Social skill level Over 9000

    • Social skill level Over 9000

      Hey Leute,

      ich hatte heute wieder einer dieser ermüdenden 0815-Konversationen. Jemand spulte eine Art Fragenkatalog ab und ich antwortete. Dann wurde es mir zu stumpfsinnig und ich schrieb: "Und was machst Du beruflich? Nicht dass es mich interessieren würde, aber Menschen stehen scheinbar auf diese Art von Fragen." Ich bekam dann zur Antwort, was für ein Mensch ich sei, falls man mich überhaupt als Menschen bezeichnen könne. Er findet, dass mit mir wirklich etwas nicht stimmt und ich definitiv krank sein muss.

      Ich hab mich also so "gesteigert", dass ich es nicht mal mehr in die Vorrunde des Kennenlernens schaffe, allerdings ist mein Selbstanspruch geworden, kein Interesse mehr zu heucheln, wo keins vorhanden ist.

      Mal schauen, wie es diesbezüglich weitergeht.
      Wrong planet
    • Ich habe mich in den letzten Monaten auch mit genau diesem Thema befasst. Ich hatte den Entschluss gefasst, "sozialer" zu werden. Und ich dachte mir ich fange eben an, völlig anonym per Instant Messenger mit wildfremden Menschen zu schreiben, denen ich vermutlich niemals persönlich begegnen werde. Das eignet sich ganz gut um erst einmal die Grundlagen der sozialen Interaktion zu lernen. Und dabei sind mir auch ein paar Dinge aufgefallen:

      Echtes Interesse ist wichtig. Interesse heucheln vergiftet jede Beziehung, denn gute Beziehung basieren auf Wahrheit und Vertrauen. Aber was tun, wenn man kein Interesse hat? Dann sollte man wohl auch keine Beziehung aufbauen, da es dann irgendwie "künstlich" wirkt. Man hätte dann wohl eine Beziehung der Beziehung wegen und dass ist auch nicht der Sinn der Sache. Der Sinn einer Beziehung ist vielmehr der: Man umgibt sich mit Menschen, die man gern hat und mit denen man gewisse Interessen oder Gedanken teilt. In a nutshell: Ohne Interesse keine Beziehung. Das ist vielleicht die schlechte Nachricht.

      Die gute Nachricht: Ich glaube jeder Mensch ist auf seine Art interessant. Oder ganz allgemein: Jedes Objekt dieses Universums ist irgendwie interessant. Man muss es nur aus dem richtigen Blickwinkel betrachten. Letztendlich entscheidet jeder für sich selbst, wie interessant eine bestimmte Person für ihn / sie ist.
      Ich zum Beispiel glaube auch, dass jeder Mensch schon ein gewisses Maß an Leid und Schmerz in sich trägt, was dieser im Laufe seines Lebens angesammelt hat. Und ich finde es furchtbar interessant zu ergründen, was andere schon durchgemacht haben. Warnung: Das eignet sich weder als Gesprächseinstieg noch als Thema für ein Date xD Genaugenommen habe ich mich bis jetzt noch gar nicht bei irgendjemandem getraut dieses Thema anzusprechen. Liegt wohl auch daran, dass sich Menschen eher an die Emotion erinnern, die sich bei Gesprächen gefühlt haben, als an das Gesprächsthema. Darum ist es strategisch viel schlauer über Themen zu reden, die beim Gegenüber positive Emotionen auslösen^^ Aber auch gerade weil ich dieses "Dunkle Geheimnis" meines Gegenübers noch nicht gelüftet habe, bleibt er / sie für mich interessant. Weil ich dann immer weiß, dass derjenige noch unerforschte Tiefe in sich trägt.

      Und noch zum Thema fragen stellen: Fragen sind die Essenz von spannenden Gesprächen. Du hast sicher auch schon mal das typische Arztwartezimmergespräch mitbekommen: Jeder erzählt ausführlich seine Krankheitsgeschichte, obwohl niemand danach gefragt hat xD Da "unterhalten" sich stundenlang ohne auch nur eine Frage zu stellen und im Anschluss sofort alles vergessen zu haben. Es gibt Standardfragen, die kann man nicht umgehen. Aber man kann sie auf ganz kreative Art und Weise beantworten und sich so individuell von der Masse abheben. Und wer von den hier im Forum Anwesenden hebt sich nicht gerne von der Masse ab ;P Und bei den Nichtstandardfragen kann man ja auch wieder kreativ sein.
      Siehe die Fragen als Möglichkeit an, die interessanten Seiten an der anderen Person aufzuspüren.

      Aber so richtig viel Ahnung habe ich auch noch nicht ;)

      Gruß
      Philosophillip
      „Dein Horizont ist sehr beschränkt, wenn du nicht darüber nachdenkst, wie beschränkt dein Horizont ist.“ [Philosophillip]
    • Bei solchen (oberflächlichen) Gesprächen laufen eben gewisse Automatismen ab, die man als "normaler" Mensch durch Beobachten und Nachahmen irgendwann verinnerlicht hat.
      Interesse heucheln gehört da durchaus zum guten Ton... man fragt etwa "Wie geht es dir?", ohne sich wirklich für das Befinden des anderen zu interessieren. Denn es geht in Wirklichkeit gar nicht darum, wie der andere sich fühlt, sondern dass man eben ein Gesprächsthema hat. Auch das klassische Thema "Wetter" eignet sich immer gut, weil dazu jeder etwas zu sagen hat, und meistens sogar beide Gesprächspartner gerade das selbe Wetter erleben, so dass man gewissermaßen seine Gemeinsamkeiten betonen kann.

      Ich habe nur immer gemerkt, wie unwohl ich mich fühle, wenn ich mit Menschen reden muss, von denen ich gar nichts weiß, und die auch nichts von mir wissen. Dabei bin ich ja eigentlich nicht auf den Mund gefallen und kann mich durchaus artikulieren... doch ich brauche das Gefühl, dass es jemanden interessiert, was ich zu sagen habe. Und 99 Prozent aller Menschen interessieren sich nicht für das, was ich zu sagen habe, und ich interessiere mich auch nicht für das, was sie zu sagen haben, so dass das Gespräch wenn es nach mir geht, meist ziemlich schnell wieder beendet ist.
      Leider gibt es viele Menschen, die überhaupt nicht an einem echten Austausch interessiert sind, sondern denen es einfach nur darum geht, sich selbst reden zu hören. Solche Individuen finde ich extrem lästig, weil es total schwer ist, sich von denen wieder zu lösen, ohne unhöflich zu werden und sie zu beleidigen.
      Vielen Menschen fehlen komplett die Antennen dafür, ob sie ihrem Gesprächspartner gerade auf die Nerven gehen oder nicht. Und nein... damit meine ich jetzt gar nicht so sehr irgendwelche Autisten oder Menschen mit irgendwelchen emotionalen Defiziten... sondern das betrifft üblicherweise meist ganz normale, sozial integrierte Menschen. Menschen, die sich ständig mit vielen anderen Menschen umgeben, denen aber scheinbar trotzdem nie jemand so richtig beigebracht hat, sich selbst kritisch von außen wahrzunehmen und mal das eigene Gesprächsverhalten zu hinterfragen.
      Das sind meiner Meinung nach die wahren Kommunikations-Behinderten... während ich mit Menschen, die etwas introvertierter sind und nicht so viel von sich aus erzählen, eigentlich meistens ziemlich gut klarkomme, und das auch gar nicht als Defizit empfinde, sondern als recht gesunde, selbstkritische Einstellung... lieber einmal zu oft schweigen, als einmal zu oft Scheiße labern.
    • Hundertwasser wrote:

      Hey Leute,

      ich hatte heute wieder einer dieser ermüdenden 0815-Konversationen. Jemand spulte eine Art Fragenkatalog ab und ich antwortete. Dann wurde es mir zu stumpfsinnig und ich schrieb: "Und was machst Du beruflich? Nicht dass es mich interessieren würde, aber Menschen stehen scheinbar auf diese Art von Fragen." Ich bekam dann zur Antwort, was für ein Mensch ich sei, falls man mich überhaupt als Menschen bezeichnen könne. Er findet, dass mit mir wirklich etwas nicht stimmt und ich definitiv krank sein muss.

      Ich hab mich also so "gesteigert", dass ich es nicht mal mehr in die Vorrunde des Kennenlernens schaffe, allerdings ist mein Selbstanspruch geworden, kein Interesse mehr zu heucheln, wo keins vorhanden ist.

      Mal schauen, wie es diesbezüglich weitergeht.
      seltsame leute an die du geraten bist mein lieber
    • @Hundertwasser
      Verstehe das Problem nicht. Mit deinem einen Satz hast du herausgefunden, dass dein Gesprächspartner deine weitere Zeit nicht wert war. Oder suchst du Kontakt zu Menschen, die belangloses Zeug labern?

      Okay, mit vielen Arbeitskollegen rede ich fast nur über die Arbeit und belangloses Zeug. Aber oft genug gewinnen meine Gespräche Tiefe dadurch, dass ich praktisch nichts Persönliches verheimliche und jedem alles erzähle, was mich bewegt.
      Funktioniert erstaunlich gut und es filtert ziemlich schnell alle Personen weg, mit denen man eh nichts zu tun haben will.
      Mit anderen Worten:
      Redet ihr mit Personen im echten Leben anders als ihr hier im Forum schreibt?
      Abgesehen von der Qualität der Formulierungen würde ich behaupten wollen, erzähle ich inhaltlich das Gleiche.
    • @Jack Das Problem ist wohl eher, dass ich ausschließlich an Menschen gerate, mit denen ich nichts anfangen kann. Manchmal probiere ich irgendeinen Draht zu finden, irgendeinen Zugang und muss feststellen, dass es eher aussichtslos ist, diesen zu finden. Ich versuche manchmal "normal" zu sein und mich anzupassen und muss feststellen, dass es viel Kraft kostet und sich der Aufwand eigentlich gar nicht lohnt. Der Grund warum ich das tue: Aus Mangel an Alternativen. Wenn ich nur mit Menschen kommunizieren würde, die die gleichen Interessen wie ich haben, würde ich wohl jahrelang interaktionslos vor mich hinvegetieren, deshalb überkommt mich manchmal ein Anflug von Verzweiflung und dann lasse ich mich auf diesen stumpfsinnigen Kram ein und bereue es hinterher umso mehr.

      Ich rede mit Menschen nicht anders, als ich hier im Forum schreibe. Leider kommt das bei meinen Mitmenschen eher nicht so gut an. :D
      Wrong planet