfach mal ausreden lässt und den Zuschauern zugesteht, sich ihr eigenes Urteil zu bilden. Solche kultivierten, unaufgeregten Gespräche sollte es eigentlich häufiger mal geben, und gab es ja in früheren Zeiten im Fernsehen auch häufiger als heute.
Andererseits ist das ja auch schon wieder Propaganda, da bin ich völlig bei Wolfgang M. Schmitt von Filmanalyse (dem ich jetzt auch nicht in allem zustimmen würde). Jeder Mensch hat irgendwelche menschlichen, und vermutlich auch sympathischen Seiten... und wenn man ihm die Gelegenheit gibt, diese zu zeigen, ist das im besten Fall banale Information, die niemand braucht, im schlimmsten Fall hilft man irgendeinem Arschloch nur dabei, im Scheinwerferlicht zu glänzen und unbedarfte Leute durch Charme auf seine Seite zu ziehen.
Dämonisieren, bewusstes Ausblenden positiver Seiten und Entmenschlichen des politischen Gegners kann aber meines Erachtens auch keine Lösung sein, denn wenn man damit übertreibt, läuft man ebenfalls Gefahr, Zerrbilder zu erschaffen, die vom Zuschauer irgendwann nicht mehr ernstgenommen und ebenfalls als Propaganda wahrgenommen werden. Schwierig.