Social Justice Warriors / Gutmenschentum

Es gibt 120 Antworten in diesem Thema, welches 78.767 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (21. August 2018 um 15:33) ist von Lonewolf.

  • Es wäre doch schön, wenn Kinder und Jugendliche mit unterschiedlicher familiärer Prägung sich mit verschiedenen Religionen und Philosophien auseinandersetzen - oder?


    Ja, ich fände es vielleicht optimal, wenn Vertreter verschiedener Ansichten in den Unterricht (ohne allgemeine Schulpflicht) kommen und deren Ausssagen dann auch über längere Zeit (nicht nur eine Unterrichtseinheit) ernsthaft und ohne Tabus kritisch diskutiert werden können. Unbefriedigend fände ich, wenn vorgefiltert Lehren vorgestellt würden von Menschen, die sie gar nicht selbst entsprechend wahr halten.

    Worum es mir vor allem ging ist wohl, daß ich einen "Vernunftextremismus" unerfreulich fände, denn Spiritualität kann ein großer Wert im Leben eines Menschen sein. Sie hat aus meiner Sicht eine Existenzberechtigung.

    Anarchistische Gewalt (Gewaltausübung ist Herrschaftsausübung): Ich bin neugierig. Was ist Unterdrückung und Ausbeutung? Gibt es klare Kriterien oder wer soll entscheiden, wann das der Fall wäre? Oder entscheidet es einfach jeder wie er Lust hat? In diesem Fall: Was soll dabei Gutes herauskommen so wie die Menschen sind, die ich real beobachte?

  • Ja, ich fände es vielleicht optimal, wenn Vertreter verschiedener Ansichten in den Unterricht (ohne allgemeine Schulpflicht) kommen und deren Ausssagen dann auch über längere Zeit (nicht nur eine Unterrichtseinheit) ernsthaft und ohne Tabus kritisch diskutiert werden können. Unbefriedigend fände ich, wenn vorgefiltert Lehren vorgestellt würden von Menschen, die sie gar nicht selbst entsprechend wahr halten.

    Worum es mir vor allem ging ist wohl, daß ich einen "Vernunftextremismus" unerfreulich fände, denn Spiritualität kann ein großer Wert im Leben eines Menschen sein. Sie hat aus meiner Sicht eine Existenzberechtigung.

    Anarchistische Gewalt (Gewaltausübung ist Herrschaftsausübung): Ich bin neugierig. Was ist Unterdrückung und Ausbeutung? Gibt es klare Kriterien oder wer soll entscheiden, wann das der Fall wäre? Oder entscheidet es einfach jeder wie er Lust hat? In diesem Fall: Was soll dabei Gutes herauskommen so wie die Menschen sind, die ich real beobachte?

    "Vernunftextremismus" mag ich auch nicht, wobei es ja auch um den Unterschied von deskriptiven und normativen Aussagen geht (also wie ist die Welt und wie soll/darf ich auf sie einwirken), wenn wir z.B. über wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen. In dem Sinne stößt Vernunft mitunter an eine Grenze, die viele gerne durch Spiritualität kompensieren. Ich stelle es mir aber etwas schwer vor, gerade den spirituellen Part im Unterricht zu vermitteln, da es sich hier schon um sehr individuelle, längere Prozesse handelt.

    Ich würde es nicht so sehen, dass Gewalt gleich Herrschaft bedeutet. Stellen wir uns mal eine Bilderbuch-Situation vor: Eine Gruppe von armen Landarbeitern wird über mehrere Generationen hinweg von einem Großgrundbesitzer quasi in Leibeigenschaft gehalten. Im Zuge einer anarchistischen Revolution begehren sie nun gegen ihre Herrscher auf, was auch dazu führt, dass sie den Großgrundbesitzer am nächsten Baum aufknüpfen. Ist das jetzt ein Akt der Gewalt oder der Herrschaft? (letzteres sehe ich eher institutionell verankert, Gewalt hingegen kann ja auch ein einmaliger, voluntaristischer Akt sein). Natürlich steht man dann vor dem Problem, die neue Ordnung zu verteidigen, was wiederum zu neuen Formen der Herrschaft führen kann. Insofern ist die Revolution - wie auch die Aufklärung - dialektisch.
    Eine Gesellschaft ganz ohne Machtausübung? Nee, das kann ich mir kaum vorstellen. Im Sinne des Anarchismus würde es dann insbesondere um Fragen des Eigentums bzw der Verfügungsgewalt gehen, um die Rolle der Bürokratie (d.h. des Ausmaßes einer Stellvertreter-Struktur), um familiäre Fragen etc.

    Die Entscheidung, was gut ist, treffen in Gesellschaften immer diejenigen, die die Deutungsmacht innehaben. Klingt komisch bzw tautologisch, ist aber so. Oder wie genau stellst du dir das vor? :-) Wenn du klare Richtlinien willst, geh in die Kirche ;-)

    Wenn du gute Beispiele willst für anarchistische Ansätze willst (so viele gibt's ja nicht), lohnt sich z.B. ein Blick in diverse selbstverwaltete und kollektive Strukturen in Griechenland. Ansonsten bin ich teilweise ähnlich pessimistisch wie du, wenn ich mir die meisten Menschen hierzulande so anschaue. Was nun nichts daran ändert, dass man z.B. bestimmte Projekte unterstützen kann. Ob das dann für die ganze Gesellschaft eine Alternative darstellt, ist eine andere Frage.

    Why do we fall?

  • Zitat

    Ja, ich fände es vielleicht optimal, wenn Vertreter verschiedener Ansichten in den Unterricht (ohne allgemeine Schulpflicht) kommen und deren Ausssagen dann auch über längere Zeit (nicht nur eine Unterrichtseinheit) ernsthaft und ohne Tabus kritisch diskutiert werden können. Unbefriedigend fände ich, wenn vorgefiltert Lehren vorgestellt würden von Menschen, die sie gar nicht selbst entsprechend wahr halten.

    Worum es mir vor allem ging ist wohl, daß ich einen "Vernunftextremismus" unerfreulich fände, denn Spiritualität kann ein großer Wert im Leben eines Menschen sein. Sie hat aus meiner Sicht eine Existenzberechtigung.

    Eine Existenzberichtigung hat Religion da wo sie im Privaten ausgeübt wird und selbst da betrachte ich es äußerst kritisch, weil sie durch die Einflussnahme der Eltern und durch den Einsatz von Zwang gewaltsam auf die Kinder übertragen wird.
    Das Problem beim Versuch kritisch mit gläubigen über ihre Religion zu diskutieren ist, dass viele irgendwann einfach dicht machen und auf die Bibel oder den Koran verweisen, denn diese Märchenbücher sind alles worauf sie sich bei ihrer Religiosität stützen. Das wäre so als würde ich versuchen einem verwirrten Star Wars Fan davon zu überzeugen, dass es sich dabei bloß um Fiktion handelt und er würde dies vehement abstreiten und mich permanent auf die Filme und Romanvorlagen verweisen, mit der Begründung dass dort doch alles dokumentiert und akribisch festgehalten worden sei und alles sich genau so zugetragen hat.

    ''Everyone around me, they feel connected to something. Connected to something, I'm not.''
    Motoko Kusanagi

  • weil sie durch die Einflussnahme der Eltern und durch den Einsatz von Zwang gewaltsam auf die Kinder übertragen wird.


    Das trifft aber auf jegliche Weltbilder zu, die Eltern vielleicht so vertreten?

    Über den Beitrag eins weiter oben möchte ich noch etwas nachdenken. Sagen kann ich dazu aber schon, daß mir fragwürdig erscheint, wie darin anscheinend ganz selbstverständlich Lynchjustiz vertreten wird, die recht eindeutig nicht zur Beendigung von einer Notlage erforderlich wäre.

  • Kurz dazu: Mir ging's bei der angesprochenen Stelle zunächst nur um die Unterscheidung zwischen Herrschaft und Gewalt, und nicht unbedingt darum, Lynchjustiz zu rechtfertigen.

    Why do we fall?

  • Zitat

    Das trifft aber auf jegliche Weltbilder zu, die Eltern vielleicht so vertreten?

    Das stimmt, ist aber immer noch kein Grund den religiösen Weltbildern ein ganzes Unterrichtsfach zu widmen, jedenfalls nicht sofern diese dort nicht auch kritisch hinterfragt werden. Leider hat man keinerlei Einfluss darauf welchen Murks Eltern an ihre Kinder vererben. Dazu müsste man die Kinder schon direkt nach der Geburt von ihren Eltern trennen und in staatlichen Einrichtungen erziehen, aber das wäre eine noch viel gefährlichere Einflussnahme und würde zudem zu einem sehr kollektiven Weltbild führen. Es ist auch gar nicht möglich zu verhindern das Kinder beim heranwachsen von ihrer Umgebung geprägt und beeinflusst werden. Man sollte die Beeinflussung nur so gering wie möglich halten und den Kids wirksame Werkzeuge an die Hand geben, mit denen sie sich besser gegen Beeinflussungen und Manipulationsversuche schützen können. Ein Weltbild welches beinhaltet alles zu hinterfragen und nichts einfach zu glauben und von anderen blind zu übernehmen, wäre denke ich ein sinnvolles Weltbild.

    ''Everyone around me, they feel connected to something. Connected to something, I'm not.''
    Motoko Kusanagi

  • Wofür darf anarchistische Gewalt (ein Widerspruch in sich wenn man so will) denn dienen?

    Ich unterscheide zwischen konstruktiver und destruktiver gewallt. Anders als man aber jetzt denkt finde ich Konstruktive gewallt in sich schlecht wärend destruktiv gut ist. Grob gesagt ist für mich konstruktive gewallt, gewallt um strukturen auf zu bauen(also Herrschafft) Wärend destruktiv, zerstörend ist, also Herschaffststrukturen kaputt macht.

  • Die Entscheidung, was gut ist, treffen in Gesellschaften immer diejenigen, die die Deutungsmacht innehaben. Klingt komisch bzw tautologisch, ist aber so

    Tautologische aussagen sind ja auch so. Das ist ja auch das Problem an ihnen, das sie immer wahr sind.

  • Das problem an der Religion ist, das man glaube weder beweisen noch wiederlegen kann. Wenn man von so einer Basis nun aussagen macht, führt das zwangsläufig zu Konflikten, weshalb Reliion Privat sein muss.

  • kein Grund den religiösen Weltbildern ein ganzes Unterrichtsfach zu widmen,


    Wenn man annimmt, daß Schule die Welt vorstellen soll, dann ist naheliegend Religion breit zu thematisieren. Bei der realen Bedeutung von Religionen in der Welt ist ein Nebenfach so gesehen sogar unterdimensioniert. Was würdest du schließlich von jemandem halten, der sich fragt wieso Wissenschaften in der Schule unterrichtet werden müssen? Ähneln die Positionen "nur das von dem ich überzeugt bin" einander letztenendes nicht ziemlich?

    Zitat

    aber das wäre eine noch viel gefährlichere Einflussnahme


    Ja.

    Zitat

    und würde zudem zu einem sehr kollektiven Weltbild führen.


    Wenn man annimmt die Rechnung würde aufgehen. Da wäre ich mir nicht so sicher.

    Zitat

    Ein Weltbild welches beinhaltet alles zu hinterfragen und nichts einfach zu glauben und von anderen blind zu übernehmen, wäre denke ich ein sinnvolles Weltbild.


    Sehr gut.

    Das problem an der Religion ist, das man glaube weder beweisen noch wiederlegen kann.


    Was man als Beweis betrachtet, ist eine Frage des Konzepts von "Wissen", ds vertreten wird.

    Zitat

    Wenn man von so einer Basis nun aussagen macht, führt das zwangsläufig zu Konflikten, weshalb Reliion Privat sein muss.


    Wie alle möglichen anderen Weltbilder und politischen Überzeugungen?