DIe USA bzw. die NATO sind nicht die 'moralisch Guten', sondern verfolgen geopolitische Interessen wie alle anderen Akteure auch - was für eine tiefsinnige neue Einsicht.
Hast Du den Eindruck, dass das allen/den meisten hier, allen/den meisten Menschen in Deinem Umfeld, allen/den meisten Menschen in Europa überhaupt tatsächlich so bewusst ist? Mir scheint in den Medien extrem viel Fingergezeige gegen Putin abzulaufen, das ja irgendjemand veranlassen und durchführen muss und mir scheint, dass es fast ausnahmslos überall genug Leute gibt, die diesen vorgekauten Müll glauben, extrem wichtig finden und dann in alle Richtungen weiter replizieren. Wie erklärst Du Dir das? Machen die das, obwohl sie genau gewissen, dass sie in erster Linie die Propaganda-Lügen der eigenen Seiten propagieren und wäre das für diese Leute daher keine "tiefsinnige", "neue" "Einsicht"? (Nettes Emoji, by the way.
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Ja, ich bin mir sicher, dass dies den meisten Menschen in meinem Umfeld so bewusst ist, denn mit den meisten Menschen in meinem Umfeld stand ich schon vor 10-20 Jahren auf der Straße gegen 'Neoliberalismus', 'Militarisierung' oder 'autoritäre Formierung'. Und die Losung 'der Hauptfeind steht im eigenen Land' war immer eine der meistgelesenen Parolen auf Flugblättern oder in Reden. Als die Türkei Rojava bombardiert hat, haben wie Demos mit Tausenden Menschen veranstaltet, und gegen die Kriege der NATO hat die Friedensbewegung ohnehin immer mobilisiert. Als Putin Städte dem Erdboden gleichgemacht hat, war es auffallend still (ich will nicht sagen, dass niemand hiergegen protestiert hat, aber es waren eben doch deutlich weniger, denn: 'Der Hauptfeind steht im eigenen Land'). Chomsky ist eben auch einer der traditionellen Linken bzw Anarchos, die mit diesem ideologischen Brett im Kopf herumlaufen. Es ist das Problem einer ganzen (linken) Generation bis hinein in die SPD: Die Verfehlungen der USA und des Westens werden reflexartig als 'whataboutism' aus der Kiste geholt, sobald Russland oder auch China ins Visier geraten. Und ich kann diesen Reflex sehr gut nachvollziehen, da ich teils lange Zeit ins selbe Horn geblasen habe. Hier um moralische Fragen zu streiten, ist im Kontext von Krieg und geopolitischen Interessen immer verfehlt; es ist tatsächlich bizarr, mit welcher Naivität manche an moralischen Kategorien festhalten. Andererseits, in welch zynischer Welt würden wir enden, wenn die letzten Gutmenschen aufhören würden, an die Möglichkeit einer 'moralischen Politik' zu glauben.
Nein, ich spreche nicht für das ganze Unity-Forum, aber dieses Forum existiert nunmehr seit 20 Jahren. 20 Jahre gegen 'das System' wettern, auch wenn nicht alle seit der ganzen Zeit dabei waren, ist durchaus ein Ansatzpunkt für die Annahme, dass hier niemand einfach so an das Narrativ des moralisch integren demokratischen Westens glaubt.