• Offizieller Beitrag

    Wörter und wie diese genutzt werden und welche Konnotationen dabei (mehr oder weniger) hörbar mitschwingen formen unsere soziale Wirklichkeit (entsprechend mehr oder weniger offensichtlich oder unterschwellig).

    Einerseits stimmt das natürlich... Sprache kann die Art beeinflussen, wie wir denken. Als Beispiel sei nur einmal erwähnt, wie etwa das Sterben im Krieg seit Jahrhunderten dadurch glorifiziert/verharmlost wird, dass man sagt, ein gestorbener Soldat sei im Krieg "gefallen". Im Krieg wird man nicht "ermordet", weil Soldaten ja keine Mörder sein sollen, sondern Helden. Ich denke, dass solche Kleinigkeiten in der Sprache schon Auswirkungen auf das Denken der Menschen haben können.


    Andererseits ist das natürlich alles auch stark subjektiv, ob man sich von einem bestimmten Wort getriggert fühlt oder nicht. Gibt viele Frauen, die kein Problem damit haben, dass man allgemein von "Lehrern" spricht, aber damit sowohl männliche als auch weibliche Lehrer meint.

    Es soll auch Sinti und Roma geben, denen es komplett am Arsch vorbei geht, ob irgendeine Imbissbude eine "Zigeunersauce" anbietet, weil sie andere Probleme haben, als über sowas nachzudenken oder sich von sowas beleidigt zu fühlen. Genauso wie es Schwarze gibt, die sich gegenseitig liebevoll "Nigger" nennen.

    Die Gefahr, die ich bei dem ganzen Gendern und "Schönwaschen" der Sprache sehe, ist eben, dass eine relativ kleine Minderheit, die meines Erachtens ziemlich über-empfindlich auf bestimmte Dinge reagiert, die Gesellschaft vor sich hertreibt und durch ihren Bekehrungseifer die Deutungshoheit über bestimmte Begriffe übernimmt, weil die Mehrheit schweigt bzw. weil es der einfach nicht so wichtig ist, überhaupt intensiver über sowas nachzudenken.

    Und es sollten meiner Meinung nach halt nicht (allein) die Überempfindlichen und die schnell gekränkten sein, die bestimmen, in welche Richtung sich eine Gesellschaft entwickelt, sonst wird die Gesellschaft vielleicht für diese Menschen lebenswerter, aber für andere eben auch weniger lebenswert, für die Lebensqualität eher bedeutet, alles sagen zu dürfen, was man will, als in einer Welt zu leben, in der jede Äußerung unterdrückt wird, die irgendwie irgendjemanden kränken oder beleidigen könnte.


    Und so denke ich eben auch, dass sich die Verwendung der männlichen Form vor allem deshalb durchgesetzt hat, weil es schlicht und ergreifend praktischer ist so, als wenn ich jedes mal "Lehrer/innen/*" oder was auch immer schreiben muss. Dass die Verwendung der männlichen Form dazu dient, die Herrschaft des Patriarchats zu festigen und Transsexuelle aus der Gesellschaft auszuschließen, ist meines Erachtens nur eine Interpretation von einigen übersensiblen Aktivisten, es ist kein wissenschaftlicher Fakt und wir sollten deren Empfinden daher auch nicht überbewerten. Es ist ja nicht per se gesagt, dass sich alle Transen diskriminiert fühlen, wenn sie nicht jedes Mal explizit in einer Berufsbeschreibung erwähnt werden. Vielleicht würde es ja sogar helfen, dass sie sich akzeptiert fühlen, wenn sie genauso wie Frauen nicht explizit erwähnt werden, sondern eben unter dem Oberbegriff "Lehrer" zusammengefasst sind, der sowohl männliche Lehrer, weibliche als auch Transen, Zwitter und meinetwegen auch kluge Schimpansen und geschlechtslose Aliens einschließt, ohne dass man jede dieser Gruppen ausdrücklich erwähnen muss.

    Die wahre Diskriminierung findet meines Erachtens ganz wo anders statt in unserer Gesellschaft. Da sollte man sich nichts vormachen, in dem man irgendwelche Nebelkerzen zündet und gegen Windmühlen in den Kampf zieht.

  • und sich Feministinnen in ihrer Opferrolle suhlen und auf ihr ach so schlimmes Sklaven-Dasein hinweisen, obwohl Frauen vermutlich noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit so gleichgestellt waren wie in unserer heutigen westlichen Zivilisation.


    Frauen sind Formen der Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt, die für uns Kerle schlicht und ergreifend nicht existieren. Insofern ist es schon infam, Frauenhass und Antifeminsimus quasi gegen ein paar negative Erfahrungen mit 'arroganten Weibern' aufwiegen zu wollen. Gewalt gegen Frauen ist eine Epidemie und quasi die Norm, mit der im Grunde jede Frau früher oder später konfrontiert wird. Zumindest das sollte man als Mann einfach anerkennen, anstatt sich beleidigt über Begriffe wie 'toxische Mänlichkeit' zu echauffieren. Die Frage ist doch eher, wie repräsentativ bestimmte Männlichkeitsvorstellungen sind, die zu einer Abwertung von Frauen führen. Darüber muss sachlich diskutiert werden, ohne Männlichkeit als solche zu pathologisieren. Ist eben ein schmaler Grad.


    Was die Sprache angeht, sehe ich die Sache etwas differenzierter. Dass sich Begriffe ändern bzw. geändert werden, ist ein normaler Prozess. Allerdings ist Sprache auch nicht universell, sondern wird in unterschiedlichen Kontexten anders wahrgenommen. Wenn in Universitäten, im Fernsehen oder in Stellenanzeigen gegendert wird, ist das für mich nachvollziehbar. Die Frage ist doch immer, wer der Adressat eines Begriffs ist und in welcher Beziehung die Sprechenden zueinander stehen. Natürlich wäre es Käse, z.B. in der Literatur zu gendern, es sei denn als bewusstes Stilmittel. Ich schreib ja auch hier im Forum nicht gegendert.

    Problematischer sehe ich eher den Versuch von Queerfeministen, Sprache an die Befindlichkeiten von extremen Ausnahmefällen anzupassen. Mit Formulierungen wie 'männlich gelesene Person' kann ich ebensowenig was anfangen wie mit Phantasiewörtern wie 'jemensch'. Da ist die Grenze zur Lächerlichkeit für mich überschritten.

  • [...] Die Gefahr, die ich bei dem ganzen Gendern und "Schönwaschen" der Sprache sehe, ist eben, dass eine relativ kleine Minderheit, die meines Erachtens ziemlich über-empfindlich auf bestimmte Dinge reagiert, die Gesellschaft vor sich hertreibt und durch ihren Bekehrungseifer die Deutungshoheit über bestimmte Begriffe übernimmt, weil die Mehrheit schweigt bzw. weil es der einfach nicht so wichtig ist, überhaupt intensiver über sowas nachzudenken.

    Und es sollten meiner Meinung nach halt nicht (allein) die Überempfindlichen und die schnell gekränkten sein, die bestimmen, in welche Richtung sich eine Gesellschaft entwickelt, sonst wird die Gesellschaft vielleicht für diese Menschen lebenswerter, aber für andere eben auch weniger lebenswert, für die Lebensqualität eher bedeutet, alles sagen zu dürfen, was man will, als in einer Welt zu leben, in der jede Äußerung unterdrückt wird, die irgendwie irgendjemanden kränken oder beleidigen könnte.


    Und so denke ich eben auch, dass sich die Verwendung der männlichen Form vor allem deshalb durchgesetzt hat, weil es schlicht und ergreifend praktischer ist so, als wenn ich jedes mal "Lehrer/innen/*" oder was auch immer schreiben muss. Dass die Verwendung der männlichen Form dazu dient, die Herrschaft des Patriarchats zu festigen und Transsexuelle aus der Gesellschaft auszuschließen, ist meines Erachtens nur eine Interpretation von einigen übersensiblen Aktivisten, es ist kein wissenschaftlicher Fakt und wir sollten deren Empfinden daher auch nicht überbewerten. Es ist ja nicht per se gesagt, dass sich alle Transen diskriminiert fühlen, wenn sie nicht jedes Mal explizit in einer Berufsbeschreibung erwähnt werden. Vielleicht würde es ja sogar helfen, dass sie sich akzeptiert fühlen, wenn sie genauso wie Frauen nicht explizit erwähnt werden, sondern eben unter dem Oberbegriff "Lehrer" zusammengefasst sind, der sowohl männliche Lehrer, weibliche als auch Transen, Zwitter und meinetwegen auch kluge Schimpansen und geschlechtslose Aliens einschließt, ohne dass man jede dieser Gruppen ausdrücklich erwähnen muss.

    Die wahre Diskriminierung findet meines Erachtens ganz wo anders statt in unserer Gesellschaft. Da sollte man sich nichts vormachen, in dem man irgendwelche Nebelkerzen zündet und gegen Windmühlen in den Kampf zieht.

    "Die Gefahr" - Ich finde es gut und wichtig auf Empfindlichkeiten von Menschen rücksicht zu nehmen aber ich finde es dabei sehr wichtig zu unterscheiden: zwischen einer tatsächlichen Kränkung, einem tatsächlichen, emotionalen Sich-verletzt-fühlen einerseits und einem "künstlichen", empörten "stellvertretend/pseudo-verletzt-sein". Ich würde mich hüten, einem persönlich anwesenden Menschen eine Über-Empfindlichkeit unterstellen zu wollen, wenn ihn etwas, das ich sage oder schreibe verletzt - wer bin ich, ihm zu unterstellen, dass seine spontane, emotionale Reaktion falsch, unangebracht oder übertrieben ausgeprägt sei? Ein großes Problem sehe ich aber darin, wenn ich etwas sage oder schreibe, das eine Person(engruppe) B verletzen _könnte_ und Person(engruppe) C sich stellvertretend "getriggert" fühlt(/fühlen möchte) und versucht, mir vorzuschreiben, was ich wie sagen/schreiben darf oder nicht darf - das scheint mir einfach nur der Versuch von plumper Zensur und Mund-tot-macherei.


    "Verwendung der männlichen Form" - Ich bin da kein Experte, aber dass die meisten Berufsbezeichnungen ausschließlich in ihrer männlichen Form verwendet wurden, liegt möglicherweise auch zu einem großen Teil oder gar hauptsächlich daran, dass es Frauen lange Zeit nicht einmal erlaubt war einer Erwerbsarbeit nachzugehen - sondern eben nur Männern?


    "Nebelkerzen" und "Windmühlen" - das sehe ich so ähnlich. Es wird an tausenden Fronten gekämpft, aber die wenigsten versuchen die wenigen wahren Wurzeln der Probleme zu finden. - Und die Lösungen, die man umsetzen kann, um die Probleme "abzulösen"/überflüssig zu machen. - Stattdessen wird für alles nur erdenkliche "Aufmerksamkeit generiert" und "dagegen angekämpft"... nicht dass das per se schlecht ist - es passiert nur viel zu viel von dieser "Symptombekämpfung" im Vergleich dazu, wie wenig die gemeinsamen Ursachen der verschiedenen Symptome(/Probleme) untersucht und behandelt werden. Und es ist mir ehrlich gesagt ziemlich rätselhaft, was an dem Spruch und Prinzip "Teile und Herrsche" so schwer zu verstehen ist.


    Die Frage ist doch eher, wie repräsentativ bestimmte Männlichkeitsvorstellungen sind, die zu einer Abwertung von Frauen führen. Darüber muss sachlich diskutiert werden, ohne Männlichkeit als solche zu pathologisieren. Ist eben ein schmaler Grad.


    Ich weiß nicht, was du mit meinst. Bitte um Erklärung/Beispiele.

  • Ich weiß nicht, was du mit meinst. Bitte um Erklärung/Beispiele.


    Beispiele für die Pathologisierung von Männlichkeit? Damit meine ich bestimmte feministische Positionen, denen ich so begegne. Ein Beispiel hatte ich vor einiger Zeit mal verlinkt: https://lowerclassmag.com/2021…renz-pumpen-boxen-weinen/

    Hier wird im Grunde ausgesagt, dass es keine positive Form von Männlichkeit geben kann, da diese immer auf Kosten von 'Nichtmännern' gehe. Hier wird eben meines Erachtens klar über's Ziel hinausgeschossen. Ein anderes, grundlegendes Beispiel ist die ganze Debatte um 'Cis-Männer bzw. -Männlichkeit'.

    Eigentlich bedeutet 'cis' ja nix anders als 'nicht trans', also biologischer Mann (oder Frau) zu sein und damit klarzukommen, ohne zu einem andern Geschlecht wechseln zu wollen. Eigentlich. De facto ist 'cis' aber eine Projektionsfläche für Rollenklischees, denn anders ließe sich auch der Ausschluss von 'Cis-Männern' in bestimmten Kontexten nicht erklären. Das Witzige am Queerfeminsimus ist ja, das ich mich so definieren kann, wie ich will. Soll heißen, ich kann auch überall teilnehmen, wo 'cis-Männer' unerwünscht sind, und einfach darauf verweisen, dass ich mich nicht als solcher 'definiere'. Ich kann diesen Quatsch nicht ernstnehmen - mir ist schon bewusst, worum es den Leuten geht, aber hier wird wiederum nur mit Projektionen und Vorurteilen gearbeitet, und die negativen Erfahrungen, die 'mensch' mit Frauen- oder Transfeindlicheit macht, werden quasi dem 'Unterdrückergeschlecht' heimgezahlt.


    In den 'Safe Spaces' werden dann die Vorzeichen verkehrt, und 'Cis-Männer' sind erstmal solange ein potenzieller Problemfall, bis sie sich ernsthaft und demütig als 'Allies' (also Verbündete der Betroffenen) er- bzw. bewiesen haben. Nur zwei Beispiele aus linken Kreisen, die mir zugetragen wurden: Frau wirft Cis-Mann übergriffiges Verhalten vor, der bestreitet dies aber vehement. Frau hat aber immer Recht (Definitionsmacht), ergo ist Mann ab sofort eine persona non grata.

    Zweites Beispiel: Mann trennt sich von Frau und hat kurz darauf ne neue Freundin. Vorwurf: Das ist 'patriarchales Verhalten', also fliegt Mann aus den Gruppen und Wohnprojekten raus.

    Mir geht's jetzt gar nicht im Detail um den Wahrheitsgehalt der Stories, sondern darum, mit welchem ideologischen Muster die entsprechenden 'Sanktionen' gerechtfertigt wurden. Es gibt teilweise eben tatsächlich eine Form des 'antimännlichen' Feminismus, bei dem 'Cis-Männer' grundsätzlich immer Täter und 'FLINTA' immer Opfer sind - schlicht und ergreifend deswegen, weil es in der 'heteronormen patriarchalen Mehrheitsgesellschaft' ja angeblich immer andersherum ist (sprich: Männern/Tätern wird geglaubt, Frauen nicht).

    Und dies ist eben die Gratwanderung, die ich genannt habe. Es gibt massive Gewalt gegen Frauen bzw. Trans-Leute, die ihrerseits auch häufig aus einem bestimmten 'Männlichkeitsverständnis' heraus begangen wird. Aber dieses Verständnis sehe ich eben nicht als Problem von 'männlicher Sozialisation' per se, wie es scheinbar einige Feministinnen tun. Vielmehr kommen zum 'Mannsein' noch ganz andere Faktoren hinzu, die ein Individuum zu einem Gewalttäter machen.

    • Offizieller Beitrag

    Gewalt gegen Frauen ist eine Epidemie und quasi die Norm, mit der im Grunde jede Frau früher oder später konfrontiert wird. Zumindest das sollte man als Mann einfach anerkennen, anstatt sich beleidigt über Begriffe wie 'toxische Mänlichkeit' zu echauffieren.

    Natürlich ist jede sexuelle Belästigung eine zu viel, vor allem wenn es eben wirklich nicht mehr nur bei einem dummen Spruch bleibt, sondern jemand handgreiflich wird. Ich würde das aber auch weiterhin nicht in erster Linie als ein geschlechtsspezifisches Problem bezeichnen, sondern das eigentlich dahintersteckende Problem ist doch, dass es zu viele asoziale Typen da draußen gibt, die sich generell anderen MENSCHEN gegenüber nicht benehmen können.

    Wer so asozial ist, dass er eine fremde Frau angrabscht, nur weil sie ihn geil macht, der wird sicher auch hin und wieder mal gegen das eigene Geschlecht gewalttätig werden. Wer Frauen einen sexistischen Spruch zuwirft, der ist auch sicher schnell dabei, andere Männer zu beleidigen oder irgendwelche Minderheiten zu diskriminieren.

    Von daher würde ich den Fokus jetzt gar nicht so sehr auf die Geschlechterfrage legen, sondern eher allgemein auf die Problematik, dass es zu viele asoziale, übergriffliche Menschen da draußen gibt.

    Weil eben Männer genauso Opfer von anderen Männern werden können, vielleicht nicht so oft aus sexuellen Gründen, aber dafür aus Gründen von "was guckst du mich so dumm an?" oder ähnlichem. Ist doch im Grunde ein und das selbe Phänomen... und anstatt nun die Frontlinie zwischen Frauen und Männern immer weiter zu verhärten, würde ich eher dazu aufrufen, dass sich die anständigen Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, miteinander solidarisieren sollten. Und nicht irgendwie "Ihr Männer seid doch alle gleich" zu rufen, was letztlich eben auch sehr vielen Männern Unrecht tut und eher zu einer Gegenreaktion führt, statt zu Mitgefühl und Verständnis.

    Es gibt teilweise eben tatsächlich eine Form des 'antimännlichen' Feminismus, bei dem 'Cis-Männer' grundsätzlich immer Täter und 'FLINTA' immer Opfer sind

    FLINTA? Cis? Diese ganzen, mir unbekannten, neuen Begriffe, die da seit einiger Zeit umhergeistern, sind doch der beste Beweis dafür, dass es sich um eine völlig abgehobene, akademische Debatte handelt, die nur in den Köpfen einiger weltfremder Emanzen-Schwurbler eine Bedeutung hat, und die an der normalen Bevölkerung und deren Problemen komplett vorbeigeht.

    Vielleicht sollte man, wenn man Verständnis wecken will, besser versuchen, die Menschen da abzuholen, wo sie sind, und in ihrer Sprache zu sprechen, anstatt die Sprache neu erfinden zu wollen und sich dann zu wundern, warum einen keiner versteht.

  • Beispiele für die Pathologisierung von Männlichkeit? Damit meine ich bestimmte feministische Positionen, denen ich so begegne. Ein Beispiel hatte ich vor einiger Zeit mal verlinkt: https://lowerclassmag.com/2021…renz-pumpen-boxen-weinen/

    Hier wird im Grunde ausgesagt, dass es keine positive Form von Männlichkeit geben kann, da diese immer auf Kosten von 'Nichtmännern' gehe. Hier wird eben meines Erachtens klar über's Ziel hinausgeschossen.

    [...]

    Mir geht's jetzt gar nicht im Detail um den Wahrheitsgehalt der Stories, sondern darum, mit welchem ideologischen Muster die entsprechenden 'Sanktionen' gerechtfertigt wurden.

    [...]
    Und dies ist eben die Gratwanderung, die ich genannt habe. Es gibt massive Gewalt gegen Frauen bzw. Trans-Leute, die ihrerseits auch häufig aus einem bestimmten 'Männlichkeitsverständnis' heraus begangen wird. Aber dieses Verständnis sehe ich eben nicht als Problem von 'männlicher Sozialisation' per se, wie es scheinbar einige Feministinnen tun. Vielmehr kommen zum 'Mannsein' noch ganz andere Faktoren hinzu, die ein Individuum zu einem Gewalttäter machen.

    Aus dem verlinkten Artikel: "Alle Männlichkeiten, egal wie sie zueinander stehen, funktionieren letztlich über die Abwertung von Frauen und Queers."


    "Hier wird im Grunde ausgesagt, dass es keine positive Form von Männlichkeit geben kann, da diese immer auf Kosten von 'Nichtmännern' gehe." - Ja, das wird ausgesagt, das ist sozusagen das Fazit, das Kondensat des gesamten Artikels. Bis zu diesem Fazit wird das Bild einer klar negativ zu bewertenden "Männlichkeitskonkurrenz" gezeichnet, auch um in Folge allen, die "vorgeben", an dieser Männlichkeitskonkurrenz nicht teilnehmen zu wollen/können als noch gößeres Übel zu bezeichnen.


    "über's Ziel hinausgeschossen" scheint mir eine eine gute Absicht zu unterstellen. Es fällt mir schwer in einem solchen Artikel, der sich wie eine "Hassrede" mit dem Zweck der Eskalation einer bereits vorhandenen Polarisierung und Extremisierung liest, den Wunsch nach oder Ansätze zu irgendeiner Art von konstruktivem Diskurs zu finden.


    Es ist auch "interssant", wie die (feminisitische Autorin?) Männlichkeit (Männer?) pauschal entwertet (negativ definiert), mittels der Unterstellung, dass sich diese über die Abwertung von Nicht-Männern definiert. Im Prinzip schafft sie hier eine Art "tautologischen" Zirkelschluss: A sei abzulehnen weil A pauschal B ablehnt. Dieser Logik folgend ist B abzulehnen, weil B pauschal A ablehnt. Die beiden gegensätzlichen Positionen legitimiermen einander gesgenseitig. Gratuliere!


    Der/die Autor(in) ist entweder hochgradig verwirrt oder gießt mit welchen Absichten auch immer ganz bewusst Öl in's Feuer.


    Und: Warum wird hier Männlichkeit nicht Eingangs definiert? Wenn ich auf Wikipedia schaue, kann man alles mögliche darunter verstehen. Man schreibt in Folge über "etwas" ohne überhaupt zu erklären, was dieses "Etwas" überhaupt ist oder zumindest was darunter im Kontext des Artikels verstanden werden soll. Eine Position, die im Grunde nicht definiert ist, als "Kommuniziertes" gar keine Position ist, kann auch nicht diskutiert, geschweige denn widerlegt werden. Bestenfalls kann jemand sagen: "ich mag wie das klingt" oder "ich mag nicht wie das klingt".


    "Mir geht's jetzt gar nicht im Detail um den Wahrheitsgehalt der Stories, sondern darum, mit welchem ideologischen Muster die entsprechenden 'Sanktionen' gerechtfertigt wurden."

    - Ja, es geht um Ideologien. Menschen identifzieren sich mit Ideologien und wer nicht "dazugehört" wird mehr oder weniger automatisch zum ideologischen Feind. Und dann kann die lustige Schlammschlacht schon beginnen.


    "Es gibt massive Gewalt gegen Frauen bzw. Trans-Leute, die ihrerseits auch häufig aus einem bestimmten 'Männlichkeitsverständnis' heraus begangen wird. Aber dieses Verständnis sehe ich eben nicht als Problem von 'männlicher Sozialisation' per se [...]"

    - Ein Teil davon wird wohl eine genetisch/biologisch vererbte ""männliche" Gewaltbereitschaft" sein, ein anderer Teil eine anerzogene, ansozialisierte. Wie weit rührt der Unterschied in der Gewaltbereitschaft zwischen den Geschlechtern einfach nur von der anzunehmenden Tatsache her, dass ein Stärkerer einem Schwächeren gegenüber prinzipiell gewaltbereiter ist, als umgekehrt? Wie viel Konfliktpotential, das zu Gewalt führen kann, wäre in unserer Gesellschaft überhaupt vorhanden, wenn Individuen einfach nur ein "gesunder" (intrinsischer?) Selbstwert/eine "gesunde" Selbstsicherheit anerzogen würde?

  • Das mit dem Selbstwert finde ich einen interessanten Aspekt und das mit der Gewaltbereitschaft zwischen stärkeren und dem Schwächeren.

    Davon Mal abgesehen ist das ehemals nette Ereignis zweier (oder mehrerer,je nach Vorzug) Menschen, die etwas zu teilen hatten, zu einem Instrument verkommen, mit dem sich selbst die schwächsten Männer (mental und körperlich) eine Position in der Gesellschaft sichern können.

    Da hat man wenigstens was zu erzählen!

    Menschen mit einem wirklich guten Selbstwert müssen sich nicht an solch künstlichen Machtspielchen 'aufgeilen'.

  • Weil eben Männer genauso Opfer von anderen Männern werden können, vielleicht nicht so oft aus sexuellen Gründen, aber dafür aus Gründen von "was guckst du mich so dumm an?" oder ähnlichem. Ist doch im Grunde ein und das selbe Phänomen...

    Nein, ist es eben nicht. Mach doch einfach mal Feldforschung. Ich weiß ja nicht ob und wie viele weibliche Bekannte du hast, aber ich persönlich kenne nicht eine, für die Belästigungen und Übergriffe nicht mehr oder weniger die Norm darstellen. Das fängt damit an, dass frau bei verschiedenesten Gelegenheiten Typen ewig hinterherlaufen und sie bedrängen, anzügliche Sprüche über verbale Bedrohungen bis hin zu körperlichen Angriffen. Also mir passiert das normalerweise nicht - dir etwa? Eine Bekannte von mir, die in der Gastronomie arbeitet, beschreibt ihren Heimweg von der Kneipe bis zur Bushaltestelle ab einer gewissen Uhrzeit als 'Spießrutenlauf für Frauen', Chefs von Lokalitäten organisieren nicht selten 'Begleitschutz' für ihre weiblichen Angestellten oder statten diese mit Pfefferspray aus. Ich kann diese Liste ewig fortführen. Ja, auch Männer können überfallen oder zusammengeschlagen werden, ich will das überhaupt nicht kleinreden. Aber es ist ein Apfel-Birnen-Vergleich, da das eine Ausnahmen sind und das andere die Regel ist. Und um dieses Problem zu verstehen, ist es völlig legitim, bestimmte (!) Formen typisch männlicher Gewaltformen zu thematisieren - natürlich ohne in irgendeinen pauschalen 'Männerhass' zu verfallen.


    Zum 2. Punkt: Für mich ist das die Sprache von (teils verstrahlten) Aktivist*innen, die um Begriffe ringen. Die wollen tatsächlich meines Erachtens niemanden 'abholen', sondern 'Safe Spaces' erschaffen, in denen Betroffene sicher sind. Ich kann das nachvollziehen, halte aber vieles, was in diesem Zusammenhang gesagt oder getan wird, aus den beschriebenen Gründen für kontraproduktiv. Denn es ist eben eine Gratwanderung zwischen Emanzipation und Identitätspolitik - bei ersterer geht es um Anerkennung, Sichtbarmachung und Gleichstellung, bei letzterer hingegen werden Schubladen und Kategorien verfestigt und Individuen auf diese reduziert.

    • Offizieller Beitrag

    Mach doch einfach mal Feldforschung. Ich weiß ja nicht ob und wie viele weibliche Bekannte du hast, aber ich persönlich kenne nicht eine, für die Belästigungen und Übergriffe nicht mehr oder weniger die Norm darstellen. Das fängt damit an, dass frau bei verschiedenesten Gelegenheiten Typen ewig hinterherlaufen und sie bedrängen, anzügliche Sprüche über verbale Bedrohungen bis hin zu körperlichen Angriffen.

    Kann ich tatsächlich schwer beurteilen, so als nicht Betroffener. Was sagen denn die weiblichen Personen hier im Forum dazu? Ist jede nächtliche Aktivität für euch ein Spießrutenlauf?

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass es auch eine Frage ist, in welchem Umfeld man verkehrt... und dass man vielleicht die Erlebnisse von Frauen, die in der Gastronomie arbeiten und regelmäßig dort verkehren, wo sich viele alkoholisierte Männer aufhalten, nicht so verallgemeinern sollte, als ob sie jedem ständig passieren würden. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich eben ein Landei bin und das nicht so gut nachvollziehen kann, weil ich persönlich auch sehr selten nachts in der Großstadt unterwegs bin (und wenn doch, dann bin ich auch jedes Mal irritiert, was für ein asoziales Gesockse sich da teilweise rumtreibt. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, manche mögen das ja dort, gerade wegen der Stimmung, und weil man da schnell nette Leute zum Ficken finden kann. Auch manche Frauen mögen das vermutlich, sonst wären sie wahrscheinlich nicht dabei. :dance: )

  • Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich eben ein Landei bin und das nicht so gut nachvollziehen kann, weil ich persönlich auch sehr selten nachts in der Großstadt unterwegs bin (und wenn doch, dann bin ich auch jedes Mal irritiert, was für ein asoziales Gesockse sich da teilweise rumtreibt.

    Ich denke, das ist genau der Punkt, auf den Lonewolf hinauswollte. Die Dunkelheit scheint die Menschen zu enthemmen. Das kann positive Folgen haben und einen selbst echt viel bringen, doch in der Stadt schlägt man auch umso einfacher den Weg ins Pöbeltum ein. In einer Großstadt hast du nun mal tendenziell mehr Menschen, bei denen das ausbrechen kann und die andere dann mitreißen.


    Ich weiß nicht, ob es generell an der städtischen Sozialisation liegt, aber es ist schon auffallend, dass man dann offenbar viel leichter auf Impulse von außen anspringt. Scheint eine der Nebenwirkung zu sein, zwischen lauter - teils sexualisierter - Werbeplakate und stets verfügbaren Offerten aufgewachsen zu sein (oder mit typischen Großstadtrap, in dem es darum geht, sich zu behaupten und sich zu nehmen, was einem offenkundig zusteht).

    Wenn dann noch die Momente zur inneren Einkehr fehlen, weil man halt in der Großstadt nie wirklich allein ist, entmenscht man zusehends im Laufe der Zeit. Lässt sich übrigens auch gut in öffentlichen Verkehrsmitteln nach Einbruch der Dunkelheit beobachten. Wer ganz hartgesotten ist, schaut sich dieses Elend einfach mal an einem Wochenende an.