Es gibt 1 Antwort in diesem Thema, welches 1.975 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (3. Januar 2024 um 12:22) ist von Lonewolf.

  • Ein fröhliches, gesegnetes 2024 euch allen!

    Auf dass wir auch im nächsten Jahr weiter im Regen absaufen und die Menschen bei ihrer Selbstzerstörung beobachten können. :rain:

    Weltpolitisch betrachtet hat es 2023 tatsächlich geschafft, noch einmal in gesteigerter Form zu beweisen, dass ein beträchtlicher Teil der Menschheit offenbar völlig unfähig ist, aus der eigenen Geschichte (oder der Geschichte anderer Länder) irgendwelche klugen Lehren für die Zukunft zu ziehen.

    Die Russen lassen sich weiter von ihrem Möchtegern-Stalin verheizen, und der Nachwuchs jubiliert beim Granaten-Zusammenbauen in der Schule, obwohl ein oberflächlicher Blick in die Geschichtsbücher genügen würde, um zu erkennen, wo sowas am Ende zwangsläufig hinführt. In Israel und Palästina sucht man die Schuld für alles Schlechte wie eh und je auf der anderen Seite der Grenze, anstatt in den eigenen Reihen. In den USA hat man bald die Wahl zwischen einem senilen Uropa, der regelmäßig beim Schreiten über den roten Teppich auf die Fresse fliegt, und einem betrügerischen Arschloch. Und bei uns in Deutschland dreht sich der politische Wind allmählich weg vom linken Zwang und sozialem Kahlschlag im Namen der Umwelt, hin zu rechtem Zwang (Wehrpflicht, Arbeitszwang etc.) und sozialem Kahlschlag im Namen der Wirtschaft.

    Wahrlich wunderbare Zeiten stehen uns da also bevor.

    Privat lief 2023 bei mir ganz okay, von ein paar Aufregern wie kaputtem Auto, Grippe (oder Corona?) und sowas mal abgesehen. Aber ich bin wieder gesund, ich bin umgeben von Menschen, die ich mag und denen ich vertrauen kann, und ich bin dieses Jahr zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder in einem Flugzeug gesessen, was ein ziemlich cooles Erlebnis war. Daher werde ich mich mal nicht beklagen, weil ich genau weiß, dass es vielen da draußen eindeutig schlechter geht.

    Kreativ läuft es bei mir gerade auch wieder, und 2024 werde ich sicher hauptsächlich an Songs für ein irgendwann erscheinendes fünftes Album basteln. Wie gut ich dabei vorankomme, kann ich im Moment noch nicht abschätzen. Aber ich denke, "Ein besseres Morgen" hat gezeigt, wohin die Reise geht, und dass die musikalische Qualität zumindest nicht schlechter werden wird. Es wird aber natürlich auch wieder härtere Songs geben. (An einem davon arbeite ich gerade aktuell.)

    Soweit mal mein kurzer persönlicher Rückblick auf 2023 und Ausblick auf 2024.

    Wie lief es bei euch im letzten Jahr? Und was erwartet ihr vom kommenden?

  • Der 'linke Zwang' ist mir in der Vergangenheit wohl entgangen, ich sehe nur eine Verschiebung hin zu mehr 'wohldosierten Grausamkeiten' in Bezug auf den Umgang mit ohnehin schon marginalisierten Gruppen, sowie zunehmende Tendenzen, selbst die geringsten gesellschaftlichen Fortschritte (Abschaffung der Wehrpflicht, Sanktionenlockerung) wieder zurückzunehmen. Das ist eigentlich das Traurige und Bezeichnende am Wahrnehmungshorizont des politischen Mainstreams, dass die gegenwärtige Regierung ernsthaft als 'links' gilt, dass selbst der CDU ein 'Linksruck' seit Merkel unterstellt wird, und dass es demzufolge völlig am Glauben an eine freiere und zugleich gerechtere Welt in großen Teilen der Gesellschaft mangelt. Überall herrscht nur die Schafsmentalität der Bürgerschaft, die politische Dienstleister will, die aber nicht bereit ist, als aufgeklärte Individuen an einer progressiven Veränderung der Gesellschaft mitzuwirken.

    Insofern wird 2024 wieder ein Jahr des Abwehrkampfes werden, um den Reaktionären nicht zu erlauben, die Uhr noch weiter zurückzudrehen. Mit ein wenig Optimismus wird es vllt auch ein Streikjahr, aber wie soll das was werden, wenn es wieder nur um Partikularinteressen geht und wenn jede Solidarität mit anderen Kämpfenden auf sich warten lässt?

    Persönlich war mein Jahr ruhiger, entspannter, sicherlich positiver als die vorherigen, sowohl was meine geistige als auch meine körperliche Gesundheit angeht. In meinem Bekanntenkreis macht sich der Wunsch nach Rückzug und Landflucht immer deutlicher bemerkbar. Allerdings vollziehen sich auch Generationswechsel, und an die Stelle der alten Recken treten jüngere. Dennoch bleibt die Perspektivlosigkeit bestehen, und ich kenne da auch keinen Ausweg, außer einer Rückbesinnung auf sehr grundlegende Dinge wie persönliches Wachstum, das Pflegen guter, positiver Beziehungen und den Aufbau von solidarischen Netzwerken. Im Grunde ist Pessimismus eine alberne Eigenschaft angesichts der unausweichlichen menschlichen Reise zum Endpunkt. Leben erfordert so oder so Mut (oder Verdrängungsleistung, wenn es unbewusst geführt wird), was soll uns da noch ängstigen an dieser ver-rückten Welt? Ich hoffe, dieses Jahr noch viel mehr zu lesen, zu trainieren und zu reisen. Die Kreativität lässt auch weiter auf sich warten, aber vielleicht ergeben sich ja doch wieder Gelegenheiten, zumindest im gesellschaftlichen Sinne etwas inspirierend zu wirken und andere mitzunehmen.

    Why do we fall?