Ich persönlich war noch nie auf so einer Veranstaltung (höchstens mal zufällig dran vorbeigelaufen). Und als jemand, der sich selbst als bisexuell ansieht, fand ich es schon immer problematisch, dass da gerade diese Klischees ausgelebt werden, die man doch eigentlich aus den Köpfen der Leute rausbekommen möchte... nämlich, dass alle Schwule Tunten sind oder in Lack und Leder rumlaufen und den ganzen Tag nur an Sex denken.
Eigentlich fände ich es besser, wenn die bei einer solchen Demo ganz "normal" rumlaufen würden, damit alle sehen: "Seht her, wir sind vielleicht schwul oder lesbisch oder fühlen uns im falschen Körper, aber wir sind deshalb trotzdem ganz normale Menschen wie ihr auch."
Also ich finde die Art, wie dort demonstriert wird, jetzt nicht ganz so ideal von der Außenwirkung her. Aber ich verstehe natürlich, wie es sich historisch entwickelt hat und warum das manche für eine gute Idee halten, der ganzen Welt zu zeigen, dass sie und ihre sexuelle Orientierung da sind und dass sie sich nicht länger dafür schämen oder verstecken wollen. (also so der ursprüngliche Gedanke... heute ist das ja auch mehr so ein hedonistisches Spaß-Event wie die Loveparade früher oder der Karneval)
Ich wurde mal eingeladen von einem Bekannten, auf so einem Wagen mitzufeiern. Bin dann aber irgendwie nicht hin, weil es mir aus anderen Gründen nicht zugesagt hat.
Für mich ist es in Teilen nur eine in bestimmter Weise radikalisierte Gegenbewegung. Früher (oder in anderen Ländern) wurde/wird man fürs Schwulsein gesteinigt/verfölgt/verachtet, deshalb muss man jetzt jeden steinigen/verfolgen/verachten, der Schwulsein oder solche seltsamen Fetische nicht ganz normal findet. Ob man mit diesem Ausleben niederträchtiger Rachegelüste denselben Schwachsinn betreibt, wie seine Gegner und nur auf der anderen Seite vom Gaul runterfällt, scheint nicht zu interessieren. Das ist eine Eigenart für Gegenbewegungen, bei der deutsche besonders "gut" zu sein scheinen. Mir fällt dieses Muster immer mal wieder auf - vor allem in den Themen, die von den Leitmedien ![]()
gepusht werden.
Also ich finde die Vorstellung abstoßend, von meinem männlichen Gegenüber als sexuell attraktiv empfunden werden zu können. Wenn dann noch sexistische Andeutungen kommen, dann ist das ein klares no-go, auch wenn es einigen vielleicht als homophob verurteilt wird.
Wo es nicht in radikale Ecken geht, da scheint irgendein narrativ zu herrschen, dass man als nicht-hetero besonders hipp und bunt zu sein hat. Wenn ich dann in die leeren Augen von manchen Zeitgenossen blicke scheint das halt auch eher eine Maskerade zu sein. Das ist aber jedem sein Bier, nur sollte man Kinder da eben nicht in einer Form involvieren, wo sie dann zum unfreiwilligen Teil von Fetischen werden. Wenn man diesen Anspruch nicht nachvollziehen kann, muss man für meine Begriffe schon sehr verbohrt sein.