Die neue rechte Leitkultur

Es gibt 424 Antworten in diesem Thema, welches 167.438 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (17. Januar 2022 um 23:21) ist von Unmensch.

  • Gerne auch historische Beispiele von linken oder auch rechtem Faschismus nennen...

    In Deutschland gab es historisch sogar einen fließenden Übergang von rechten zu linken Faschismus. Wobei man natürlich drüber streiten kann, ob das eine wirklich rechts und das andere wirklich links war. Aber man fuhr halt unter dieser Flagge. Und weil es beides Faschismus war, kann man zumindest in Sachen DDR nicht tatsächlich von einer echten linken Gesellschaftsform sprechen. Denn eine wirklich linke Gesellschaftsform schließt sich komplett mit Faschismus aus.

    Allenfalls die Bevölkerungsteile, die mit einer sozialen, solidarischen Gesellschaft ihre Probleme haben (meist kognitiver Natur), werden natürlich trotzdem die entsprechende Keule schwingen.

    Am Ende des Tages ist also alles irgendwie Faschismus. Selbst im Schlaraffenland, wenn einem jemand die gebratene Ente wegschnappt und er nicht die fünf Sekunden warten kann, bevor ihm die nächste ins Maul fliegt.

  • Denn eine wirklich linke Gesellschaftsform schließt sich komplett mit Faschismus aus

    Naja, das würde ich so nicht sagen. Selbst in einer Gesellschaft, in der alle Gesetze abgeschafft sind, weil Nächstenliebe herrscht wäre ein Faschismus denkbar, wenn jeder Soziopath anstatt in Therapie in der Gaskammer landet. Das solltest du schon näher ausführen, was dich zu dieser Aussage bewegt.

    Am Ende des Tages ist also alles irgendwie Faschismus. Selbst im Schlaraffenland, wenn einem jemand die gebratene Ente wegschnappt und er nicht die fünf Sekunden warten kann, bevor ihm die nächste ins Maul fliegt.

    Hehe, genau. Damit liegst du ja voll im Zeitgeist - auf ironische Weise. Heutzutage fühlt sich jeder wegen allem diskriminiert. Ich versuche mir zur Zeit deshalb anzugewöhnen, immer wenn mir was nicht in dem Kram passt "Das ist ja voll diskriminierend" zu sagen :D Interesannt und gleichzeitig selbstverständlich, dass darunter die wirkliche diskriminierung und faschistoide Tendenzen in atemberaubenden Tempo grosszügig ausgebaut werden...

  • Steile These. Wenn ich es vorziehe, mit meiner Frau zu leben statt wild durch die gegend zu vögeln, wenn ich (obwohl ich stark anarchistische Tendenzen habe) sage, dass Grenzen von heut auf Morgen nicht quasi abgeschafft werden können, was hat das dann mit Faschismus zu tun? - z.b. Oder ist das dann nicht rechts-konservativ, nach deiner Auffassung?

    Nein, ist es nicht. Mit Rechtskonservatismus verbinde ich den Gedanken einer homogenen Volksgemeinschaft, autoritäres und hierarchisches Denken, und vor allem einen ausgeprägten Antikommunismus (der sich gegen alles richtet, was irgendwie 'links' erscheint). Die rechten Vordenker des Faschismus werden auch als Vertreter einer 'konservativen Revolution' bezeichnet, und dieser Begriff trifft meines Erachtens ins Schwarze. Historisch hatte und hat diese Ideologie immer die Rolle gespielt, gegen die entstehenden linken Bewegungen und generell den empfundenen dekadenten Verfall einer vermeintlich liberalen, demokratischen Gesellschaft zu opponieren. Auch wenn der Faschismus teilweise linke Phrasen aufgreift und verdreht, ist er in seinem Kern 'anti-links' (gegen Gleichheit und für starre Hierarchien), was auch die Frage nach einem 'linken Faschismus' beantwortet. Es gab 'linke' Flügel in den faschistischen Parteien, aber es gab und gibt keinen 'Linksfaschismus'. Natürlich gab es linke Diktaturen, und es gibt nach wie vor autoritäre Linke, aber das ist ein anderes Thema bzw. Problem.

    Wir können gerne darüber diskutieren, worin die Ursachen für eine diktatorische Wendung linker Ideen bestehen, aber der Begriff 'Faschismus' ist hier verfehlt. Es ist gefährlich, den Begriff so wahllos und schwammig zu verwenden, weil jedes Gefühl dafür verloren geht, was wirklichen Faschismus ausmacht und worin die Gefahr rechter Mobilmachung besteht.

    Zum Thema staatliche und polizeiliche Aufrüstung gibt es genug bedenkliche Entwicklungen, auch ganz ohne Corona. Interessant fand ich eher, wie z.B. Querdenker zu Beginn mit Samthandschuhen angefasst wurden in Situationen, in denen linke Demos auseinandergeprügelt worden wären und sich die Konservativen wochenlang das Maul zerrissen hätten. Als Beispiel sei nur die Großdemo in Leipzig genannt, bei der rechte Hools die Polizei 'beiseite geräumt' haben, damit der Rest über den RIng marschieren konnte.

    Was nicht heißt, dass ich die Zwangsmaßnahmen gutheiße, im Gegenteil, ich bin geimpft, plädiere aber für ein Ende dieses Irrsinns, wobei, wie ich schon mehrfach erwähnt habe, Maßnahmen wie Ausgangssperren, Kontaktbeschränkungen etc. zu keinem Zeitpunkt, ungeachtet der Gefährlichkeit und Opferzahlen, legitim waren.

    Why do we fall?

    Einmal editiert, zuletzt von Lonewolf (16. Oktober 2021 um 10:09)

  • Bei linkem Faschismus krümmt sich mir schon wieder der Magen. Faschismus ist halt nunmal eine rechte Ideologie da sie die Unterschiede zwischen Menschen eindeutig hervorhebt. Man kann vielleicht sagen, dass einige Beispiele von Staatskommunismus faschistoide Tendenzen hatten, weil der Mensch nicht reif dafür ist, sich die eigens auferlegten Sichtweisen anzuwenden, aber ein linker Faschismus ist aus meiner Sicht paradox. Hier mal ein Diagramm, welches vielleicht helfen könnte.

  • Es gibt übrigens einige Vorträge auf Youtube zum Thema Faschismustheorien und auch mehrere mit Mathias Wörsching ...

  • linker Faschismus ist aus meiner Sicht paradox

    Das ist so wie Feuer mit Kälte zu beschreiben. Deshalb meinte ich auch, dass echter linker Faschismus genau betrachtet gar nicht existieren kann. Die DDR könnte man zwar durchaus in diese Kategorie einordnen, aber eben nur, wenn man sie innerhalb zweier politischer Systeme als das Linkere herauspicken müsste. Das war sie dann wohl (und mit ihr der linke Faschismus). Aber ihr Hardlinerkurs und der moralische Niedergang verwischt dann eben doch jede echte linke Voraussetzung dafür,

  • Das ist so wie Feuer mit Kälte zu beschreiben. Deshalb meinte ich auch, dass echter linker Faschismus genau betrachtet gar nicht existieren kann. Die DDR könnte man zwar durchaus in diese Kategorie einordnen, aber eben nur, wenn man sie innerhalb zweier politischer Systeme als das Linkere herauspicken müsste. Das war sie dann wohl (und mit ihr der linke Faschismus). Aber ihr Hardlinerkurs und der moralische Niedergang verwischt dann eben doch jede echte linke Voraussetzung dafür,

    Es gibt ja nicht ohne Grund diverse Benennungen verschiedener Systeme. Wenn man dann anfängt zu sagen, dass die DDR Faschismus war, ist dann die BRD auch Kommunismus gewesen, weil man den selben autoritären Charackter diverser Punkte der DDR auch in der BRD sehen konnte wie zB Elitenbildung , Vetternwirtschaft und Repressionen gegenüber Minderheiten. Das ist doch nicht wirklich zielführend.

  • Es gibt ja nicht ohne Grund diverse Benennungen verschiedener Systeme. Wenn man dann anfängt zu sagen, dass die DDR Faschismus war, ist dann die BRD auch Kommunismus gewesen, weil man den selben autoritären Charackter diverser Punkte der DDR auch in der BRD sehen konnte wie zB Elitenbildung , Vetternwirtschaft und Repressionen gegenüber Minderheiten. Das ist doch nicht wirklich zielführend.

    Es geht nicht darum, ob Parallelen beider Systeme sichtbar waren (in der DDR gab es schließlich auch Bargeld, während in der BRD genauso das gemeinsame Miteinander im Kindergarten gefördert wurde). Der Unterschied ist jedoch, dass das eine System sich seine Ziele groß auf die Fahne geschrieben hat und stets betonte, dem politischen Gegner haushoch überlegen zu sein ("der Sozialismus wird siegen"), während in der BRD das alles nicht ganz so verbissen gesehen wurde, geschweige denn, dass man sich mit seinen Freiheitserrungenschaften groß brüsten musste, weil die Bevölkerung völlig selbstverständlich in alle Herren Länder reisen konnte.

  • Es geht nicht darum, ob Parallelen beider Systeme sichtbar waren (in der DDR gab es schließlich auch Bargeld, während in der BRD genauso das gemeinsame Miteinander im Kindergarten gefördert wurde). Der Unterschied ist jedoch, dass das eine System sich seine Ziele groß auf die Fahne geschrieben hat und stets betonte, dem politischen Gegner haushoch überlegen zu sein ("der Sozialismus wird siegen"), während in der BRD das alles nicht ganz so verbissen gesehen wurde, geschweige denn, dass man sich mit seinen Freiheitserrungenschaften groß brüsten musste, weil die Bevölkerung völlig selbstverständlich in alle Herren Länder reisen konnte.

    Das ändert aber nix daran, dass es unsinnig ist, die DDR faschistisch zu nennen. Die DDR war Staatskommunismus. Punkt.
    Dass es einige Punkte gibt, in denen faschistoide Tendenzen deutlich worden, habe ich schon dargelegt. Aber der Begriff Staatskommunismus besagt ja schon, dass es nicht um den theoretischen Kommunismus geht, welcher idealerweise nicht so endet wie in der DDR. Da braucht man nicht das Wort Faschismus bemühen. Das Wort Staatskommunismus (realer Kommunismus) beinhaltet die vielen Mängel des Systems, welche wir weltweit in den verschiedenen Modellen sehen.

  • Das ändert aber nix daran, dass es unsinnig ist, die DDR faschistisch zu nennen. Die DDR war Staatskommunismus. Punkt.

    Ich sehe das zwar anders, aber nun hast mich mit deinem Punkt natürlich Schachmatt gesetzt.