Charakter

  • Seid ihr zufrieden mit eurem Charakter? 6

    1. Ja, ich bin vollkommen zufrieden mit dem, was mich ausmacht. (1) 17%
    2. Nein, ich habe viele Selbstzweifel. (1) 17%
    3. Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit mir, aber es gibt auch Dinge, die ich nicht so toll in mir finde. (2) 33%
    4. Ich modifiziere meinen Charakter regelmäßig. (2) 33%
    5. Mein Charakter ist mir egal. (0) 0%
    6. Anderes (1) 17%

    Seid ihr zufrieden mit dem, was ihr seid, was euch ausmacht?

    Würdet ihr sagen, ihr seid in euch gefestigt?

    Habt ihr innere Regeln aufgestellt, nach denen ihr euch möglichst richtet? Oder lebt ihr, wie es sich richtig anfühlt, ohne groß darüber nachzudenken?

    Ist euer Charakter eher starr oder flexibel?


    Was mich angeht, keine Ahnung. Ich habe nicht wirklich das Gefühl, bisher richtig in mir angekommen zu sein. Ich kann eine Zeit lang ganz zufrieden mit mir leben, aber es kam bisher immer der Moment, an denen das Zweifeln losging und ich nicht mehr ganz so zufrieden war mit dem, was mich die letzte Zeit ausgemacht hat. Könnte das aber einfach sinnloses Grübeln sein und in Wahrheit bin ich eigentlich schon starr in meinem Charakter, in meiner Entwicklung? Dieses Grübeln, gehört es nicht einfach zu meinem Wesen, meinem Charakter, und es gaukelt mir einfach nur vor, dass ich mich noch nicht richtig gefunden hab?

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  • Heey,


    vorweg, würde ich Dich bitten Deine Definition von "Charakter" zu geben.

    Schätze jeder versteht darunter was ähnliches oder was anderes. Da auf einen Konsens zu kommen, wäre sicher gut.

    Es lebe die Freiheit, die Meinungsäußerung und der Respekt anderen gegenüber.


    Will man einen Menschen genauer beurteilen, so muß man die Geschichte seiner Kinder- und Jugendjahre kennen.

    - August Bebel

  • Ja, das ist eine gute Idee. Ich versuch mal, zu überlegen. Charakter ist für mich das, was mich so denken, handeln und reden lässt, wie ich es tue. Wie ich mit Mitmenschen umgehe, was ich von ihnen denke, was ich über Vorgänge in der Welt denke, wofür ich mich eventuell engagiere. Welche Werte mir wichtig sind (Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Toleranz etc.), wie ich diese auslebe.

    Das jetzt so spontan. Darauf muss man sich natürlich nicht einigen, da es meiner Meinung nach keine objektive und genauste Wahrheitsansicht dafür gibt.

    Wie würdet ihr Charakter definieren?

  • Also...

    Die Summe aller Erfahrungen und Erlebnisse, geprägt von den mitgepackten Genen/DNA und der Vergangenheit der Erzeuger (sofern man an Generationstrauma o.ä. glaubt)?


    Joa. Daher würde ich pauschal sagen, dass der größte Kern fix ist. Der Grundbaustein legt sich in den ersten 3 Lebensjahren. Da lernen wir Bindung (oder eben nicht), da entdecken wir die Welt (oder auch nicht). In den nächsten Jahren lernen wir noch mehr und noch weiter beruhend auf den vorangegangenen Erfahrungen.


    Natürlich können Neue und andere Erfahrungen einen Wandel anstoßen (sofern das nötige know-how) dabei ist und die Reflektion darüber. Aber ich denke trotzdem, dass die meisten Menschen immer wieder an einige Punkte anecken werden. Der große Unterschied wird im Erwachsenen dann sein, dass man entweder gelernt hat, damit umzugehen oder sich immer noch an wiederkehrende Probleme aufhängt.


    Da gibt es einen guten Spruch: Was man nicht ins Haus lässt, wird immer an der Türe klopfen.

    Quasi: Befasst man sich nicht mit seinen Problemen, werden diese immer wieder auftauchen. Nicht in gleicher Form, aber immer ähnlich.

    Was mich angeht, keine Ahnung. Ich habe nicht wirklich das Gefühl, bisher richtig in mir angekommen zu sein

    So geht es mir auch. Ich bin einfach nicht angekommen. Ich tue mich schwer meinen Charakter zu formulieren oder einzugrenzen, weil es für mich nicht greifbar ist. Wahrscheinlich geht es vielen so, es ist auch etwas Abstraktes.

    Andere machen sich vermutlich keine Gedanken darüber, weil sie einfach "sind" und eher über Dinge im Außen nachdenken.


    Aber mir fällt es sehr schwer, da überhaupt Linien zu erkennen und etwas zu greifen. Das ist schon lange ein Problem von mir. Die große Frage nach der Identität.


    (Off topic: Wie kommt es zu den besagten "Werten"? Sind das wirklich "Unsere/Deine"? Oder haben wir diese nur aufgrund unserer Kultur, Erziehung und Altlasten übernommen? Sind es überhaupt Unsere?

    Meines ist z.b. Fairness. Ich möchte gern, dass alle fair behandelt werden und behandle mich dagegen unfair. Woher kommt das? -> Aus meiner Kindheit. Ich wurde immer unfair behandelt, es ging immer ungleich zu und so hat sich das quasi gegenteilig entwickelt. Gerechtigkeit und Fairness.

    Aber inwieweit ist ein eigener Wert gesund? "Pünktlichkeit" ist auch ein Wert. Wenn sich Leute aber daran aufhängen und es persönlich nehmen, nicht anders können (Zwang), ist es mMn. eher ein problematisches Verhalten.)

    Könnte das aber einfach sinnloses Grübeln sein und in Wahrheit bin ich eigentlich schon starr in meinem Charakter, in meiner Entwicklung? Dieses Grübeln, gehört es nicht einfach zu meinem Wesen, meinem Charakter, und es gaukelt mir einfach nur vor, dass ich mich noch nicht richtig gefunden hab?

    Ich glaube wirklich, dass ein Teil "starr" ist. Der tiefe Grundkern. Aber vieles ist auch wandelbar - die Frage ist, ob man durch Grübeln darauf kommt was es ist oder was einem stört? Ich glaube nicht das Grübeln per se ein Teil eines Charakters ist und schätze, dass es jeder auf seine Art macht. Wenn man keine Zeit zum Grübeln hat, tut man es auch nicht - jedenfalls die meisten nicht.

    Warum klingt es bei Dir so negativ?


    Seh es doch so; dass Du ein sehr reflektierter Mensch bist, der offen daran interessiert ist, an sich zu arbeiten. Sich zu erkunden und weiter zu entwickeln. Und dazu gehört Reflektion und ja: nachdenken/grübeln und Austausch!

    Die besten Entwicklungschancen hat man im Kontakt. In Bindung und im Austausch.


    Auch denke ich, dass man sich nicht "finden kann". Ich weiß schon was Du meinst. Aber wir sind Menschen und wir werden immer nach etwas mehr streben. Selbst wenn Du Dich optimierst (was teilw sehr lange dauert) und in dem Moment stolz und zufrieden bist, wird irgendwann wieder etwas anderes kommen. Die Entwicklung ist ein Prozess ohne Ende.

    Da gibt's kein "fertig". Da gibt's höchstens ein "aufgeben". Aber das ist dann auch Stagnation worauf meist nur der Tod folgt, sofern man nichts anderes "will" oder sich auch nicht dafür öffnet/öffnen kann (was auch möglich ist aufgrund von Trauma und Co).

    Es lebe die Freiheit, die Meinungsäußerung und der Respekt anderen gegenüber.


    Will man einen Menschen genauer beurteilen, so muß man die Geschichte seiner Kinder- und Jugendjahre kennen.

    - August Bebel

  • Gerade wieder gefunden.

    Ist schon etwas älter und ein paar Sachen würde ich wohl so nicht mehr schreiben, aber an sich eine tiefgründige Satire:


    Die Reise zum eigenen Ich

    Es lebe die Freiheit, die Meinungsäußerung und der Respekt anderen gegenüber.


    Will man einen Menschen genauer beurteilen, so muß man die Geschichte seiner Kinder- und Jugendjahre kennen.

    - August Bebel

  • Die Summe aller Erfahrungen und Erlebnisse, geprägt von den mitgepackten Genen/DNA und der Vergangenheit der Erzeuger (sofern man an Generationstrauma o.ä. glaubt)?

    Das ist ne gute Definition. In jungen Jahren ist man charakterentwicklerisch wirklich noch auf die Erzieher, das Umfeld, die an einen rangetragenen Erfahrungen angewiesen, mit fortschreitenem Alter kommt im besten Fall die Reflektion dazu und kann da eventuell gegensteuern, wenn da was schiefgelaufen sein mag. Aber hm, selbst mit ausreichender Reflektionsfähigkeit hat man erstmal die Summe all seiner Erfahrungen/Erziehung/Gene, das beliebige Umändern der eigenen Persönlichkeit (als Synonym für Charakter) ist auch nicht mit purer Gedankenkraft so leicht zu ändern.

    Ergibt das Sinn?

    Wahrscheinlich geht es vielen so, es ist auch etwas Abstraktes.

    Irgendwie dachte ich manchmal, viele Menschen sind so >entgültig< in ihrem Charakter. Die haben einfach ihre Rolle entdeckt. Aber ist das wirklich so? Vielleicht stimmt es, dass viele sich gar keine Gedanken über sowas machen, sondern sich einfach sich dessen unbewusst einfach so verhalten, wie es ihre Summe all ihrer ... hergibt. Aber wenn ich überlege, eigentlich bin ich auch nicht so richtig wandelbar und vieles wiederholt sich bei mir. Aber ich kann halt nicht sagen, JO, das bin jetzt ich bzw mein Charakter und das ist mein Platz in der Welt!

    Da war ja noch was mit freien Willen letztens hier. Langsam beschleicht mich echt das Gefühl, das ist ne pure Illusion und wir sind alle mehr oder weniger Gefangene unserer eigenen Umstände, die zu das geführt haben, was wir gerade sind.

    Wenn man keine Zeit zum Grübeln hat, tut man es auch nicht - jedenfalls die meisten nicht.

    Glaube daran liegt das, ich hab einfach zu viel Zeit, mir über den größten Blödsinn Gedanken zu machen. Dann mutiert man zum Couchpsychologen, der null Plan hat. :D

    Warum klingt es bei Dir so negativ?

    Mein Grübeln geht mir manchmal auf den Keks, weil ich mich manchmal übermässig reinsteiger in was, hab ich das Gefühl. Wenn dann noch übermäßige Selbstzweifel dazugemischt werden hat man den komischen Gedankensalat, der oft gar nichts mit der Wirklichkeit (um einen herum) zu tun haben scheint. Naja, aber da jeder in seiner eigenen Wirklichkeit zu leben scheint, fühl ich mich damit wohl nicht so alleine. :rolleyes_gif:

  • Aber hm, selbst mit ausreichender Reflektionsfähigkeit hat man erstmal die Summe all seiner Erfahrungen/Erziehung/Gene, das beliebige Umändern der eigenen Persönlichkeit (als Synonym für Charakter) ist auch nicht mit purer Gedankenkraft so leicht zu ändern.

    Ergibt das Sinn?

    Genau. Also einfach so per "Fingerschnip" (wie es so schön heißt) geht das leider nicht. Wobei es natürlich leichtere und tiefgreifendere (schwerere) Änderungen gibt. Die Psyche des Menschen ist da recht komplex. Man kann mit Person A ein tiefgreifendes Gespräch führen und mit Person B das Gleiche/Ähnliche, aber bei Person A passiert nichts und bei Person B stößt es etwas in einem an, was zur Veränderung führt. Oder zumindest bewusst/unbewusst etwas "öffnet".


    Irgendwie dachte ich manchmal, viele Menschen sind so >endgültig< in ihrem Charakter. Die haben einfach ihre Rolle entdeckt. Aber ist das wirklich so?

    Bei manche Menschen bestimmt. Wobei ich selbst da eher behaupten würde, dass auch diese sich ändern, aber vielleicht nicht gerade in diesem Rahmen, dass es Dir als Freund oder Bekannter auffällt. Viele Änderungen passieren in Bindungs-Beziehungen. Da die meisten Menschen (leider leider) eine "Bindung" nur in einer Liebesbeziehung sehen, spielt sich dort vieles ab. Das kriegt man als 0815 Außenstehender natürlich nicht so mit. Selbst wenn man auch ganz gut befreundet ist merkt man das teilweise nicht, weil unsere Gesellschaft in dem Punkt sehr 'gespalten' ist. Oder zumindest sehr stark differenziert zwischen: Freund und Partner. Nicht nur theoretisch, sondern auch emotional und daher entstehen dann oft diese überrascht-irritierten Unterhaltungen/Zwiespälte. Wenn der gute Freund dann erzählt, dass er nicht so zuverlässig ist in seiner Partnerschaft und vieles vergisst und man sich denkt: Hä? So bist Du doch gar nicht. So kenne ich Dich überhaupt nicht.

    Weißt Du was ich meine? Ich glaube, ich erkläre das gerade super kompliziert. ^^


    Aber wenn ich überlege, eigentlich bin ich auch nicht so richtig wandelbar und vieles wiederholt sich bei mir.

    Der erste Schritt ist es ja, diese Wiederholungen zu erkennen und zu entschlüsseln. Erst dann kann man versuchen die Ursprünge zu verstehen und andere Strategien entwickeln. Bei manchen Dingen reicht auch oft nur die Erkenntnis (also das Wissen dazu) und führt zu bewusst-unbewusster Änderung.

    Zum Beispiel war eine Freundin, bevor sie mich kennengelernt hat, immer gegen eine (Liebes-)Beziehung. Aber nachdem wir das komplett durchgegangen sind und auseinandergenommen haben, habe ich gegen Ende etwas Entscheidendes gesagt: Ja aber wer sagt denn, dass eine Beziehung so auf Zwang und Pflicht sein muss. Du kannst es Dir gestalten wie Du und die Person es möchte! Du bist doch frei.

    Dann hat es natürlich noch eine Weile gedauert, aber irgendwann hat es 'Klick' gemacht und man hat sein Denken gelockert und umprogrammiert.

    Manchmal ist man einfach in so ein stures Gesellschafts-Denken gefangen, dass man es sich selbst schwer macht. Sich selbst beschränkt.


    Das kennst Du doch selber, mit Deinen Nachbarn, Deiner Erwartungshaltung gegenüber Dir selber, usw.


    Aber ich kann halt nicht sagen, JO, das bin jetzt ich bzw mein Charakter und das ist mein Platz in der Welt!

    Naja was "ist" man schon. Man ist ein Mensch und dann gibt es wie Du sagtest, einige Werte und Moralvorstellungen, die man für sich als akzeptabel deklariert hat und übernommen hat. Trotzdem gibt es individuelle "Eigenheiten" die gerade Dich ausmachen.

    Wie z.B. hier im Forum bist Du doch dafür bekannt, gern mal Deine Beiträge mehrfach zu editieren oder Dich (zumindest früher) schlecht zu machen.

    Auch, dass Du solche Themen reinbringst, denn Austausch darüber suchst - auf Deine Art - bist Du.

    Klar hätte das jemand anderes auch machen können - ist ja wie der Spruch: Es gibt kein Gedanke der noch nicht gedacht wurde.

    Aber jetzt hast Du das gemacht und es interessiert Dich. Genauso wie meine Summe an Eigenheiten in dieser Mischung mich ausmacht, ist es bei Dir genauso!

    Allein das ich "Du/Dich" und Co immer groß schreibe ist ungewöhnlich und zumindest im kleinen Rahmen, eindeutig: ich. ;-)


    Mal anders gedacht/gefragt: Was wäre denn, wenn Du Deinen Platz hättest? Wenn Du Dich klar definieren könntest?

    Wärst Du dann nicht schon auch irgendwie am "Ende" - wie Du oben sagst, wäre das dann nicht endgültig? Und irgendwie auch ziemlich unbefriedigend.

    Dann doch lieber auf der Suche sein, nach seinem Platz und seinem eigenen Individuum.

    Wer sagt überhaupt, dass es nur einen Platz gibt. :-D hier ist doch auch ein Platz.

    In Deinen Games hast Du doch auch einen Platz gefunden, genauso wie ich früher beim Jugger oder bei meinem Spiel Grepolis. Oder beim Motorradfahren. Es beschränkt doch keiner, was wir als richtigen Ort definieren, es kann ja auch ein Umfeld sein, der passt.

    Vielleicht auch nur ein kleiner Themenbereich, wie solche Gedanken, Psychologie, Politik oder bei mir: mein Buch und diese Idealwelt darin.


    Langsam beschleicht mich echt das Gefühl, das ist ne pure Illusion und wir sind alle mehr oder weniger Gefangene unserer eigenen Umstände, die zu das geführt haben, was wir gerade sind.

    Leider ist das im großen Teil wahr, zumindest sehe ich das so. Aber es ist nicht absolut.

    Die Veränderung dauert nur sehr lange und ist oft sehr schmerzhaft, was dazu führt, dass wir Menschen es vermeiden.

    Und somit künstlich in die Länge ziehen.


    Selbst wenn wir Gefangene sind, sagt das ja nichts über die Bewertung aus. Man kann sich den Rahmen seiner Gefangenschaft selbst gestalten und auch lernen, anders damit umzugehen. Bekannterweise wird doch "das Leben" so beschrieben, oder? ;-)

    Glaube daran liegt das, ich hab einfach zu viel Zeit, mir über den größten Blödsinn Gedanken zu machen. Dann mutiert man zum Couchpsychologen, der null Plan hat. :D

    Ist ja kein Blödsinn. Wenn sich keiner darüber Gedanken machen würde, dann würde es keinen Wandel geben und ich hätte hier nicht so gut mein ganzes Psycho-Wissen raushängen lassen können :P

    Das ist ne gute Definition.

    Lustigerweise ist es nicht einmal Meine. Sondern von Franz Ruppert. Ob das sein Eigener ist, weiß ich nicht.

    Es lebe die Freiheit, die Meinungsäußerung und der Respekt anderen gegenüber.


    Will man einen Menschen genauer beurteilen, so muß man die Geschichte seiner Kinder- und Jugendjahre kennen.

    - August Bebel

  • Und wie Du siehst, ist es wohl auch mein "Ding", dass ich mich nicht kurz fassen kann. :pardon::lol:

    Es lebe die Freiheit, die Meinungsäußerung und der Respekt anderen gegenüber.


    Will man einen Menschen genauer beurteilen, so muß man die Geschichte seiner Kinder- und Jugendjahre kennen.

    - August Bebel

  • Wobei es natürlich leichtere und tiefgreifendere (schwerere) Änderungen gibt.

    Weiß nicht, ob man das allgemein sagen kann, aber so eine richtige tiefgreifendere Änderung passiert oft doch dann, wenn es im Leben "richtig geknallt hat", oder? Zumindest hab ich diese Erfahrung einmal machen dürfen. Bei mir wars meine Psychose, die mein Charakter irgendwie schwerer verändert hat. Es ist halt kein Vergleich mehr zu vor der Psychose, wie ich jetzt drauf bin. Ist das bei anderen auch so (mit ner bestimmten Erfahrung)?

    Diese drastische Änderung hatte ich sonst nicht. Vielleicht als Kind -> Jugendlicher -> junger Erwachsener in der Entwicklung, aber da hab ich eh nix groß bewusst mitbekommen.

    Jetzt lernt man halt auch immer neue Dinge dazu, aber irgendwie muss ich doch zugeben, das Grundgerüst mit n paar Werten/Grundsätzen steht eigentlich doch schon. Also völlig blind vor Ahnungslosigkeit, was mein Sein betrifft, lauf ich dann doch nicht durch die Gegend. :D

    Weißt Du was ich meine? Ich glaube, ich erkläre das gerade super kompliziert. ^^

    Nö, geht eigentlich. Mit diesem Beziehungskram da bin ich eh raus. Wunder mich immer, dass die Leute sich immer so gegenseitig anketten und sich charakterlich gegenseitig anpassen. Naja, wenns Spaß macht. Aber du schreibst ja auch:

    Ja aber wer sagt denn, dass eine Beziehung so auf Zwang und Pflicht sein muss. Du kannst es Dir gestalten wie Du und die Person es möchte! Du bist doch frei.

    Richtig. Wer sagt denn oder gibt vor, wie ne Beziehung genau zu laufen hat. Aber irgendwie kopieren sich viele ihre Beziehungen, so wie sie halt irgendwie konventionell (richtig) zu sein scheint. Nö, muss nicht.

    Das kennst Du doch selber, mit Deinen Nachbarn, Deiner Erwartungshaltung gegenüber Dir selber, usw.

    Kleines banales Beispiel: man "muss" ja immer anständig grüßen. Das ist so gesellschaftlich "verankert". Aber muss man das wirklich? Stirbt jemand, wenn ich das nicht tue? Ne, wahrscheinlich gelte ich dann nur als unhöflich. Will man ja nun auch nicht. Also ich zumindest? Na was solls. Werd dann wohl weitergrüßen. :rolleyes_gif: Aber ist halt ein Beispiel, wo man sich selber das Leben gedanklich überflüssig schwermacht. Also ich zumindest mach mir da zu viel Druck. Weiß nicht, ob das bei anderen automatisch/gedankenloser abläuft?

    Mal anders gedacht/gefragt: Was wäre denn, wenn Du Deinen Platz hättest? Wenn Du Dich klar definieren könntest?

    Keine Ahnung, aber je mehr ich darüber reflektier, hab ich vielleicht schon meinen Platz, ohne dass es bisher in meinem Denken angekommen ist? Ich mein, ich kenne nette Leute, kann meine Videospiele zocken. Die Leute sind nett zu mir, ich fühl mich wohl. Klar, nicht alles ist perfekt. Aber wo gibts das schon. Aber eigentlich bin ich recht zufrieden, wenn ich drüber nachdenke. Ist das jetzt doch mein Platz? So wie es gerade ist? Wenn ich es denn so klar definieren könnte, würde sich das aber wirklich so entgültig anfühlen, als wäre man "fertig programmiert" und es gibt keine Updates mehr oder so. Schwierig.

    Sehe, das hast du danach auch geschrieben mit entgültig. Ja, das würde sich wirklich komisch anfühlen. Ich möchte offen bleiben für Erfahrungen, für Entwicklungen und den ganzen Kram.

    Und wie Du siehst, ist es wohl auch mein "Ding", dass ich mich nicht kurz fassen kann. :pardon::lol:

    Kann man sich aber gut geben.

  • Weiß nicht, ob man das allgemein sagen kann, aber so eine richtige tiefgreifendere Änderung passiert oft doch dann, wenn es im Leben "richtig geknallt hat", oder?

    Ja genau. Macht natürlich auch nicht jeder mit. Wenn man Gutes bei der Erziehung mitkriegt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man viel besser mit schwereren Schicksalsschlägen umgehen kann.


    Ist das bei anderen auch so (mit ner bestimmten Erfahrung)?

    Diese drastische Änderung hatte ich sonst nicht.

    Doch, ich denke schon.

    Als Beispiel wäre ein unerwarteter Tod/Suizid, da sagen doch die nahestehenden Hinterbliebenen auch immer, dass es ein "davor" und "danach" gibt.

    Selbst so 'einfache' Dinge wie ein Umzug von einem zum anderen Bundesland vor allem im jugendlichen Alter, bringt eine Wende mit sich.


    Es war zwar nichts Großes, aber bei mir war der Schulwechsel von der 5 zur 6 Klasse ein Punkt, wo dann das Umfeld plötzlich ganz anders war. Deutlich sexualisiert beinahe.

    Ein Wendepunkt war bei mir meine Wahrnehmungsstörung mit 15/16 Jahre. Das habe ich immer noch und für mich gibts ein ungreifbares "davor" und ein schön gefühlt ewig anwährendes "danach".

    Kleines banales Beispiel: man "muss" ja immer anständig grüßen. Das ist so gesellschaftlich "verankert". Aber muss man das wirklich? Stirbt jemand, wenn ich das nicht tue? Ne, wahrscheinlich gelte ich dann nur als unhöflich

    Witzig das du gerade das aufführst. Als Kind (3-x) habe ich nie gegrüßt. Nur wenn ich es wollte oder nur bestimmte Personen. Im Kindergarten hieß es dann immer, dass ich "keine Sprechstunde" habe. Darauf nickte ich dann und ging weg. Teilweise heute noch versteh ich nicht, warum man das ständig machen soll. Aber zumindest auf der Arbeit hat sich das so eingespielt.

    Ich denke manche Sachen (je nach Person individuell) werden irgendwann automatisiert.

    Keine Ahnung, aber je mehr ich darüber reflektier, hab ich vielleicht schon meinen Platz, ohne dass es bisher in meinem Denken angekommen ist?

    Sicher hast du schon einen Platz. Aber ich denke nicht das es nur einen gibt. Es gibt ja auch nicht nur eine Rolle. Wir spielen immer mehrere, daher gibt es auch mehrere Plätze, bei dene wir uns (hoffentlich) angekommen fühlen.


    Wobei ich immer noch glaube, dass man das nie fühlen wird, wenn man nicht in seinem Körper angekommen ist.

    Wenn ich es denn so klar definieren könnte, würde sich das aber wirklich so entgültig anfühlen, als wäre man "fertig programmiert" und es gibt keine Updates mehr oder so.

    Off topic, aber ich bin vorgestern auf eine Geschichtsidee gestoßen, wo es teilweise darum geht, dass die Menschen reine Programme sind, die per Knopfdruck umgeschrieben und wie Marionetten genutzt werden. Leider habe ich noch kein Ziel für diese Idee, daher... Bleibt es wohl nur eine Idee.


    Kann man sich aber gut geben

    Danke :blush:

    Es lebe die Freiheit, die Meinungsäußerung und der Respekt anderen gegenüber.


    Will man einen Menschen genauer beurteilen, so muß man die Geschichte seiner Kinder- und Jugendjahre kennen.

    - August Bebel