Alexander Kluge und Slavoj Zizek / Interview (Zu Beginn in Deutsch)
Zizek über die Mängel von Anarchismus und Anarchosyndikalismus
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Alexander Kluge und Slavoj Zizek / Interview (Zu Beginn in Deutsch)
Alexander Kluge und Slavoj Zizek / Interview (Zu Beginn in Deutsch)
Zizek über die Mängel von Anarchismus und Anarchosyndikalismus
Zizek ist ein unterhaltsamer Kerl, aber ich sehe nicht, wie er in irgendeiner Weise progressive Impulse für eine linke Bewegung setzen kann. Vielleicht habe ich mich nicht ausreichend mit ihm auseinandergesetzt, aber im Grunde hat er substanziell nicht viel zu sagen, wenn es um politische Organisierung geht. In Bezug auf Anarchismus fehlt ihm vermutlich auch einfach die Phantasie. Es ist prinzipiell kein Widerspruch, wenn einerseits ein umfassenderes Gemeinwesen über komplexere und weitreichendere Fragen entscheidet - z.B. das Gesundheitssystem, ökologische Fragen, Bildung - und andererseits mehr lokale Autonomie in anderen Fragen geschaffen wird, z.B. was Wohnen und Arbeiten angeht. Bei Zizek müffelt eben alles ein wenig nach Lenin bzw autoritärem Staatssozialismus.
Zizek ist ein unterhaltsamer Kerl, aber ich sehe nicht, wie er in irgendeiner Weise progressive Impulse für eine linke Bewegung setzen kann. Vielleicht habe ich mich nicht ausreichend mit ihm auseinandergesetzt, aber im Grunde hat er substanziell nicht viel zu sagen, wenn es um politische Organisierung geht. In Bezug auf Anarchismus fehlt ihm vermutlich auch einfach die Phantasie. Es ist prinzipiell kein Widerspruch, wenn einerseits ein umfassenderes Gemeinwesen über komplexere und weitreichendere Fragen entscheidet - z.B. das Gesundheitssystem, ökologische Fragen, Bildung - und andererseits mehr lokale Autonomie in anderen Fragen geschaffen wird, z.B. was Wohnen und Arbeiten angeht. Bei Zizek müffelt eben alles ein wenig nach Lenin bzw autoritärem Staatssozialismus.
Er sieht sich ja auch als Marxisten. Von daher ist seine Sichtweise nicht verwunderlich. Ich kenne noch so einige Linke, die ziemlich intellektuell drauf sind und die ebenso denken. Am Ende ist es aus beiden Gesichtspunkten heraus wohl Neuland. Und, wir werden dieses Neuland weder in die eine noch in die andere Richtung auf absehbare Zeit betreten. Die Skalen die er anspricht, sind einfach utopisch. Das wird nicht in 100 Jahren passieren. Also nix, was wir noch erleben würden. Ich halte es halt für eine tolle Phantasie, aber wenn ich realistisch denke und das versuche ich eigentlich immer zu tun, da mir der Rest zu große Magenschmerzen irgendwann bereitet, dann werden wir auf lange Sicht den Kapitalismus an der Backe haben.
Zum Fall Lina E.
Sehr gute objektive Doku ...
Was willste machen, wenn der Staat seinen Aufgaben nicht hinterher kommt. Ob das nun unter der Ampel besser wird?
Aber warum hat der Staat dann erst die rechte Szene so aufgebaut, wie sie es ist? Geschah das alles nur aus Unwissenheit
und es war wirklich nicht klar, dass die V Männer die Gelder des Staates zum Aufbau der Szene nutzen? Ist es ein gezielter
Aufbau gewesen oder ist da Jahrzehntelang etwas derb schief gelaufen ... Vielleicht ein Mix von beiden oder schließt sich das aus.
Ich bin mir da nicht ganz im Klaren, wo die Wahrheit liegt.
Aus der Doku: "was ich rein visuell gehört hab"
LoL ... Enrico Böhm sorgt für einen derben Lacher ...
Am Ende bin ich aber so schlau wie vorher. Kann nicht wirklich einschätzen, ob Gewalt von außerhalb des Gewaltmonopols probates Mittel
für politische Ziele sein kann / sollte oder eben nicht. Sehr ambivalente Geschichte ist das ...
Am Ende bin ich aber so schlau wie vorher. Kann nicht wirklich einschätzen, ob Gewalt von außerhalb des Gewaltmonopols probates Mittel
für politische Ziele sein kann / sollte oder eben nicht.
Also zumindest hat es dafür gesorgt, dass die linke Szene in ihrer Außenwahrnehmung jetzt noch schlechter dasteht als bisher schon. Außerdem sind ein Teil ihrer Führungspersönlichkeiten und Hardcore-Fighter aus dem Verkehr gezogen. Für die Übrigen ist die Messlatte so hoch gesteckt, dass ihnen nun exakt das widerfährt, was sie ihre Gegner spüren lassen wollten. Nämlich dass sie sich fortan zweimal überlegen, ob man wirklich mit einer politisch Aktion auffallen möchte.
Außerdem wird der polizeiliche Fokus nun wieder gezielt auf die linke Szene gelegt. Inklusive umfangreicher Ermittlungen für den bevorstehenden Prozess, nach dem wahrscheinlich der eine oder andere seine Abkehr zu ehemaligen Kommunarden finden wird.
Also Erfolg auf ganzer Linie, würde ich sagen.
Am Ende bin ich aber so schlau wie vorher. Kann nicht wirklich einschätzen, ob Gewalt von außerhalb des Gewaltmonopols probates Mittel
für politische Ziele sein kann / sollte oder eben nicht.
Also zumindest hat es dafür gesorgt, dass die linke Szene in ihrer Außenwahrnehmung jetzt noch schlechter dasteht als bisher schon. Außerdem sind ein Teil ihrer Führungspersönlichkeiten und Hardcore-Fighter aus dem Verkehr gezogen. Für die Übrigen ist die Messlatte so hoch gesteckt, dass ihnen nun exakt das widerfährt, was sie ihre Gegner spüren lassen wollten. Nämlich dass sie sich fortan zweimal überlegen, ob man wirklich mit einer politisch Aktion auffallen möchte.
Außerdem wird der polizeiliche Fokus nun wieder gezielt auf die linke Szene gelegt. Inklusive umfangreicher Ermittlungen für den bevorstehenden Prozess, nach dem wahrscheinlich der eine oder andere seine Abkehr zu ehemaligen Kommunarden finden wird.
Also Erfolg auf ganzer Linie, würde ich sagen.
Tja, wie hätte die Alternative aussehen sollen? Nach dem Überfall auf Connewitz läuft die rechtliche Aufarbeitung schleppend bis gar nicht. Ich würde sagen, dass sich die rechte Szene ohne antifaschistische Gegenwehr - und hiermit meine ich die komplette Ebene von den ganzen Outings bis hin zu direkten Aktionen - sehr sicher sein könnte, dass die eigenen Übegriffe von relativ harmlosen juristischen Folgen abgesehen ohne Konsequenzen bleiben würden. Was antifaschistische Aktionen geleistet haben, ist, den aktionistischen Kern der Neonazis zumindest zu reduzieren auf diejenigen, denen das alles egal ist.
Ob gerade Aktionen wie diejenigen,die Lina vorgeworfen werden, zu einem schlechten Ruf der Linken beitragen, wage ich übrigens zu bezweifeln. Ich denke, hier ist schon viel klammheimliche Sympathie vorhanden, auch bei linken 'Demokraten'. Und der Rest hasst so oder so alles, was 'links' aussieht, bzw. regt sich eher über 'Krawall' auf als über irgendwelchen klammheimlichen Aktionen.
Ob gerade Aktionen wie diejenigen,die Lina vorgeworfen werden, zu einem schlechten Ruf der Linken beitragen, wage ich übrigens zu bezweifeln. Ich denke, hier ist schon viel klammheimliche Sympathie vorhanden, auch bei linken 'Demokraten'.
Stimmt schon. Das Märtyrertum ließ selbst beim Attentäter von Halle nicht lange auf sich warten. Das ist im Grunde nichts anderes als ideologische Folgsamkeit, wie sie beim politischen Gegner genauso auftritt. Sie eint neben dem falschen Heldenmythos außerdem eine ausgeprägte Unbelehrbarkeit. Diese zeigt sich auch anschaulich am Beispiel von Neonazi Enrico Böhm, der stolz verkündet hat, sich nicht ändern zu wollen und exakt genauso weiterzumachen. Jetzt erst recht.
Was einem halt so in den Sinn kommt, wenn man keine Perspektive und ohnehin nichts zu verlieren hat. In den oberen Bildungsschichten sieht man das schon differenzierter, wie die Dame im Interview das personell gut verkörpert hat. Sie sei zwar gegen solche Aktionen, findet sie aber wichtig. Das scheint sehr widersprüchlich zu sein, ergibt aber in ihrer Zugehörigkeitsphase äußerst viel Sinn. Später im Leben wird jedoch das eintreten, was sich bereits jetzt abzeichnet: ein folgsames Leben jenseits von gewalttätigen Auseinandersetzungen im Szeneviertel. Nach dem Studium zieht man dann nach Schleußig und lebt sein Leben. Klar ist man dann immer noch links, aber eher bei seiner Auswahl im Biomarkt.
Ob gerade Aktionen wie diejenigen,die Lina vorgeworfen werden, zu einem schlechten Ruf der Linken beitragen, wage ich übrigens zu bezweifeln. Ich denke, hier ist schon viel klammheimliche Sympathie vorhanden, auch bei linken 'Demokraten'.
Stimmt schon. Das Märtyrertum ließ selbst beim Attentäter von Halle nicht lange auf sich warten. Das ist im Grunde nichts anderes als ideologische Folgsamkeit, wie sie beim politischen Gegner genauso auftritt. Sie eint neben dem falschen Heldenmythos außerdem eine ausgeprägte Unbelehrbarkeit. Diese zeigt sich auch anschaulich am Beispiel von Neonazi Enrico Böhm, der stolz verkündet hat, sich nicht ändern zu wollen und exakt genauso weiterzumachen. Jetzt erst recht.
Was einem halt so in den Sinn kommt, wenn man keine Perspektive und ohnehin nichts zu verlieren hat. In den oberen Bildungsschichten sieht man das schon differenzierter, wie die Dame im Interview das personell gut verkörpert hat. Sie sei zwar gegen solche Aktionen, findet sie aber wichtig. Das scheint sehr widersprüchlich zu sein, ergibt aber in ihrer Zugehörigkeitsphase äußerst viel Sinn. Später im Leben wird jedoch das eintreten, was sich bereits jetzt abzeichnet: ein folgsames Leben jenseits von gewalttätigen Auseinandersetzungen im Szeneviertel. Nach dem Studium zieht man dann nach Schleußig und lebt sein Leben. Klar ist man dann immer noch links, aber eher bei seiner Auswahl im Biomarkt.
Wie gesagt: Den harten Kern wirst du vermutlich nicht aus der rechten Szene 'rausprügeln', aber alles in allem wird sich die Szene auf einen harten Kern reduzieren, wenn deutlich wird, dass mit rechtem Aktivismus bestimmte Konsequenzen einhergehen.
Das hat nichts mit 'Zugehörigheitsphasen' zu tun. Was soll die Polemik? Die Frage nach der Alternative hast du nicht beantwortet. Klar, es ist wohlfeil, festzustellen, wie es angeblich nicht ablaufen darf. Aber wenn man konkret vor einem Problem steht - z.B. der öffentlichen Dominanz rechter Strukturen in bestimmten Vierteln oder auf dem Land - stellt sich eben die Frage, wie dieses Problem adressiert werden soll, wenn man über nichts verfügt außer über die 'besseren Argumente', und wenn zugleich staatliche Institutionen eher uninteressiert sind.
Zum Fall Lina E.
Da kann man mir sicher Arroganz, Paternalismus etc. vorwerfen, aber mich nervt es immer, wenn Aktive, die vermutlich eher jünger und vermutlich auch nicht so erfahren sind, vermummt vor irgendeiner Kamera rumhüpfen. Es gibt bessere Arten der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
Ganz grundsätzlich sollte eben vergegenwärtigt werden, dass hier im Grunde wiedermal eine Sau durchs Dorf getrieben wird. Der Staat zeigt mal wieder seine Zähne, was am Ende dabei rauskommen wird, werden wir sehen. Letzten Endes gibt es viele Linas. Bernd Langers Buch über autonomen Antifaschismus der 80er ist auch recht interessant in dem Kontext, wobei er auch die Bedeutsamkeit öffentlicher Bündnisarbeit nennt.
Sinnlose und fehlgeleitete Gewalt ist Mist, aber keine Gewalt ist auch keine Lösung.