Die Kommunikations-"Kultur" im Internet

    • Die Kommunikations-"Kultur" im Internet

      Ich weiß nicht... aber irgendwie hat das Kommunizieren im Internet schonmal mehr Spaß gemacht. Oder waren die Menschen im Netz schon immer so scheiße, und mir ist es früher nur nicht so aufgefallen?
      Also vor allem, wenn ich mal abseits des Unity-Forums in irgendwelchen anderen Foren "wildere" oder einfach auch nur mal anonym unterwegs bin an irgendeinem Ort im Internet, wo niemand weiß, dass ich der Schriftsteller bin und der Typ, der die krassen Videos macht... wenn ich einfach nur als normale unbekannte Person irgendwo mitdiskutieren möchte...
      Ich fühle mich behandelt wie der letzte Idiot. Oft werde ich auch komplett ignoriert.

      Zum einen gibt es viele Boards, wo ich den Eindruck habe: Wenn du da nicht schon mindestens 1000 Beiträge geschrieben hast und seit 5 Jahren dabei bist, bist du Luft. Da interessiert sich keiner für dich und das, was du zu sagen hast. Beispielsweise war ich neulich mal wieder in einem Board aktiv, wo ich früher ab und zu mal mitgeschrieben habe... hab ein Thema entdeckt, das eigentlich zu meinem Spezialgebiet gehört, und hab was dazu geschrieben, so wie ich es hier halt auch tue. Die nachfolgenden User haben einfach weiter gegenseitig ihre Beiträge zerlegt, ohne auch nur im Geringsten auf meinen Beitrag einzugehen.
      Ok, scheiß drauf, ist mir nicht so wichtig. Aber sowas passiert mir irgendwie ständig. (und jetzt sagt bitte nicht, meine Art zu schreiben ist zu unauffällig. Ich denke, ich kann mich schon ganz gut artikulieren, so dass ich eigentlich auch ohne Hintergrundwissen, wer ich bin, wahrgenommen werden sollte...)

      Oder anderes Beispiel: Jemand stellt eine Frage in so einem Selbsthilfe-Forum. Ich habe das Gefühl, ihm etwas helfen zu können, schreibe eine ausführliche Antwort (vielleicht sogar als einziger)... aber gibt es irgendeine Rückmeldung? Ein Dankeschön? Ein Nachfragen, wie ich das gemeint habe oder ähnliches? Nein. Ich hab den Eindruck, in 50 Prozent aller Fälle nutzen die Menschen solche Foren nur, um sich bisschen was von der Seele zu schreiben, und schauen dann nie wieder rein, ob irgendwer darauf geantwortet hat. Denn die Meinung anderer interessiert sie eigentlich gar nicht. Geschweige denn, dass sie Interesse an einem längeren, ausführlicheren Gespräch hätten...
      Oder als ich irgendwann mal bei guteFrage oder sonstwo selbst eine Frage geäußert habe, (was ja eigentlich der Sinn eines solchen Forums sein sollte), kamen nur Klugscheißer-Antworten wie "Du dumme Sau, geh zum Arzt! Was wagst du es, eine solche Frage an uns zu richten?" dash dash dash Oder auch immer gern ein Klassiker in anderen Internetforen, wenn man mal ein neues Thema eröffnet: "Du blöder Wichser! Dieses Thema hatten wir bereits vor 40 Jahren diskutiert. Was fällt dir ein, dazu noch einmal extra einen neuen Thread aufzumachen???"

      Überhaupt nervt es mich einfach, wie viele arrogante Menschen es im Netz gibt, von denen man den Eindruck hat, sie machen den ganzen Tag nichts anderes, als darauf zu warten, dass sie irgendjemandem entweder eine dumme, pseudo-witzige Antwort oder eine beleidigende Antwort geben können.
      Von den Youtube-Kommentaren ganz zu schweigen. Da schaut man sich ein halbwegs glaubwürdiges Video über UFO-Sichtungen an, und liest die Kommentare, weil man denkt, die Leute haben vielleicht interessante eigene Erlebnisse beizusteuern... und stattdessen wird da nur ein debiler Joke nach dem anderen gemacht, weil 90 Prozent derer, die das Video anklicken, das Thema scheinbar überhaupt nicht ernstnehmen.
      Das jetzt nur mal als Beispiel. Man muss natürlich nicht an UFOs glauben. Aber das Prinzip hatten wir ja hier im Forum auch schon zu genüge... dass ich mich frage: Warum verbringen manche Menschen so viel Lebenszeit an einem Ort, den sie eigentlich lächerlich finden? Warum verbringen sie ihre Zeit damit, anderen auf die Nerven zu gehen, anstatt sich Menschen zu suchen, die ihnen NICHT auf die Nerven gehen und denen sie auch NICHT auf die Nerven gehen müssen?
      Was soll diese ganze asoziale Troll- und Dummschwätzerkultur im Netz? Diese ganze primitive Freude am Streit und am Runterbuttern anderer?

      Jedenfalls habe ich nach ein paar Ausflügen ins anonyme Netz dann meist schnell wieder die Schnauze voll, und bin froh, wenigstens hier einen Ort zu haben, an dem ich halbwegs ernst - bzw. überhaupt wahrgenommen werde. Und wo (zumindest die meisten User) ein bisschen Respekt voreinander haben. Auch wenn ich dann manchmal als Spießer bezeichnet werde, weil ich mich nach Harmonie und Höflichkeit sehne. Aber ist das ein Wunder, wenn man sich die Kommunikationskultur im Netz anschaut, dass man da gern einen Ort hätte, an dem wenigstens ein kleines bisschen andere Gesetze gelten?
    • Nee, das kommt dir nicht nur so vor. Wie gesagt, das Internet bzw die sozialen Medien sind zur Kloake geworden, und mir fällt kaum ein Bereich ein, in dem man sich bis zu den nützlichen oder sympathischen Posts durch einen Sumpf an Troll- und Hass-Kommentaren durcharbeiten muss. Früher mag das I-Net tatsächlich ein Rückzugsort für Nerds gewesen sein, heute wird es eher als Ventil für all den angestauten Hass gebraucht, den diese Gesellschaft hervorbringt.

      Insofern ist es schwerer geworden, entsprechende Reservate zu finden, in denen man von diesem Phänomen verschont bleibt. Sich möglichst schnell vom virtuellen in den reellen Raum zu bewegen, wenn man entsprechende Leute kennenlernt, erscheint mir da zielführender. Ansonsten ist das Netz bzw die Social Media eher ein Schlachtfeld, von dem man sich entweder fernhält, oder auf dem man eher taktisch vorgeht,um vielleicht hier und dort etwas Einfluss auf das Klima zu nehmen... nix anderes macht ja vor allem das rechte Lager, wobei die es recht leicht haben, da im Verbreiten von Hass und Dehumanisierung der einzige Zweck ihrer Existenz liegt.

      Von einem taktischen Gesichtspunkt kann man also z.B. durchaus Einfluss nehmen, wenn man sich mit anderen zusammenschließt und schlau vorgeht. Wir leben in Zeiten, in denen "Troll" zum bezahlten Job geworden ist.
      War diese Entwicklung vorherzusehen? Vermutlich hat das Internet das Widerwärtigste im Menschen einfach an die Oberfläche gespült, und das Ganze wird natürlich auch zum Selbstläufer bzw Teufelskreis. Die Frage ist, auf welche Weise wir den virtuellen Raum gewinnbringend nutzen wollen. Ihn einfach nur als weitere soziale Sphäre zu betrachten, ist vermutlich nicht so zielführend, bzw. wird man mitunter bittere Erfahrungen machen.
    • Ich habe gerade in einem anderen Thread geschrieben, dass das Angebot, gerade im Internet, extrem groß ist. Es gibt so viele Videos, Filme und Texte, dass immer stärker selektiert werden muss. Man will natürlich nichts verpassen, darum nimmt man sich immer weniger Zeit für lange Texte; tldr. Darum ist Twitter auch so erfolgreich: Drei Sätze und für die, die dann noch Interesse haben, gibt es einen Link. Dasselbe gilt für Bilderstrecken und Meme-Seiten; ein Blick und schnell weiter. Deswegen wird vermutet, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne in den letzten Jahren massiv abgenommen hat und noch weiter abnehmen wird.
      Ein weiterer Faktor, gerade beim Thema Beleidigungen, ist bekanntlich die Anonymität des Internets. Mit einem Avatar und einem komischen Nickname kann man sich viel weniger identifizieren, als wenn man jemanden hat, der einem gegenüber sitzt. Man sieht auch nicht, was man mit seinem Verhalten anrichtet. Drum sind auch immer so viele ganz arg erschrocken, wenn sie merken, dass sie mit ihrem Cybermobbing Leute in den Selbstmord treiben. Aber gut, das waren sowieso immer die anderen.

      Außerdem war das Internet damals etwas für die elitären PC-Profis, die überhaupt Zugang dazu hatten. Heute kriegt man Smartphones mit jahrelangem Vertrag hinterher geschmissen. Und je mehr Menschen an einem Ort sind, desto größer ist auch die Anzahl der Arschlöcher.
      Ich wünschte, Gott würde noch leben, um das zu sehen. - Homer Simpson
    • Ich hatte gerade eine Idee und möchte gerne von euch wissen, was ihr davon haltet. Da es in den örtlichen Büchereien oft nicht die Bücher gibt, die ich gerne lesen würde, und die mich interessieren, muss ich sie mir oft kaufen. Ich mag keine E-Books und habe aber auch nicht den Platz für ewig viele Bücher. Wegen Umzügen habe ich leider auch schon viele Bücher weggegeben.

      Also kurzum: Ich hatte daran gedacht, was wäre eigentlich, wenn wir uns untereinander und ganz im Vertrauen die Bücher gegenseitig ausleihen?
      Man eröffnet quasi einen Bücher Thread und spielt Bücherei: Jeder stellt die Bücher ein, die er hat (mit oder ohne Rezension), und die er auch an ein anderes Member verschicken würde. (Evtl. Excel Liste in den Thread integrieren, damit man weis, wo die eigenen Bücher gerade rumfliegen.) Natürlich setze ich auch einen respektvollen Umgang mit der Literatur voraus, sonst funktioniert das ganze nicht. Ein Zeitlimit zum Lesen, und ein paar andere Basics, die man zuvor bespricht wären sinnvoll.
      Vielleicht existiert so etwas in ählicher Form ja bereits unter den Gamern? :gamer:
      Grundsätzlich eine gute Idee oder scheisse? Wenn scheisse, bitte alternative Vorschläge machen. Danke.
    • Beispiel:
      Ich habe mir heute Die Wirklichkeit, die nicht so ist, wie sie scheint. Eine Reise in die Welt der Quantengravitation | pro-physik.de
      gekauft, und würde es, nachdem ich es ausgelesen habe, an andere User der Unity bei Interesse verleihen.
      Ansonsten habe ich in den letzten Jahren aufgrund viel zu vieler Umzüge weniger Bücher angesammelt, und das sollte auch so bleiben. Wenn mir eines dann wirklich gut gefällt, so dass ich es besitzen will, kann ich es mir immer noch kaufen..
      Ebooks und allgemein das Ablesen von einem Bildschirm schmerzt mich in den Augen und ich bekomme davon leicht Kopfschmerzen.
      Klar leidet beim Zustandekommen des Adressaustauschs etwas die Anonymität, was aber der Intimsphäre nicht unbedingt einen Abbruch tut, wenn jeder gewissenhaft mit Informationen umgeht und sie lediglich im direkten Austausch, quasi im Original und per PN benutzt...
      Je mehr ich allerdings darüber nachdenke, desto mehr möchte ich mir das aus Gründen der allerjüngsten Vorkommnisse doch lieber wieder in die Haare schmieren...also lassen wir es gut sein, war nur wieder so ne fixe und überaus naive Idee von mir. Schade...
      Transparenz schafft nur dann Vertrauen, wenn auch verantwortungsvoll damit umgegangen wird.
      Jedenfalls passt es irgendwie zum Thema und ich habe leider! wieder etwas dazu gelernt.
      || Tschuldigung für Verschwendung des Speicherplatzes...

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