Ich habe in letzter Zeit wieder ein bisschen gelesen und habe das Bedürfnis meine Gedanken dazu weiter zugeben. In diesem Post soll es erstmal nur um die Sachbücher gehen:
1) Das erste Buch ist Welt im Lockdown von Adam Tooze. Ich denke aber man sollte sich vom Titel dazu verleiten bzw. abschrecken lassen, das es Primär ein Buch über Coronavirus ist. Eigentlich sollte man das eher sehen als eine historische Analyse der Welt im Jahr 2020. Einerseits wird beschrieben wie die Verschiedenen Wirtschaften mit der Coronapandemie umgehen, was das für die welt heißt wenn einfach mal so innerhalb ein paar Monate das BIP um 20% fällt. Was die Staaten machen um diese darauffolgenden Probleme zulösen und wie deren Reaktion sich von der Finanzkrise 2008 unterscheiden. Aber auch Weltpolitisch wird analysiert, wie sich die großen Kräfteverhältnisse zwischen Europa, Amerika und China ändern.
Auch die Rolle der Zentralbanken wird dort sehr gut Erklärt und wie die eine neue Finanzkrise im Jahr 2020 im Zuge des ersten Lockdowns abgewendet haben. Wie sich die Rolle der Zentralbanken verändert hat und warum. Aber auch wie die kleineren Wirtschaften, wie Entwicklungsländer, mit den ganzen Lockdowns umgegangen sind, was für Techniken sie entwickelt haben um in Zeiten der Großmächte nicht unterzugehen.
Also im großen und ganzen wird dort ziemlich gut der Status Quo der Weltwirtschaft im Jahr 2020 herausgearbeitet.
Eine sehr Interessante Idee aus dem Buch fand ich das Zitat "anything we can actually do we can afford" von Keynes. Einerseits im Positiven das dieses ganze Finanzzeugs im Prinzip nur eine technische Frage ist und eigentlich nur tatsächlich die reale Wirtschaftsleistung relevant ist. Also solange man die Ressourcen für etwas hat, kann der Staat das auch Finanzieren. Andererseits kann man das auch eher in einen negativen Licht sehen, da viele staaten unter anderem auch Deutschland bzw. die EU diesem Anspruch, der aus dieser Betrachtungsweise resultiert, nicht im Ansatz gerecht werden.
Hier gibt es ein Interview von Adam Tooze zu diesem Buch:
2) Ich habe außerdem noch mal ein paar teile aus Foucaults Überwachen und Strafen gelesen. Was ich so oder so sehr Empfehlen kann. Vor allem die Rolle der Kriminellen, im Buch auch Querulanten genannt, als eine Klasse Chaotischer Unruhe Stifter, die ein ein bisschen eine abschreckende Rolle eines Abschreckendes Beispiel einnehmen, fand ich Interessant. Vor allem im Bezug auf Soziale Bewegungen wie Gewerkschaften, wo ganz Bewusst die grenzen zwischen Kriminalität und Gewerkschaft verwischt werden, um diese Bewegungen zu zerstören. Damit soll so ein bisschen die Frage gelöst werden warum der Staat und die Gefängnisse dem eigenen Anspruch der resozialisieren so offensichtlich nicht gerecht werden, da die Rückfälligkeitsrate unter Straftätern so hoch ist. Oder auch die unterschiedliche Behandlung von straftätern abhängig von der Sozialen schicht. Ein gutes Beispiel dafür ist Pinochet der nur Hausarest hatte und keine Beschränkungen im Bezug auf die Besucherzahl hatte.
Was ich ganz grundsätzlich an Foucault so mag ist das herausarbeiten von Ideen und wie sie sich im Laufe der Zeit verändern. In Überwachen und Strafen ganz grundsätzlich die Entwicklung der Justizsystem und das aufkommen des Prinzips der Disziplinierung. Vor allem heutzutage ist der Mythos der Natürlichkeit des Status Quo weit Verbreitet. Also das der Kapitalismus einfach das natürliche System für den Menschen ist, da ja schon immer gehandelt wurde und jegliche Abweichung davon unnatürlich ist und damit nur Unglück bringt. Da finde ich es immer ein sehr Emanzipierenden Gedanken, wenn jemand herausarbeitet wie das momentane Weltbild sich im Laufe der Zeit entwickelt hat, wie es mal anders war, warum sich diese Entwicklungen durchgesetzt haben und welche Interessen sie genützt haben. Also im Prinzip zeigt Foucault das es eine Geschichte gibt (Es war mal anders und es kann in Zukunft auch mal anders sein).
3) Antitrust von Amy Klobuchar. Das ist Wahrscheinlich das trockenste Buch von denen die die ich hier aufliste. Wie der Name schon sagt geht es in dem Buch um Kartellrecht und vor allem wird sich dort auf die USA konzentriert. Es ist einerseits eine Geschichtliche Einführung wie sich Bewegungen gegen Monopole geformt haben, wie Teilweise die Amerikanische Bevölkerung von Monopolen unterdrückt wurde (Standard Oil) aber wie sich dann auch erfolgreich gegen diese Tyrannei gewehrt wurde, in dem Standard Oil zum Beispiel zerschlagen wurde oder aber auch Vereinigungen von großen Unternehmen verhindert wurde. Es werden da auch die großen Probleme einer Monopolisierung angesprochen (drückung der Löhne, Preissteigerungen usw.) Im zweiten Teil geht es dann um die Gegenwart, da das Kartelrecht was am Anfang des 20 Jahrhundert in den USA noch ziemlich erfolgreich gewirkt hat nun immer weiter ausgehöhlt wurde weshalb wir jetzt solche Riesen wie Amazon Google und Facebook haben. Aber nicht nur die. Auch in Deutschland sieht man das Problem der Monopolisierung zum Beispiel im Bezug auf große Wohnungskonzere wie Deutsche Wohnen oder die LEG. Im zweiten Teil gibt es auch noch ziemlich viele konkrete Vorschläge für Verbesserungen. Manche beziehen sich zwar Primär auf die USA aber auch viele kann man gut auf Deutschland oder die EU übertragen.
Ich denke so oder so Monopolisierung ist grad eine der Großen Probleme. Es ist auch einfach ein ganz grundsätzliches Macht Problem. So eine Große Firma hat nicht das Wohlergehen der Gesellschaft im Interesse und wenn ein paar weniger Konzerne so viel Macht besitzen dann werden sie die auch nutzen und oft zum leidtragen von uns allen.
4) Der Begriff des Politischen von Karl Schmitt. Auf jeden Fall ein sehr Interessantes Buch und was auch relativ Kurz ist, also man kann es gut lesen. Die Hauptidee ist, dass genau so wie Moral, Sachen in gut und böse einteilt, Ästhetik, Sachen in Schön und Hässlich einteil die Politik, Sachen in Freund und Feind einteilt. Was man dazu noch sagen sollte ist das ein Feind oder ein Freund nicht unbedingt Hässlich oder Schon, Gut oder Böse sein muss, sondern dass das tatsächlich eine unabhängige Kategorie ist. Das was der Feind nur ausmacht ist eine Existenzielle Bedrohung zu sein. Ich denke man merkt schon dass Karl Schmitt ein eher Autoritärer Denker gewesen war und in der tat war er auch ein Nazi Sympathisant zur Zeit der Nazis. Nichts desto trotz finde ich seine Ideen sehr Interessant und ich kann jedem Empfehlen sich diesen Text auch mal durch zu lesen, da der auch nicht wirklich lang ist.
Und ich würde zwar auch sagen das dieser Begriff zwar durch aus nicht vollständig ist, trotzdem denke ich man kann das zumindest als Erklärungsmodell einigen von Politischen Entscheidungen nutzen, zum Beispiel wofür braucht die USA so ein großes Millitär. Das sieht man unter anderem auch dadurch das Karl Schmitt in China zum Beispiel hoch im Kurs ist. Auch die Kritik des Liberalismus von Karl Schmitt ist denke ich auch sehr Interessant (was auch die Popularität von Karl Schmitt in China erklärt).