no identity movement

    • no identity movement

      Ich möchte hier auf eine Facebookgruppe aufmerksam machen, die ein Problem thematisiert, das selten benannt wird: Das Konstruieren von Identitäten.

      noidentitymovement

      Passend dazu ein Link von der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Identität:

      Der Begriff der Identität | bpb


      Der Identitarismus, der von "no identity movement" kritisiert wird, ist nicht zu verwechseln mit Individualität.
      "Wer die psychiatrische Sprache beherrscht, der kann grenzenlos jeden Schwachsinn formulieren und ihn in das Gewand des Akademischen stecken!" Gert Postel
    • Find ich gut, dass es solche Seiten gibt, die dieses wichtige Thema ansprechen... denn ich habe auch den Eindruck, es kommt in der aktuellen politischen Diskussion viel zu kurz.
      In Zeiten von "identitären" Bewegungen ist es nicht damit getan, Toleranz oder Multikulti zu predigen... sondern es bräuchte eigentlich eine starke Gegenbewegung, die Identitäten hinterfragt und de-konstruiert, anstatt sie aufrechtzuerhalten und zu glorifizieren.
      Und das egal, ob es jetzt um die Geschlechter-Identitäten geht oder um das sogenannte "National-Bewusstsein". Die Sehnsucht der Menschen nach einfachen Identitäten ist letztlich vor allem eine Kapitulation vor der Vielfalt und dem eigenen Potential.
      Eigentlich müsste man an die Öffentlichkeit und auch an die Schulen gehen, und die jungen Menschen fragen, warum sie es sich so einfach und bequem machen, sich so einen Stempel wie "Deutscher" oder "Türke" aufdrücken zu lassen und damit zufrieden zu sein... und ob sie nicht sehen, dass diese Leitlinien, die ihnen vermeintlich Sicherheit geben, in Wahrheit nur Ketten sind, die sie einengen und daran hindern, sich selbst hin und wieder neu zu erfinden oder was ganz anderes zu sein.
      Letztlich tötet zu viel Identität und zu viel Verwurzelung die Fantasie. Und nicht zuletzt deshalb gibt es so viele Menschen da draußen, die mit diesem Ding namens "Fantasie" zum letzten Mal in ihrer Kindheit in Berührung gekommen sind.
    • Dian wrote:

      Eigentlich müsste man an die Öffentlichkeit und auch an die Schulen gehen, und die jungen Menschen fragen, warum sie es sich so einfach und bequem machen, sich so einen Stempel wie "Deutscher" oder "Türke" aufdrücken zu lassen und damit zufrieden zu sein...
      Meinst du, das hilft?

      Ich vermute, dass diejenigen Schülerinnen und Schüler, die man mit dieserart Öffentlichkeitsarbeit in Schulen erreichen könnte, ohnehin von selbst drauf kommen werden oder schon drauf gekommen sind. (sicher teils Außenseiter und Mobbingopfer)

      Der Rest pennt, interessiert sich nicht dafür und bereitet sich mehr oder weniger darauf vor, "im Ernst des Lebens" zu funktionieren.

      Die verlinkte Facebookseite wird auch in erster Linie nur von Leuten gelesen, die das Problem bereits erkannt haben und nur mehr Details erfahren möchten. Leider.


      mi san thrope wrote:

      Wer Nationen braucht, um seine Identität nicht zu verlieren, der hat eh nen großes Problem. Bin mir nicht sicher, ob das auf die Schnelle zu lösen ist.
      "Wer keine eigene Identität hat, such sich eine nationale." Hab ich mal irgendwo aufgeschnappt.^^

      Solchen Leuten ist eh nicht mehr zu helfen. Das Problem löst sich erst, wenn wir (die Menschen ansich) keine Staaten mehr haben, sondern uns alle nur als Bewohner desselben Planeten verstehen. (freilich nicht in erster Linie)

      Das erleben wir freilich nicht mehr, aber irgendwie glaube ich daran, dass es irgendwann so sein wird.
      "Wer die psychiatrische Sprache beherrscht, der kann grenzenlos jeden Schwachsinn formulieren und ihn in das Gewand des Akademischen stecken!" Gert Postel
    • Lydia wrote:

      Meinst du, das hilft?

      Ich vermute, dass diejenigen Schülerinnen und Schüler, die man mit dieserart Öffentlichkeitsarbeit in Schulen erreichen könnte, ohnehin von selbst drauf kommen werden oder schon drauf gekommen sind. (sicher teils Außenseiter und Mobbingopfer)
      Natürlich hast du Recht. Man kann Menschen zwar zu vielen Dingen anleiten, aber sie zum eigenständigen Denken anzuleiten, dürfte eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt sein.
      Man kann die Schüler vielleicht im Rahmen irgendwelcher Projekttage mal für ein paar Tage dazu bringen, dass sie über das Thema Rollenklischees nachdenken... aber danach ist der kleine Ali wieder ein stolzer Türke, und die kleine Jasmin geht wieder voll in ihrer Mädchen-Rolle auf. Einmal ausgebildet, lassen sich starre Identitätsmuster meist nur noch durch wirklich einschneidende Erlebnisse erschüttern... und selbst das ist ein langwieriger Prozess.
      Insofern weiß ich da auch nicht, was man da realistisch betrachtet machen könnte, dass die Leute mal anfangen ein bisschen individueller zu werden... ist eben ein schöner Gedanke, dass man den jungen Menschen ganz logisch in der Schule erklärt, warum sie sich unnötig selbst einschränken, so lange sie nur das Rollenverhalten ihrer Eltern kopieren, und dass die Schüler dann ein bisschen darüber nachdenken und dann zu dem Ergebniss kommen, dass man Recht hat. Aber so einfach funktioniert es eben leider nicht. Und wenn man sie etwas penetranter darauf hinweist, damit sie es kapieren, dann werden die vom rechten Rand wieder "staatliche Umerziehungsmaßnahmen" wittern, die ja schon Sturm laufen, wenn in einem Schulbuch mal das Wort "Homosexualität" erwähnt wird.
    • Menschen, die sich nationalen und kulturellen Identitäten verweigern, wandeln oft auf sehr individuellen Pfaden und schaffen oft auf die eine oder andere Weise den Rückzug aus der Gesellschaft, und sei es nur durch innere Emigration. Oder aber es handelt sich um Menschen, die die neoliberale Ideologie vollkommen verinnerlicht haben und eher einen privaten Materialismus leben.
      Soll heißen: Es ist schwer, auf dieser Basis eine tatsächliche Bewegung zu initiieren, obwohl das absolut wünschenswert wäre. Natürlich kann man nicht auf der reinen Ideologie-kritischen Ebene stehenbleiben. Hinter der Flucht ins Kollektiv stehen ganz reale Verteilungskämpfe, und um denen zu begegnen, braucht man auch eine reale "klassenkämpferische" Basis, sofern man nicht zu den materiell Privilegierten gehört, die sich auf rein ideelle Abgrenzung beschränken können.
    • Die Veränderung muss von selber kommen. Das kann man keinem aufzwingen. Wenn die Eltern es nicht raffen und danach die "falschen" Peergroups kommen, dann ist das Kind halt in den Brunnen gefallen. Wenn da keine individuellen Denkansätze folgen, dann wird das auch durch irgendwelche Maßnahmen nicht behoben werden. Die meisten Konservativen und rechten Gruppierungen sehen ja schon jetzt ein absolutes Höchstmaß an zuviel Individualität, die der Gesellschaft schadet. Es müsste mal wieder alles gleichgeschaltet werden und jemand kommen, der richtig aufräumt. Wie willst du da mit aufgesetzten Programmen noch irgendwas erreichen. Das würde garantiert nach hinten losgehen. Individualität und Eigensinn muss selber gewollt sein. Ansonsten bleiben die Schafe lieber in der Herde.
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • Lonewolf wrote:

      Soll heißen: Es ist schwer, auf dieser Basis eine tatsächliche Bewegung zu initiieren, obwohl das absolut wünschenswert wäre.
      Eine Bewegung, die gegen Identitarismus vorgeht? Das kann schon alleine deshalb nicht funktionieren, weil sehr viele Anhänger einer solchen Bewegung diese als "Identitätsschablone" verwutzen würden.^^

      So ähnlich wie eine Punkbewegung, die nach Außen hin auf Individualität pocht, aber sich letztlich doch uniformiert. Lauter Mitläufer eben, für die das gemeinsame "Anderssein" eine gemeinsame Identität ist.
      "Wer die psychiatrische Sprache beherrscht, der kann grenzenlos jeden Schwachsinn formulieren und ihn in das Gewand des Akademischen stecken!" Gert Postel