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Es gibt 131 Antworten in diesem Thema, welches 88.327 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (11. September 2026 um 00:40) ist von Dian.

  • "Sisu 2" ist erfreulicherweise mal eine gelungene Fortsetzung, die auch komplett ohne Kenntnis des ersten Teils funktioniert. Wie bereits im Vorgänger gibt es knallharte Action irgendwo zwischen "Mad Max" und "Inglorious Basterds", gepaart mit atmosphärischen Landschaftsaufnahmen und einer Portion finnischer Schrulligkeit, vor allem aufgrund des Hauptdarstellers, der den ganzen Film konsequenterweise kein einziges Wort sagt, und der so ziemlich der coolste Actionheld der letzten Jahre sein dürfte.

    Mein persönlicher Eindruck ist, dass der zweite Teil sogar noch besser ist als der erste, weil die Action noch eine Spur spektakulärer wurde, und weil ich das Hauptmotiv des Helden diesmal einfach noch passender finde, da es diesmal nicht einfach um Gold geht, das er auf die Bank bringen möchte, sondern um das Haus seiner ermordeten Familie, das er auf einen Lastwagen packt, um es über die Grenze zu bringen und woanders wieder aufzubauen. Das gibt der ganzen Handlung irgendwie auch noch eine gewisse Tragik, und der Film hält da eigentlich bis zum Schluss eine recht gute Mischung zwischen ernster Dramatik und witzigem Brutalo-Trash. Nicht zuletzt dank des genialen Hauptdarstellers, der es irgendwie schafft, gleichermaßen knallhart zu wirken und doch auch glaubwürdig Emotionen zu vermitteln und letztlich eben doch Mensch zu sein, statt so ein typischer unfehlbarer, glatter Hollywood-Actionheld.

    Wäre schön, wenn sie die Reihe noch zur Trilogie ausbauen würden. Die Vorgeschichte ist immer noch unerzählt (außer dass sie eben in den ersten beiden Filmen kurz erwähnt wude). Also entweder dann ein Prequel mit seinen Kriegserlebnissen, das vor dem ersten Teil spielt, oder meinetwegen auch noch einen normalen dritten Teil. Gerne dann diesmal auch von der Länge her noch etwas epischer. Warum geht der Film nur knapp 90 Minuten, während andere Filme (vor allem, wenn Leonardo di Caprio mitspielt), ihre Geschichte auf 3 Stunden auswalzen, obwohl sie auch nicht mehr zu erzählen haben???

    Einerseits finde ich es ja angenehm, dass sie sich kurz gefasst haben, aber gerade von Sisu würde ich mir problemlos auch eine zweieinhalb Stunden-Fassung anschauen können, gerne dann auch mit noch mehr Zeit für ein paar langsame, schwermütige Szenen zwischendurch, die aufgrund des hohen Tempos des Films leider etwas zu kurz kommen, aber die ja gerade auch viel zu diesem typisch finnischen Charakter beitragen.

  • Heilige Kuhscheiße!

    Da kommt aus dem Nichts ein Heroic Bloodshed-Film aus Indien mit einem so belanglosen Titel wie "Marco" daher, und demonstriert mal eben, wie bieder und brav im Vergleich dazu doch die John Wick-Filme sind.

    Zumindest hat der Film einige Elemente, die ihn als Heroic Bloodshed qualifizieren würden. Wir haben eine Szene mit einer Taube, coole Gangster mit Sonnenbrille und schicken Anzügen, die in Zeitlupe in eine Kirche laufen und über Loyalität und Familienehre reden, eine leicht homoerotisch anmutende Freundschaft zwischen einem übercoolen Gangster und einem blinden Parfumhersteller, und natürlich seeeehr viel Blutvergießen.

    Was dem Film fehlt, um ein richtig guter Heroic Bloodshed-Film zu sein, ist vor allem Chow Yun-Fat in der Hauptrolle, und John Woo als Regisseur.

    Die Regie-Qualität ist nämlich leider etwas inkonsistent. Gerade die erste Hälfte des Films ist doch sehr bieder inszeniert und auch nicht gerade spektakulär, eher altmodisch. Der Schnitt wirkt an manchen Stellen willkürlich und nicht besonders gut. Vor allem nervt das übertrieben stilisierte Auftreten des Hauptdarstellers... an dieser Stelle (und an ein paar grottigen CGI-Effekten) merkt man einfach noch, dass man sich einen indischen Film anschaut, wo die Uhren eben noch ein wenig anders ticken.

    ABER die zweite Hälfte macht dafür wirklich ordentlich was her, und der Film dreht dann auf einmal richtig auf. Mit Kettensägenmassaker, einer sehr gut choreographierten, epischen Kampfszene in einem Treppenhaus, die John Wicks Treppenkampf locker in den Schatten stellt, und einer äußerst brutalen Familien-Hinrichtung, inklusive Gewalt gegen Kinder, die dazu führte, dass am Anfang des Films ein Warnhinweis eingeblendet wird, dass zartbesaitete Personen diesen FIlm besser nicht anschauen sollten.

    Für echte Gorehounds ist der Film also definitiv ein Muss... für Freunde asiatischer Actionfilme, die über die eine oder andere inszenatorische Schwachstelle hinwegstehen können, sicherlich auch eine Empfehlung wert. Feingeistige Cineasten, die Wert auf ein gutes Drehbuch legen, machen hingegen besser einen großen Bogen um "Marco".

  • Heute habe ich mir den dritten Teil von Avatar angeschaut, und genau wie die beiden Vorgänger ist es ein sympathisches Sci-Fi-Abenteuer mit beeindruckenden Effekten und einer positiven, erbaulichen Message geworden. Vor allem in 3D kommt das mal wieder richtig gut... und wenn es nur einen Film gibt, für den es sich lohnt, mal in eine 3D-Vorstellung zu gehen, dann ist das zweifellos Avatar.

    Die teilweise durchwachsenen Kritiken kann ich nicht so recht nachvollziehen, denn Avatar 3 ist mindestens genauso gut wie der Vorgänger, meines Erachtens noch etwas actionreicher und vom Erzähltempo her flotter, was dem Film definitiv zu Gute kommt und dazu führt, dass einem die über 3 Stunden Laufzeit am Ende nur vorkommen wie zweieinhalb oder so. Wer also die Vorgänger mochte, bekommt hier genau das, was ihm gefällt, bzw. einfach noch etwas mehr davon.

    Und das ist dann vielleicht auch das einzige, was ich wirklich zu kritisieren habe: Es wirkt halt teilweise schon etwas wie der letzte Teil nochmal neu verfilmt. Wieder dreht es sich um die Waljäger, die diese Wal-ähnlichen Viecher abschlachten wollen, es gibt wieder die ewig gleichen Konflikte zwischen Vater und Sohn *gähn*, die Kinder werden (mal wieder) gefangen und müssen befreit werden, und am Ende gibt es eine weitere Wasserschlacht und Hilfe von Mutter Natur. Alles wirklich schön anzuschauen, und wie gesagt, der Film hat nach wie vor das Herz am rechten Fleck und erzählt eine schöne Geschichte über Toleranz, Freundschaft und Respekt der Umwelt gegenüber.

    Aber für Teil 4 sollten sie sich dann vielleicht doch auch mal etwas Neues einfallen lassen. (zwei Teile sollen ja anscheinend noch kommen.)

  • Ich hätte es ja nicht für möglich gehalten und ihn mir beinahe nicht angeschaut, weil die Zombie-Apokalypsen-Thematik ja nun so dermaßen ausgelutscht ist... aber "28 Years Later 2 - The Bone Temple" ist tatsächlich ein richtig guter Film geworden, mit einer für Zombiefilme ungewöhnlich reifen, fast schon intellektuellen Grundstimmung und einer Menge origineller Ideen, bei der auch Fans von Duran Duran und Iron Maiden auf ihre Kosten kommen. (Die Iron Maiden-Szene ist einfach nur herrlich und sollte nicht vorher schon gespoilert werden.)

    Dem Film gelingt dabei irgendwie das Kunststück, gleichzeitig sadistisch und brutal und doch humanistisch zu sein, Zombieklischees voll zu bedienen und sie doch auch gleichzeitig aufzubrechen, ein bisschen Clockwork Orange-Feeling mit reinzubringen, und einfach eine gute Story zu erzählen, die von Anfang bis Ende wie ein runder, in sich abgeschlossener Film wirkt, und nicht wie der vierte Teil einer zwanzig Jahre alten Filmreihe.

    Die Idee, dass sich die Zombies möglicherweise auch wieder in eine menschliche Richtung entwickeln können, ist interessant, aber sicher noch ausbaufähig. Da bin ich dann mal gespannt, was sie im nächsten Teil noch daraus machen werden. Jedenfalls war das mal locker der beste Film mit Zombie-Thematik seit vielen Jahren.

  • Weil ich gerade gelesen habe, "erfolgreichster deutscher Film auf Amazon Prime"... da ist mir aufgefallen, dass ich den hier ja noch gar nicht erwähnt hatte.

    Ich mag ja Kriegsfilme, insbesondere mit Zweiter Weltkriegs-Thematik. Was ich nicht mag, sind üblicherweise deutsche Filme. Aber wenn die Deutschen etwas können, dann sind das Filme, die während des Zweiten Weltkriegs bzw. im Dritten Reich spielen. Also war ich mal durchaus gespannt auf "Der Tiger".

    Er beginnt auch recht vielversprechend. Eine Weile wirkt es tatsächlich ein bisschen wie "Das Boot", nur im Panzer. Oder wie eine kostengünstige Version von "Steiner - Das Eiserne Kreuz", was noch immer einer meiner Lieblings-Kriegsfilme ist, auch wenn das kein deutscher Film war, aber es war der ultimative Zweite Weltkriegs-FIlm, der aus der Sicht von deutschen Soldaten erzählt wurde. Von daher hätte "Der Tiger" wirklich ein Film ganz nach meinem Geschmack werden können.

    Leider macht er aber dann im letzten Drittel eine sehr komische Wendung, die ich natürlich hier nicht spoilern möchte. Sagen wir so, es geht dann plötzlich stark Richtung Mystery und Horror, und das aber auf eine Weise, die so vorhersehbar ist, dass man sich denkt: "Nee, das können die ja wohl jetzt nicht ernsthaft in die Richtung weitererzählen wollen... das wäre ja viiiel zu offensichtlich und plump."

    Aber genau so passiert es dann eben, und das Ende, das eigentlich schockieren soll, ist dann keineswegs mehr überraschend, wie es vielleicht in gewissen anderen Filmen mal war, die einen ähnlichen Plot-Twist am Ende haben. Wenn man keinen dieser anderen Filme kennt, ok, dann ist man vielleicht etwas baff. Aber so? Ich hatte schon nach einer halben Stunde vermutet bzw. befürchtet, dass es darauf hinauslaufen könnte, weil die "subtilen" Hinweise, die man bekommt, einfach viel zu offensichtlich sind.

    So wirkt das halt leider ein bisschen wie ein Film, der gern ein ernsthafter Kriegsfilm sein wollte, aber wo sich die Macher dann entschieden haben, lieber eine Folge der "Twilight Zone" draus zu machen, weil man da schön viel Szenen im Nebel drehen kann und es nicht so teuer werden muss.

    Atmosphärisch kann man dem Film aber nichts vorwerfen, das geht schon stellenweise so bisschen Richtung "deutsche Version von Apokalypse Now". Hätte man sich nur den Mystery-Schmarrn gespart, der das Gesamt-Niveau irgendwie runterzieht, meiner Meinung nach, weil er einfach so wirkt wie gewollt, aber nicht gekonnt. Typisch deutsch halt.

  • Zeit für ein bisschen Kindheitserinnerungen für den einen oder anderen hier:


    Ich war eigentlich im richtigen Alter dafür damals, und natürlich war mir die Serie und das Spielzeug ein Begriff, dennoch war ich nie Fan und hab auch keins dieser Spielzeuge besessen. Auch wenn es vielleicht uncool war, hab ich zu der Zeit doch lieber mit Lego oder Playmobil meine komplett eigenen Welten erschaffen, anstatt mit solchen Actionfiguren und den begrenzten Möglichkeiten, die sie einem boten, ein vorgefertigtes Setting nachzuspielen.

    Also nein, ich bin kein Fan, und kann daher auch nur ganz objektiv auf den Film schauen. Und er wäre es eigentlich auch gar nicht wert, überhaupt darüber viele Worte zu verlieren, wenn er nicht eben (unfreiwillig) ein paar Gedanken in mir ausgelöst hätte.


    Das große Problem des Films ist einfach das Franchise selber, das man vermutlich unmöglich auf eine ernstzunehmende Weise umsetzen könnte, deshalb versucht der Film dies auch noch weniger als der Dolph Lundgren-Film von 1987. Sprich, es ist eine einzige Selbstparodie, wie es ja die meisten Marvel-Produktionen seit geraumer Zeit auch schon sind. Nichts ist mehr ernst genug, als dass man nicht gleich zehn Sekunden später irgendeinen dummen Witz machen würde. Nichts ist mehr heilig, nichts ist mehr wirklich von Bedeutung. Selbst unsere heiligsten Kindheitserinnerungen dienen nur noch als billige Witzvorlage. Willkommen in der Postmoderne.

    Dabei hat der Film durchaus seine Momente (so anderthalb vielleicht...)

    Wie der junge Prinz Adam von seinem Vater für seine Schwächlichkeit insgeheim verachtet wird, hätte Potenzial gehabt, daraus irgendetwas halbwegs ernsthaftes zu machen. Und in diesen Szenen habe ich auch wieder gefühlt, wie sehr ich eigentlich ernsthafte Fantasy immer noch mag, und wie sehr solche Filme fehlen in der heutigen Zeit.

    Die Dungeons & Dragons-Verfilmung ging ja genau in die gleiche Richtung, war nur noch eine Aneinanderreihungen von Klamauk, Actionszenen und Nerd-Humor, ohne den Charme, die Atmosphäre und das heroische Pathos, das frühere Fantasyfilme wie Excalibur, Conan oder Herr der Ringe noch hatten.

    Das ist das eine, weshalb ich diesen Film nun dennoch hier erwähnen wollte, auch wenn man ihn nun wirklich (außer als Hardcore-Fan) nicht gesehen haben muss. Dazu kommt noch so eine dezente Wokeness-Anpassung, wo ich mich frage, wieso man noch eine Tunte eingebaut hat, die im Film keinerlei Funktion erfüllt und ja wohl auch nichts mit dem Franchise zu tun hat, und wieso He-Man und Battlecat beide solche Softies geworden sind. Ist wohl auch der Zeitgeist. Naja, das fand ich jetzt aber nicht so dramatisch, da gibt es sicher schlimmeres in irgendwelchen Disney-Filmen. Dennoch dachte ich da eben: Boah, wäre das jetzt krass, wenn heute ein John Milius daherkäme und uns wie 1982 einen absolut ernsten, reaktionären Barbarenfilm bescheren würde wie damals mit Conan (wobei der ja durchaus auch seine humorvollen Elemente hatte, aber eben im richtigen Maß). Vielleicht würde es sogar ein Erfolg werden, weil sich ein solcher Film in der heutigen Zeit unglaublich frisch und rebellisch anfühlen würde.

  • Hier mal wieder was für die Martial Arts-Freunde.

    Nachdem ich einige Kritiken gelesen und gesehen habe von begeisterten Kritikern, die "The Furious" als die neue Referenz loben, wenn es um Kampfchoreografie geht, und dass der Film im Vergleich zu modernen Klassikern wie "Ong Bak" oder "The Raid" noch eine Schippe drauflegt, war ich natürlich gespannt, ob da nicht etwas übertrieben wurde. Wie will man Perfektion denn noch besser machen?

    Aber ja, nachdem ich den Film nun gesehen habe, bin ich geneigt zu sagen, dass der Hype gerechtfertigt ist.

    Ich fühlte mich ein bisschen in meine Jugend zurückversetzt, wie man da noch naiv gestaunt hat, wenn man zum ersten Mal einen Bruce Lee-Film oder "Bloodsport" gesehen hat, und man sich sicher war, gerade keine Schauspieler, sondern absolute Meister der Kampfkunst beobachtet zu haben. Und dieses Staunen empfindet man bei diesem Film wieder. Vielleicht nicht unbedingt bei jedem Schlagabtausch, aber es gibt genug originelle Szenen mit Wow-Faktor, wo man sich nur ungläubig fragt, wie die das gedreht haben, und wieviele Knochenbrüche es bei den Dreharbeiten wohl gegeben hat. Es ist einfach körperlich unglaublich intensiv, irgendwie wie einer der guten Jackie Chan-Filme, aber in düster und ultrabrutal, aber trotzdem mit einem gewissen Charme und sympathischen Darstellern. Selbst die Kinder, um deren Entführung es eigentlich geht, werden erstaunlich ernstgenommen und dürfen sogar auch ein bisschen glänzen und mit den Erwachsenen mitkämpfen. Und im großen Finale kloppen sich dann zwar nur 5 Leute miteinander, aber das wird so dermaßen zelebriert und ausgewalzt, wie man es schon sehr lange nicht mehr gesehen hat.

    Also ich würde schon auch sagen, das ist jetzt erstmal die neue Referenz in dem Bereich. Vermutlich so lang, bis sie irgendwann Teil 2 rausbringen.

  • Ich hab vor dem Film nicht wirklich viel von dem Hype um Backrooms mitbekommen. Generell gehen diese ganzen Internetphänomene immer zielstrebig an mir vorbei. vermutlich verbringe ich einfach nicht genug Lebenszeit damit, Videos anzuschauen, die mir auf irgendeiner Seite empfohlen werden.

    Anscheinend basiert das Phänomen auf einem Foto eines leerstehenden Ladengeschäfts, und irgendwelche Leute meinten dann, dass sie das unheimlich fänden, und daraufhin kam dann jemand auf die Idee, ein paar Kurzfilme darüber zu drehen, die dann bei YouTube wohl ziemlich erfolgreich gewesen sind.

    Was an dem Foto eines leerstehenden Ladengeschäfts, das gerade renoviert wird, unheimlich sein soll, erschließt sich mir nicht so ganz. (vielleicht sind manche Leute heutzutage ein bisschen über-empathisch.) Entsprechend war ich auch etwas skeptisch, ob mich der Film in irgendeiner Weise packen wird. Aber ja, ich muss schon sagen, ich fand ihn tatsächlich besser als die meisten anderen Horrorfilme der letzten Zeit. Allein schon deshalb, weil er nicht einem der üblichen Genre-Ansätze folgt, sondern sich traut, surreal zu sein, altbekannte Dinge komplett neu und sinnbefreit zusammenzusetzen, und dabei auch noch psychologischen Tiefgang zu haben... also in gewisser Weise wie ein guter Alptraum. Und das ist dann eben deutlich kreativer und auch unheimlicher, als zum hundertsten Mal Zombies, Serienkiller oder irgendwelche Poltergeister auf der Leinwand zu sehen.


    In gewisser Weise ist es aber auch Ausdruck der kulturellen Entwicklung:

    Zunächst wurde im Kino versucht, Dinge immer realistischer, blutiger und ernster darzustellen, und das Publikum damit zu schocken. Irgendwann hatte man dann alles durch, von Zombies über maskentragende Killer bis zu Werwölfen und Vampiren. Dann setzte irgendwann diese mediale Übersättigung ein, die dazu führte, dass Horrorfilme lustige Teenager-Unterhaltung wurden, und sich Filme wie Scream und Co nur noch selbst parodierten, weil man die medienerfahrenen Zuschauer eh nicht mehr schocken konnte.

    Und inzwischen ist auch dieser Markt hoffnungslos übersättigt. Da ist ein Film wie "Backrooms" dann meines Erachtens der richtige Ansatz, ganz unabhängig davon, ob man mit dem Hype nun was anfangen kann oder nicht. Statt Klischees zu verarbeiten, sich einfach mal getrauen, absurd zu sein. Statt der Genre-Logik lieber einmal der Logik eines Alptraums folgen. Und statt dämliche Klischeeteenager lieber mal erwachsene Menschen und deren Traumatas in den Mittelpunkt stellen. Die menschliche Psyche ist sowieso unheimlicher als jeder Dämon.

  • Tatsächlich habe ich das Backrooms Phänomen relativ früh mitgekriegt und auch einigermaßen verfolgt. Es ist zur Abwechslung mal ein Trend, der nicht nur aus Oberflächlichkeit und Konsum besteht, sondern auch zum Nachdenken und zur Kreativität anregt. Ich bin nicht so der klassische Horrorfan, aber das hier setzt weniger auf explizite, klar zu bennenende Angst, als auf eine Reihe subtilerer Emotionen, die bei mir auf Resonanz stießen. Wenn Räume, die normalerweise voller Menschen sind und in denen man seine Tätigkeiten verrichtet, ohne über sie nachzudenken, plötzlich leer sind, wird man sich der Vergänglichkeit gewahr. Die altmodische Einrichtung und die analoge Bildqualität lösen nostalgische Gefühle aus und anders als von Zombies verfolgt zu werden, ist das Irren durch menschenleere Flure oder der Anblick eines vertrauten Raumes, der bei einer Renovierung leer und fremd ist, ein Gefühl, das viele aus eigener Erfahrung kennen. Außerdem erinnert es an Träume, in denen auch oft unlogische Räume vorkommen und Emotionen sehr intensiv sein können. Insgesamt bewirkt das ein beklemmendes Gefühl, dass man zurückgelassen und vergessen wird, ein Gemisch aus diffusen Ängsten und Traurigkeit.


    Das spricht mich wahrscheinlich an, weil ich ohnehin zur Schwermut neige, viel alleine bin und über Vergänglichkeit nachdenke. Außerdem sind endlose Labyrinthe und Retroästhetik Dinge, denen ich etwas abgewinnen kann. Ich mag es, in großen Gebäuden herumzuschleichen und auf Dinge zu achten, an denen andere vorbeigehen, z.B. der Stromkasten in der Ecke oder die Luftschächte an der Decke. Meine Träume sind voll von atmosphärischen Orten. Dass die Youtubevideos von einer Einzelperson mit Blender gemacht wurden, ist ein zusätzlicher Anknüpfungspunkt für mich als Kreativer.


    Noch ein Bericht aus eigener Erfahrung: Als Kind war ich mal in einem Laden, da gab es ein Bällebad in einem abgetrennten Raum. Ich bin da arglos reingerutscht, dann hockte ich da in den Bällen und habe mich umgeschaut. Dort gab es auch nur kahle, gelbe Wände, kränkliche Neonbeleuchtung und ein undefinierbares Rauschen oder Summen. Da fühlte ich mich gar nicht wohl.