Wer bin ich

Es gibt 76 Antworten in diesem Thema, welches 60.066 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (9. Juni 2026 um 17:35) ist von '"'"'.

  • Oder die heutige Sitte sich am zählbaren Erfolg irgendwelcher Unternehmungen, der oft auch einfacher "Anerkennung" durch andere (sich entfremdete) Menschen eröffnet, zu messen würde z.B. ins "die Welt verbessern" mitgeschleppt und es stellt sich dann wieder ein Empfinden von Entfremdung ein.

    Klar, das ist schon im Bereich des Möglichen, gerade wenn man viel Energie in eine Sache steckt, mit der man sich vielleicht gar nicht so hundertprozentig identifiziert, und die man eher tut, weil sie einem nötig oder einfach richtig erscheint. Aber so altruistisch bin ich gar nicht unbedingt (nur manchmal vielleicht). Für mich ist das egoistische Motiv vermutlich schon größer gewesen von Anfang an. Die Weltverbesserung wäre ein schöner Bonus, den ich gern mitnehme, aber angefangen hab ich das vor allem, um mir selbst Luft zu verschaffen, um meinen Frust kundzutun, meine Werke zur Schau zu stellen, und vor allem zu Beginn auch aus der Sehnsucht nach Kontakt zu Seelenverwandten. So gesehen sicher auch Sehnsucht nach Anerkennung. Klar, wenn man etwas schafft, freut man sich natürlich auch, wenn es andere interessiert, ich denke, das ist ganz normal.

    Das was ich schaffe, könnte aber nie austauschbar sein... also ich könnte mir nicht vorstellen, mit anderen Themen anzutreten, nur weil ich mir davon mehr Anerkennung oder Erfolg verspreche. Wenn es danach ginge, müsste ich sowieso ganz anders auftreten, gewisse Ratschläge anderer Leute berücksichtigen, wie man moderne junge Menschen erreicht, etc. Aber so "flexibel" bin ich nicht. Ich zieh mein Ding durch, das war mir immer das allerwichtigste. Ob 1000 Zuschauer oder 0. Nur wenn es wirklich irgendwann 0 sein sollten und komplett die Rückmeldung fehlen würde, würde es natürlich schon das Gefühl der Entfremdung und Andersartigkeit verstärken. Und dann kann auch die Frage aufkommen, wenn man wirklich niemanden erreicht und einen niemand versteht, kann es dann überhaupt sein, dass man auf dem richtigen Weg ist?

    Wobei es ja auch Götter geben soll, die verlorenen Schafen nachgehen. Du als Gott würdest eher "gute Systeme" erschaffen?

    Ich bin mir nicht so sicher, ob ich als Gott geeignet wäre, und ob diese Welten jedem gefallen würden, die ich erschaffen würde.

    Ich habe aber auch gar kein Bedürfnis, anderen meine Schöpfung oder meinen Geschmack aufzudiktieren. Es ging eher darum, eine Welt für mich selbst zu erschaffen, in der ICH mich zuhause fühle.

    Wäre ich wirklich Schöpfer einer Welt für andere, würde ich vermutlich eine langweilige Welt ohne Zwänge und Verfallsdatum erschaffen, in der dann jeder sein eigenes Holodeck programmieren kann, falls es ihm nach mehr Dramatik und Spannung gelüstet.

  • Für mich ist die Frage „Wer bin ich?“ elementar, um sozusagen, den Grund zu verstehen, was das Leben an sich überhaupt sein soll.

    Ist das Leben für dich nichts, wenn es "nichts soll"?

    Bisher ist die Wiedergeburt für mich am Schlüssigsten, aber nicht in Form der Reinkarnation sondern als neue Manifestation.

    Was würde das nach deiner Vorstellung bedeuten? Wenn man annimmt, ein Aufwachsen würde situative Prägung bewirken, dann würde sich etwas, für manche vielleicht "ich" unter anderen prägenden Umständen neu manifestieren? Aber es gäbe eine Art Kern, die auf äußere Situationen auch in bestimmter Weise in Resonanz geht, manches, anders als andere in gleichen Situationen, annimmt oder nicht?

    Das Auflösen des Egos ist für mich deshalb wichtig, weil das Ego die Menschen voneinander trennt und zu Konflikten führt. Das sieht man ja auch im Streit und die Frage, die sich stellt, ist: Warum streiten wir in dieser kurzen Zeit in der wir auf der Erde sind überhaupt.

    Mein Eindruck ist, viel bedenklicher und schädlicher Streit beruht auf einer Art "Krieg", die aus Uneinigkeit darüber geführt wird, was zur Lebenssphäre eines Menschen gehört und was nicht. Was steht ihm zu und was sollte ein Außenstehender bestimmen dürfen (bei dieser verbreiteten Art Streitigkeit zählt der Versuch das zu tun)? Das führt dann zu Haltungen, in denen z.B. Außenstehende so auf jemandem "einhacken" als würde derjenige ihnen vielleicht durch Widerworte, vielleicht durch anderes etwas wegnehmen. Ideologen streiten oft respektlos, besonders wenn die von diesen vertretene Ideologie gerade ziemlich mehrheitlich Stammtischhoheit hat.

  • angefangen hab ich das vor allem, um mir selbst Luft zu verschaffen

    Inwiefern? Um dich selbst in dir zu befreien, mehr Luft zu bekommen? Um Abneigungen nach außen auszuagieren?

    Für mich ist das egoistische Motiv vermutlich schon größer gewesen von Anfang an.

    Im Sinne von "bei sich selbst bleiben" finde ich es gut, sehr viele bleiben nach meinem Eindruck heute nicht bei sich, bei "ihrer Natur". Das mag an der immer mehr wachsenden gesellschaftlichen Enge in Folge von Ausgeliefertheiten und so weiter zu tun haben (vor wenigen Generationen hatten Menschen nicht unbedingt Geld, aber meist ein Stück Land). Aber da wäre ich doch wieder bei meiner Frage: Wieso geben sich offenbar viele Menschen dem hin, haben vielleicht kapituliert bis hin zu einem massiven Stockholm-Syndrom? Ist es Zufall, ein Unfall, wenn Einzelne einem Bedürfnis nachgehen mehr bei sich zu bleiben? Oder sind diese irgendwie anders? Mir stellt sich ein Zusammenhang zur Art der Körperidentifikaton dar. Sehr viele Menschen sehnen sich offenbar danach körperliche Bedürfnisse zu stillen. Und die machen dann einfach alle politischen Irrungen mit, weil sie sich zuerst um ihr körperliches Wohlleben sorgen? Aber inwiefern wäre das dann für sie "ich selbst"? Auf andere trifft die "Bedürfnispyramide" wie sie heute oft kursiert, hingegen nicht so ganz zu? Wie käme es dazu? Das halte ich für eine entscheidende Frage auch was die Resonanz auf "Hilfsangebote" angeht.

  • Inwiefern? Um dich selbst in dir zu befreien, mehr Luft zu bekommen? Um Abneigungen nach außen auszuagieren?

    Ach, es hatte sich eben einiges angestaut im Lauf der langen Schulzeit. So viele Dinge, die ich idiotisch fand, an unserem ganzen Schulsystem, in der Erwachsenenwelt generell, aber auch nicht zuletzt an meinen Mitschülern und ihrer oberflächlichen Art. Später kam noch der Frust in der Arbeitswelt hinzu oder beim Zivildienst. Und dass ich mich eben generell überall, egal ob in Familie oder bei meinen damaligen sogenannten "Freunden", einfach immer ein wenig fremd fühlte, als ob ich nur eine Rolle spielte, aber nie wirklich ich selbst gewesen bin.

    Ich war einfach nicht dieser schüchterne, belanglose und manchmal auch seltsame oder peinliche Typ, als den mich alle sahen.

    Ich wusste aber auch nicht, wie ich jemals etwas daran ändern sollte. Aber als ich dann im Internet landete und realisierte, dass ich dort ja wie ein unbeschriebenes Blatt war, und alles sein konnte, was ich wollte, wirkte das sehr befreiend auf mich.

    Und da kotzte ich mich dann ordentlich aus, bekam einen regelrechten kreativen Schub, schrieb viele Texte, machte das Forum hier auf, und gab mir einen anderen Namen, und das alles färbte dann auch zunehmend auf mein reales Leben ab, wo ich mir die Haare blau färbte , andere Musik hörte als früher (ich entdeckte zu der Zeit auch Metal für mich), und einfach zunehmend anders auftrat, erst recht, sobald ich dann auch mein altes Schul- und Freundes-Umfeld hinter mir gelassen hatte und mich mit neuen Leuten umgab, die mich nur aus dem Internet kannten. Von da an war ich eben der kreative, einzigartige und manchmal vielleicht auch etwas durchgeknallte "Dian The Saint" und nicht mehr der langweilige Typ mit dem uncoolen Namen von früher.

    Es war schon irgendwie bisschen so, als ob sich so eine hässliche Raupe in einen Schmetterling verwandelte.

    Das Forum bzw. das Internet generell und die Kontakte zu den ganzen neuen Leuten(und natürlich auch die geistigen Auseinandersetzungen und Diskussionen, wo davor nur belangloser Alltag war), waren sowas wie das Sprungbrett, das mir diese Verwandlung ermöglichte.

  • Von da an war ich eben der kreative, einzigartige und manchmal vielleicht auch etwas durchgeknallte "Dian The Saint" und nicht mehr der langweilige Typ mit dem uncoolen Namen von früher.

    Deine ganze letzte Antwort zu diesem Aspekt meiner vorher hier geäußerten Gedanken finde ich in dieser Qualität durchaus interessant. Da steckt auch einiges von "Selbstfindung" mit drin? Wer bist du schließlich, "Dian" (sowas wie eine männliche Form von Diana)? Der langweilige Typ? Gar kein "Image" das aus irgendwelchen Gründen von anderen aufgegriffen wird? Offenbar hat es etwas auch recht tief innen mit dir gemacht, wie andere auf dich reagiert hatten? Ich würde sagen, bei mir war das so nicht der Fall gewesen. Weswegen ich mich vielleicht frage, wieso sich jemand fragt "Wer bin ich?".

  • Da steckt auch einiges von "Selbstfindung" mit drin? Wer bist du schließlich, "Dian" (sowas wie eine männliche Form von Diana)? Der langweilige Typ? Gar kein "Image" das aus irgendwelchen Gründen von anderen aufgegriffen wird? Offenbar hat es etwas auch recht tief innen mit dir gemacht, wie andere auf dich reagiert hatten?

    Also zunächst mal, nein, es kommt nicht von Diana. Tatsächlich ist mir "Dian" aber später nur als Frauenname begegnet, Dian Fossey z.B., und im neuen "Masters of the Universe"-Film gab es tatsächlich auch eine Soldatin namens Dian. Der androgyne Aspekt des Namens war aber eher unbeabsichtigt und mir damals nicht so bewusst, wenngleich ich auch kein Problem damit habe. Die Story dahinter ist schlicht, dass ich mich ganz am Anfang im Internet "Guardian" nannte, und die letzten 4 Buchstaben davon hab ich dann einfach mal genommen, aus einer spontanen Eingebung heraus.

    Und klar hat es etwas aus mir gemacht, wie andere auf mich reagiert haben. Ich würde das so grob in 3 Phasen einordnen bei mir. Die erste Phase war die unbekümmerte Kindheit, da war ich größtenteils ein fröhliches, extrovertiertes, rumblödelndes Kind, das sich weder in andere reinversetzen konnte noch in irgendeiner Form darüber nachdachte, wie andere auf es reagierten und warum.

    Dann kam die Pubertät und Teeniezeit, da wurde ich deutlich ernster, unsicherer und introvertierter, fing an, mir viele Gedanken darüber zu machen, wie andere auf mich reagierten, ob ich vielleicht komisch war, ob ich hässlich war, etc. Fing an, mich sehr fremd zu fühlen, und eben auch zunehmend zu merken, wie anders ich offensichtlich war in einigen Dingen. Allein schon im Bezug auf Familienfeiern zum Beispiel. Alle kamen ständig zusammen, erzählten sich was, lachten zusammen über Banalitäten und Leute, die ich nicht kannte. Als Kind war mir das egal, so lang mir jemand was schenkte oder mit mir spielte. Aber dann als Jugendlicher saß ich nur still daneben, fühlte mich so fehl am Platze, begreifend, dass die Menschen um mich herum ganz andere Prioritäten und Interessen hatten als ich, und ich eigentlich gar nicht so wirklich dazugehörte.

    Und die dritte Phase war dann eben die, in der ich mich in den verwandelte, der ich heute noch bin, und der in den letzten 25 Jahren dann doch relativ konstant geblieben ist. Naja, geht vermutlich vielen so mit den drei Phasen, und ist sicher nicht exklusiv bei mir, nur die meisten werden halt nicht Dian, sondern erwachsen. :D

    Ich würde sagen, bei mir war das so nicht der Fall gewesen. Weswegen ich mich vielleicht frage, wieso sich jemand fragt "Wer bin ich?"

    Also meinst du das in dem Sinn, dass du eigentlich immer schon relativ konstant "Du" gewesen bist, ohne so einen radikalen Schnitt irgendwann in deinem Leben, an dem du an dir selbst zu zweifeln begannst und beschlossen hast, etwas zu ändern?

    Kennst du nicht solche Situationen, wo man sich selbst analysiert und dann irgendwann plötzlich merkt, dass man irgendeine Eigenart oder Angewohnheit hat (sei es ein komischer Dialekt, irgendein Vorurteil, oder wie man sich kleidet und die Haare trägt, oder was auch immer), wo einem dann klar wird, dass man das eigentlich nur unkritisch von seinem Umfeld übernommen hat, und dass man das eigentlich nie wirklich bewusst entschieden hat, so sein zu wollen?

  • Also meinst du das in dem Sinn, dass du eigentlich immer schon relativ konstant "Du" gewesen bist

    In einer Weise wohl schon, aber nicht bezogen auf solcherlei Identität oder Person, wie sie vielleicht auf Prägung von außen zurückginge. Ein "Ich", insofern aber diffus. Was sich aber auch nicht so bedeutend anfühlt.

    ohne so einen radikalen Schnitt irgendwann in deinem Leben, an dem du an dir selbst zu zweifeln begannst und beschlossen hast, etwas zu ändern?

    Eigentlich nicht?

    ein fröhliches, extrovertiertes, rumblödelndes Kind, das sich weder in andere reinversetzen konnte noch in irgendeiner Form darüber nachdachte, wie andere auf es reagierten und warum.

    Nicht in andere hineinversetzen? Nicht darüber nachdenken, wieso andere agieren, wie sie es taten? Ich vermute, hier wäre weiter zu differenzieren. In mancher Hinsicht dürften auch kleine Kinder sich in andere hineinversetzen und analysieren, auf was vermutlich wie reagiert wird?

    Dann kam die Pubertät und Teeniezeit, da wurde ich deutlich ernster, unsicherer und introvertierter

    Einen solchen Umbruch kenne ich nicht (auch nach entsprechender Ansicht anderer).

    Alle kamen ständig zusammen, erzählten sich was, lachten zusammen über Banalitäten und Leute, die ich nicht kannte. Als Kind war mir das egal, so lang mir jemand was schenkte oder mit mir spielte. Aber dann als Jugendlicher saß ich nur still daneben, fühlte mich so fehl am Platze, begreifend, dass die Menschen um mich herum ganz andere Prioritäten und Interessen hatten als ich, und ich eigentlich gar nicht so wirklich dazugehörte.

    Und bis heute wirkt das auf dich wie ein "Erwachen" und nicht wie ein "Umnachtetwerden"?

    wo einem dann klar wird, dass man das eigentlich nur unkritisch von seinem Umfeld übernommen hat

    Soetwas kenne ich, aber wohl weniger als etwas Tiefergehendes. Es kann z.B. auf Sympathie zurückgehen? Oder Anpassung in einem Kontakt, ähnlich wie wenn man eine Sprache verwendet, die der andere verstünde?

    Die Story dahinter ist schlicht, dass ich mich ganz am Anfang im Internet "Guardian" nannte, und die letzten 4 Buchstaben davon hab ich dann einfach mal genommen, aus einer spontanen Eingebung heraus.

    Achso, Guardian ist im Internet ja tatsächlich recht reichlich vertreten. Ich fragte vor allem nach, weil "Saint" (heilig) ja durchaus zu Formen von "Deus" (Gott) passen könnte.