Cancelkultur / Political Correctness

Es gibt 83 Antworten in diesem Thema, welches 31.648 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (9. September 2026 um 11:33) ist von Dian.

  • Zu dem Anderen kannst du dich als Nichtbetroffener nicht äußern, warum dann hier?

    weil das eine eine frage der lebensweise ist, in dem sinne müsste ich mich damit beschäftigt haben, aber ich habe eher wenig interesse an identitätpolitik,

    bei der anderen sache ist es einfach eine frage der logik, warum sollten menschen sich freiwillig einer diversen anzahl an peinlichen befragrungen stellen,

    nur um dann in schutzräume marginalisierter gruppen eindringen zu können, das mag vielleicht stimmig sein, wenn man annimmt, dass alle transgender

    eine gesitge störung haben richtung psychopathie und dergleichen, dazu gehöre ich aber eher nicht und von daher erscheint mir das äußerst unlogisch

  • Ich finde, vor allem in diese Debatte der identitätspolitischen Auseinandersetzung sollte etwas mehr Gelassenheit einkehren und das auf beiden Seiten,

    Ja, natürlich. Sehe ich ganz genauso, dass das nicht nur die Wokies sind, die da so viel Gift reinbringen in die Debatte. Klar könnten da auch die Rechten mal deutlich gelassener werden und nicht gleich den Untergang der abendländischen Kultur und die Apokalypse an die Wand malen, wenn man Kindern zu erklären versucht, dass es völlig ok ist, als Mann auch einen anderen Mann zu lieben oder ähnliches.

    Prinzipiell finde ich, dass jeder seine Meinung vortragen sollte, und dass eben auch diese verfeindeten Gruppen mal lernen müssen, die Meinung des jeweils anderen zumindest auszuhalten. Und natürlich sollte auch jeder widersprechen dürfen, wenn er es anders sieht. Auch sowas gehört zu einem kritischen öffentlichen Diskurs natürlich dazu.
    Was ich hingegen nicht gut finde, ist eben, wenn es nicht bei einem Streitgespräch oder dem Austausch von Argumenten bleibt, sondern wenn dann versucht wird, den anderen mundtot zu machen, ihn zu canceln oder zu Boykotten aufzurufen, nur weil jemand eine bestimmte Meinung vertritt. (außer jetzt meinetwegen gegen bekennende Hardcore-Nazis). Das sehen wir ja heutzutage überall, egal ob es um Transen-kritische, impfkritische oder Israel-kritische Äußerungen geht, wie schnell da Menschen nicht nur widersprochen wird (was ja völlig ok ist), sondern wie schnell die Gesellschaft heutzutage dabei ist, Menschen mit unliebsamen Meinungen abzustrafen, indem man sie irgendwo auslädt oder sich von ihnen demonstrativ distanziert und abwendet.
    Und das halte ich eben für eine ganz ungesunde Entwicklung, die für mich eher ein Rückschritt als ein Schritt nach vorne darstellt, denn debattieren konnte unsere Gesellschaft gegen Ende des letzten Milleniums irgendwie besser als in den letzten paar Jahren, habe ich so den Eindruck.

  • Möglicherweise ist auch furzegal, wenn irgendwer 'gecancelt' wird, sofern dass bloß bedeutet, dass man ihn oder sie eben auf irgendeiner Veranstaltung nicht haben will? Frau Rowling verkauft so oder so ihre Bücher. Und irgendwelche Schwachköpfe, die wegen ihrer Hetze den Job verlieren, bekommen woanders einen neuen. Menschen, die um Leib und Leben fürchten, die sich verstecken müssen und die eben nicht einfach woanders hin ausweichen können, nur wegen der Art und Weise, wie sie leben oder wen sie lieben, haben möglicherweise einfach mehr Solidarität verdient als irgendwelche Bratzen, die ihre 'Meinungsfreiheit' in Gefahr sehen.

    Why do we fall?

  • Böhmermanns Konzertprogramm platzt nach Rapper-Ausladung
    Nach der Ausladung des Rappers Chefket wegen Antisemitismus-Vorwürfen bricht Jan Böhmermanns gesamtes Konzertprogramm zusammen. Alle gebuchten Künstler…
    www.gmx.net

    Haha, da hat sich der Böhmermann ein schönes Eigentor geschossen. Er hat irgendeinen Rapper ausgeladen, der ihm nicht politisch korrekt genug war, und dann haben sich alle anderen Teilnehmer des Konzerts mit dem solidarisiert und haben ebenfalls abgesagt.

    Das ist immer noch die beste Art, mit Cancelkultur umzugehen.

    Böhmermann kotzt mich sowieso an, das ist so ein arroganter Widerling, fast schon in einer Liga mit Michel Friedman. Mag sein, dass er auch viele Dinge anspricht, die richtig sind und mal ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht werden müssen. Aber die Art, wie er es tut, ist eben mit diesem überheblichen Moralismus, immer mit dem Finger auf andere zeigen und den Leuten zurufen: "Seht her, darüber müsst ihr euch jetzt empören!" Sowas wie die BILD für Woke.

    Das ist halt genau das, was die Gesellschaft eher spaltet als voranbringt.

    Man muss es sich ja mal vorstellen, was hier eigentlich passiert. Und das hat auch erstmal wenig mit links oder rechts zu tun. Sondern betrachten wir es mal neutral: Da ist ein Moderator eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders, zu dem sagt ein CDU-naher Politiker: Mir gefällt das T-Shirt nicht, das einer deiner Gäste getragen hat. Und daraufhin lädt der Moderator seinen Gast wieder aus. Allein, dass sowas passieren kann, und dass er auch damit durchgekommen wäre, wenn die anderen nicht solidarisch gewesen wären, zeigt doch, wie ideologieverseucht mittlerweile alles ist.

    Und währenddessen, am anderen Ende der Welt... und definitiv auch nicht besser:

    Stephen King ist der meistzensierte Autor an US-Schulen
    US-Sittenwächter verbannen zahlreiche Bücher aufgrund vermeintlich gefährlicher Inhalte aus Schulbibliotheken. Kein Autor ist dabei verpönter als Horrormeister…
    www.gmx.net

    Das Schlimme daran ist halt (was Böhmermann und Co nicht erkennen wollen)...

    Diejenigen, die jetzt aus politischer Korrektheit alles mögliche canceln und zensieren, weil sie glauben, die Welt dadurch zu einem besseren Ort zu machen, stacheln die Gegenseite nur noch mehr dazu an, es genauso zu machen, wenn sie selber dann irgendwann an der Macht sind. Und früher oder später sind sie das ja vermutlich. Dann wird vielleicht ein Künstler ausgeladen, weil er Solidarität mit Israel bekundet. Oder weil er etwas gegen die Kirche gesagt hat. Das kann doch nicht ernsthaft eine Welt sein, die man befürwortet, wenn man sich selbst als freigeistiger Mensch betrachtet... wofür sich Böhmermann ja vermutlich hält.

  • Möglicherweise ist auch furzegal, wenn irgendwer 'gecancelt' wird, sofern dass bloß bedeutet, dass man ihn oder sie eben auf irgendeiner Veranstaltung nicht haben will? Frau Rowling verkauft so oder so ihre Bücher.

    Naja, mit dem gleichen Argument könnte man natürlich auch sagen: "Stephen King verkauft trotzdem genug Bücher, auch wenn man seine Werke in den USA aus irgendeiner Schulbibliothek entfernt. Und Transen dürfen ja in den USA trotzdem noch Transen sein, auch wenn man sie nicht mehr in der Armee haben will."

  • Was haltet ihr hiervon?

    (21) Entsetzen in Flensburg: Ladenbesitzer erteilt Juden Hausverbot #rtlnord #flensburg #rtlplus - YouTube

    Mein Kommentar dazu war dieser:

    Zitat

    Dann müsste er eigentlich generell von vornherein jedem potenziellen Kunden Hausverbot erteilen und dann von jedem Russen verlangen sich von Putin zu distanzieren, von jedem Moslem sich vom Islamismus zu distanzieren von jedem Deutschen sich vom Rechtsextremismus zu distanzieren, von jedem Mann sich von Femiziden zu distanzieren etc. Wenn er es wirklich ernst meinen würde und nichts gegen Juden persönlich hat, sondern gegen Unrecht ist, dann müsste er mit jedem der seinen Laden Betritt unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit in nach dessen Gesinnung abfragen. Oder er müsste die Leute eine zuvor ausgefertigte umfangreiche Erklärung unterschreiben lassen, wo sich jeder von jedem Unrecht weltweit distanzieren würde oder seine Zustimmung zu den universellen Menschenrechten oder ähnlichem abgeben müsste. Wo fangen wir da an wo hört es auf und wie ließe sich das ganze Sinnvoll umsetzen?

    Die kommentare der meisten anderen die einen Zusammenhang zu 1933 sehen halte ich vor überzogen. Ich weiß aber halt auch rein gar nichts zu dem Ladeninhalber und dessen Gesinnung und Motiv. Israel betreibt einen Genozid in Gaza, bei den Nazis ging es einfach nur um Judenfeindlichkeit einfach nur ihrer jüdischen Herkunft wegen. Allerdings halte ich es auch für falsch alle Menschen einer Gruppe im kollektiv für die handlungen anderer Mitglieder dieser Gruppe auszugrenzen oder sonst wie verantwortlich zu machen. Er hätte ja auch sowas an seinen Laden schreiben können, dass er generell kein Kunden wünscht die Israels vorgehen in Gaza gut finden.

    Natürlich kann es sein dass ihn nur die Situation in Gaza interessiert und ihn die anderen Ungerechtigkeiten die ich aufgezält habe daher nicht weiter wichtig sind. Aber dann wäre es auch wieder heuchlerisch in meinen Augen. Unrecht bleibt Unrecht egal wo und an wem es begangen wird. Wer das Unrecht in Gaza kritisiert müsste halt demnach auch jedes andere gleichwertige Unrecht auf der Welt genauso entschieden kritisieren. Falls nicht sagt man indirekt, dass nur das Leid der Palästinenser zählt, wenn man sich aber gegen jedes Unrecht auspricht, egal von wem und an wem es begangen wird, erst dann hört es auf heuchlerisch, vorverurteilend zu sein.

    ''Everyone around me, they feel connected to something. Connected to something, I'm not.''
    Motoko Kusanagi

  • Möglicherweise ist auch furzegal, wenn irgendwer 'gecancelt' wird, sofern dass bloß bedeutet, dass man ihn oder sie eben auf irgendeiner Veranstaltung nicht haben will? Frau Rowling verkauft so oder so ihre Bücher.

    Naja, mit dem gleichen Argument könnte man natürlich auch sagen: "Stephen King verkauft trotzdem genug Bücher, auch wenn man seine Werke in den USA aus irgendeiner Schulbibliothek entfernt. Und Transen dürfen ja in den USA trotzdem noch Transen sein, auch wenn man sie nicht mehr in der Armee haben will."

    Es ist ein kleiner Unterschied, ob ein Staat, der zunehmend in Autoritarismus und Faschismus kippt, unliebsame Werke und Personen ins Abseits drängt oder deren Existenz zerstört, oder ob sich in einem öffentlichen Diskurs Veranstalter dagegen entscheiden, bestimmten Künstlern eine Bühne zu bieten.

    (persönliche Beleidigungen gelöscht, da ich in dieser Hinsicht Besserung gelobe :bla: )Sprich eine recht verfehlte Wahrnehmung der Vorgänge, und das angesichts der Entwicklungen, die wir gerade nicht nur in den USA erleben. Die Freunde der 'Meinungsfreiheit' werden jedenfalls bald dumm aus der Wäsche schauen, wenn sie sehen, welche Entwicklungen sie mit ihrem dümmlichen 'Anti-woke-Gelaber' mit heraufbeschworen haben.

    Why do we fall?

    2 Mal editiert, zuletzt von Lonewolf (4. Oktober 2025 um 15:19)

  • Ich hab noch nie eine Böhmermann-Sendung gesehen und mich interessiert das deutsche Fernsehen auch nicht mehr im Geringsten, seit ich meinen letzten Kasten vor 25 Jahren entsorgt habe. Aber: Es beweist schon etwas wenig Fingerspitzengefühl, zum Jahrestag des Massakers vom 7.10. ausgerechnet hier nicht etwas genauer hinzusehen. Also wenn ich ein entsprechendes Programm zusammenstellen müsste, dann würde ich doch in erster Linie Menschen einladen, die selbst einen Bezug zu den Opfern haben, vllt jemand der in Verbindung zu dem Nova-Festival steht. Und vielleicht wirkliche versöhnliche Stimmen aus beiden Ländern, wenn es darum geht, auch das Vorgehen der Israelis in der Folge zu kritisieren. Das kommt ohnehin viel zu kurz, alles was wir sehen, sind fanatische, verhärtete Positionen, die sich entweder strikt auf die eine oder andere Seite schlagen.

    Edit: Es soll jetzt nicht so rüberkommen, dass ich den 'Cancel'-Vorgang als solchen nicht kritisch sehe. Wir sehen ja, wie inszenierte Kampagnen mit Fake-News (siehe die Verfassungsrichter-Geschichte) mittlerweile Einfluss nicht nur auf Medien, sondern auf die Politik nehmen. Und das ist tatsächlich ein Warnschuss.

    Why do we fall?

  • Tja, er hätte vieles machen können. Allerdings hat er sich klar dazu entschieden, Juden Hausverbot zu erteilen. Insofern ist jede entsprechende Reaktion gegenüber diesem antisemitischen *** auch angemessen.

    Des Weiteren muss man natürlich nicht zwangsläufig in einen 'Whataboutism' verfallen, wenn man sich dazu entscheidet, ein bestimmtes Unrecht anzuprangern. Aber man muss sich natürlich den Vorwurf der Einseitigkeit gefallen lassen, wenn man dies völlig kontextlos tut. Genozidal war auch das Vorgehen der Palästinenser am 7.10. - nein, nicht nur der Hamas, es waren sowohl andere, 'linke' Militante beteiligt als auch Teile der Zivilbevölkerung. Der Kontext gehört natürlich erwähnt, bevor man sich einseitig auf den 'Genozid' in Gaza einschießt.

    Why do we fall?