Beiträge von Dian

    Vom ersten Teil von "Die wandernde Erde" hab ich bis vor kurzem auch nichts gewusst. Den werde ich mir demnächst sicher auch noch reinziehen.

    Man kann aber locker auch mit dem zweiten anfangen, da der wohl eher die Vorgeschichte erzählt und recht unabhängig vom ersten Teil ist. Also chronologisch ist es vermutlich sogar die richtige Reihenfolge, zuerst 2 und dann 1 zu schauen.

    Ich habe vorhin gehört, dass "Moviejones" eingestellt wird... eine Seite, auf der ich mich gelegentlich über neue Kinofilme informiert habe. Ist jetzt für mich persönlich keine Tragödie, worüber ich mich sonderlich aufregen würde, so wichtig ist mir die Seite nicht gewesen. Aber die Begründung fand ich dann doch recht interessant. Nämlich kurz gesagt, dass es einfach heutzutage nicht mehr möglich ist, so eine relativ nischige Seite im Internet erfolgreich zu betreiben, weil man nur noch beachtet und gefunden wird, wenn man auf allen möglichen Social Media-Kanälen aktiv ist und jeden Clickbait-Trend mitmacht.

    Guten Rutsch an euch alle: Wir bedanken uns, Moviejones sagt Adieu!
    Silvester, wieder ein Jahr hinter uns, wieder 12 Monate vor uns allen. Zu einem Jahreswechsel gehören Böller und ein großer Knall. Und in unserem Fall noch ein…
    www.moviejones.de

    Zitat

    Als wir die Seite 2007 gründeten, war es eine ganz simple Idee: eine Filmseite über unsere Lieblingsfilme. Mit den Jahren wuchs sie, wurde größer, und unseren reichweiten- und umsatzstärksten Punkt hatten wir 2013 erreicht. Was dann folgte, waren zehn Jahre Kampf, für mehr Sichtbarkeit, gegen sinkende Einnahmen und für Neuerungen in der sich immer schneller ändernden Medienlandschaft. Als kleines Portal zu bestehen, ist eine Herkulesaufgabe, und wir verneinen nicht, in den Jahren auch Fehler gemacht zu haben, aus denen wir lernen mussten.

    [...]

    Das kann man aushalten, wenn der finanzielle Rahmen stimmt. Doch ohne übermäßiges Social-Media-Engagement auf allen gerade populären Kanälen, Effekthascherei und aggressives Clickbaiting ist es unmöglich, gegen die Platzhirsche zu bestehen und wir waren nicht bereit, alle Entwicklungen mitzutragen. Content is king? F*ck you, Google.

    [...]

    Irgendwann kam für uns aber der Punkt, wo wir einsehen mussten, dass wir ausgelaugt sind, es Zeit wird. Dass wir alles getan haben, was in unserer Macht stand. Diese Erkenntnis kam nicht von heute auf morgen, sondern zog sich über viele, viele Jahre hin. Aufmerksame Leser unter euch erinnern sich an unsere Aufrufe, um unsere Redaktion zu vergrößern und Bitten um Unterstützung während der schlimmsten Pandemiephase. Doch all das - und noch viel mehr, was hinter den Kulissen immer und immer wieder versucht wurde - fruchtete nicht wie erhofft, und für uns war klar, der Moment ist nun endgültig gekommen.


    Dass diese Entwicklung seit ungefähr 2013 eingesetzt hat, kann ich auch von meinen Youtube-Kanälen und dem Forum hier bestätigen.

    Irgendwann so ab 2012/2013 herum bekamen selbst Videos, die zehntausende Aufrufe hatten und bis dahin konstant gut liefen, plötzlich so gut wie keine Aufrufe mehr dazu. Und ins Forum kamen keine neuen User mehr, während früher in regelmäßígen Abständen immer wieder neue Leute angespült wurden.

    Was genau die an ihren Suchmaschinen verändert haben, vermag ich nicht zu sagen. Aber wer immer das gemacht hat, ist meiner Meinung nach mitverantwortlich für die zunehmende Verblödung der Gesellschaft, und dass sich nicht Qualität durchsetzt, sondern der letzte Dreck. Eigentlich gehören diese Personen entmachtet, öffentlich an den Pranger gestellt und mit Gemüse beworfen, weil sie eine große Chance der Menschheit zunichte gemacht haben nur durch ihr beschissenes Profitdenken. Und man kann nur spekulieren, wie die Welt heute aussehen würde, wenn wir noch das Internet von vor 15 oder 20 Jahren hätten. Ohne Influencer, Instagram und diese ganze Pest.

    Selbst manche Restaurants oder Läden halten es nicht mehr für nötig, eine vernünftige Homepage zu haben, die posten nur noch Bilder auf Instagram, nach dem Motto: Unsere Kunden sind sowieso nur noch auf Instagram und TikTok unterwegs. Wenn du weitergehende Informationen suchst, tja Pech gehabt. Wer liest heutzutage schon noch längere Texte im Internet? !:


    Natürlich kann man jetzt darüber lang philosophieren, was zuerst da war. Die Henne oder das Ei. Die verlödete Masse, oder die Medien, die sie verblöden.

    Und klar haben alle User, die ganzen Smartphone-nutzenden Opas und Omas und Teenies, die das Internet nicht so bedienen, wie man es zu meiner Zeit gemacht hat, sondern sich nur noch wie Zombies von Video zu Video oder von Bild zu Bild klicken, ihren Teil dazu beigetragen, dass diese Entwicklung so stattfinden konnte. Aber ich tendiere da gerade eher zur These, die auch im Film "Free Rainer" (wo es um die Verblödung durch das Fernsehen geht) vertreten wird: Wenn du der Masse gut zugänglich Qualität anbieten würdest, würden es die Menschen auch annehmen und daran wachsen.

    Youtube wäre heute auch erfolgreich, wenn sie ihren Suchalgorithmus nicht geändert hätten, und auch unbekannteren Nutzern faire Chancen einräumen würden, mit ihrem Inhalt wahrgenommen zu werden.

    Google wäre trotzdem die Nummer eins. Aber zur Gewinnmaximierung ist es natürlich cleverer, den Menschen Müll vorzusetzen, und drauf zu scheißen, was das langfristig für Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. Und da sie damit durchkommen, tun sie es eben.

    Es wird ja nichtmal öffentlich großartig über sowas diskutiert, ob die Art, wie sich das Internet entwickelt hat, vielleicht ein Fehler ist, und man nicht besser gegensteuern sollte.

    Ich sehe da aber eine verpasste Chance, an der die Gesellschaft hätte reifen können, und ich glaube auch, dass die Auswirkungen davon viel dramatischer sind (und noch sein werden), als man es sich auf den ersten Blick vorstellen mag. Und das kotzt mich schon ziemlich an.

    Ein paar asiatische Filme habe ich in letzter Zeit wieder gesehen. Unter anderem "Die wandernde Erde 2".

    Ein chinesischer Science-Fiction-Film. Allein das hat mich natürlich schon neugierig gemacht, denn so viele gibt es davon ja nicht.

    Ist so ein bisschen eine Mischung aus "Moonfall" und "Interstellar". Man könnte auch sagen, es ist wie ein Roland Emmerich-Blockbuster, aber in gut und mit Hirn.

    Die Effekte sind absolute Oberklasse und gehören mit zum Besten, was ich bisher gesehen habe... das hat mich am allermeisten überrascht, da chinesische CGI-Effekte ja oftmals grottig ausgesehen haben in der Vergangenheit.

    Die Story geht hauptsächlich darum, dass die Sonne immer größer wird, und die Menschheit dann überlegt, ob sie sich komplett digitalisieren soll, oder lieber riesige Triebwerke an die Erde hinbauen soll, um den gesamten Planeten in ein anderes Sonnensystem zu verschieben. Klingt schwachsinnig, aber der Film bringt es ganz überzeugend rüber. Dann spielt auch noch die Entwicklung von künstlicher Intelligenz eine Rolle, und irgendwelche Terroristen, die warum auch immer verhindern wollen, dass die Pläne zur Versetzung der Erde gelingen. Und den Mond zerreißt es dann auch noch. Ganz ähnlich wie in Moonfall... aber wie gesagt, einfach besser in so ziemlich jedem Belang. Also wer auf sowas steht: Wartet nicht auf den nächsten Roland Emmerich-Katastrophen-Film... so episch und gut wie "Die wandernde Erde 2" wird er definitiv nicht werden.


    Dann hab ich noch "Believer" nachgeholt. Ein koreanischer Actionfilm, dessen Story mich ein kleines bisschen (aber wirklich nur ein bisschen) an "Die üblichen Verdächtigen" erinnert hat, weil es da auch um die Jagd nach einem legendären Supergangster geht, dessen Gesicht niemand kennt, und der den Cops immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Die Geschichte an sich ist nicht übermäßig originell und etwas verwirrend, aber der Film hat jede Menge Stil, Spannung, interessante Charaktere und ein gelungenes Ende ganz nach meinem Geschmack... und eben diese gewisse Dramatik und Epik, wie es die Koreaner einfach drauf haben. (siehe "Oldboy", etc.)

    Ein fröhliches, gesegnetes 2024 euch allen!

    Auf dass wir auch im nächsten Jahr weiter im Regen absaufen und die Menschen bei ihrer Selbstzerstörung beobachten können. :rain:


    Weltpolitisch betrachtet hat es 2023 tatsächlich geschafft, noch einmal in gesteigerter Form zu beweisen, dass ein beträchtlicher Teil der Menschheit offenbar völlig unfähig ist, aus der eigenen Geschichte (oder der Geschichte anderer Länder) irgendwelche klugen Lehren für die Zukunft zu ziehen.

    Die Russen lassen sich weiter von ihrem Möchtegern-Stalin verheizen, und der Nachwuchs jubiliert beim Granaten-Zusammenbauen in der Schule, obwohl ein oberflächlicher Blick in die Geschichtsbücher genügen würde, um zu erkennen, wo sowas am Ende zwangsläufig hinführt. In Israel und Palästina sucht man die Schuld für alles Schlechte wie eh und je auf der anderen Seite der Grenze, anstatt in den eigenen Reihen. In den USA hat man bald die Wahl zwischen einem senilen Uropa, der regelmäßig beim Schreiten über den roten Teppich auf die Fresse fliegt, und einem betrügerischen Arschloch. Und bei uns in Deutschland dreht sich der politische Wind allmählich weg vom linken Zwang und sozialem Kahlschlag im Namen der Umwelt, hin zu rechtem Zwang (Wehrpflicht, Arbeitszwang etc.) und sozialem Kahlschlag im Namen der Wirtschaft.

    Wahrlich wunderbare Zeiten stehen uns da also bevor.


    Privat lief 2023 bei mir ganz okay, von ein paar Aufregern wie kaputtem Auto, Grippe (oder Corona?) und sowas mal abgesehen. Aber ich bin wieder gesund, ich bin umgeben von Menschen, die ich mag und denen ich vertrauen kann, und ich bin dieses Jahr zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder in einem Flugzeug gesessen, was ein ziemlich cooles Erlebnis war. Daher werde ich mich mal nicht beklagen, weil ich genau weiß, dass es vielen da draußen eindeutig schlechter geht.

    Kreativ läuft es bei mir gerade auch wieder, und 2024 werde ich sicher hauptsächlich an Songs für ein irgendwann erscheinendes fünftes Album basteln. Wie gut ich dabei vorankomme, kann ich im Moment noch nicht abschätzen. Aber ich denke, "Ein besseres Morgen" hat gezeigt, wohin die Reise geht, und dass die musikalische Qualität zumindest nicht schlechter werden wird. Es wird aber natürlich auch wieder härtere Songs geben. (An einem davon arbeite ich gerade aktuell.)


    Soweit mal mein kurzer persönlicher Rückblick auf 2023 und Ausblick auf 2024.

    Wie lief es bei euch im letzten Jahr? Und was erwartet ihr vom kommenden?

    Für mich klingt das schon nach einem - meinetwegen ungewollten oder nicht reflektierten - Rechtsruck in deinen Überzeugungen.

    Also was die Sache mit der Meinungsfreiheit bzw. Kampf gegen die Cancel-Culture angeht: Ich war schon immer gegen Zensur im Netz, auch als noch niemand von "Cancel-Culture" gesprochen hat. Was sich in den letzten 20 Jahren massiv geändert hat, ist vor allem das Internet, das eben nicht mehr das gleiche Netz ist, mit dem ich großgeworden bin. Damals war es eine virtuelle Gegenkultur zu der realen Gesellschaft, eine Nische für Freaks, und eben auch ein Ort, an dem andere Gesetze galten... und wann immer sich irgendein Politiker hingestellt hat und gefordert hat, dass das Netz kein rechtsfreier Raum sein darf, empfand ich das als Bedrohung meiner liebgewonnenen virtuellen Freiheit.

    Heute ist das Internet Mainstream und wichtiger Bestandteil der "realen" Welt, und dementsprechend weit reicht der Arm der Justiz auch mittlerweile in den virtuellen Bereich und verfolgt Menschen wegen irgendwelcher Meinungsäußerungen, was vor 20 Jahren noch keinen Staatsdiener interessiert hätte.

    Natürlich sehe ich aber auf der anderen Seite auch das Problem, dass einfach zu viel Gesindel im Netz ist und es nie so einfach war wie heute, Dummheiten und Lügen zu verbreiten. Anders als große Teile der Medien und der Gesellschaft sehe ich die Lösung aber nicht darin, juristisch jeden Furz zu verfolgen, nur weil sich irgendjemand davon beleidigt oder gestört fühlt, sondern ich denke, es muss auch eine Kultur des Aushaltens geben, oder einfach des Ignorierens, wenn einen irgendeine Meinungsäußerung stört. Klar muss man auch versuchen, die Menschen höflicher und klüger zu machen, dass sie nicht so viele Dummheiten und Hetze verbreiten. Aber ich finde eben auch, es beruht auf Gegenseitigkeit, und vielleicht sind viele Mainstream-Leute auch einfach zu weich und müssten vielleicht auch mal lernen, unangenehme und dumme Meinungen auszuhalten. Mir geht die öffentliche Debatte einfach viel zu einseitig nur in die Richtung "Das muss man verbieten, da muss der Staat hart durchgreifen, etc."

    Aber klar ist das ein Thema, das etwas widersprüchlich ist... und nur, weil ich finde, dass man z.B. das Existenzrecht Israels oder den Holocaust leugnen dürfen sollte, ohne dafür bestraft zu werden, heißt das ja nicht, dass ich mich den Holocaustleugnern oder Israelgegnern dadurch geistig verbunden fühlen würde. Es geht mir da wirklich nicht um links oder rechts, sondern einfach darum, dass ich es grundsätzlich krank finde, wenn man Menschen dafür bestraft, dass sie ihre Meinung sagen. Das ist eigentlich etwas, was IMHO nur in einer Diktatur passieren sollte.

    Diskutieren muss man aber sicher darüber, wo Meinungsäußerungen aufhören und wo gezieltes Mobbing und Belästigung anfängt, und was man als Gesellschaft dagegen unternehmen möchte, damit die Menschen respektvoller miteinander umgehen. Generell denke ich, müsste ich eigentlich in einer Neuauflage der Unity-Philsophie auch ein ganzes Kapitel übers Internet oder soziale Medien einfügen, so wichtig wie das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung mittlerweile geworden ist.

    - Wunsch nach mehr Abschottung und Abwehr 'unerwünschter Menschen'

    Wenn du es unbedingt als "Rechtsruck" bezeichnen magst, dann wird das wohl am ehesten auf diese Thematik zutreffen, dass ich ein paar meiner früheren Ansichten heute etwas differenzierter sehen würde. Aber ich muss dir ja nicht erzählen, aus welcher Zeit ich bzw. wir kommen, und wie das damals in den 90ern noch war, als Asylantenheim brannten und Skinheads durch die Straßen marschiert sind. Da fiel es wahrlich nicht schwer, sich zu positionieren und für eine Seite zu entscheiden, und es war selbstverständlich, als intelligenter aufgeklärter Mensch "gegen Nazis" zu sein.

    Seither hat sich viel geändert, und die Dinge sind eben doch ein bisschen komplizierter geworden, auf so vielen verschiedenen Ebenen, so dass mir die Idee eines schweizerischen Idylls, das sich ein Stück weit von dem Wahnsinn der Welt abschottet und nicht jeden reinlässt, mittlerweile gar nicht mehr so rückständig und spießig erscheint wie früher vielleicht. Zumindest muss man meines Erachtens schon darüber nachdenken, ob eine wie auch immer geartete utopische Gesellschaft überhaupt aufgebaut werden kann auf einer Welt, in der die Mehrheit der Menschen immer noch in Diktaturen leben und (überspitzt formuliert) die eine Hälfte der Weltbevölkerung gern in dein Land kommen würde, wenn es dort alles umsonst gibt, und die andere Hälfe dich am liebsten vernichten möchte, weil sie es dir nicht gönnen oder aus irgendwelchen ideologischen Gründen gegen deine Utopie sind. Du siehst ja in Israel, wie das ist, wenn du in einer blühenden Oase lebst, und um dich herum leben viele Menschen in Armut und mit komischen Glaubensvorstellungen. Ohne Grenzen und Militär wäre das Land jedenfalls nicht mehr da. Das heißt ja nun nicht, dass ich deshalb Grenzen und Militär glorifizieren möchte oder Netanjahu gutfinde. Aber man muss eben schon realistisch sein und sich fragen, wie man seine Utopie schützen möchte... und wie viel davon in ein paar Jahren noch da wäre, wenn man es nicht tut.

    Wie gesagt, ich sehe bei dir eher viel 'Essenzialismus' , die Suche nach dem 'natürlichen', 'edlen' und 'freien' Individuum. Vielleicht so wie bei radikalen Reformern wie Thoreau, aber eben nicht im Sinne von Leuten wie Bakunin oder Machno ;)

    Naja, es gibt eben auch nicht DEN Anarchismus, sonst würde auf der Wikipedia-Seite über Anarchismus auch nicht der halbe Artikel nur von den Unterschieden zwischen den verschiedenen anarchistischen Strömungen handeln. ;) Irgendwelche anarchistischen Feminist*innen, die sich über kulturelle Aneignung und toxische Männlichkeit aufregen, haben mit Machno und Bakunin vermutlich auch nicht all zu viel gemeinsam, außer halt dem Grundegedanken, auf den man sich einigen kann, dass man eine Herrschafts- bzw. Hierarchielose Gesellschaft anstrebt. Und dann gibt's eben auch noch den Individualistischen Anarchismus, Zitat Wikipedia:

    Zitat

    Der individualistische Anarchismus ist eine im 19. Jahrhundert in Nordamerika entstandene Lehre, die das Individuum und seine Interessen als Mittelpunkt der Gesellschaft ansieht, der keinen Gegensatz zu den vorgenannten sozial orientierten Formen darstellt und in Opposition zum Kollektivismus steht. Die individualistische Strömung wurde in den USA vor allem von Benjamin Tucker entwickelt. In Deutschland vertrat ihn der Anarchist und Schriftsteller John Henry Mackay, der sich hauptsächlich auf Benjamin Tucker und Max Stirner berief.[19] Der Individualanarchismus wird häufig als Extremform des Liberalismus beschrieben.

    Der Gegensatz zwischen Individualismus-Egoismus und Kollektivismus-Altruismus stellt eine wichtige anarchistische Auseinandersetzung dar.

    Dass ich eher in diese Richtung tendiere, als in Richtung Anarcho-Syndikalismus oder ähnliches, sollte klar sein. Ich sehe mich nun aber auch nicht als radikaler Liberaler oder sowas, da dies ja meistens mit impliziert, dass man wirtschaftspolitisch für einen freien Markt ist und den Kapitalismus ganz gut findet, oder zumindest keine Probleme damit hat. Aber dass der Kapitalismus eine ziemlich kranke Scheiße ist, sag ich ja nun auch wirklich schon seit es das Forum gibt. Nur ist das Entwickeln von Alternativen dazu auch nicht unbedingt mein Spezialgebiet... aber Ansichten dazu geäußert habe ich ja durchaus hier und da mal.

    Ok, den verlinkten Artikeln nach scheint es ja doch wirklich ein größeres Problem zu sein, als ich gedacht hätte.

    Generell finde ich die Idee, Bagatelldelikte zu entkriminalisieren, ja schon gut. Aber in Kombination mit massiver sozialer Ungleichheit und einer so dermaßen gespaltenen Gesellschaft wie in den USA ist das natürlich problematisch. Für solche Experimente müsste vermutlich erst mal eine gesunde Basis und Übereinkunft in der Bevölkerung vorhanden sein.

    Ich frage mich sowieso, wo das noch hinführen soll in den USA. Das ist ja schon teilweise noch verrückter als irgendwelche Gender-Streitigkeiten bei uns, wie sich da zwei Fraktionen dermaßen unversöhnlich gegenüberstehen und keinerlei Absicht haben, auch nur mal ein bisschen zu versuchen, die jeweils andere Seite zu verstehen und einen Kompromiss zu finden. Da gibt es ja scheinbar echt nur noch schwarz oder weiß, woke oder Trump. Ich würde mich da auch irgendwie komplett zwischen den Stühlen fühlen und mich weder mit dem einen noch dem anderen Lager identifizieren können.

    In dem oben verlinkten Video wird am Ende etwas belächelnd so getan, als ob die Rechten zu einer aussterbenden Art gehören würden und früher oder später eh scheitern. So sicher bin ich mir da aber nicht... die Biermarke hat inzwischen anscheinend auch aus Schadensbegrenzung versucht, sich von ihrer eigenen Werbung wieder zu distanzieren und sich bei den Konservativen wieder einzuschleimen.

    Also Fazit, irgendwas hat es gebracht, die Mindestvertragslaufzeit ist wirklich echt gut für mich, also es hat sich gelohnt aber im Moment bin ich trotzdem sehr frustriert.

    Diesen Frust haben in der langen Geschichte des Arbeitskampfes vermutlich schon sehr viele Menschen verspürt, die sich für etwas engagiert haben.

    Tröste dich halt damit, dass auch diese kleinen Fortschritte wichtig sind, damit sich zumindest irgendwas bewegt, und dass du mit dazu beigetragen hast, vielen anderen denen es auch so geht wie dir, eine Stimme zu geben und sie etwas sichtbarer zu machen.

    Viel mehr ist vermutlich nicht drin gewesen. Dafür fehlt eben auch so ein richtig gutes Druckmittel, wie es z.B. die Lokführer haben oder die Fluglotsen. Wenn die mal einen Tag die Arbeit niederlegen, ist es fast schon eine volkswirtschaftliche Katastrophe. Wenn der Tutor nicht kommt, fällt halt eine Vorlesung aus und die Studenten freuen sich über den freien Tag. ;) (jetzt natürlich etwas überspitzt formuliert...)


    Generell denke ich mir, dass politisches Engagment auf den unteren Ebenen vermutlich eine ziemliche Sisyphusarbeit ist und es mitunter recht frustrierend sein kann, wenn man realisiert, dass der Einfluss eines Einzelnen eben begrenzt ist im großen Weltgetriebe. Mir selbst würde auch komplett die soziale Kompetenz für sowas fehlen. Aber vielleicht ist ja auch manchmal der Weg das Ziel, die Kontakte, die man dabei knüpft, und die Erfahrungen, die man währenddessen sammelt.

    Heute habe ich mir "Silent Night" angeschaut. Darüber muss ich an dieser Stelle jetzt natürlich ein bisschen ausführlicher referieren...


    Ich bin ja aus allen Wolken gefallen, als ich vor einiger Zeit erfahren habe, dass mein absoluter Lieblingsregisseur John Woo tatsächlich nochmal einen Film gedreht hat. Der letzte war gefühlt schon über 10 Jahre her, und ich wähnte ihn eigentlich schon im Ruhestand.

    Dazu muss man aber auch sagen, dass meine Verehrung von John Woo eigentlich nur auf dessen Hongkong-Produktionen basiert. Diese haben in den 80ern das Actionkino revolutioniert und darüber hinaus noch tolle, emotionale Geschichten über Freundschaft und Gangster-Ehre erzählt. Bis heute bin ich total erstaunt, wenn man sich manche Ballereien etwa in "Hardboiled" anschaut, wie die das damals ganz ohne Computertechnik so beeindruckend hinbekommen haben, dass die ganze Einrichtung explodiert und zerballert wird, während zwischendrin in all dem Chaos noch die Darsteller rumhüpfen und sich gegenseitig in Zeitlupe über den Haufen schießen. (Seit Matrix ist sowas ja üblich, aber halt eben nur mit massiver CGI-Unterstützung.)

    Jedenfalls finde ich das bis heute ganz schön beeindruckend, und keiner hat das so genial hinbekommen wie John Woo.

    Zur Wahrheit gehört aber auch, dass von den Filmen, die er später in Hollywood gedreht hat, kein einziger so hundertprozentig meinen Nerv getroffen hat (auch wenn ich "Windtalkers" und "Face off - Im Körper des Feindes" schon ganz ok fand, aber auch nicht gerade weltbewegend.)

    Und "Silent Night" ist nun eben auch wieder eine US-Produktion. Von daher war meine Erwartungshaltung auch eher etwas zurückgeschraubt.


    Diese Erwartungen hat der Film durchaus erfüllt, wenn auch nicht übertroffen. Die Story an sich ist eine total simple Selbstjustiz-Geschichte, wird aber dadurch aufgewertet und irgendwie originell, dass in dem ganzen Film nur wenige Worte gesprochen werden und der Film über weite Teile ohne Dialoge auskommt. Das muss man erstmal hinbekommen, einen Actionfilm auf diese Weise zu drehen, ohne dass der Zuschauer hinterher den Eindruck hat, dass irgendwas gefehlt hat.

    In der ersten, recht langsam erzählten Hälfte des Films sieht man dann eben, wie der Protagonist sich auf seine Rache vorbereitet und trainiert, und in der zweiten Hälfte wird dann abgerechnet.

    Die Action würde ich ähnlich wie beim vor ein paar Wochen von mir angeschauten Film "Farang" bewerten... gut choreographiert, und irgendwie authentischer, dreckiger und weniger stylisch als etwa bei "John Wick". Man sieht dem Film aber auch an, dass er jetzt vermutlich kein endlos großes Budget zur Verfügung hatte. Die alten Filme von John Woo fand ich da doch noch spektakulärer, aber nett anzuschauen und gut gefilmt ist der Rachefeldzug trotzdem.

    Wie viel Heroic Bloodshed ist aber nun dabei? Nun... es gibt beidhändiges Pistolenschießen :chowyunfat: , ein paar Blutfontänen, und der Held und sein Helfer sind am Ende dann auch ordentlich von Kugeln durchsiebt und können sich kaum noch auf den Beinen halten. Ganz wie am Ende von "A better tomorrow 2". Was fehlt, ist aber natürlich, dass sich die Story hier nicht um ehrenwerte Gangster und melancholische, übercoole Killer dreht, sondern dass es einfach auf der einen Seite ein Normalo-Familienvater ist und auf der anderen Seite die absoluten B-Movie-Klischee Gangster mit Migrationshintergrund, wie sie auch aus einem beliebigen Chuck Norris-Film oder der "Death Wish"-Reihe stammen könnten.

    Emotionalität hat der Film durchaus reichlich zu bieten, im Bezug auf die Trauer des Vaters und wie seine Beziehung darunter zerbricht. Das ist aber doch noch ganz schön weg von der emotionalen Wucht eines "Bullet in the head", die einen auch heute noch umhaut. Vom Hauptdarsteller mal abgesehen wirken die restlichen Charaktere alle schon recht eindimensional und irgendwie seelenlos.


    Als Fazit würde ich sagen, dass "Silent Night" nicht unbedingt wie das Alterswerk eines Regisseurs im Renten-Alter wirkt, sondern eher wie irgendwas, was man von einem jungen, frischen Regie-Talent erwarten würde. Jedenfalls nichts, wofür sich John Woo schämen müsste. Das ist ja auch schon was wert. Als Meisterwerk würde ich den Film aber nun auch nicht gerade bezeichnen. Dafür hätte die visuelle Machart einfach noch herausragender sein müssen, um die doch sehr banale Geschichte auszugleichen.

    Seinem Plädoyer am Ende kann ich ja durchaus zustimmen, klingt vernünftig.

    Aber der andere Teil klingt mir doch ein bisschen sehr nach der typischen Trump-Propaganda... also dass da jetzt reihenweise die Läden ausgeraubt werden, marodierende Banden durch das Land ziehen und sich die Polizei oder die Wachleute nichts mehr zu machen getrauen. Waren die USA nicht vor kurzem noch das Land, wo du jemanden ungestraft erschießen konntest, wenn er aus Versehen in deine Garageneinfahrt gelaufen ist und die falsche Hautfarbe hatte? :huntsman:

    Dass das jetzt komplett ins Gegenteil verkehrt wurde, kann ich mir wirklich nur schwer vorstellen.

    So wie ich das bisher immer verstanden habe, gab es halt solche Plünderungen, meist in Verbindung mit den Black Life Matters-Protesten. Und in diesem Zusammenhang sind dann vermutlich auch die Sätze gefallen, die die Plünderungen als einen Akt des zivilen Ungehorsams verharmlosen.


    Die Idee, Bagatell-Delikte nicht mehr mit Gefängnis zu bestrafen, sondern eher als Ordnungswidrigkeit oder sowas zu betrachten, gibt es ja bei uns auch, vor allem in Verbindung mit dem Schwarzfahren. Und der Widerstand gegen solche Vorstellungen ist ja doch meistens eher eine typisch rechte oder konservative Reaktion, und meistens mit viel übertriebener Polemik und dem Ausmalen von apokalytpischen Szenarien verbunden. Und in diesem Sinne erscheint mir der Beitrag hier eben auch etwas stark übertrieben. Aber ich kann mich auch irren.