Wieso sollten wir eigentlich riskieren, dass die AFD vielleicht doch zur Nazizeit 2.0 führt?
Welche große politische Idee vertritt die AFD denn, die so ein Risiko begründen würde?
Funktioniert denn das mit unserer Gesellschaft überhaupt noch? In den USA leben die Menschen in zwei unterschiedlichen Realitäten. Kann man da noch Menschen abholen? Hilft es da noch zuzuhören? Ein Problem ist für mich dieser Impuls eine vernünftige Mitte zu suchen. Manchmal liegt die Wahrheit einfach auf einer Seite (siehe Klimawandel) und ist meinungsunabhängig. Bei solchen Dingen ist die Politik aber hilflos, da viele Politiker Angst haben die Leute mit unbequemen Entscheidungen zu konfrontieren. Deshalb wird es auch nie ein AFD Verbot geben, egal wie gerechtfertigt es ist.
All diese Dinge sind bekannt aber wir fahren immer weiter in die gleiche Richtung. Leute, die das ganze Zeug analysieren und studieren, warnen uns seit Jahren aber wir sind alle zu bequem.
Da lobe ich mir die Leute, die immerhin auf die Straße gehen und zeigen: "Wir wollen keine Rechtsradikalen." Oder auch die Klimakleber, egal was man von denen halten mag. Die verdienen eigentlich Respekt und keinen Hass.
Was auch mega unterschätzt wird ist, dass bereits wenige organisierte Menschen in der AFD ausreichen, um ganz Deutschland in eine Nazizeit zu führen. Dafür müssen nicht alle Wähler der Partei überzeugte Nazis sein. Hitler hatte nicht mal eine politische Mehrheit und wahrscheinlich haben seine Wähler auch nicht von Anfang an das gewollt, was am Ende rauskam. Hinterher haben ja viele gesagt, dass sie von nichts wussten. 🤔
Gesellschaftliche Veränderungen (ob in die falsche oder richtige Richtung) gehen oft von kleinen Gruppen aus und wenn man merkt, dass sie passieren ist es zu spät.
Also nochmal: Demonstrieren ist notwendig, Widerstand ist angebracht und ein AFD Verbot überfällig.
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Antwort von dian:
Naja, die Wahrheit ist sicherlich auch, dass Corona-Viren existieren. Trotzdem gingen die Meinungen, was man für Maßnahmen ergreifen sollte, meilenweit auseinander. Da haben dann auch einige Politiker gemeint, sie müssten jetzt "unbequeme Entscheidungen" treffen, weil sie in ihrer Arroganz davon überzeugt waren, dass ihre Meinung alternativlos ist und es keine anderen vernünftigen Ansichten dazu geben kann, weil sie ja die Wahrheit erkannt haben.
Am Ende war die Gesellschaft gespaltener als je zuvor. Noch ein paar solche "unbequemen Entscheidungen", und wir haben Bürgerkrieg, der vermutlich dann weder der einen noch der anderen Seite helfen wird. Aufeinander zugehen und sich gegenseitig zuhören ist die einzige sinnvolle Lösung.
Auf Hardcore-Nazis, die das dritte Reich wiederhaben wollen, muss man sicherlich keine Rücksicht nehmen oder denen Kompromisse anbieten. Aber ein Großteil der AfD-Wähler wollte glaube ich einfach weniger EU-Fremdbestimmung, weniger Flüchtlinge und ein paar andere Dinge aus der "alten" BRD wiederhaben. Das sind Themen, über die man doch eigentlich verhandeln können sollte. Aber wenn diese Leute dann das Gefühl haben, keine der etablierten Parteien nimmt ihre Bedenken ernst, weil sie eben alles als "alternativlos" und nicht verhandelbar bezeichnen, dann wenden sie sich anderen Parteien zu, von denen sie sich ernst genommen glauben.
Und wenn man die AfD nun verbieten würde, treibt man diese Leute erst recht noch mehr an den Rand der Gesellschaft und in den Untergrund. Da wird sich die Zahl der "Reichsbürger" vermutlich verdreifachen. Von daher ist ein AfD-Verbot so ziemlich das Dümmste, was man tun könnte.