Beiträge von Lonewolf

    Das ist kein in den Sauren Apfel Beißen Lonewolf . Das ist nicht alternativlos. Erstens nach meinen Einleitenden Worten zu Russischen Motivations ist es eh unwahrscheinlich das Putin danach direkt Nato angreift. Zweitens wenn Putin die Nato angreift dann gibt es ein Atomkrieg, da helfen einem auch nicht 100 Milliarden mehr in Leopard 2 Panzern. Immerhin haben wir dann jetzt selber Flieger die Atombomben auf Moskau schmeißen können :hammer: , danke nukleare Teilhabe.

    Die Herstellung und Aufrechterhaltung von Wehrhaftigkeit ist alternativlos, oder wie genau sähen denn deine Alternativen aus? Ich habe ein grundsätzliches Problem mit der Kritik an Waffenlieferungen: Es wird zumeist völlig ignoriert bzw nicht darauf eingegangen, dass eine Eskalation natürlich auch durch Nichteinmischung und fehlende militärische Unterstützung erfolgen kann. Putin hätte seinen Feldzug über die Grenzen der Ukraine hinaus fortgesetzt, wenn sein Militär nicht so hohe Verluste erlitten hätte. In einem Europa ohne NATO würde Russland mindestens bis nach Polen oder darüber hinaus reichen. Diese Befürchtungen sind durchaus berechtigt, und ich hätte keine Lust, mich auf den guten Willen einer befriedigten russischen Regierung zu verlassen, wenn es um Fragen der friedenspolitischen Ordnung in Europa geht.

    Ich sehe es eher so, dass der Krieg momentan noch auf die Ukraine beschränkt ist, da die militärische Unterstützung durch Waffenlieferung, Aufklärung und Ausbildung existiert. Dass letzteres den Konflikt nicht beendet, und dass letztlich eine diplomatische Lösung erfolgen muss, ist denke ich jedem bewusst. In der derzeitigen verfahrenen Situation fehlen leider einfach die glaubhaften Perspektiven für einen baldigen Frieden. Wenn du welche hast, bin ich ganz Ohr.

    Zum medialen 'Putinhass': Der fällt doch ohnehin nur denjenigen auf, die sich bei ihrem Medienkonsum auf das Lesen von Überschriften und Dreizeilern beschränken. Zum System Putin gibt es diverse Analysen, denen man vielleicht mehr Aufmerksamkeit schenken sollte als irgendwelchen (virtuellen) Boulevardmedien.

    Von 2004:

    Wladimir Putins neuer Bonapartismus
    Unter dem seit 2000 amtierenden russischen Präsidenten hat sich eine Allianz aus Geheimdienst, Militär, Bürokratie und Kapital als herrschende Klasse…
    taz.de

    Zum Begriff des Bonapartismus (mit dem man sich aufgrund der globalen Entwicklungen ohnehin wieder stärker befassen sollte): https://www.rosalux.de/news/id/40623/…-postdemokratie

    Schau mal weiter oben, was ich geschrieben habe. In 20 Jahren lernt man eine Menge Menschen persönlich kennen. Daher ist mein Blick glücklicherweise nicht medial gefiltert, sondern ich kann zumindest auf die Erfahrungen von Personen zurückgreifen, die ich für mich als 'Verbündete' erkannt habe. Daher ist es für mich im Zweifelsfall auch sehr einfach, 'eine Seite zu wählen'. Was wir konkret tun können, ist leider immer beschränkt. Das liegt in der Natur der Sache, wenn man außerhalb von staatlichen Strukturen oder großer Geldgeber handelt. Und im Fall der Ukraine ist der Support sicherlich noch mehr ein Tropfen auf den heißen Stein, als er es im Fall von Rojava war.

    Wie du die Rolle von bestimmten Konfliktherden für dein eigenes Leben einschätzt, ist deine Sache. ich persönlich will der Erfahrung, irgendwann zum Flüchtling zu werden, lieber entgehen.

    Ich hab keine Ahnung was Du mit "etwas, das Du weiter oben geschrieben hast" meinen könntest. Selbst-Korrektur: Ich habe schon auf Dein Posting mit irgendeinem Video (Vermutlich dem Video von dem die Rede war) geantwortet, also war Deine Antwort in dieser Hinsicht zumindest nicht so sehr an meiner Antwort vorbei gesprochen, wie ich dachte. "eine Menge Menschen", "Erfahrungen von Personen", "Verbündete". Das ist für mich alles extrem unkonkret, ich kann darauf also in keiner konkreten Weise eingehen. Ich würde vermuten, dass man innerhalb staatlicher Strukturen qualitativ noch viel weniger Handlungsspielraum hat, lediglich gegebenenfalls "quantitativ" heftigere Handlungen veranlassen kann.

    Daran ist nichts unkonkret, man muss nur auf die Links klicken.

    Operation Solidarity – Horizontal volunteer organization in Ukraine.

    Eine andere Option als die Solidarisierung mit Menschen, für die man Sympathie empfindet, sehe ich nicht. Um für Staaten zu kämpfen, müsste man sowas wie Glaube an das politische System oder Patriotismus haben, und das trifft vermutlich hier auf niemanden zu. Also bleiben Dinge wie Empathie und Solidarität übrig.

    Wenn man eine Erkenntnis aus 20 Jahren Unity mitnehmen kann, dann die, dass ein großer Teil derjenigen, die sich aus irgendwelchen Gründen für tiefsinniger, kritischer, reflektierter etc. als der 'Mainstream' halten, sich im Grunde höchstens durch ihre gefühlte oder tatsächliche 'Andersartigkeit' (z.b. aufgrund psychischer Erkrankungen) von ihrem Umfeld unterscheiden. Wirklich 'schlauer' oder differenzierter sind sie selten. Die Abwendung vom 'Mainstream' ist eben meist nur eine Ego-Sache.

    Kennst Du irgendjemand vom russischen Widerstand persönlich? Wie kommst Du auf die Idee einen auch nur ansatzweise stichhaltigen Einblick in den "russischen Widerstand" zu besitzen, falls das nicht so ist? Von irgenwelchen vorselektierten Medien?

    Schau mal weiter oben, was ich geschrieben habe. In 20 Jahren lernt man eine Menge Menschen persönlich kennen. Daher ist mein Blick glücklicherweise nicht medial gefiltert, sondern ich kann zumindest auf die Erfahrungen von Personen zurückgreifen, die ich für mich als 'Verbündete' erkannt habe. Daher ist es für mich im Zweifelsfall auch sehr einfach, 'eine Seite zu wählen'. Was wir konkret tun können, ist leider immer beschränkt. Das liegt in der Natur der Sache, wenn man außerhalb von staatlichen Strukturen oder großer Geldgeber handelt. Und im Fall der Ukraine ist der Support sicherlich noch mehr ein Tropfen auf den heißen Stein, als er es im Fall von Rojava war.

    Wie du die Rolle von bestimmten Konfliktherden für dein eigenes Leben einschätzt, ist deine Sache. ich persönlich will der Erfahrung, irgendwann zum Flüchtling zu werden, lieber entgehen.

    Tja, ich gebe mehr auf die Worte bzw. Bitte einer ukrainischen Anarchistin, ihre Freunde zu unterstützen, als auf das wohlfeile Gerede irgendwelcher Internetanarchisten. Die Menschen dort wissen sehr genau, für was sie kämpfen und was ihnen unter russischer Besatzung droht. Es ist schön, dass du so großes Verständnis für russische Interessen hast. Schon klar, Putin wurde in die Enge getrieben und kann gar nicht anders, als diesen Krieg zu führen. Ich kann dir versichern, dass der russische Widerstand dies anders sehen. Kleiner Tipp an dich: Geh ein bißchen raus in die Welt und bilde dir deine Meinung jenseits von Internetforen. Zum Glück müssen wir diesen Krieg nicht führen, weil es andere tun. Das Mindeste, das wir daher tun können, ist, den Menschen die Mittel zu ihrer Verteidigung zu geben.

    Der Faschismusbegriff wird häufig gebraucht, meist polemisch. Im Falle von Putins Russland haben wir allerdings tatsächlich ein Beispiel für modernen Faschismus, das sich theoretisch untermauern lässt.

    Wladimir Putin ist ein Faschist, wie er im Lehrbuch steht
    Von seinen Gegnern wird Wladimir Putin gern als «Putler» bezeichnet. Die historische Analogie indes stimmt nicht, Putin ist kein Nazi. Dafür erfüllt er…
    www.nzz.ch

    Du gehst hir auf einen geradezu winzigen Teil meiner vergleichsweise umfangreichen Antwort auf Deine Antwort ein. Ich möchte das nur feststellen, ich möchte nicht, dass Du dich zu irgendwas genötigt fühlst. ;)

    Ich gehe eben ungern auf Allgemeinplätze und Phrasen ein, dafür ist mir meine Zeit zu schade. :golly:

    Zu dem, was Dian weiter oben geschrieben hat, ist im Grunde nicht mehr viel hinzuzufügen. Es ist eindeutig, wer hier der Aggressor ist, es sei denn, man will den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Ich kenne den Reflex, sich unbedingt besonders schlau oder 'kritisch' fühlen zu wollen. Manchmal bzw. oft genug ist die Situation allerdings sehr eindeutig und einfach nachzuvollziehen. Die Frage des richtigen Umgangs mit einem Faschisten wie Putin ist primär eine militärstrategische und natürlich, leider, auch eine diplomatische, da man ihn nicht einfach eliminieren kann und alles ist gut.

    Leider haben wir derzeit keine Alternative zur Aufrüstung. Das haben auch die Anarchisten erkannt, die derzeit in der Ukraine kämpfen. Die müssen in den sauren Apfel beißen, da nun der Kampf ums Überleben vor allem anderen steht. Denen gilt meine Solidarität, und es ist in diesem Kontext natürlich tragisch, immer wieder die Grenzen fortschrittlicher Politik aufgezeigt zu bekommen.

    Operation Solidarity – Horizontal volunteer organization in Ukraine.

    DIe USA bzw. die NATO sind nicht die 'moralisch Guten', sondern verfolgen geopolitische Interessen wie alle anderen Akteure auch - was für eine tiefsinnige neue Einsicht. :schock:

    Hast Du den Eindruck, dass das allen/den meisten hier, allen/den meisten Menschen in Deinem Umfeld, allen/den meisten Menschen in Europa überhaupt tatsächlich so bewusst ist? Mir scheint in den Medien extrem viel Fingergezeige gegen Putin abzulaufen, das ja irgendjemand veranlassen und durchführen muss und mir scheint, dass es fast ausnahmslos überall genug Leute gibt, die diesen vorgekauten Müll glauben, extrem wichtig finden und dann in alle Richtungen weiter replizieren. Wie erklärst Du Dir das? Machen die das, obwohl sie genau gewissen, dass sie in erster Linie die Propaganda-Lügen der eigenen Seiten propagieren und wäre das für diese Leute daher keine "tiefsinnige", "neue" "Einsicht"? (Nettes Emoji, by the way. :schock: )

    Ja, ich bin mir sicher, dass dies den meisten Menschen in meinem Umfeld so bewusst ist, denn mit den meisten Menschen in meinem Umfeld stand ich schon vor 10-20 Jahren auf der Straße gegen 'Neoliberalismus', 'Militarisierung' oder 'autoritäre Formierung'. Und die Losung 'der Hauptfeind steht im eigenen Land' war immer eine der meistgelesenen Parolen auf Flugblättern oder in Reden. Als die Türkei Rojava bombardiert hat, haben wie Demos mit Tausenden Menschen veranstaltet, und gegen die Kriege der NATO hat die Friedensbewegung ohnehin immer mobilisiert. Als Putin Städte dem Erdboden gleichgemacht hat, war es auffallend still (ich will nicht sagen, dass niemand hiergegen protestiert hat, aber es waren eben doch deutlich weniger, denn: 'Der Hauptfeind steht im eigenen Land'). Chomsky ist eben auch einer der traditionellen Linken bzw Anarchos, die mit diesem ideologischen Brett im Kopf herumlaufen. Es ist das Problem einer ganzen (linken) Generation bis hinein in die SPD: Die Verfehlungen der USA und des Westens werden reflexartig als 'whataboutism' aus der Kiste geholt, sobald Russland oder auch China ins Visier geraten. Und ich kann diesen Reflex sehr gut nachvollziehen, da ich teils lange Zeit ins selbe Horn geblasen habe. Hier um moralische Fragen zu streiten, ist im Kontext von Krieg und geopolitischen Interessen immer verfehlt; es ist tatsächlich bizarr, mit welcher Naivität manche an moralischen Kategorien festhalten. Andererseits, in welch zynischer Welt würden wir enden, wenn die letzten Gutmenschen aufhören würden, an die Möglichkeit einer 'moralischen Politik' zu glauben.

    Nein, ich spreche nicht für das ganze Unity-Forum, aber dieses Forum existiert nunmehr seit 20 Jahren. 20 Jahre gegen 'das System' wettern, auch wenn nicht alle seit der ganzen Zeit dabei waren, ist durchaus ein Ansatzpunkt für die Annahme, dass hier niemand einfach so an das Narrativ des moralisch integren demokratischen Westens glaubt.

    Noam Chomsky, Juni 2022:

    "[...] What is happening right now in Washington should cause profound concern. It's not a secret. Some of it was exposed in the lead article in the New York Times last Sunday, and [you] probably saw it, it's a fine report by an energy environment respondent Carol Davenport, she reviews a long, carefully executed campaign to destroy organized human life on earth. It's an outrageous comment for which I do not apologize, because it is completely accurate. The campaign has been carried out meticulously for years by the energy system, it's an enormous institutional structure, consists of course of the fossil fuel industries, banks other financial institutions, a substantial part of the legal community and other centers of private and state power. It also has an international base, it's called "Nato". It's little known that post-cold war Nato, formally undertook an expanded mission to guard pipelines that transport oil and gas that is directed for the west and more generally to protect sea routes used by tankers and other crucial infrastructure of the energy system. I'm quoting Nato Secretary General [name] outlining Natos mission at a Nato conference. Well, the campaign has a political base in the Republican Party particularly since 2009, the year before presidential candidate John McCain included a climate plank in his campaign program. It was insufficient given the gravity of the situation, but it was a start. Republicans in congress were also exploring such options. The huge "Koch Brothers energy conglomerate" got wind of this, quickly went into action. For years they've been working hard to ensure that the party never (veered) from climate denialism. And they weren't gonna tolerate this deviation. They launched a huge juggernaut, bribery, intimidation, an enormous lobbying campaign, fake citizens group - an all out assault. The efforts were successful with all the consequences. [I] don't have to run through them. [...]"

    Indirekt ist das natürlich gerade auch in Bezug auf die jüngeren Ereignisse in der Ukraine höchst relevant. Inwiefern dieses Relevanz im Detail besteht kann ich vorerst nur dahingestellt lassen, aber wer Putin verteufelt und sich auf der moralisch sicheren (oder zumindest "in erheblichem Ausmaß sichereren") Seite des Westens bzw. der Nato wähnt, würde vermutlich gut daran tun, sich ein umfassenderes und differenziertes Bild des geopolitischen Geschehens gerade in der Ukraine und um die Ukraine herum zu erarbeiten, wenn man schon meint, dass der eigene(?) Senf dazu mindestens so intelligent und fundiert wie der all der übrigen Propaganda-Nachplapperer ist.

    inb4 "Chomsky ist ein Schwurbler/Nazi/Putinversteher".

    DIe USA bzw. die NATO sind nicht die 'moralisch Guten', sondern verfolgen geopolitische Interessen wie alle anderen Akteure auch - was für eine tiefsinnige neue Einsicht. :schock:

    Wir sind hier nicht in der Kommentarspalte der 'Zeit'. Ich sehe nicht, dass hier irgendwelche 'moralischen Illusionen' gehegt werden. Wenn überhaupt, würde ich den ideologischen Reflex hinterfragen, den Feind als Erstes im eigenen Land zu suchen. Außer Allgemeinplätzen ('Diplomatie statt Waffen' - als ob das ein Widerspruch wäre) kommt ja nicht viel von den 'Mainstreamgegnern'. Das ist nicht unbedingt ein Vorwurf, viel mehr als Vermutungen kann niemand anstellen. Oder wie sieht deine konkrete Vorstellung in Bezug auf den richtigen Umgang mit Russland -und der NATO - aus?