Schwule in der Kirche (oder der CDU)

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 2.031 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (23. Juli 2026 um 20:52) ist von Yatan.

  • Kann mir mal jemand erklären, wieso Leute Mitglieder in Vereinen werden, die die eigene Lebensweise in Frage stellen oder zumindest als minderwertig betrachten?

    Aktuell hat es ja nun den Jens Spahn erwischt, und wenn es einen gibt, dem ich es von Herzen gönne, dass er endlich mal auf die Schnauze fällt, dann ist das zweifellos er. Wie doppelmoralisch kann man bitteschön sein, selbst dafür einzutreten, dass anderen Menschen etwas verboten wird (in diesem Fall die Leihmutterschaft für Schwule), und dann für sich selbst nach Schlupflöchern suchen, damit einen selber dieses Verbot nicht betrifft?

    Wieso ist man überhaupt schwul und trotzdem Mitglied einer Kirche und einer christlichen Partei?

    Sicher kann man schwul sein und an Gott oder Jesus glauben... aber deshalb auch in einer Institution mitmachen wollen, für die man immer ein Mensch zweiter Klasse sein wird, und wo man insgeheim sowieso von den meisten dort verachtet wird?

    Die Alice Weidel von der AfD ist ja auch so ein Fall. Ist die ernsthaft so naiv, dass sie nicht checkt, dass diese Partei vielen, die ihre sexuelle Orientierung teilen, großen Schaden zufügt (und damit letztlich auch ihr selbst, früher oder später)? War sie etwa immer schon als Kampflesbe geboren, hatte nie damit gehadert, dass ihre Sexualität von vielen verteufelt und als abnormal bezeichnet wurde? War sie schon in der Schule so drauf, dass es sie überhaupt nicht gestört hat, anders zu sein?

    Selbst wenn wir mal wohlwollend davon ausgehen, dass die Mehrheit der AfD-Wähler Schwule und Lesben nach der Machtergreifung nicht unbedingt gleich ins KZ stecken würden... einen Großteil von ihnen vereint aber ja doch zumindest die Überzeugung, dass man Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, schwul oder lesbisch zu sein, möglichst vorenthalten sollte, und dass man ihnen nicht vermitteln sollte, dass sie genauso viel wert sind wie ein heterosexueller Jugendlicher. Also wie kann man dann guten Gewissens eine Partei mit solchen Werten unterstützen?


    Mal abgesehen davon, dass ich ja glaube, dass Leute die homosexuell sind aber trotzdem unbedingt heiraten und Kinder kriegen wollen, sowieso ne Schraube locker haben.

    Entweder ich bin anders und stehe dazu, und scheiße dann auch auf die üblichen Konventionen, oder ich lebe halt nach den Konventionen und passe mich an.

    Was die Leihmutter-Debatte angeht: Ich persönlich hab kein Problem damit, wenn ein homosexuelles Paar (genauso wie heterosexuelle, die keine eigenen Kinder kriegen können), ein Kind adoptiert, aus Waisenhäusern oder so. Aber jemand extra dafür bezahlen, dass er für einen irgendwas austrägt? Das ist schon irgendwie zumindest bisschen krank, finde ich. Aber würde ich es deshalb verbieten? NEIN. Soll doch jeder für sich selbst entscheiden.. wieso muss der Staat immer überall eingreifen? Würde es ohne dieses Gesetz Sodom und Gomorrha geben und Hunde und Katzen vom Himmel fallen? Vermutlich nicht. Vermutlich wäre es scheißegal, wenn man es den Leuten einfach erlauben würde. Trotzdem verbietet man es, einfach nur, um seine eigene Existenz als Politiker zu rechtfertigen. Nur, wenn man damit genaugenommen seine eigene Existenz eher gefährdet, weil man sogar etwas verbietet, was man selbst eigentlich gerne machen würde, dann ist man.... ähm... einfach nur unglaublich dumm? Dümmer als jedes Tier? Oder einfach nur ein Heuchler vor dem Herrn. :kotz:

  • Der Grund der Leihmütter-Debatte liegt im Missbrauchspotential von Menschen, die sich in einer wirtschaftlich problematischen Situation befinden und deshalb nicht frei zwischen "Ja" und "Nein" entscheiden können. Das muss man durchaus berücksichtigen und ist ein legitimer Gedanke in der Diskussion.


    Ansonsten kann ich Dir nur zustimmen. Ich sehe das sehr ähnlich.

  • Wieso sollte sexuelle Neigung mit einer bestimmten Weltanschauung einhergehen? Schwulsein hat nichts mit gewählter Nonkonformität zu tun, sondern ist schlicht 'Schicksal'. Es gibt konservative, rechte und linke Schwule, und ich schätze, alle werden ihre jeweilige Haltung für sich begründen können. Seit jeher fragen sich Linke und andere, wieso Menschen gegen ihre eigenen Interessen wählen. Vielleicht muss man einfach anerkennen, dass Interessen bzw. Prioritäten etwas höchst Subjektives sind - eine Weidel weiß schon, wieso sie für sich einem rechtslibertären Weltbild anhängt und ihre persönlichen Privilegien am besten absichert. Dementsprechend würde ich die sexuelle Neigung jetzt nicht zum Ausgangspunkt politischer Überlegungen machen.


    Was die Religiosität angeht: Frag doch mal Lissaminka, wie hartnäckig und schwer zu überwinden religiöse Prägungen aka Gehirnwäsche sind, auch wenn man selbst hochreflexiv ist - man kommt eben nicht einfach davon los. (Irrationale) Wünsche nach Zugehörigkeit sind eben oft stärker als nüchterne intellektuelle Überlegungen. Ähnlich verhält es sich mit Familien- und Kinderwunsch. Wieso sollten homosexuelle Menschen hiervor ausgenommen sein?


    Stichwort Leihmutterschaft: und wieder der platte libertaristische Reflex. Regeln sind eben auch dazu da, Menschen zu schützen. Das kann man ablehnen, nur sollte man eben ein weiteres Mal sein unterkomplexes, rein negatives Freiheitsverständnis hinterfragen. Ja, man kann auch hier im konkreten Fall überlegen, ob und welchen Bedingungen hier Verbote aufgehoben werden sollten. Aber nicht auf dieser platten 'der böse Staat hat sich nicht einzumischen' Schiene - hier landet wieder ganz schnell im rechtslibertären Lager, dem wohl auch viele Schwule anhängen, die überraschenderweise das freie Ausleben ihrer Sexualität durchaus im Einklang mit rechten Positionen nach ihrem Verständnis sehen.

    Why do we fall?

  • Der Grund der Leihmütter-Debatte liegt im Missbrauchspotential von Menschen, die sich in einer wirtschaftlich problematischen Situation befinden und deshalb nicht frei zwischen "Ja" und "Nein" entscheiden können. Das muss man durchaus berücksichtigen und ist ein legitimer Gedanke in der Diskussion.

    Ja, das stimmt natürlich, das ist sicherlich ein berechtigtes Argument. Ich unterstelle aber der CDU einfach mal, dass dies nicht der Hauptbeweggrund ist, warum sie gegen Leihmütterschaft ist... wenn Leute die letzten Drecksjobs annehmen müssen, weil sie sich in einer wirtschaftlich problematischer Situation befinden, ist der CDU das ja üblicherweise auch ziemlich egal.

    Viel eher sehe ich da eben das konservative Weltbild und die latente Abneigung gegen von der Norm abweichende Lebensmodelle als Grund dafür, weshalb sie das verboten haben wollen.

    Doch es ist ja oft so, dass die Motivation, die hinter einem Verbot steckt, sich oft ziemlich unterscheidet zwischen rechts und links... aber darin, dass es verboten gehört, sind sie sich dann doch oftmals erstaunlich einig.

    Ein anderes Beispiel dafür wäre beispielsweise die Prostitution. Auch hier sind Linke und Konservative gerne mal für ein Verbot, auch wenn sich die Argumente fundamental unterscheiden. Linke sagen, da werden Frauen ausgebeutet. Die Rechten und Konservativen sagen, es ist unmoralisch und verstößt gegen Anstand und Sitte oder gegen traditionelle christlich-abendländische Werte.

    und wieder der platte libertaristische Reflex. Regeln sind eben auch dazu da, Menschen zu schützen. Das kann man ablehnen, nur sollte man eben ein weiteres Mal sein unterkomplexes, rein negatives Freiheitsverständnis hinterfragen. Ja, man kann auch hier im konkreten Fall überlegen, ob und welchen Bedingungen hier Verbote aufgehoben werden sollten. Aber nicht auf dieser platten 'der böse Staat hat sich nicht einzumischen' Schiene - hier landet wieder ganz schnell im rechtslibertären Lager

    Ich halte nichts davon, eine "Der böse Staat hat sich nicht einzumischen"-Einstellung automatisch mit rechtem Gedankengut in Verbindung zu bringen. Hier zeigt sich eben das Problem, wenn man alles, was auf der Welt passiert, immer zwangsweise in ein eindimensionales Links/Rechts-Koordinatensystem einzuordnen versucht. Ich bevorzuge da doch eher ein Koordinatensystem mit einer zweiten Achse "liberal" und "autoritär", da dies eben auch zulässt, dass man vielleicht einfach für die Freiheit ist, ohne deshalb gleich entweder links oder recht sein zu müssen.

    Es ist natürlich richtig, dass viele der neuen populistischen Rechten in mancher Hinsicht wenig staatliche Einmischung wollen, aber ja üblicherweise nicht in sämtlichen Belangen, sonst wären sie im Grunde ja auch überhaupt nicht mehr rechts, sondern eher anarchokapitalistisch.


    Und was das Schutz-Argument angeht:

    Das haben wir ja wie bereits oben erwähnt etwa auch beim Kampf gegen die Prostitution. Auch da heißt es oft, da werden die Frauen ja schlimm ausgebeutet, deshalb muss der Staat eingreifen und das verhindern.

    Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass nicht jede Frau gegen ihren Willen anschaffen geht, sondern dass es für manche auch eine willkommene Möglichkeit ist, sich etwas dazu zu verdienen, die gar keinen Bock auf einen regulären 8-Stunden-Job haben.

    Indem man Prostitution kriminalisiert, nimmt man ihnen diese Selbstbestimmung. Wenn ich nun also gegen ein Verbot von Prostitution bin, heißt das nicht, dass ich zwangsläufig rechts oder frauenfeindlich bin, sondern dass mir das Recht, mit dem eigenen Körper machen zu können, was man möchte, zu wichtig erscheint, als dass ich dort gesetzlich eingreifen würde. Ebenso denke ich auch im Bezug auf Abtreibung, wo ich auch sage, dies sollte nur Sache der betroffenen Person sein, da braucht sich der Staat im Grunde überhaupt nicht einzumischen. Es funktioniert alles auch wunderbar, wenn er sich einfach raushält. (An dieser Stelle sind die meisten Rechten, auch in den USA, dann plötzlich komischerweise überhaupt nicht mehr libertär...)

    Und auch das Thema Leihmutterschaft würde ich eben auf diese Weise betrachten.

    Also was ich sagen will: Ich sehe darin nichts plumpes, wenn man generell Eigenverantwortung und freie Entfaltung des Individuums höher bewertet als die Idee, alles zu reglementieren, um dadurch Ausbeutung und Diskriminierung zu verhindern.

    Es gibt durchaus auch andere Methoden, wie man mit der Leihmutterschaft-Thematik umgehen könnte, wenn es einem wirklich darum geht, zu verhindern, dass da Frauen ganz fies ausgebeutet werden. Man könnte zum Beispiel einen einklagbaren Mindestlohn dafür festlegen und das einfach zu einem regulären Job machen. Wobei auch das wiederum nichts am eigentlichen Problem ändern würde, dass sich nur der reiche Teil der Bevölkerung eine Leihmutter überhaupt leisten kann, und wir da so oder so ein Dilemma haben: Verbieten wir es, gehen Leute wie Spahn einfach ins Ausland oder tricksen irgendwas mit ihren teuren Anwälten. Verbieten wir es nicht, und sorgen dafür, dass es angemessen entlohnt wird, werden es sich trotzdem nur die wenigsten leisten können, und es wird immer eine Ungleichheit zwischen denen existieren, die einen anderen Menschen mal eben so mieten können, weil sie das Geld dafür haben, und jenen, die nichts haben und sich auf dem freien Markt prostituieren müssen.

    Vielleicht müsste sich unsere Gesellschaft einfach häufiger mal eingestehen, dass sich viele Dinge so oder so nicht optimal lösen lassen, dass es immer Grauzonen geben wird. Und dass es daher vielleicht besser ist, möglichst wenig Kollateralschaden zu erzeugen durch überregulierende Gesetze, und stattdessen lieber zu versuchen, dort, wo wirklich konkret jemand ausgebeutet wird, Hilfestellungen anzubieten und alternative Verdienstmöglichkeiten zu schaffen, so dass niemand aus der Not heraus einen solchen "Job" annehmen muss.

  • Seit jeher fragen sich Linke und andere, wieso Menschen gegen ihre eigenen Interessen wählen. Vielleicht muss man einfach anerkennen, dass Interessen bzw. Prioritäten etwas höchst Subjektives sind - eine Weidel weiß schon, wieso sie für sich einem rechtslibertären Weltbild anhängt und ihre persönlichen Privilegien am besten absichert. Dementsprechend würde ich die sexuelle Neigung jetzt nicht zum Ausgangspunkt politischer Überlegungen machen.

    Es ist ja auch durchaus nicht nur Weidel. Ich hab jetzt schon mehrere Videos gesehen oder von Leuten gelesen, die schwul sind und trotzdem in der AfD mitmachen oder diese wählen. Argumentation ist dann eben meistens, dass man ein ganz normaler Typ ist, nur eben eine andere sexuelle Orientierung hat, aber dass man mit diesem ganzen Regenbogen- und Transenzeug dennoch nichts zu tun haben möchte, weil man sich mit deren Auftreten nicht identifizieren kann. Vielleicht haben manche auch Angst vor schwulenfeindlichen Ausländern.

    Dennoch finde ich es eben generell schon sehr naiv, wenn man als Angehöriger einer Minderheit, die froh sein muss, dass sie heutzutage mehr geduldet wird als früher, eine Partei unterstützt, die die Uhren zurückdrehen möchte.

    Aber klar, nicht jeder gewichtet seine solche Dinge vermutlich gleich stark. Gibt ja auch Raucher, die Parteien unterstützen, die sich für Rauchverbote einsetzen. Und Autofahrer, die die Grünen wählen. ;) Das ganze Parteiensystem ist ein einziger Kompromiss-Scheißhaufen.

    Mir persönlich würde es aber so gehen, dass ich mich als Schwuler oder Transperson immer eher mit den Freaks und Ausgestoßenen identifizieren würde, statt mit denen, die von sich behaupten, dass sie alles wieder "normal" machen wollen.

    Ich hab Angst vor der Normalität. Und wenn ich auch nur das Gefühl habe, mich irgendwo aufzuhalten, wo viele mit meiner Lebensweise nicht klarkommen oder mich insgeheim verachten, dann wäre es für mich einfach schon eine Frage der Ehre, dass ich da nicht Mitglied sein wollte. Klar kann man sagen, die sexuelle Identität sollte man nicht so überbewerten, dass man davon seine Wahlentscheidung oder seine Kirchenzugehörigkeit abhängig macht. Aber es ist ja eher umgekehrt, dass die Kirchen und Konservativen die sexuelle Identität überbewerten, indem sie ständig so viel Wert darauf legen, zu betonen, dass das eben nicht normal ist und auch nie normal werden sollte (höchstens eben geduldet).

  • Wer für seine Familienwünsche ne Wurfkuh engagieren will, damit sein zukünftiges Kind nach der Geburt von der Mutter getrennt wird, soll sich nen Hund kaufen oder tapfer aussterben.


    Ach es geht ja um die CDU/Kirche. Ist eigentlich Unsinn,sich über Spahn zu empören,schon das C im Namen der Partei ist doch ein running gag und Inkonsequenz ist Volkssport Nr.1

    Jesus hätte sie alle mit der Peitsche aus dem Bundestag gejagt! :o)

    Für das yatanische Volk, Yatanistan und den gelenkten Yatanismus!