Anarchistische Antifakritik

Es gibt 80 Antworten in diesem Thema, welches 23.938 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (28. Mai 2022 um 04:45) ist von SeeBee.

  • Eine etwas seltsame Wahrnehmung. Wem haben wir denn Dinge wie Ausgangssperren, Mobilitätseinschränkungen, strengere Polizeigesetze, mehr Überwachung oder schärfere Abtreibungsregelungen zu verdanken? Nur weil sich einige Rechtspopulisten als 'Verteidiger der Freiheit' inszenieren, ist es doch absurd, in Konservativen die Bewahrer irgendwelcher Freiheitsrechte zu sehen.

    Was die Linke angeht, gab es schon immer autoritäre Gruppen und Positionen. Daher auch mein Appell, die 'schwarze Fahne ' (unter Bezugnahme auf das Symbol der antifaschistischen Aktion) bzw. die Bezugnahme auf eine libertäre Tradition wieder stärker in den Fokus zu rücken (was nicht heißen muss, dass sich 'rote' Antifas nicht auch für Freiheitsrechte stark machen können, je nachdem, was sie hiermit verbinden).

    Deine 'Punker-Antifa'-Erfahrungen in allen Ehren, aber ich würde mich doch eher auf konkrete Positionen beziehen, und nicht auf fragwürdige Vorkommnisse bzw Personen auf irgendwelchen Demos. Was Außenwirkung und Slogans angeht, bin ich allerdings kein Freund von Ironie oder Doppeldeutigkeit, da die meisten Menschen hiermit überfordert sind. Der Hang zum 'Witzigseinwollen' ist tatsächlich ein Ärgernis.

    Why do we fall?

  • Genauso, aber haargenauso konstruiert du doch auch deine Angst vor dem Impfstoff.

    Selbst wenn sie das wäre, stellt das nicht mein Recht auf unmittelbare Körperliche Unversehrtheit in Abrede. Es ist mein Recht vor BigPharam angst zu haben, genauso wie es dein Recht ist, vor dem Covid Tod Angst zu haben. Was aber nicht dein Recht ist, aufgrund deiner Angst das "Recht" anderer zu verletzen. Und da dieses "Recht" sich vornehmlich auf das Recht des Stärkeren Beruft scheiss ich auf diese Art von Gerechtigkeit. Aber das nur nebenbei. Da darfst du dich jetzt auch - ironischerweise dich selbst an anarchist bezeichnend - gerne tierisch echaufieren, nutzt aber nichts.

    Oder ist es bei dir etwa wie bei einem Kleinkind welches seine Suppe nicht

    essen will, weil es bockig ist?

    Genausowenig wie dich oder irgendwen solche dümmlichen Unterstellungen weiterbringen.

  • Ich war früher oft auf Antifa-Demos. Blockierte die Polizei den Demozug wurde geschrien: "Polizei = SA/SS"

    Guter punkt!

    Aber die Antifa spielt bei dieser Engstirnigkeit/Intoleranz ganz oben mit.

    Ja es ist ein Wahn der alle Gesellschaftsschichten durchzieht. Ich denke ja, dass da der BND ganz kräftig beteiligt ist, vor allem im Bezug auf die Antifa, diese Gruppen für BRD-Propaganda zu instrumentalisieren., so wie früher das rechte spektrum instrumentalisiert wurde. Ich habe zwar nicht aber kenne dazu relativ handfeste Beweise. Sowas verschwindet aber für gewöhnlich dann auch wieder recht schnell und zuverlässig aus dem Netz.... Ich hab solche dinge genug gesehen und mir mein urteil gebildet, wenn andere die augen davor verschliessen ist mir das egal. ich muss niemandem etwas beweisen.

    Jetzt ist es soweit gekommen dass man Linksradikalen und anarchisten erklären muss, dass man korrupten Kapitalisten nicht trauen sollte? Schon eine irrwitzige Zeit.

    Die "Lösung" ist wohl einfach, dass sie nicht das sind, was einmal als Links galt. Dass es zu Verwerfungen und Änderungen kommt ist die eine Sache, dass dabei grundlegende Werte über Bord geworfen werden eine ganz andere, die dabei wenig tolerierbar ist.

    Es gibt auch genügend Antifa Leute, die sich davon distanzeiren, genauso wie es bestimmt auch Nachrichtendienstler gibt, die antifa leuten solche einschlägigen Schilder schmackhaft machen.

  • Ich will hier nochmal hervorheben, dass meine Geldgeber immer noch in Tel Aviv sitzen und sicher nicht beim BND! Da bin ich etwas konservativ, der Feind steht immer noch im eigenen Land ;)

    Why do we fall?

  • Es gibt doch noch ein paar echte Antifa's unter den ganzen Antifanten und das sogar in München. :clap:
    https://mobile.twitter.com/antifaautonom/

    Wirkt auf den ersten Blick sympathisch, werde ich mal im Auge behalten.

    Sehr erfreut das zu hören, mein Obersturmtruppenführer. :cheerlead:

    -- Liebe macht frei, Arbeit nicht immer! --


    Steckt nicht in uns allen ein kleiner Anarchist, Spießer, Kapitalist, Faschist, Kommunist, Individualist und Querdenker?

  • Interessantes selbstkritisches Statement von der Gruppe, auf die sich der Artikel auf Seite 1 ("Als die Freiheit Gänsefüßchen bekam") bezieht:

    "

    In fast allen deutschen Großstädten geistert beinah seit Beginn der Pandemie ein breites Sammelsurium an EsoterikerInnen, KleinbürgerInnen, VerschwörungstheoretikerInnen, Nazis, aber auch einfach aus welchen Gründen auch immer gegenüber Corona-Maßnahmen und/oder Impfung skeptischen Leuten herum. Die – unbedingt scharf zu kritisierende – Tatsache, dass bei diesen Protesten auch bekannte Neonazis mitmarschieren, genügt großen Teilen der Linken, den Protest als Ganzes als rechten Protest abzutun und – zu oft peinlich besuchte – Gegenproteste zu organisieren. Klar muss für jede sich links nennende Person sein: Unter keinen Umständen sollte gemeinsame Sache mit dem Nazi-Pack gemacht werden! Der einzig legitime Kontakt zu FaschistInnen liegt in der direkten körperlichen Auseinandersetzung! Wo es geht, gilt es, rechter Ideologie entgegenzutreten!

    Die Reaktion einiger Antifa-Gruppen und bürgerlicher Anti-Nazi-Verbände bzgl. der Corona-Proteste bewirkt leider – mindestens in Nürnberg – das absolute Gegenteil. 1. ist es ein Zeichen der Schwäche, mit 50 Leuten gegen 5.000 zu demonstrieren. In der Öffentlichkeit lässt man so den Eindruck entstehen, man hätte dieser Bewegung nichts entgegenzusetzen. 2. treibt man so die nicht faschistischen Kräfte in dieser Bewegung – die in den meisten Städten den überwiegenden Großteil ausmachen – den Nazis in die Arme. Die fühlen sich durch dieses von der bürgerlichen Presse und dem linken Gegenprotest verbreitete Stigma „Ihr seid alles Nazis!“ diskreditiert – und das zu Recht! Fakt ist: Diese Bewegung ist mit Sicherheit nicht die progressivste, doch sind (mindestens in Nürnberg und sehr wahrscheinlich in den meisten anderen Städten auch) nicht alle der TeilnehmerInnen rechts – der Nazi-Anteil dürfte in vielen Fällen verschwindend gering sein. Leute, die sich einmal als links verstanden oder zumindest offen waren für linke Inhalte, werden sich durch die Blockade-Versuche und die Nazi-Stigmatisierung mit Sicherheit nicht von den richtigen Ideen überzeugen lassen, sondern wenden sich – im schlimmsten Fall – doch eher rechten Antworten zu.

    Die falscheste aller Reaktionen ist unseres Erachtens, dieser breiten Bewegung in Gänze mit Feindseligkeit zu begegnen und sich damit zum Büttel der Staatsmacht zu machen. Klar muss sein:

    – individuelle Freiheit kann nicht per se über kollektiver Gesundheit stehen!

    – mit Nazis zu marschieren verbietet sich für jedeN LinkeN!

    – dem bürgerlichen Staat ein Urvertrauen entgegenzubringen, verbietet sich für jedeN LinkeN!

    Viele Leute sind enttäuscht von der Linken, ob ihres Verhaltens gegenüber der staatlichen Corona-Politik. Vierlerorts entstand der Eindruck, die Linke sei zum staatstreuen Handlanger verkommen, angesichts der Untätigkeit gegenüber absolut schwachsinnigen Maßnahmen wie Kontaktverboten, Ausgangssperren etc. Damit haben wir uns einerseits unglaubwürdig gemacht in unserem viel beschworenen Credo, diesen Staat bekämpfen zu wollen und uns damit unserer eigenen Kampfgrundlage beraubt, andererseits haben wir es (mal wieder) verpasst auf gesellschaftliche Entwicklungen schnell und adäquat zu reagieren.

    Der – verglichen mit den Blockade-Versuchen und dem „Wir impfen euch Alle“-Gebrülle – zumindest richtigere Ansatz ist unseres Erachtens die richtigen Positionen in diese Bewegung hineinzutragen und die falschen Position als das zu entlarven, was sie sind: (klein-)bürgerlicher Individualismus und gefährliche Falschinformation. Aber auch die durchaus berechtigte Skepsis gegenüber der staatlichen Corona-Politik aufzugreifen und eine vernünftige, linke Erzählung zu etablieren – ohne sich anzubiedern oder die eigenen Inhalte zu verwässern.

    Freilich sind diese Position und die daraus folgenden Schlüsse nicht blind auf andere Städte zu übertragen. In den verschiedenen Städten gestalten sich Konzeption und Konstellation der Corona-Proteste sehr unterschiedlich: In einigen Städten sind Nazis treibende Kräfte, in anderen Bürgis, in wieder anderen hat sich die Bewegung bereits gespalten. Unsere Analyse konzentriert sich auf die Situation in Nürnberg, die sich in ähnlicher Ausgestaltung sicher auch andernorts feststellen lässt.

    Um aber nicht immer nur zu meckern, was „die Linke“ so Alles falsch macht, versuchen wir uns derzeit an einer Alternativstrategie und verteilten einen Flyer (siehe unten) auf den letzten Demonstrationen und Gegendemonstrationen. Da wir recht wenig Ahnung hatten von der Zusammensetzung dieser Demos, waren wir sehr gespannt auf die Reaktionen. Diese sind sehr unterschiedlich ausgefallen: Gerade seitens der OrdnerInnen (Team Menschenrechte) schlug uns erstmal der Vorwurf entgegen, als Antifa-AktivistInnen bezahlt zu werden (wie blöd muss Mensch eigentlich sein, um so einen Schwachsinn zu glauben?!?) und zu versuchen, die Bewegung zu infiltrieren; auch einige BesucherInnen der Proteste begegneten uns mit Feindseligkeit; wieder andere nahmen die Flugblätter gerne an und kommentierten sie teilweise sogar positiv; in den entsprechenden Chat-Gruppen entbrandeten kontroverse Diskussionen.

    Diese Verteilungen sind fraglos sehr unangenehm – doch eines der Hauptprobleme der Linken ist, dass sie meint, Politik machen könne immer gemütlich sein. Den Rechten das Feld zu überlasten, wird uns längerfristig teuer zu stehen kommen. Leute, Politik machen heißt streiten und sich nicht im kuschligen Szene-Pool, wo alle (vermeintlich) gleich denken, verstecken! Kontakt zu den Massen – sei es im Betrieb, in der Uni, Fußgängerzone oder auf den Corona-Protesten – ist nicht immer gemütlich, aber notwendig! Also lasst uns kreativ werden; versuchen, in Kontakt zu treten mit den noch zu rettenden Teilen dieser Bewegung! Tragen wir die richtigen Inhalte in die Gesellschaft!"

    Why do we fall?

  • Was ich mich immer frage:

    1. (Warum) Ist es relevant, welche links/rechts orientierung jemand hat, wenn er eine demo besucht, auf der es um ein thema geht, das mit einer ideologischen rechts/links ausrichtung herzlich wenig zu tun hat.

    2. Wieviel % der bösen rechten Nazis sind auf einer Querdenker veranstaltung weil sie das 4te reich errichten und irgendjemand vergasen wollen?

    3. Wieviel % der bösen rechten Nazis sind auf einer Querdenker veranstaltung, weil sie vorhaben, unbescholtene Bürger heimtückisch mit ihrer giftigen Ideologie zu verführen?

    4. Wieviel % der Antifaschisten bekommt über 2. und 3. ernst zu nehmende paranoide Veranlagungen?

    5. Warum wird das Thema Rechts/Links nicht bemüht, wenn auf dem Wochenmarkt die Kartoffeln zu teuer sind? (Oder bin ich zu progressiv?)

    Wenn du mich fragst, ist das Problem der linken heutzutage, dass sie sich viele in dem Bereich von eben dem establishment instrumentalisieren lassen, gegen das die Linke ursprünglich begründet wurde. Aber schön, mal ein paar Gegenstimmen zu den Covidioten-Hatern aus dem linken Lager zu lesen. Es gibt ja eigentlich schon genug linke Covidioten. Aber das sind jetzt halt alles nazis und deshalb zählt das nicht. XD

  • 1. (Warum) Ist es relevant, welche links/rechts orientierung jemand hat, wenn er eine demo besucht, auf der es um ein thema geht, das mit einer ideologischen rechts/links ausrichtung herzlich wenig zu tun hat.

    Aus dem selben Grund, weshalb man keine Nazipartei wählt, selbst wenn sie vordergründig auch für mehr Naturschutz ist.

    2. Wieviel % der bösen rechten Nazis sind auf einer Querdenker veranstaltung weil sie das 4te reich errichten und irgendjemand vergasen wollen?

    Nazis heute wollen niemanden mehr vergasen. Das läuft subtiler. Der Wunsch nach einem großen Führer und einer harten Hand sind geblieben. Man möchte heute keine Kriegsverbrechen mehr begehen, alles was nicht deutsch genug ist, wird einfach aus dem Land geschmissen. Homosexualität endet vermutlich auch nicht mehr zwangsläufig mit dem Tod, wird aber mindestens gesellschaftlich unterdrückt, so wie es vor 80 Jahren auch angefangen hat bei den Minderheiten.

    Möglicherweise hat man wenig später aber doch Gaskammern gebaut und Andersdenkende nicht bloß untersagt, sich auf Parkbänke zu setzen. Ist schon möglich, so genau habe ich den geschichtlichen Hergang natürlich auch nicht mehr im Kopf. In jedem Fall sehe ich aber den Zusammenhang, dass Hitler bei seinem Wahlkampf auch nichts von Vergasungen und Unterdrückung hat verlauten lassen.

    3. Wieviel % der bösen rechten Nazis sind auf einer Querdenker veranstaltung, weil sie vorhaben, unbescholtene Bürger heimtückisch mit ihrer giftigen Ideologie zu verführen?

    Bist du jetzt endgültig Fürsprecher für die radikale Rechte? Deine seltsamen Fragen erinnern mich stark deren Argumentationsform im Internet. Fehlt nur noch die Frage, weshalb wir die Militäroperationen der deutschen Wehrmacht so schlechtreden, aber bei den Amerikanern nichts sagten, nachdem sie den Irak angegriffen haben.

    4. Wieviel % der Antifaschisten bekommt über 2. und 3. ernst zu nehmende paranoide Veranlagungen?

    Also ich lese von deiner Seite exakt fünf paranoide Auswüchse. Unter normalen Umständen kann man auf so einem Blödsinn doch gar nicht kommen.

    5. Warum wird das Thema Rechts/Links nicht bemüht, wenn auf dem Wochenmarkt die Kartoffeln zu teuer sind?

    Von Seiten der Linken ging es schon immer um ein bezahlbares Leben, respektive Demos gegen das Abgehängtsein. Sei es durch Hartz IV, gestiegene Mieten, oder weil man sich den öffentlichen Nahverkehr kaum noch leisten kann. Kürzlich kam gar die Verstaatlichung von Supermärkten aufgrund der elementaren Stellung der Grundversorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs auf. Ich schätze, darunter fallen dann auch deine erwähnten Kartoffeln.