Die neue deutsche Anarcho-Welle

    • Offizieller Beitrag

    Hier ist es nun also, das vierte Album der Anarchonauten.

    Wie im Video schon erklärt, gibt es zwei Versionen. Die Anarchonauten-Version (welche das offizielle vierte Anarchonauten-Album darstellt) könnt ihr euch bequemerweise auch hier runterladen:

    https://mega.nz/folder/EUgy2TDL#JEsSSXbmwLex9wleVnWsJw


    Oder eben über den Link in der Videobeschreibung.

    Für die alternative Version von Totstörung (die ein paar kleinere und größere Unterschiede enthält), schaut einfach auf seiner Bandcamp-Seite vorbei.

    https://totstoerung.bandcamp.c…e-anarcho-welle-version-2

    • Offizieller Beitrag



    Hier wie gewohnt noch ein paar Infos zu den einzelnen Songs:




    Anarcho-Eurodance


    Nachdem ich zum gefühlt einhundertdreißigsten Mal unter unseren Songs einen Kommentar in der Art von „Guter Text, aber musikalisch überhaupt nicht mein Geschmack“ lesen musste, dachte ich mir, darüber könnte man ja auch mal ein Lied machen. Getreu dem Motto, nehmt uns, wie wir sind, oder lasst es bleiben und hört weiter eure Punkmusik. Hat sich dann auch irgendwie als Eröffnungs-Song für das Album angeboten.


    Deine Freiheit


    Eigentlich wollte ich mich bei diesem Song lyric-mäßig zurückhalten, weil es ursprünglich als eine Hommage an DAF gedacht war (deren Lieder ja üblicherweise sehr monoton und auch textlich recht knapp gehalten sind)

    Irgendwie kann ich aber wohl nicht aus meiner Haut, und so sind meine Lyrics dann doch wieder eher im typischen Stil verfasst worden, genau so, wie das Instrumental von Totstörung dann auch etwas mehr ausgeschmückt wurde, als es eigentlich geplant war.

    So haben wir halt jetzt eben keinen echten DAF-Song, aber dafür einen echt guten Anarchonauten-Song.


    Produzieren, konsumieren, funktionieren


    Als das Album schon fast fertig war, haben wir gemerkt, dass zu viele Songs in einem ähnlichen Rhythmus sind. Da kam es ganz gelegen, dass ich irgendwo auf meiner Festplatte noch ein altes Instrumental gefunden habe, das ein bisschen von Depeche-Mode inspiriert war… und das hat zufälligerweise auch noch perfekt zu dem Text gepasst, den ich eigentlich für einen anderen Song mal geschrieben hatte.


    Politik


    Ein typischer Anarchonauten-Song, dessen Gesang vielleicht ein bisschen an den Klassiker „S.A.A.R.T.“ vom ersten Album erinnert. Politiker finde ich von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen einfach nur widerliche Wichtigtuer, und das musste einfach mal gesagt werden.


    Nestor Machno


    War schon auf der Virus EP und kam auf Youtube ziemlich gut an, weshalb der Song auf dem Album natürlich unbedingt auch vertreten sein musste. Die leicht übersteuerten Vocals der alten Version wurden ein bisschen angepasst, damit es (hoffentlich) nicht mehr so in den Boxen scheppert beim Hören.


    Virus


    Hier der eigentlich als Bonus auf der EP gewesene Entschleunigungs-Mix, den ich aber im Nachhinein besser finde als die ursprüngliche Version. Außerdem hat es an der Stelle einfach besser gepasst, mal einen etwas ruhigeren Song zu bringen. Ist der Auftakt zur „Pandemie-Trilogie“, zu der auch noch die beiden nachfolgenden, thematisch ähnlichen Songs gehören.


    DDR


    Erfolgreichster Anarchonauten-Song bisher (und das trotz zensiertem Video.)

    Ursprünglich hab ich einen Text namens „Nordkorea-Feeling“ geschrieben, und das ganze sollte mehr so ne Reggae-Nummer werden, weil ja auch Totstörung bzw. Dub De Rippa mit von der Partie war, und das nunmal sein bevorzugtes Genre ist. Allerdings fand ich da gesangsmäßig nicht so wirklich rein, ist einfach nicht mein Stil, und da wir sowieso mehr in Richtung NDW gehen wollten bei unserer Zusammenarbeit, haben wir dann eben aus der Grundidee was ganz anderes gemacht.


    Die Zeugen Coronas


    Diesmal war es umgekehrt als bei DDR, diesmal kam das Instrumental von mir, und Tom von Totstörung hat mich bisschen beim Gesang unterstützt.

    Das Instrumental war allerdings ursprünglich für einen ganz anderen Text gedacht. Ich hatte da auch schon Probeaufnahmen gemacht, doch dann kam angeregt durch den Erfolg von DDR die Idee auf, nochmal was über Corona zu machen.

    Ich wollte erst nicht so recht nochmal so einen Text schreiben, man soll es ja auch nicht übertreiben… aber dann kam mir die Idee, das ganze diesmal etwas ironischer anzugehen, und ein bisschen lockerer und humoristischer zu verpacken, und das ist ja auch etwas, was gut zur NDW passt… etwa die frühen Sachen von Joachim Witt, „Goldener Reiter“, etc., was mich auch gesanglich ein bisschen inspiriert hat


    Verräter


    Da waren wir uns etwas uneins. Ich bestand auf meine zweite Strophe, Tom meinte, dass die unnötig sei, und wollte stattdessen lieber was über das Schweigen der Künstler und Intellektuellen zu den Corona-Maßnahmen machen. So kommt es dann, dass auf den beiden Alben zwei unterschiedliche Strophen zu finden sind.


    Die Anarchie lebt in dir


    Noch so ein Text, den ich schon länger mal machen wollte, aber nie die richtige Melodie dafür gefunden habe. Wenn einem nichts einfällt, klaut man einfach von sich selbst. In diesem Fall vom Song „Anarchonaut“ vom letzten Album. Ein paar ähnliche Harmonien sind jedenfalls nicht von der Hand zu weisen, aber egal, Dieter Bohlen hat das auch immer so gemacht.


    Der Misanthrop


    Totstörung hatte einen Instrumental-Vorschlag zu meinem Text. Ich hab versucht, dazu zu singen, aber irgendwie ging es nicht. Mein Versuch, Trio wiederzubeleben und ein bisschen auf „Da da da“ zu machen (also extrem lustloser, unterkühlter Gesang), wirkte aber wohl auch nicht überzeugend.

    Fazit: Tom hat auf seinem Album alles selber gesungen, und ich hab mir ein eigenes Instrumental geschrieben, zu dem ich besser singen konnte. Daher hier zwei komplett verschiedene Versionen inklusive unterschiedlicher dritter Strophe, die jeweils auf uns beide persönlich zurecht geschrieben wurde.


    Requiem


    Das Gedicht, das am Ende von meinem Roman „Gegenwelt“ kommt.

    Eins meiner ersten Videos auf Youtube namens „Freiheit“ bestand auch aus Zeilen dieses Gedichts, aber mit fremder, geklauter musikalischer Untermalung.

    Irgendwie fand ich es an der Zeit, das Ganze mal würdig zu vertonen… und weil man am Ende eines Albums gern eine langsame Ballade bringt, hat sich das natürlich angeboten, das zum Schluss des regulären Teils zu platzieren. Ist ja auch eine gute Schluss-Message, für den Fall, dass es kein Wiedersehen mit den Anarchonauten geben sollte.

    Auf der Totstörungs-Version des Albums kriegt ihr eine etwas abgewandelte Reggae-Version des Songs zu hören, die ich persönlich auch sehr gut finde. Aber die New Wave-Stimmung von der Anarchonauten-Version war mir dann doch lieber, weil es so schön nach 80er klingt.


    Hitler im Kopf


    „Laaaaaaangweilig… komm mir nicht schon wieder mit dem Hitler!“… war so mein erster Gedanke, als Tom mit der Idee kam, davon ne NDW-Version zu machen. Hab ihn das dann alles allein machen lassen, ich faule Sau.

    Mittlerweile finde ich es aber wirklich die beste Version des Songs, weshalb sie natürlich unbedingt mit aufs Album drauf musste. Auf Youtube gibt‘s demnächst eine leicht gekürzte Single-Version davon, die auch auf der Totstörung-Version des Album zu finden ist. Auf der Anarchonauten-Version ist hingegen das längere (eigentlich fast etwas zu lange) Original enthalten.


    Schwarz Rot Gold


    Hatten wir nun auch schon ein paar Mal, aber ist einfach ein guter Song, und weil es schon auch ein bisschen NDW-Vibe hat und schön zu unserem Titelbild passt, muss das hier unbedingt nochmal mit drauf. (auch wenn die selbe Version schon auf der Virus EP zu finden war)


    Virus (Harter Lockdown-Mix)


    Ist die Version, die ursprünglich die Haupt-Version war. Gegenüber der Virus-EP wurden noch ein paar Sounds hinzugefügt und die Vocals etwas besser abgemischt.

    Wie gesagt, ich finde die andere Version mittlerweile eigentlich besser, aber als Bonus-Track und Rausschmeißer hat das natürlich auch weiterhin seine Berechtigung.


    Und dann ist da auf der Totstörung-Version noch ein kurzer, aber witziger Track namens "Blödes Kind" als Bonus, den er ganz allein verbrochen hat.

  • Nun liegt es also vor uns, das vierte Machwerk der Anarchonauten. Knapp ein Jahrzehnt gibt es sie nun schon, die sympathischen Musikanten aus den Lautsprecherboxen. Stilistisch hat man mit den Jahren verschiedenste Gewänder umgelegt, ist sich aber am Ende immer treu geblieben. Wobei dies mehr musikalisch, als textlich zutrifft. Mit der neuen Anarcho-Welle hat man sich erstmals treiben lassen von der neuen Wutbürgerwelle, was gleich mehrfach in Liedern verwurstet wurde. Unklar bleibt, ob die Combo sich wirklich so einen großen Gefallen tut mit einem Album, das dadurch unweigerlich schlecht altern wird. Hier war die Virus-EP als aktuelle Momentaufnahme die deutlich bessere Idee.


    Die Songs im Einzelnen:


    Anarcho-Eurodance


    Der Song beginnt mit einem Chor, der Altfans unweigerlich an den Smashhit "Warum" erinnern dürfte. Überhaupt sind auf dem aktuellen Album diverse gewollte oder zufällige Anspielung auf frühere Hits enthalten. So auch im Song "Politik" und der Zeile "auf zum letzten Gefecht", was dem titelgebenden Evergreen vom ersten Album entnommen ist. Oder aber die Textzeile vom kälter werdenden Klima, die aufmerksamen Hörern ebenfalls schon in "Warum" begegnet sein dürfte.


    In "Anarcho-Eurodance" wird eine Lanze für die vermeintliche DJ-Bobo-Musik gebrochen, weil es laut Auffassung der Band eine Form der Anarchie sei, die Musik zu machen, die einem gefällt. Gleichzeitig wird nicht mit Kritik gespart bei jenen, die ihrerseits Musik mit harten Gitarren unterlegt am liebsten mögen. Hier spalten sich bereits Lager und diese Reibung scheint gewollt.

    Natürlich ist es nur folgerichtig nach drei Alben, auch das vierte im erwartbaren Stil abzuliefern. Aber ist das wirklich schon Anarchie? Ist der Dienst für das Ordnungsamt Anarchie, wenn man ihn gerne macht? Die Antwort darauf bleiben die Anarchonauten schuldig.

    Man kann in dem Song dennoch einen gelungenen Opener sehen, auch weil vermutet werden kann, dass es eine Stellungnahme gegen die Kritiker ist, welche die Band nicht so annehmen wollen, wie sie nun mal ist. Dabei sollte dem geneigten Hörer eigentlich nicht entgangen sein, dass es neben Rap-Parts immer auch schon Chorgesänge, Reggae oder klassischen Gitarrensound im Repertoire der Band gab.

    Auch aktuell wird man wieder überrascht: diesmal mit wilden Schreiorgien ihres Sängers, die der einer Punkband in nichts nachstehen. Halt mit Bummbumm-Untermalung.


    Solider Einstieg, Melodie geht ins Ohr. 7/10


    Deine Freiheit


    Klassischer gesellschaftskritischer Song. Die bekannte Hitformel der Band. Das können sie nach wie vor am besten. Eine gute Beobachtungsgabe, die sehr eingängig zu Papier gebracht und in die Tasten gehauen wurde.

    Abstrakt genug gehalten, dass sich inhaltlich irgendwie jeder darauf einigen kann. Auch musikalisch wenig weit aus dem Fenster gelehnt und bei Schusters Leisten geblieben. Manchmal ist das genau die richtige Mischung. 9/10


    Produzieren, konsumieren, funktionieren


    Ruhigere Nummer, die erst im Refrain wechselt, wenn das Konsummonster ohne Seele zu uns schreit. Danach wieder ruhiger Faktenvortrag. Emotionslos, wie bei der Verkündung der täglichen Schreckensmeldungen, die nicht selten mit jenem Produktionsgewerbe zu tun haben. Und doch wird es genauso emotionslos hingenommen. So als beträfe es sie nicht, bis dann irgendwann auch zu ihnen das Konsummonster spricht.


    Auch der Rezipient ist sich übrigens seinem Widerspruch bewusst und wertet trotzdem mit einer stabilen 9/10.


    Politik


    Die Kooperation mit frühen Super Mario-Spielen und der regionalen Zirkusband ist leider wenig gelungen, es sei denn, man möchte damit auf den Politikzirkus und seinen dort auftretenden Clowns anspielen. Auch textlich eines der schwächsten Lieder in der Schaffensphase der Anarchonauten. Hoffentlich haben sie zumindest ein paar schöne Freikarten bekommen. 2/10


    Nestor Machno


    Wie es sich für eine Anarchistenband gehört, huldigen auch sie einem geistigen Führer. Bei den Anarchonauten ist es Nestor Machno, dessen Lebensweg leider die Binsenweisheit von der nicht funktionierenden Anarchie in einem historischen Kontext bestätigt.

    Solange nicht alle mitmachen, solange wird es keinem vergönnt sein. Was vor 100 Jahren war, gilt auch heute noch.

    Dieses musikalische Denkmal sollte dennoch wertgeschätzt werden, auch weil mit russischer Folklore in durchaus passende Art und Weise experimentiert wurde. Nur das gelegentliche Vogelgezwitscher nervt. Manche Lebewesen lassen sich aber scheinbar nicht dressieren. Für mich die indirekte Kernaussage des Songs. 6/10


    Virus


    Der bekannte Erzählstil aus früheren Alben kommt in den Strophen zu tragen, der Refrain ist schlicht und wenig aufgeregt. Der Tenor des Song geht mahnend mit der Erdenbevölkerung ins Gericht. Und diese kann es nicht abstreiten, dass etwas wahres dran ist. Von den Coronasongs der definitiv Beste. Gerade weil es im Grunde weniger um Corona geht, sondern um den Virus Mensch in seinem Wirt Planet Erde. Den allermeisten Demonstranten auf den Corona-Demos wird nie die Erkenntnis kommen, dass sie selbst Teil des Problems sind. Es hat wohl seinen guten Grund, warum keiner gegen das Virus demonstriert, sondern alle nur gegen die Symptome. 8/10


    DDR


    Ich kann nicht bestreiten, dass der Song den Ist-Zustand sehr treffend beschreibt. Ganz ohne Polemik, ganz ohne Schrei-Impuls aus der Wutbürgerblase. Ganz nüchtern, erstmals auch stimmlich ohne viel Schnickschnack abgemischt. Mir gefällt das ausgesprochen gut!

    Zur Auflockerung wird es dann im Refrain noch etwas munterer, inklusive sächsischen Dialekt und DDR-Ostalgie. Ohrwurmpotenzial. 8/10


    Die Zeugen Coronas


    Polemik, Übertreibungen und ein Herunterbrechen auf einfachste Erklärungen. Der Versuch, sich bei den Dümmsten der Dummen anzubiedern. Bei mir hat es nicht funktioniert. 0/10


    Verräter


    Geschichtenerzähler Dian in seinem Element! Geschildert werden Biographien, wie sie tausendfach verlaufen, tausendfach zerbrechen und in ein millionenfachen Kollektivschicksal münden. Die Musik bleibt hinter dem Text zurück. Das ist aber gut, weil so die Geschichte mehr Raum einnimmt. Für mich eine Parabel unserer Zeit. 10/10


    Die Anarchie lebt in dir


    Ähnlich wie "Einsamkeit" vom ersten Album und "Der Abstand" vom zweiten Album, kommen die Anarchonauten auch diesmal wieder auf eines ihrer Urthemen zurück. Ein Mutmachsong für all jene, die ihn manchmal verlieren im Alltag voller Wahnsinn und Dummheit.

    Schöne Botschaft, Musik ist dabei völlig irrelevant, solange sie nicht als störend empfunden wird. Und das wird sie nicht. 10/10


    Der Misanthrop


    Die Hymne zum Scheitern. Alles vom vorherigen Song verliert plötzlich an Glaubwürdigkeit. Der Mut ist dem Missmut gewichen. Der Sänger nimmt uns mit auf seine schicksalshafte Reise, wie er wurde, was er heute ist. Mit Hilfe seiner Maschinen hat er der Menschheit trotzdem diesen soliden Song geschenkt, der in der letzten Strophe dann doch wieder etwas Mut verbreitet. 9/10


    Requiem stammt aus einer Zeit, als der Autor noch kein Misanthrop war. Der Zenit von Einfühlsamkeit und bedachter Worte. Das Originalgedicht ist sehr viele Jahre alt. Als ich es kürzlich auf Youtube noch einmal sah, kam es mir gleich wieder bekannt vor, obwohl ich es doch eigentlich ganz vergessen hatte. Aber es funktioniert immer noch. Und in Liedform sogar fast besser. So wie einen schönen Menschen nichts entstellen kann, so gilt das offenbar auch hierfür. Die Musik ersetzt die Bilder des Videos. Ich bin froh, dass diese Zeilen mit in die Gegenwart gerettet worden sind und so für etwas Ausgleich sorgen, auf diesem durchaus zwiespältigen Album.


    Ähnlich geht es mir übrigens beim Refrain. Einerseits mag ich Tom von Totstörung nicht (ist mir unsympathisch), andererseits kann ich mir weder den Schwabenrevoluzzer, noch Dians Gesang wirklich gut dazu vorstellen. So hat vielleicht alles doch seine Berechtigung und ist in diesem Fall genau die richtige Mischung.

    Am Ende wird mir der eigentlich bedächtige Song dann aber doch zu überladen und holt mich von meinem Tripp wieder runter, auf den er mich gebracht hat. Weil das aber noch mitten im Song passiert, gibt es leider Punktabzug.


    Trotzdem eine angemessene 9/10 am Ende und ein würdiger Abschluss von diesem etwas sperrigen, aber durchaus erkennbaren Album im bewährten Anarchonautenstil. Natürlich ist es wieder ganz anders als die vorherigen und das Fehlen des Schwabenrevoluzzer wird jetzt erst richtig deutlich. Nichtsdestotrotz nimmt man als Fan, was man kriegen kann und hofft, dass Requiem nicht das letzte Vermächtnis dieser zuletzt immer weiter zusammengeschrupften Band gewesen sein wird. Andererseits sollte es schon mit dem vorherigen Album für lange Zeit die letzte Lebensmeldung gewesen sein, und dann hat es gerade mal zwei Jahre gedauert, bis sie sich doch wieder zurückgemeldet haben.

    Corona ist eben doch viel besser als sein Ruf.

    • Offizieller Beitrag

    So schlecht wie erwartet ist das Album ja jetzt gar nicht weggekommen in deinem Review. Haben wir wohl doch nicht alles komplett falsch gemacht. ;)

    Dass wir uns textlich irgendwie hätten treiben lassen von dem Wutbürger-Phänomen, sehe ich aber nun wirklich nicht. Wenn wir bei denen ernsthaft andocken wollten, würde ich vermutlich noch ganz andere Texte schreiben.

    Ich mach die Texte, die ich immer machen würde in so einer Situation, und das völlig unabhängig davon, wer das sonst auch noch so sieht und wer nicht. Hättest du mir vor drei Jahren erzählt, was 2020 abgehen wird, hätte ich auch gar nicht erwartet gehabt, dass die Rechten oder irgendwelche Ü40-Wutbürger am lautesten gegen die Maßnahmen protestieren, sondern hätte das eher von der frustrierten Jugend, unpolitischen Fußball-Hooligans und den Linksradikalen erwartet. Von der AfD hätte ich in so einer Situation eher erwartet gehabt, dass sie fordern, dass man die Grenzen dicht macht und Infizierte in Lager sperrt.

    So gesehen hätten wir eigentlich jetzt auf der "richtigen" Seite stehen müssen... wenn nicht irgendwie gerade alles so verdreht und schizophren wäre auf dieser Welt. :pillepalle: