Oh no, es geht um das AFD Verbot, ich lese das nicht wenn ich keine langwierige anstrengende Diskussion haben will

Es gibt 45 Antworten in diesem Thema, welches 6.631 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (19. Januar 2026 um 13:06) ist von Dian.


  • Lassen wir doch nochmal Chat GPT zu Wort kommen ;)

    "Anarchismus – egal ob kommunistisch, syndikalistisch oder ökologisch – beruht auf drei Grundannahmen:

    1. Gleichwertigkeit aller Menschen (nicht nur moralisch, sondern politisch)

    2. Misstrauen gegenüber Selektion („wer gehört dazu?“)

    3. Solidarität auch mit den Schwächsten, gerade wenn sie „anstrengend“ sind

    Deine Position bricht alle drei Punkte:

    • Du akzeptierst implizit, dass nicht alle Menschen gleich systemfähig sind

    • Du willst Zugang, Teilhabe und Reproduktion steuern

    • Solidarität ist konditional (Bildung, Verhalten, Integrationsfähigkeit)

    Das ist antianarchistisch, selbst wenn es kapitalismuskritisch klingt.


    Was du willst, ist

    a) Freiheit ohne eigene Kosten

    • Offenheit, Toleranz, Selbstentfaltung → ja

    • solange die Konfliktkosten andere tragen (Unterschichten, Staat, Polizei, Sozialarbeit)

    b) Ordnung ohne Identifikation mit Ordnungsmacht

    • Man will klare Regeln, aber

    • sich selbst nicht als Teil des Apparats sehen, der sie durchsetzt

    c) Meritokratisches Menschenbild

    • Bildung = Wert

    • Reflexionsfähigkeit = Legitimität

    • „Dummheit“ als gesellschaftliches Risiko

    Das ist liberal-elitär, nicht anarchistisch.

    3. Der zentrale Widerspruch

    Du willst gleichzeitig:

    • maximale individuelle Freiheit

    • minimale soziale Reibung

    • hohe kulturelle Homogenität

    • keine autoritären Durchsetzungsmechanismen

    Das funktioniert nur, wenn man bereits in einer privilegierten Position sitzt:

    • gebildet

    • sozial abgesichert

    • kulturell dominant

    • politisch ungefährdet

    Für Menschen außerhalb dieser Position wären deine Regeln:

    • restriktiv

    • selektiv

    • potenziell ausschließend

    Das ist der Kern deines „Privilegiertentums“.

    4. Warum sich das trotzdem „links“ anfühlt

    Weil die Zielvorstellungen links klingen:

    • BGE

    • Kapitalismuskritik

    • Degrowth

    • Minderheitenschutz

    Aber die Bedingungen, unter denen diese Ziele gelten sollen, sind:

    • selektiv

    • leistungs- bzw. bildungsgebunden

    • kapazitätsorientiert

    Das ist ein klassisches Muster:

    Zitat
    Linke Utopie, liberale Zugangskontrolle.

    Eine ehrlichere Selbstbeschreibung

    Wenn man es ent-emotionalisiert, wäre eine präzisere Einordnung etwa:

    Zitat
    liberal-elitär, postwachstumsorientiert, migrationsrestriktiv, sozial-utopisch

    Oder härter, aber klar:

    Zitat
    Freiheit für die, die damit umgehen können.

    Das ist kein Vorwurf – es ist eine Beschreibung der impliziten Logik.


    Der eigentliche offene Punkt

    Die entscheidende Frage, die deine Position offen lässt, ist nicht moralisch, sondern praktisch:

    Zitat
    Wer entscheidet, wer „damit umgehen kann“ – und wie verhindert man Machtmissbrauch dabei?

    Solange darauf keine überzeugende Antwort existiert, kippt jede solche Vision:

    • entweder in Technokratie

    • oder in verdeckten Autoritarismus

    • oder bleibt reine Gedankenskizze

    Why do we fall?

  • Aber ich merke immer mehr, dass deine Vorstellung von "alternativ" sein einfach nur bedeutet, dass du "gegen das System" bist. Alles was geregelt wird, ist für dich automatisch Zwang. Auch wenn es vielleicht eine Begründung gibt und selbst wenn es gar nicht wirklich durchgesetzt wird. Man muss einfach dagegen sein, sonst verdient man nicht das Label "alternativ".

    Meine Beweggründe sind eigentlich relativ konstant geblieben in den letzten 25 Jahren. Ich mag keine Autoritäten, die mir ständig irgendwas vorschreiben wollen (auch keine, die einen auf nett und sozial machen), und ich halte den Kapitalismus und dieses ganze Konkurrenzkampf-Gehabe der Menschen für völlig kontraproduktiv und für eine totale Verschwendung menschlicher Ressourcen und Lebenszeit.

    Also würde ich nicht sagen, dass der radikale Freiheitsbegriff alles ist, was ich mit Alternativsein verbinde, sondern ich sehe Freiheit und soziale Gerechtigkeit eigentlich als etwas, was beides elementar ist und Hand in Hand gehen sollte. Und auf keinen Fall sollte das eine gegen das andere ausgespielt werden, so nach dem Motto: "Ja, wir müssen jetzt aber leider eure Freiheit einschränken, weil wir sonst keine Gerechtigkeit herstellen können."

    Wenn man jetzt mal ganz grob und oberflächlich sagt, es gibt zwei Lager unter den alternativ gesinnten Menschen.... auf der einen Seite die Hippies und Punks etc., die alle Zwangs-Systeme ablehnen, alles locker sehen und jeden sein Ding durchziehen lassen... und auf der anderen Seite woke Technokraten und Sozialisten, für die der Staat bzw. das System ein gutes Werkzeug ist, um ihre politischen Ziele zu erreichen, und die der Meinung sind ,dass der Einzelne auch mal zu Dingen gezwungen werden muss... dann bin ich von meinem Weltbild her ganz klar auf der Seite der zuerst genannten.

    Das war schon immer so. Ich habe nur den Eindruck, es hat sich im linken Lager eben einiges verschoben seit den 80er-Jahren, und die Fraktion derjenigen, die den autoritären Staat und viele seiner Unterdrückungsmethoden gar nicht vollständig ächten wollen, sondern ganz nützlich finden, um ihre politischen Interessen durchzusetzen, hat immer mehr die Oberhand gewonnen. Und das ist im Grunde dann auch der Hauptkritikpunkt, den ich habe, und warum ich vielen Ideen, die von linker Seite kommen, ablehnend gegenüberstehe.

    Und darüberhinaus bin ich da eben wohl scheinbar schon generell kritischer als andere hier, was die Nebenwirkungen und Auswirkungen von Verboten allgemein angeht. Ich sehe da nicht nur die kurzfristigen Schäden, wie etwa, wenn eine Netzzensur, die man aus gut gemeinten Gründen einführt, dann auch die falschen trifft oder Kunstwerke zensiert... sondern auch die langfristigen Folgen, was es aus Menschen macht, wenn dauerhaft für sie mitgedacht wird und sie immer gewohnt sind, Verantwortung an höhere Instanzen abzugeben und auf deren Urteil zu vertrauen, anstatt eigenverantwortliches Handeln und Umgang mit Risiken zu erlernen Da sehe ich aktuell viel zu viel Blauäugigkeit und Unbekümmertheit bei vielen, die jetzt nach Verboten schreien, egal ob Feuerwerksverbot, Social Media-Verbot, KI-Verbot oder was auch immer.

  • Man könnte noch präzisieren: "Anarchie" als eitle Selbstdarstellung privilegierter Bürgersöhnchen, die natürlich staatliche Gewalt nur dann ablehnen, wenn man sie beispielsweise zwingt, Maske zu tragen oder nüchtern Auto zu fahren :thumb_up4: Als Schutzmacht zur Sicherung der eigenen Privilegien ist der Staat dann natürlich wieder gut genug, irgendwer muss ja das Gesindel fernhalten.

    Wie sollte man vor diesem Hintergrund auch eine erhöhte Sensibilität gegenüber einer Bedrohung von rechts erwarten?

    Ich denke nicht, dass ich jemals eine Schutzmacht zur Sicherung meiner Privilegien gefordert habe, nur weil ich die Ansicht vertrete, dass man aufpassen sollte, dass man sich nicht zu viele ungebildete, intolerante Menschen ins Land holt. Oder wenn ich finde, dass es keine Tabus geben darf, bestimmte Probleme beim Namen zu nennen... und dazu gehören halt auch statistische Häufungen von Verbrechen, die von Menschen aus bestimmten Kulturkreisen verübt werden.

    Ich geb dir mal ein konkretes Beispiel. In Ulm ist neulich jemand abgestochen worden. Ich hab schon beim Lesen der Überschrift geahnt, dass der Täter kein Deutscher war. Bin ich Rassist, weil ich anhand von Wahrscheinlichkeiten davon ausgehe, wenn ich irgendwas lese wie "Messerstecher" oder "Massenschlägerei zwischen zwei Gruppen", dass da überproportional häufig Menschen mit Migrationshintergrund beteiligt sind?

    Es sind halt einfach Erfahrungswerte. Und Erfahrungen kannst du nicht einfach wegreden, indem du den Leuten, die von ihren Erfahrungen berichten, gleich mal pauschal Vorurteile unterstellst.

    Klar gibt es viele dämliche Vorurteile in den Köpfen der Menschen, aber es gibt eben auch Dinge, die auf objektiven Beobachtungen basieren.

    Und wenn dann noch, wie im Fall der Messer-Attacke in Ulm, im Bericht zu lesen ist: "Der Eritreer war laut Polizei bereits in der Vergangenheit wegen Gewaltdelikten aufgefallen und hatte bis Dezember eine Haftstrafe verbüßt." Da frage ich mich dann eben: Wie kann das sein? Wie kann es sein, dass der Staat gegenüber Menschen, die anderen Menschen Gewalt antun, scheinbar so verständnisvoll ist, während andere gnadenlos abgeschoben werden, die niemandem was getan haben?

    Das heißt ja nun nicht, dass ich dafür bin, Straftäter einfach noch länger einzusperren. Gefängnisstrafen sind eh eine total dämliche Erfindung, die sehr viele Menschen nur noch krimineller machen. In dem konkreten Fall scheint der Knast ja auch nicht gerade dabei geholfen zu haben, dass da jemand dadurch zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft geworden ist. Wie könnte es auch?

    In der Hinsicht betrachte ich diesen Sachverhalt dann durchaus auch aus einer eher linken oder anarchistischen Perspektive, und sehe die Lebensumstände und die negativen Erfahrungen, die der besagte Eritreer in seinem Leben gemacht hat, wodurch er vielleicht erst zu so einem durchgeknallten Messerstecher geworden ist.

    Auf der anderen Seite sehe ich aber auch, da sind zu viele Menschen nach Deutschland gekommen, die man verwahrlosen lässt, um die sich niemand kümmert, weil wir auch gar nicht das Personal dafür haben. Weil das System eben jetzt schon total überfordert ist, diejenigen zu integrieren, die hier sind. Das sieht doch jeder, der mit offenen Augen an einem Asylantenheim vorbei läuft, dass dort nicht die neue Gesellschaftselite herangezogen wird, sondern frustrierte perspektivlose Menschen. Man kann aber auch gar nicht all diesen Menschen eine gute Perspektive bieten... und selbst wenn, dann kannst du davon ausgehen, dass morgen doppelt so viele und übermorgen dreimal so viele kommen würden, bis sich ganz Afrika in Stuttgart stapelt. Man kann es ihnen ja auch nicht verübeln.

    Aber da sage ich eben: Das funktioniert nicht. Am Ende hätten wir dann wirklich eher afrikanische Verhältnisse auch bei uns, als dass alle Afrikaner ein spießiges deutsches Leben mit Eigenheim und Gartenzwergen im Garten führen würden.

    Ich sehe das nicht als rechts, wenn ich darauf hinweise, dass bestimmte Dinge wie endloses Wachstum oder unbegrenzter Zuzug in ein fragiles Sozialsystem einfach nicht funktionieren können. Man kann dazu ja gern anderer Meinung sein. Aber ich halte meine Ansicht für logisch nachvollziehbar... ebenso, wie ich mir gut vorstellen kann, dass manche Menschen, denen diese Entwicklung Sorge bereitet, die AfD wählen, ohne dass sie deshalb gleich Faschismus wollen, da es leider nicht wirklich viele andere Parteien gibt, die zum Thema Migration eine kritische Meinung haben. (die CDU ist ja auch nur durch die Angst vor den AfD-Wählern wieder etwas migrationskritischer geworden.)

    Was ich hier versuche, ist, über solche Dinge Diskussionen zu führen und zum Nachdenken anzuregen. Die ganze Sache ist einfach komplexer, als dass man sich das Ganze mit "Viele Menschen sind eben beschissene Nazis, und die wählen jetzt alle die AfD" erklären könnte. Ich würde gern ein bisschen mehr in die Tiefe gehen, Zusammenhänge analysieren, etc.

    Und bezüglich dieser Zusammenhänge muss natürlich nicht jeder meiner Meinung sein. Es nervt nur eben, wenn dann ein Lonewolf meint, mich ständig persönlich unter der Gürtellinie angreifen zu müssen, weil ihm meine Gedanken nicht gefallen. Wenn, dann bitte mit guten Argumenten widersprechen, gerne auch mit konkreten Zahlen und Statistiken... aber dieses ewige "Dian ist kein Anarchist, Dian ist kein Philosoph, Dian ist ein privilegierter schwäbischer Spießer"-Kindergarten-Blabla ist allmählich wirklich langweilig, und vor allem niveaulos. Wirkt auf mich eher so, dass da jemandem die Argumente ausgehen, und er es daher diskussionstaktisch für sinnvoller erachtet, die Gegenseite zu diskreditieren und lächerlich zu machen, um von seinem simplen, nicht mehr in die heutige Zeit passenden Schwarz-Weiß-Weltbild abzulenken und den Fokus auf andere Dinge zu lenken.

  • Ich bekenne mich schuldig, dass ich zu kleinen polemischen Seitenhieben neige. Das kannst du durchaus als 'unter der Gürtellinie' betrachten - dem Ton, aber nicht dem Inhalt nach. Denn im Kern bestätigst du fortlaufend das, was nicht nur ich immer wieder feststelle. Du hast zwar ein Problem mit dem Staat als Einschränker deiner persönlichen Freiheiten, aber als Ordnungsmacht, um deinen Schutzraum zu verteidigen, soll er bitteschön dann doch weiterbestehen und auch durchgreifen. Denn darauf läuft es letzten Endes zwangsläufig hinaus, auch wenn du dann natürlich die Verantwortung wegschiebst und die Drecksarbeit andere (Sozialarbeit, Polizei, Gerichte, freiwillige Helfer etc.) machen lässt. Demnach bist du - ganz sachlich und objektiv betrachtet - kein Anarchist, sondern, wie die KI gut umrissen hat, eher 'liberal-elitär'. Deine Vorstellungen von 'Freiheit' und 'Gerechtigkeit ' sind klar selektiv und exklusiv. Und damit stehst du eben völlig in einer eher liberalistischen Denktradition. Ein Anarchist würde immer zunächst die Frage nach der Selbstorganisation und Eigenverantwortung stellen.

    Das 'Rechte' in deinen Positionen ist nicht, dass du Probleme benennst (es gibt kriminelle Zuwanderer, Menschen, die kaum bis gar nicht integrierbar sind, es gibt überlastete Systeme etc.), sondern die Kulturalisierung von sozialen Konflikten und die schablonenhafte Wahrnehmung von Menschen, die du als 'fremd' erfährst. Die Betroffenen kommen eben in deiner Wahrnehmung nicht als Individuen vor, sondern nur als Repräsentanten einer bestimmten Gruppe. Du triffst sehr schnell Urteile über Personen, die du nicht kennst, deren Biographie und Erfahrungen du nicht nachvollziehen kannst. Mit ziemlicher Sicherheit hast du dir noch nie die Mühe gemacht, mal mit Menschen aus unterschiedlichsten Kontexten zusammenzukommen. Das erweitert den eigenen Horizont ungemein , und vor allem durchkreuzt es am Ende jede plumpe Wahrnehmung von 'uns' und 'den anderen'.


    Deine Ansichten sind nicht weder 'rechts noch links', sie sind auch nicht sonderlich komplex oder originell. Das ist ganz simpler CDU-Sprech (eher mit rechterer Tendenz, da dir scheinbar auch die CDU nicht restriktiv genug ist) - mit dem genannten Unterschied, dass du natürlich aus subjektiven Gründen bitte nicht mit der Ordnungsmacht identifiziert werden willst, denn das würde deinem 'Selbstbild widersprechen.

    Daher frage ich dich: Was genau für Diskussionen willst du denn auf dieser Grundlage anregen, die nicht an anderer Stelle, im 'politischen Mainstream' ohnehin ständig geführt werden?

    Zum Thema Afd, autoritäre Entwicklung etc. habe ich nun wirklich sehr umfassend Stellung bezogen. Dass sich das nicht auf 'das sind alles Nazis' runterbrechen lässt, sollte klar geworden sein, auch auf Discord.

    Daher habe ich - abseits von polemischen Seitenhieben- ein paar ganz konkrete Verbesserungsvorschläge für dich:

    Aufklärung

    1. Lass uns hier über Dinge wie Faschismustheorie und gesellschaftlichen Autoritarismus sprechen anstatt ständig über 'frustrierte Protestwähler' vs. 'überzeugte Nazis' zu fachsimplen. Es gibt gesellschaftliche Zuspitzungen, die klar autoritäre Entwicklungen begünstigen. Das ist tatsächlich ein interessantes, komplexes Themengebiet, dem man sich widmen sollte, wenn man nicht in einer Diktatur aufwachen will. Schluss mit der Verharmlosung, nur weil man meint, das eine oder andere Motiv eines Rechtswählers verstehen zu können.

    Individualismus

    2. Lass uns über konkrete Menschen sprechen und nicht über abstrakte Kollektividentitäten, die als Projektionsflächen für die eigenen Vorurteile dienen und nur dann wahrgenommen werden, wenn es Probleme gibt. Zuwanderer sind Täter, Opfer, Betroffene, Helfer, Unbeteiligte, sprich Menschen wie alle anderen auch.

    Freiheit/Gerechtigkeit

    3. Lass uns über konkrete Formen der gesellschaftlichen und politischen Organisierung sprechen, die über die Logik von Staat, Macht und Gewalt hinausweisen. Freiheit, die nicht für alle gilt, ist keine Freiheit, sondern Privilegiertentum. Wieso sich den 'Kopf des Staates zerbrechen' und immer nur in direkter oder indirekter Identifikation mit der Ordnungsmacht denken?

    Das wären mal Ansätze, die tatsächlich über den üblichen Polit-Stammtisch, den du hier deckst, hinausweisen würden.

    Why do we fall?

  • Aber ich merke immer mehr, dass deine Vorstellung von "alternativ" sein einfach nur bedeutet, dass du "gegen das System" bist. Alles was geregelt wird, ist für dich automatisch Zwang. Auch wenn es vielleicht eine Begründung gibt und selbst wenn es gar nicht wirklich durchgesetzt wird. Man muss einfach dagegen sein, sonst verdient man nicht das Label "alternativ".

    Wenn man jetzt mal ganz grob und oberflächlich sagt, es gibt zwei Lager unter den alternativ gesinnten Menschen.... auf der einen Seite die Hippies und Punks etc., die alle Zwangs-Systeme ablehnen, alles locker sehen und jeden sein Ding durchziehen lassen... und auf der anderen Seite woke Technokraten und Sozialisten, für die der Staat bzw. das System ein gutes Werkzeug ist, um ihre politischen Ziele zu erreichen, und die der Meinung sind ,dass der Einzelne auch mal zu Dingen gezwungen werden muss... dann bin ich von meinem Weltbild her ganz klar auf der Seite der zuerst genannten.

    Das war schon immer so. Ich habe nur den Eindruck, es hat sich im linken Lager eben einiges verschoben seit den 80er-Jahren, und die Fraktion derjenigen, die den autoritären Staat und viele seiner Unterdrückungsmethoden gar nicht vollständig ächten wollen, sondern ganz nützlich finden, um ihre politischen Interessen durchzusetzen, hat immer mehr die Oberhand gewonnen. Und das ist im Grunde dann auch der Hauptkritikpunkt, den ich habe, und warum ich vielen Ideen, die von linker Seite kommen, ablehnend gegenüberstehe.

    Das ist so ein klassisches Beispiel für komplexe vs unterkomplexe Wahrnehmung. Für diese Entwicklung gibt es (gute und schlechte) Gründe, wir sprechen hier von 30 Jahren historischer Erfahrung und Diskursen. Die sollte man dann schon dezidiert reflektieren, um zu verstehen, warum wir politisch heute dort stehen, wo wir sind, und welche Perspektiven sich daraus ergeben.

    Grundsätzlich gilt natürlich immer: Wir reden von politischen Bewegungen und Organisationen, nicht von Sekten, in denen alle dieselbe Meinung haben (müssen). Idealerweise, versteht sich. Dementsprechend ist die Feststellung, dass man vielen Ideen ablehnend gegenübersteht (tue ich natürlich auch), eher banal. Die entscheidende Frage ist, wie groß am Ende die Schnittmenge mit den eigenen Überzeugungen ist - oder wie denn die Alternative aussehen soll.

    Ergänzend hierzu: Die Kritik an der Linken und ihrer Entwicklung kann man gut nutzen, um auch mal den eigenen Freiheits- und Gerechtigkeitsbegriff kritisch zu hinterfragen. Denn genau vor diesem Hintergrund und Dilemma finden ja auch linke Diskurse statt. Ein liberaler bzw 'libertärer' Freiheitsbegriff ist eben rein negativ - 'Freiheit VON etwas'. Negative Freiheit ist eben etwas, das man sich leisten kann, wenn man in einer privilegierten Position sitzt und z.B. nicht reflektieren muss, ob Verbote und Vorschriften vielleicht auch den Sinn haben, die Freiheiten anderer gerade erst zu ermöglichen (simples Beispiel: Rauchverbot, Böllerverbot, in größerem Maßstab natürlich das Verbot, beliebig mit seinem Eigentum verfahren). Und spätestens dann, wenn die eigene Freiheit bzw Komfortzone existenziell berührt wird, wird man sich ganz schnell fragen, ob es nicht doch notwendig ist, Einschränkungen vorzunehmen - auch als 'freiheitsliebender Mensch'.

    Why do we fall?

    Einmal editiert, zuletzt von Lonewolf (18. Januar 2026 um 12:58)

  • Deine Vorstellungen von 'Freiheit' und 'Gerechtigkeit ' sind klar selektiv und exklusiv. Und damit stehst du eben völlig in einer eher liberalistischen Denktradition. Ein Anarchist würde immer zunächst die Frage nach der Selbstorganisation und Eigenverantwortung stellen.

    Man könnte dazu jetzt ja auch antworten: "Genau deshalb funktioniert das mit dem Anarchismus auch nicht, und sie treten seit hundert Jahren nur auf der Stelle." ;) Weil das einfach für eine breite Mehrheit der Bevölkerung keine realistische Utopie ist. Und weil eben die Linken (nicht nur die Anarchisten) auf bestimmte Fragen, die die Bevölkerung beschäftigen, keine guten Antworten haben. Eine dieser Fragen ist sicherlich: Was macht die anarchistische Gesellschaft, wenn plötzlich ganz Afrika die Koffer packt und lieber bei ihnen wohnen möchte. Auch wenn das jetzt vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt ist.. aber das Problem ist ja nicht nur rein hypothetisch, sondern wir haben ja gesehen, wie schnell plötzlich sehr große Flüchtlingsströme auf uns zukommen können, und dass sich das vermutlich durch den Klimawandel noch verstärken wird in Zukunft.

    Da erscheint mir einfach ein liberaler Ansatz realistischer, und vielleicht auch anschlussfähiger an den "gemeinen Pöbel". Zunächst mal den Staat so antiautoritär und freiheitlich wie möglich machen (und natürlich auch sozial), ohne ganz auf gewisse stabilisierende Strukturen zu verzichten. Wie gesagt, Anarchie als Leitbild... als das, was am Endziel der Entwicklung steht, nachdem man die Menschen behutsam an Liberalität, Solidarität und Eigenverantwortung herangeführt hat. Wenn eine solche Idee nicht anarchistisch ist, dann bin ich wohl auch kein Anarchist. Oder wir definieren Anarchie einfach anders, so dass auch ich und Pippi Langstrumpf Anarchisten sein dürfen.

    Die Betroffenen kommen eben in deiner Wahrnehmung nicht als Individuen vor, sondern nur als Repräsentanten einer bestimmten Gruppe. Du triffst sehr schnell Urteile über Personen, die du nicht kennst, deren Biographie und Erfahrungen du nicht nachvollziehen kannst.

    Naja, das gleiche könnte ich auch über deine Wahrnehmung von ostdeutschen AfD-Wählern sagen. Da ist dir dann auch relativ egal, was die für Biographien haben und welche Erfahrungen sie zu so einem Weltbild gebracht haben, du siehst erst mal nur die Bedrohung, die von ihnen ausgeht.

    Will sagen: Wann immer ein Asylbewerber mit einem Messer um sich sticht, hört man von linker Seite "Das sind bedauerliche Einzelfälle, die man nicht verallgemeinern darf. Die allermeisten Menschen, die zu uns kommen, sind ganz anders."

    Wenn hingegen irgendwo ein schwules Pärchen von ein paar gewaltbereiten Rechten angegriffen wird, ist das kein Einzelfall, sondern dann ist jede einzelne Attacke eine zuviel, und natürlich ist das dann auch immer ein Hinweis darauf, dass es nicht nur irgendwo vereinzelt Homophobie gibt, sondern dass die ganze Gesellschaft ein großes strukturelles Problem mit Schwulenfeindlichkeit oder Rassismus hat.

    Ich hoffe, man erkennt hierbei die Doppelmoral. Es genügt halt nicht, nur bei den Problemen, die uns persönlich besonders beschäftigen, ganz genau hinzusehen und schonungslos die dem zugrunde liegenden Mechanismen zu analysieren. Sondern man muss das vielleicht auch bei Problematiken tun, die einem ideologisch betrachtet eher nicht so in den Kram passen. Und da denke ich, wird schon oft mit zweierlei Maß gemessen.

    Deine Ansichten sind nicht weder 'rechts noch links', sie sind auch nicht sonderlich komplex oder originell. Das ist ganz simpler CDU-Sprech (eher mit rechterer Tendenz, da dir scheinbar auch die CDU nicht restriktiv genug ist) - mit dem genannten Unterschied, dass du natürlich aus subjektiven Gründen bitte nicht mit der Ordnungsmacht identifiziert werden willst, denn das würde deinem 'Selbstbild widersprechen.

    Najaaa, das ist wieder so eine ideologisch eingefärbte Unterstellung von dir, die überhaupt nicht der Wirklichkeit entspricht und die ich mir nur damit erklären kann, dass es für dich halt keine Nuancen mehr gibt, sondern immer nur entweder schwarz oder weiß, Freund oder Feind. Mir fallen sehr viele Dinge ein, wo ich regelmäßig über die CDU abkotze, Wehrpflicht, Bürgergeld, Internet-Überwachung, Drogenpolitik, etc.

    Es ging hier einzig um die Asylpolitik, wo man schon ganz objektiv beobachten konnte, dass die CDU unter Merkel irgendwann nicht mehr wirklich konservativ war. Und das hat meiner Meinung nach eben entschieden dazu beigetragen, dass viele Konservative sich von der CDU nicht mehr vertreten gefühlt haben und zur AfD abgewandert sind.

    Zumindest in meinem Weltbild ist es halt durchaus möglich, dass man in vielen Dingen eher linke oder liberale Ansichten vertritt, aber bei manchen Sachen (sei es nun Migration, Waffenrecht, Ablehnung von Gender-Sprache oder sonst irgendwas) auch mal der Gegenseite zustimmen kann, wenn die irgendwas vernünftiges sagen. Deshalb sage ich, ich bin oft eher zwischen den Stühlen, weder rechts noch links. Und du drehst es dann so hin, als ob ich rechts der CDU wäre, nur weil ich im Bezug auf die Asylpolitik und Political Correctness auch mal rechte Positionen nachvollziehen kann und die linken Parteien kritisiere. Das wirkt eben schon etwas so, als ob du es dir zu einfach machst und immer nur das siehst, was du sehen möchtest.

    Das wären mal Ansätze, die tatsächlich über den üblichen Polit-Stammtisch, den du hier deckst, hinausweisen würden

    Also die Diskussion hier darf jedenfalls gern wieder vielschichtiger werden, falls du das meinst.

    Wenn ich hier ständig nur dabei bin, zu erklären, warum ich manchen Stammtisch-Frust nachvollziehen kann, und was mich an der linken Ideologie und Doppelmoral stört, weil solche Äußerungen von mir nunmal hier auch am meisten Echo und Widerspruch auslösen, dann wirkt das natürlich irgendwann so, als ob sich mein Denken nur noch um diese Dinge dreht.

    Ich wollte ja auch gar nicht, dass sich das jetzt über so viele Threads erstreckt. Aber wie gesagt, wenn ich halt mal etwas Kontroverses äußere, muss ich mich dazu öfters erklären und noch weiter ausholen, und dann wirkt das Thema überdurchschnittlich stark repräsentiert. Wenn ich hingegen irgendwo schreibe, dass ich die Wehrpflicht ablehne, widerspricht mir in unseren Kreisen kaum einer, und so wird daraus eben auch keine ellenlange Debatte. Trotzdem sind mir beide Themen ähnlich wichtig, auch wenn es dann vielleicht von außen betrachtet nicht so aussehen mag.