Zivilcourage

    • Zivilcourage

      Moin, ihr könnt auch folgende Beispiele überspringen und allgemein über eure Erfahrungen und/oder Ansichten über dieses Thema erzählen. Schreib da evtl auch noch was dazu. Würde mich freuen.

      Situation 1:
      Ihr seid unterwegs in einer langen Unterführung. Plötzlich begegnet ihr einer Situation, in der zwei Menschen einen wehrlosen Menschen verprügeln. Weit und breit kein anderer Mensch. Wie reagiert ihr?

      Situation 2:
      Ihr liegt an einem belebten Badesee ohne Aufpasser. Plötzlich schreit mitten im See jemand nach Hilfe, die Person droht unterzugehen. Wie reagiert ihr?

      Situation 3:
      Ihr lauft durch die Stadt und plötzlich entdeckt ihr einen an der Wand liegenden Menschen. Oberflächlich betrachtet scheint er ein Obdachloser zu sein. Er hat keine weiteren Sachen um sich. Alle gehen an ihm vorbei. Wie reagiert ihr?

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    • Eine schöne Themenauswahl. Musste deshalb schmunzeln als ich die Tags las. :)
      Das erste Beispiel ist für mich extremer und eher in größeren Städten anzutreffen.
      In den ersten beiden Fällen würde ich immer zuerst den Notruf absetzen bzw die Wasserwacht benachrichtigen, bevor ich mich selbst in Gefahr begebe. Das ist im Prinzip dasselbe Verhalten wie bei einem Verkehrsunfall, wo man zuerst die Unfallstelle absichert.
      Beim ersten Beispiel finde ich es schwierig zu sagen, ob ich einschreiten würde oder nicht. Das kann ich so nicht abschätzen.
      Beim Badeunfall würde ich auf jeden Fall hinschwimmen, sofern es kein anderer bereits tut. Auf jeden Fall muss man vorher jemanden mit der Meldung zur Wasserwacht schicken.
      Beim dritten Beispiel würde ich mich vergewissern, ob derjenige nicht nur einfach dort schlafen will oder schläft.
      Ich hatte mal erlebt wie die Rettung unbedingt einen angetrunkenen Obdachlosen mitnehmen wollte, der sich aber vehement dagegen wehrte.
      Ich finde solche "Rettungsbestien" die sich an ihrem Beruf aufgeilen schrecklich.
      Ich selbst habe solche extremen Fälle noch nicht miterlebt, außer bei einer häuslichen Gewalt, bei dem aber mehrere Notrufe zur gleichen Zeit eingingen u.die Polizei sofort zur Stelle war.
      Ich habe andererseits schon sehr viel Zivilcourage, in Form von aufmerksamen, aber höflich zurückhaltenden Fragen erleben dürfen.
    • Das mit dem Notruf absetzen ist immer eine gute Idee. Das sollte man mindestens machen. Bei Situation 1 bin ich mir auch unsicher, wenn man zahlenmäßig unterlegen ist. Ist es hier besser, wegzulaufen und den Notruf zu wählen oder die Täter direkt zu konfrontieren? Im besten Fall kriegst du auch noch eine drauf und hast den Salat. Wenn man was zur Selbstverteidigung hat (zB Pfefferspray), sind aber wenigstens die Chancen besser, da heil rauszukommen.
      Sehr mutig von dir, in Situation 2 rauszuschwimmen. Ich könnte das nicht. Es bedarf ja gewisser Kraft, einen in Panik geratenen Menschen an Land zu bringen. Eher würde ich da wohl mitabsaufen. (vllt ist es aber auch einfacher, als ich gerade denke?) Aber auch hier richtig, zumindest den Notruf anzurufen.
      Mir ist vor langer Zeit mal so was passiert als ich abends (war schon dunkel) draußen unterwegs war. Da lag jemand auf dem Gehweg. Hab dann auch geguckt, was sie da auf dem Boden macht. Schien äußerlich nicht verletzt gewesen zu sein. Ansprechbar war sie auch, aber aufstehen ging nicht. Hab dann den Notruf gerufen und sie konnte sich bis zur Ankunft des Rettungswagen zumindest mit mir auf die Bordsteinkante setzen. Dann kamen auch andere Menschen um zu gucken. Das Traurige: in der Nähe war der Eingang zu einer Bahnstation und eine Bushaltestelle, wo Menschen standen. Im Nachhinein frag ich mich, ob das niemand bemerkt hat, dass dort jemand liegt. Es brannte ja auch Licht und es war nicht stockfinster.
      Naja, ich weiß nicht, was die Dame genau hatte oder was rausgekommen ist, bin dann direkt nach der Ankunft des RTW weggegangen.
      So würde ich es im Zweifelsfall, also wenn nicht klar ist, dass eine Person nur ihr Schläfchen macht, immer machen. Und wenn es draußen kälter ist, sowieso.

      Ich würde auch eher immer einmal zu viel handeln, als gar nichts zu tun. Zweiteres macht dich im Nachhinein irre im Kopf, wenn man nicht völlig abgestumpft ist.

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    • Niemand wrote:

      Das mit dem Notruf absetzen ist immer eine gute Idee. Das sollte man mindestens machen. Bei Situation 1 bin ich mir auch unsicher, wenn man zahlenmäßig unterlegen ist. Ist es hier besser, wegzulaufen und den Notruf zu wählen oder die Täter direkt zu konfrontieren? Im besten Fall kriegst du auch noch eine drauf und hast den Salat. Wenn man was zur Selbstverteidigung hat (zB Pfefferspray), sind aber wenigstens die Chancen besser, da heil rauszukommen.
      Punkt1) Es kommt ganz auf die Situation drauf an. Die Ausgangslage ist entscheidend. Oftmals sind aber keine Menschen in der Nähe die helfen könnten, oder wollen und bis die Polizei eintrifft ist alles vorbei. Das "Opfer" ist tod oder krankenrausreif. Vielmals hilft da auch ein übertrieben selbstbewusstes auftreten. Klar kann das auch nach hinten losgehen (das ist genau das, was ZIvilicourage ausmacht - Die Bereitschaft sich selbst in Gefahr zu bringen und dafür anderen zu Helfen), aber eine kurze Aussage wie, "Verpisst euch, die Bullen sind kontaktiert und treffen jeden Moment ein" lassen wohl die meisten "Täter" erstmal überlegen, was nun zu tun ist. Wertvolle Zeit für eine Situation, in welcher Zeit meist nicht vorhanden ist. Es gibt aber auch Fälle, in welche sich einzumischen nicht ratsam ist. Mancher Streit solllte ausgetragen werden und dessen Unterbindung verhindert vielleicht einen Lernprozess.

      Punkt2) Ganz klar Notruf und dann "baden gehen"!

      Punkt3) Was soll da das Problem sein? Sehe das als keine Notffallsituation an, oder einen Fall, in welchem Zivilcourage von Nöten wäre. Wahrscheinlich gehe ich einfach weiter. Ich habe auch schon oft sinnlos irgendwo rumgelegen. Entweder Rausch ausschlafen oder Rausch noch genießen. Da kommen übereillige hilfsbereite Menschen gerade recht.
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!

      The post was edited 1 time, last by mi san thrope: Ein paar Gänsefüßchen aufgrund von Missverständnissen .... ().

    • mi san thrope wrote:

      Verpisst euch, die Bullen sind kontaktiert und treffen jeden Moment ein"
      Es muss ja nicht mal der Wahrheit entsprechen... Ich selbst würde mich sehr schwer damit tun, die 110 zu wählen, auch wenn ich damit vielleicht jemand anderem helfen würde. Aber alleine die Erwähnung der grünen Minna reicht ja vielleicht aus und vor allem, "dass sie halt gleich da sind". Zu sagen, "ich rufe sonst gleich die Polizei" ist sinnlos. Das schüchtert keinen ein. Bei solchen Fällen ist es wie wenn man einen Löwen vor sich hat. Man muss ihn einschüchtern und darf nicht weglaufen, sonst ist man gerade bei dem Löwen am Arsch. Die "Täter" schüchtert man nur ein, im Sinne dessen, dass diese von ihrem eigentlichen Vorhaben ablassen, indem man ein wenig auf die Kacke haut. Klar kann das auch schief gehen, genau wie bei dem Löwen x))
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • mi san thrope wrote:

      Vielmals hilft da auch ein übertrieben selbstbewusstes auftreten.
      Weiß nicht, ob ich das zustande kriegen würde, oder mir eher innerlich in die Hose machen würde.

      mi san thrope wrote:

      (das ist genau das, was ZIvilicourage ausmacht - Die Bereitschaft sich selbst in Gefahr zu bringen und dafür anderen zu Helfen)
      Genau, finde ich eine gute Beschreibung.

      mi san thrope wrote:

      Punkt2) Ganz klar Notruf und dann baden gehen!
      Meinst du baden gehen im Sinne von, so what, hab mein Nötigstes getan? Weiß nicht, ob ich da noch ruhig planschen könnte, wenn gerade jemand am Ersaufen war oder ist.

      mi san thrope wrote:

      Was soll da das Problem sein?
      Finde ich halt schwierig. Was ist denn, wenn du mal nicht besoffen bist wenn du irgendwo rumliegst, sondern ein medizinischer Notfall bist? Fändest du das auch gut, wenn dann alle mit dem Gedanken, dass das eh nur ein besoffener Irgendwas ist, an dir vorbeigehen würden? Deswegen finde ich ja das "im Zweifelsfall" so ok. Besser einmal zu viel, als sich dieses eine Mal getäuscht zu haben.

      The post was edited 1 time, last by Niemand ().

    • Niemand wrote:

      Weiß nicht, ob ich das zustande kriegen würde, oder mir eher innerlich in die Hose machen würde.
      Auch das ist Zivilcourage. Die Bereitschaft sich selbst in Gefahr zu bringen und sei es eine durchnässte Unterhose. x))

      Niemand wrote:

      Meinst du baden gehen im Sinne von, so what, hab mein Nötigstes getan? Weiß nicht, ob ich da noch ruhig planschen könnte, wenn gerade jemand am Ersaufen war oder ist.
      Ich meinte eigentlich dem Typen zu Hilfe zu kommen x))

      Niemand wrote:

      Finde ich halt schwierig. Was ist denn, wenn du mal nicht besoffen bist wenn du irgendwo rumliegst, sondern ein medizinischer Notfall bist? Fändest du das auch gut, wenn dann alle mit dem Gedanken, dass das eh nur ein besoffener Irgendwas ist, an dir vorbeigehen würden? Deswegen finde ich ja das "im Zweifelsfall" so ok. Besser einmal zu viel, als sich dieses eine Mal getäuscht zu haben.
      Eigentlich ist man immer im Stande seine Hilfsbedürfigkeit zu artikulieren. Wer nur so herum liegt, der hat meines Erachtens auch keine Hilfe nötig. Klaro kann es auch ein Herzinfarkt oder dergleichen sein, aber dann sieht man ja auch Entwicklung des Geschehens. Wahrscheinlich kommt es auch auf das Gesamtbild drauf an. Aber gerade das einmal zu viel ansprechen nervt halt auch insofern es jeder tut. Sicherlich, in unserer heutigen Welt ist das eigentlich ein positives Zeichen, das doch noch nicht soviele mit dem Ellenbogen handeln, aber stell dir einen Penner vor, der jeden Tag 50 mal gefragt wird, ob alles ok bei ihm ist.
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • Ja, da liegt dann da einer rum und will nur seine Ruhe und ständig wird er gefagt, ob alles in Ordnung sei. Ich kann das schon nachvollziehen, dass das irgendwann nervt. Und denke auch, dass ein wirklicher Notfall ersichtlich sein dürfte. Na ja, trotzdem werde ich auch weiterhin die Schiene fahren, und die Person nerven, nehms mir nicht übel.

      mi san thrope wrote:

      Ich meinte eigentlich dem Typen zu Hilfe zu kommen x))
      :thumbup:
      Ihr seid echt mutig. Ich hätte da wirklich Angst darum, da auch noch mit abzusaufen, weil ich das nicht packe, den zu packen und an Land zu bringen.

      mi san thrope wrote:

      Auch das ist Zivilcourage. Die Bereitschaft sich selbst in Gefahr zu bringen und sei es eine durchnässte Unterhose. x))
      Genau, man sollte sich da selbst hinten anstellen. Wobei ich dann genauso gut rausschwimmen könnte und versuchen könnte, die Person zu retten, unabhängig eigener Bedenken. Hmm...........
    • Niemand wrote:

      Ihr seid echt mutig. Ich hätte da wirklich Angst darum, da auch noch mit abzusaufen, weil ich das nicht packe, den zu packen und an Land zu bringen.
      Wenn du kein guter Schwimmer bist, solltest du es allerdings lassen. Ich kann da nur von mir selbst sprechen und würde mir das komplett zutrauen. Ein Versuch macht trotzdem klug. Aber am Ende sind 2 Menschen tod, das bringt es natürlich auch nicht.

      Niemand wrote:

      Genau, man sollte sich da selbst hinten anstellen. Wobei ich dann genauso gut rausschwimmen könnte und versuchen könnte, die Person zu retten, unabhängig eigener Bedenken. Hmm...........
      Wenn du Nichtschwimmer bist, sollten deine Bedenken gereechtfertigt sein !
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • Zivilcourage heißt nicht, sich auch noch in Gefahr zu bringen, sodass man für evtl Rettungskräfte zusätzlich eine Belastung darstellt.
      Das wird spätestens dann klar, wenn ich dazukomme, wo derart "zivilcouragierte" Leute sich bereits in einer Massenschlägerei befinden und alles unübersichtlich wird.
      Deeskalierend wirkt man in der Anfangssituation mit einem Pfefferspray auch nicht gerade.
      Das würde eher bei einem Hund, der auf einen angesetzt wird, Sinn machen.
      Mit Verhältnismäßigkeit vorzugehen und das eigene Gemüt erstmal runterzufahren, ist in jedem der Beispiele ratsam und schadensbegrenzend.