Posttraumatische Verbitterungsstörung (an alle Misanthropen)

  • Ich bin gerade auf das Thema der Posttraumatischen Verbitterungsstörung gekommen, was mir ein wenig die Augen geöffnet hat.

    Die Symptome dieser "Störung" sollen sein:

    Zitat von WIkipedia:

    "

    A. Kernkriterien:[18][19]

    1. klinisch signifikante emotionale Symptome oder Verhaltensauffälligkeiten in direkter Folge eines einmaligen schwerwiegenden, wenn auch – von außen gesehen – oft „nur“ alltäglichen Lebensereignisses (keine Extremereignisse wie Raubüberfälle, Verkehrsunfälle oder Krieg)
    2. auslösendes Ereignis ist dem Patienten bekannt und von ihm als Ursache der Erkrankung identifiziert
    3. auslösendes Ereignis wird als ungerecht, herabwürdigend und/oder kränkend wahrgenommen
    4. Intrusionen (regelhaft wiederkehrende, sich zwanghaft aufdrängende Erinnerungen an das auslösende Ereignis)
    5. Patient reagiert mit erneuter emotionaler Erregung, wenn er an das Ereignis erinnert wird

    B. Zusatzsymptome

    1. dysphorische Herabgestimmtheit, Grundstimmung erinnert oft an Depression mit somatischem Syndrom
    2. keine Beeinträchtigung der emotionalen Schwingungsfähigkeit, ungestörte Affektregulation wenn der Patient abgelenkt ist
    3. Antriebsreduktion oder -blockade,
    4. Patient erlebt sich als Opfer
    5. Patient erlebt sich als hilflos und unfähig, das Ereignis oder seine Ursache zu bewältigen
    6. Selbstvorwürfe, weil Ereignis nicht verhindert werden konnte oder nicht damit umgegangen werden kann
    7. Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Befinden
    8. unspezifische psychosomatische Beschwerden (Schlafstörungen, Appetitverlust, Schmerzen u. Ä.)
    9. phobische Vermeidung von ereignisbezogenen Orten und Personen,
    10. Lebensüberdruss und Suizidgedanken
    11. wiederkehrende Gedanken an Aggressionen, Rache und erweiterten Suizids gegenüber dem Stressor
    12. querulatorische Hartnäckigkeit im Kampf um die Wiederherstellung von Gerechtigkeit,

    "


    Bei mir treffen extrem viele Punkte zu.. um genauer zu sein kann ich folgenden punkten voll und ganz zustimmen (und zwar seit der Kindheti / frühen Jugend bis heute anhaltend):

    A Kernkriterien:

    Punkt 1 (wobei es in laufe der Jahre mehrere sogenannte "Ereignisse" gab die mich voll getriggert haben)

    Punkt 2

    Punkt 3

    Punkt 4

    Punkt 5


    B. Zusatzsymptome:

    Punkt 1 (immer wiederkehrend, aber nicht dauerhaft)

    Punkt 2 (wenn ich Musiziere oder in ein Spiel vertieft bin, oder esse bin ich emotional voll ausgeglichen, was leider zu Suchtverhalten führt)

    Punkt 3 (habe damals nach der Schule alles hingeschmissen und Spiele seitdem ein Katz und Maus Spiel mit dem Jobcenter um meine Ruhe zu haben.. bekomme regelrechte Panik wenn ich mal eine Maßnahme antreten soll)

    Punkt 4 (sowieso, wie soll es auch anderst sein?)

    Punkt 5

    Punkt 8 (bekomme häufig Hitzewallungen mit Schweisausbrüchen, gut das kann auch andere Ursachen haben)

    Punkt 9 (wie gesagt, Katz und Maus spiel mit dem Jobcenter)

    Punkt 10 (Suizid Gedanken hatte ich auch schon oft)

    Punkt 11 (In Schulzeiten spielte ich oft die Amokfantasien durch)

    Punkt 12

    Also bei allen Kriterien sehe ich mich voll und ganz wieder, auser bei Punkt 6 und Punkt 7 von den B Zusatzsymptomen (mache mir keine Vorwürfe, eher den Mitmenschen die mich in besagte Situationen aussetzten und mir nicht geholfen haben, sondern noch auf mich gespuckt haben), und Gleichgültig ist mir mein Befinden nicht, desshalb kann ich mich ja mit der Situation so schlecht anfreunden.



    Ich dachte bei mir ja bis gerade eben, an einer Persönlichkeitsstörung wie Borderline zu leiden.. aber nachdem ich auf die Posttraumatische Verbitterungsstörung aufmerksam wurde (wusste nichteinmal das es sowas gibt) sehe ich mich darin voll und ganz bestätigt.

    Jetzt gehe ich mal davon aus, das genau in diesem Forum der ein oder andere ein ähnliches "Krankheitsbild" <- mMn, eine normale Entwicklung auf gewisse Ereignisse, aufweist.


    Erkennt sich der ein oder andere ebenfalls darin wieder? wie geht ihr damit um? weil das Leben steht ja eigendlich still (zumindest bei mir so)

    Habe auch ein wenig Angst beim Psychologen das anzusprechen, besonderst wegen den Punkt 11 der B Zusatzsymptome (Suizid und erweiterter Suizid gegen dem Agressor)

    Da ich in meiner Kindheit schonmal unfreiwillig aus meiner Familie entrissen wurde und für mehrere Monate in einer geschlossenen Kinderpsychiatrischen Einrichtung untergekommen war (was definitiv nicht gerechtfertigt war und sich dann auch so rausgestellt hat), habe ich Angst erneut wegen "eigen und Fremdgefärdung" weggeschlossen zu werden.

    Damals habe ich zum ersten mal die unfähigkeit der Studierten Psychiatrischen Ärzte zu spüren bekommen.. Ich gald als Schwererziehbar weil ich das Essen meiner Mutter verweigerte.. später (Jahre später..) stellte sich heraus, das mir mein Bruder eingeredet hatte, meine Mutter liebt mich nicht und will mich vergiften.

    Seitdem an habe ich auch eine richtige Abneigung gegen Menschen entwickelt.

    Und dann kamen die anderen Sachen wie Mobbing etc. Also kurz gesagt: von einer Scheisse in die nächste... (die Psychiater dort, kamen nichtmal auf die Idee mich zu fragen warum ich das Essen verweigere... bei denen war klar, ich bin Schwererziehbar)


    Aber vlt kann man hier in diesem Thread mal darüber reden, wie man mit solchen Sachen umgehen kann / sollte.

  • Hey,


    kannte ich tatsächlich auch noch nicht. Danke :)


    Bei mir passen die Kernsymptome nicht.

    Und die Zusatzsymptome findet man bei sehr vielen Krankheitsbilder.


    Wenn Du Dich darin siehst ist es okay.

    Wobei ich bei Dir und dem Wenigen was ich schon gehört habe, von extremer Vernachlässigung, Kindeswohlgefährdung und dadurch entstandenem Entwicklungstrauma ausgegangen wäre.


    Das ist im Grunde ein Trauma, welches über einen längeren Zeitraum erlebt wird und meist in frühester Kindheit beginnt. Deshalb ist die (gesunde) Entwicklung gestört und man überhäuft sich mit Strategien oder Umgangsmethoden, die zwar funktionieren, jedoch irgendwann destruktiv sein könnten oder vereinsamen.


    Mhm... wie man damit umgeht ist sehr individuell. Du musst Dir klar werden, woran du explizit leidest und ob Du es ändern willst.

    Wir sind oft nicht nur zum Spaß in unsere Systeme, sondern ziehen unheimlich viel daraus. Sei es auch nur die Gewohnheit.

    Es lebe die Freiheit, die Meinungsäußerung und der Respekt anderen gegenüber.


    Will man einen Menschen genauer beurteilen, so muß man die Geschichte seiner Kinder- und Jugendjahre kennen.

    - August Bebel

  • Ja mein Psychologe meinte auch, das viele Krankheitsbilder sich überschneiden.
    Er ist aber auch der Meinung das bei mir aufgrund meiner Kindheit / Jugend etwas hängen geblieben ist (habe den so gut es geht alles über mich erzählt) war teilweise sehr peinlich...


    Aber es tut gut, das man mal von jemand hört, nicht nur faul oder dumm oder sonstwas zu sein, sondern wirklich einen (ich sage mal Krieg) überlebt zu haben.


    Und mir ist bewusst, das es dadraußen noch viel heftigere dinge gibt die Kindern angetan werden...


    Aber mein Psychologe meinte auch direkekt, das eine Therapie mir helfen kann damit umzugehen (zb auf trigger nicht mehr mit Wut zu reagieren.. wie Borderliner die sich nicht mehr mit dem Messer schneiden, sondern stattdessen in eine Chilli beißen)

    das ist schon ein wenig entäuschend, da ich erkenne das mein Leben so bleiben wird wie bisher.

    Und ich nur lerne nicht mehr so eine Wut / Trauer zu entwickeln. Vlt lerne ich, mich nicht mehr mit anderen zu vergleichen und nicht mehr Paaren neidisch hinterher zu sehen.


    Sei es wie es wolle. Nach meinen ableben muss ich unbedingt Gott fragen, warum der ganze scheiss.


    Fühle mich auch zum erstenmal vom Jobcenter verstanden (momentan wird kein Druck aufgebaut und scheinbar haben die kappiert das ich einige Probleme habe)

    also von daher scheint es gerade "zu laufen"

    mal schauen was die nächsten Jahre so kommt

  • Kernkriterien:[18][19]
    klinisch signifikante emotionale Symptome oder Verhaltensauffälligkeiten in direkter Folge eines einmaligen schwerwiegenden, wenn auch – von außen gesehen – oft „nur“ alltäglichen Lebensereignisses (keine Extremereignisse wie Raubüberfälle, Verkehrsunfälle oder Krieg)
    auslösendes Ereignis ist dem Patienten bekannt und von ihm als Ursache der Erkrankung identifiziert

    Ich bin mir in der Sache nicht ganz sicher, ob das wirklich so genau auf dich passt...

    Denn wenn du beschreibst, dass du schon in der Kindheit gegen deinen Willen in eine Psychiatrie gesteckt wurdest, und dein Bruder anscheinend ja auch irgendwie nicht ganz sauber im Kopf ist, wenn er dir sowas einredet... dann ist das ja im Grunde kein einmaliges, "alltägliches" Lebensereignis, sondern schon eher etwas, was ich mit dem massiven Trauma eines Krieges oder Verkehrsunfalles gleichsetzen würde.

    Generell scheint mir da sehr viel verkorkst gewesen zu sein in der Kindheit. Und all das zusammen trägt natürlich dann seinen Teil dazu bei, dass du so geworden bist, wie du bist.


    Ich finde es aber schon mal positiv, dass du dich jetzt doch getraut hast, dich dem Psychologen anzuvertrauen... :thumb_up: Gerade auch im Hinblick auf deine früheren Erlebnisse ist das ja nicht selbstverständlich. So, wie sich das anhört, scheint man deine Probleme ja ernstzunehmen und dich nicht nur schnellstmöglich an die nächste Arbeitsstelle vermitteln zu wollen.

    Gib der Sache eine Chance... zu verlieren hast du eh nicht mehr viel. Aber theoretisch könnte es ja wirklich klappen, und eine Therapie könnte etwas zum Besseren verändern in deinem Leben.

    das ist schon ein wenig entäuschend, da ich erkenne das mein Leben so bleiben wird wie bisher.

    Und ich nur lerne nicht mehr so eine Wut / Trauer zu entwickeln. Vlt lerne ich, mich nicht mehr mit anderen zu vergleichen und nicht mehr Paaren neidisch hinterher zu sehen.

    Naja, zu lernen, mit deinen bitteren Erfahrungen und Erinnerungen umzugehen, heißt ja nicht zwangsläufig, dass dein Leben immer so bleiben wird, und du es dann nur leichter zu ertragen lernst.

    Ich würde es eher so sehen, dass dein Leben sich nur ändern kann, wenn du von gewissen festgefahrenen Verhaltensmustern und sich im Kreis drehenden Gedanken wegkommst. Du wirst natürlich nicht automatisch die große Liebe finden, wenn du nicht mehr ständig traurig auf andere Pärchen schaust und nicht mehr so oft darüber nachdenkst, dass du keine abbekommen hast. Aber vielleicht findest du ja ein Hobby, das dich erfüllt, und das dich etwas aufblühen lässt... und durch dieses innere Aufblühen wird jemand auf dich aufmerksam, der dich liebenswert findet.

    Wenn die Therapie dabei helfen kann, dass du nicht mehr so zwanghaft auf diese zwei, drei Themen fokusiert bist, die sich ständig in deinem Kopf wiederholen ("Warum finde ich keine Frau? Warum sind alle so gemein zu mir?" etc.) dann wird da vielleicht Platz frei für etwas anderes.

    Lass es einfach mal zu und bleib offen für neue Eindrücke und Gedanken. Du bist immer noch relativ jung und es kann noch viel passieren im Leben.

  • Eine krasse Erfahrung in der letzten Zeit war ja, das der Psychologe (und auch ihr im Forum) mir ersteinmal gesagt habt, das ich wirklich einiges durchgemacht habe und mir das alles nicht nur einbilde bzw einrede.


    In der Schule als ich gemobbt wurde, hab ich mich zwar extrem scheisse gefühlt und abgekapselt, aber ich hatte immer das unterschwellige Gefühl, das ich viel zu sensibel bin und das kein Mobbing sei.

    Hätte man mich vor ein paar jahren gefragt wie meine Kindheit gewesen ist, hätte ich behauptet ich hätte eine schöne Kindheit gehabt und bin nur irgendwie komisch...


    Als der Psychologe mir sagte, das bei mir vieles gewesen ist was nicht hätte sein sollen, und auch niemand verdient hat... hab ich zum ersten mal gemerkt, das ich nicht zu sensibel bin sondern dass da wirklich einiges nicht ganz richtig verlief (sprich: ich habe zum ersten mal meine eigene Wahrnehmung trauen können)


    Nun werde ich das ganze langsam angehen, und nicht viel erwarten (sonst wird man wieder entäuscht)..

    das gute ist, ich kann jetzt mit Psychologen freier darüber reden und bin nicht mehr so ganz verklemmt (das erste mal als ich damals bei einer Therapeutin war, hatte ich gezittert, geschwitzt, und mich permanent verhaspelt... ich habe richtig gemerkt wie beim reden eine Blockade entstanden ist und ich den faden verloren hatte)

    kam mir vor als wäre ich dumm..


    Irgendwie kann ich auch meiner Familie keine Schuld geben (eigendlich müsste ich extremst wütent sein, das hatte ich die letzten Jahre auch durch)

    aber ich habe viel hinterfragt (warum wer wie handelt) und mitbekommen, das jeder sein päckchen zu tragen hat.


    Mit meiner Mutter hab ich mich sehr viel unterhalten und mitbekommen, das sie ebenfalls eine scheiss Kindheit hatte (sie hat sogar erinnerungslücken)

    aber ich sehe den guten willen dahinter (sie hat immer versucht das es mir so gut geht wie nur möglich)

    leider hat der Alkohol seitens meiner Brüder damals viel kaputt gemacht...


    Derjenige der mir eingeredet hat meine Mutter liebt mich nicht und will mich vergiften ist mittlerweile auch an Speiseröhrenkrebs verstorben.

    Vor sein Tot habe ich ihn noch gefragt warum er das gemacht hat..

    Da meinte er nur: er wisse es nicht, er hätte viel scheisse gemacht.

    Das werte ich einfach mal als Entschuldigung.


    Ich denke der Alkohol war letztendlich drann schuld (ich weiß ja selbst wie einen diese Droge verändern kann)

  • Pat92 Du merkst ja jetzt schon, dass das Leben anders sein kann. Dass man ernst genommen werden kann und Du Dir und Deiner Wahrnehmung trauen kannst.


    Das sind nur kleine Schritte, aber in Summe verändern sie Einstellungen und tiefgreifender Wahrnehmungen.

    Da kann ich Dian nur zustimmen:

    Dein aktuelles Leben ändert sich per se vllt nicht, aber wie du es siehst/wahrnehmst und was du daraus machst, könnte besser werden und sich erweitern.

    Es lebe die Freiheit, die Meinungsäußerung und der Respekt anderen gegenüber.


    Will man einen Menschen genauer beurteilen, so muß man die Geschichte seiner Kinder- und Jugendjahre kennen.

    - August Bebel